Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 7.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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I* derselben Zeit alle christlichen und europäischen Völkerschaften in die tief« Nacht deS finstersten BarbariSmoS xrsuuken «arm? Wie nun, wie wissenschaftlich erhärtet werden kann, daß die Juden die Vermittler gewesen, die damals die Cultur der Maurm und Araber zu den europäischen Christen getragen? ' Wie, nenn der Beweis erbracht werden kann, »aß z. B. die Scholastiker den Aristoteles nur aus einer Uebersetzung kannten, die der Jude MaimonideS aus dem Arabischen ins Lateinische äbertragen hatte*)? Wie dann? Was bleibt dann also noch »an dem Dogma übrig, daß Christenthum und Cultur gleichbedeutend wäre? — Es kann und soll hier durchaus nicht geläugnet werdm, daß das Christenthum ein nuächtiger Hebel der Cultur gewesen, daß es die ihm zugefallene Aufgabe, die Tultur der Völker weit hinzuttagen, treu und redlich erfüllt Hab«. Nur überschätzt soll dieser sein Theil nicht werden; und soll ein einzelner Factor der Cultur nicht zum Product erhoben werden. Man kann wohl sagen, das Christeuthum Hab« die von ihm Vorgefundene Cultur in sich aufgesogen, nach Möglichkeit verbreittt und unter möglichst günstigen Bedingungen so weit getragen, als es seine Fahne aufgi pflanzt; nicht aber, daß Christenthum und Cultur zwei sich deckende Begriffe wären. DaS Christenthum ist eben nur ein Factor der Cultur, wie das Zudenthum auch, wie der MohammedaniSmuS ebenfalls. Oder mit andern Worten: Nicht das einzelne Glaubensbekenntniß im Besonder», sondern die monotheistische Religion im Allgemeinen ist Träger und Vermittler, ist mit einem Worte, selbst ein Zweig der Cultur, der an, Sinai seine Wurzeln hat. — Berichte und Correspondenzen. » Deutschland. II. 'Stettin, 3 l. Januar. (Orig.-Correfp.). Es bestätigt stch, daß 0r. Isr. Levy aus Znowraclaw, gegenwürttg in Krotoschin wohnhaft, ein noch junger, aber als Talmudift rühmlich bekannter Mann, als Lehrer an die „Hochschule" berufen ist und den Ruf angenommen hat. vr. Levy gehört der orhodoxen Richtung an, er ist ein Hörer des Breslauer Seminars gewesen. Äußer ihm und vr. Geiger (und vr. Cteinthal [?]) wird vr. Cassel lehren, vielleicht auch vr. Berliner. Eine seltsame Zusammenstellung! wird jeder denken; ak,r einestheilS soll ja jeder Lehrer selbstständig und von dem andern unbeirrt wirken können, anderntheils würde vr. Geiger, wenn «S ein« mal auf eine Abstimmung in diesem Lehrer-Collegium ankäme, In der entschiedensten Minorität stehen, natürlich meint ich die Fragen, die die religiöse Richtung betteffen. — Die Erneuerung d«S Vorstandes deS Beth-hamtdrafch ist noch nicht zu Stande gckommen, die Einzelheiten würden mich auf das Gebiet der Persönlichkeiten führen müssen, welches ich gern vermeide. Das alt« Statut ist ein große« Hinderniß; obgleich einfach und an .sich trefflich, hat es doch die heuttgen Gemeindezustänt» nicht voran« sehen können — es nahm als selbstverständlich an, daß jede« wahlberechttgte Mitglied deS Beth-hamidrasch echt religiöse« Interesse an Talmud Tora habe und religiös lebe! — Leider ist eine Abänderung deS Statuts fast unmöglich. # 9*e»tat, 29. Januar. (Orig. - Corresp.) Gestern beging da» jüdisch-theologische Seminar am G«t>ächlnlßtagt sein«» Stifter«, des Commercienrathe« Jona« Frtnkel in üblicher Weife die achtzehnte Jahresfeier feines Beste Herr Director vr. Frankel wirS in der Entlaffungsrede daß sich di« Lehre des IudenthumS wede: mit der moderne» fenschaft*) noch mit den Landesgesetzen in Widerspruch bei Ihre historische Entwickelung ist vielmehr derarttg gen daß sie die meisten Resultate, welche stch der Wiffenschafi in unfern Tagen ergeben haben, bereits vor Iahrhund erzielt hat. So ist z. B. die Todesstrafe, über deren schaffung in den letzten Jahrzehnten so vieles Material und contra vorgebracht worden ist, durch die talmul RechtStheorie schon in den ersten nachchristlichenJahrhündrrtei so gemildert worden, daß ein Todesurtheil beinahe zur Möglichkeit geworden ist. Nicht anders verhält eS sich der jüdischen Auffassung der Ehe, deren Schwerpunkt auch dem jetzt geltenden bürgerlichen Gesetz, ebensosehr in ihr innewohnende» sittlichen Moment, als in dem mit ihr bundenen Civilact zu finden ist. Judenthum und mol Wissenschaften stehen daher in vollem Einklänge, und haben die Ergebnisse der Letzteren durchaus nicht zu fürct — Wie alljährlich, verkündete der Director am Schluß sc Anrede das Urtheil über die Arbeiten, die zur Erlangung Lehmann'schen Prämienpreises eingelaufen waren. In di Jahre war folgende Preisaufgabe gestellt worden: „System Berechnung des jetzt bestehenden constanten jüdischen Kalen! mit Berücksichtigung seine: historischen Entwickelung. Es w zwei Arbeiten eingelaufen. Die eine derselben, als deren k fasser sich bei Eröffnung des beigelegten versiegelten 3*y Herr vr. Schwarz ergab, gewann besonders „wegen Eruivganz neuer Resultate" den Breis, während der andern/ Herrn vr. Sigmund Flaschner zum Verfasser hat, da8 Ac 1 zuerkannt wurde. Herrn vr Schwarz ist übrigens vor Jahren auch von der philosophischen Facultät der hiess Universität für die treffliche Lösung der von derselben gestec Preisaufgabe der Preis zuertheilt worden. — Da« Zeu,i der Reife erhielten die Herren vvr. A. Stier aus Neu!.' a. d. Waag, W. Lesser aus Kolberg, A. Wedel! aus Pc W. Landsberg aus Loslau O.-S. Herr vr. Leffer hielt Namen seiner College» die Abschiedsrede, und schilderte in $ selben daö Leben und die Lehrthätigkeit des Tanaiten R. I. ben Channanjah. Er gab eine reiche und gediegene Ausi'f auS den vielen Charakterschilderungen und Anekdoten, die hi über den berühmten Schüler deS R. Jochanan b. SaccaiSl Talmud und Midrasch aufbewahrt sind, und stellte ihn^ als den Mann, der frei ron fanatischem Eifer im öffentE' Leben eben so wohl als auf dem Gebiete der Wissenschaft rechte Miite innezuhalten verstand und eben deswegen cht bedeutenden Einfluß auf die Festsetzung und Entwickelung |0' Halacha gewonnen hat. In diesem Geiste, im Sinne der M." zu wirken, so beendete der Redner diese Darstellung, sei f seine und seiner College» ernste Absicht und Aufgabe. Gestattm Cie mir schließlich noch einige statistische-rc> merkungen hinzuzufügen. DaS Seminar wird ^»nwärttgt a 44 Hörern besucht. Dem Vaterland« nach sind 17 Prell- 2 aus Baden, 1 aus Heffen-Darmstadt, 20 aus ÖHm; 4 2 auS Polen, 1 aus Rußland und 1 au> Amerika. Sech^— derselben haben die philosophische Doctorwürd« erlangt, ntun^ besuchen die Universität und die übrigen di« Gymnastatzv' thetlungen d«S Seminar«. (Dem diesjährigen Programm« geht eine Kbfyntfoudi *) Dem Herrn Verfasser find i» die««« »atz« ofeu Mgc •M in der , 1 D. h. natürlich mit de« Seifi» der Forschung; nicht «fc*