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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nnnev, und in der Thal höre ich, daß ein kleiner Bursche «n 1b Iahrsn dort 1b di» 20 Rubel monatlich verdient. ' Einer dieser Lehrlinge, in der That ein starker tüchtiger Mensch, -Tischler von Professton, hat während sein Meister den deusschfranzöfischen Krieg als ^andwehrmann mitniachte, ganz allein 'iit nöthigen Arbeiten besorgt und das Geschäft aufrecht erhalten. Alle diese Lehrlinge, achtzehn an der Zahl, welche gegenwärtig noch hier am Platze sind, werden, wenn ihre Lehrzeit heendet ist, wieder nach Rußland zuriickkehren und . de^Segen, welcher allein von dieser kleiner! Ainahl sich über die Miteinwohner ihrer Ortschaften verbreiten wird, ist nicht zu ermessen. Möchte der Allgütige mir die K raft und die Mittel dazu verleihen; (Hunderte und daS mit einemmale) wollte ich noch zu tüchtigen Handwerkern, würdigen Menschen, getreuen Glaubensanhängern heranbilden resp. herc nbilden lassen. Stuttgart, 16. Januar. Die Sitzung der Kammer der Standesherren (Herrenhaus) bot gesteim ein ganz besondere- Interesse; es handelt sich nämlich um dir von der anderen Kammer dem Gesetzentwürfe angehüngte Bitte an die Regierung: „zur gesetzlichen Einkührung dis Grundsatzes, daß die Religionsverschiedenheit zwischen Christen und Nichtchristen kein bürgerliches Ehehinderniß bilden soll, die geeignete Einleitung zu treffen." (Vgl. Nr. 30 v. I.) Cs entspann sich «ine längere sehr interestante Debatte. Die Mehrheit, hauptsächlich vertreten durch Staatsminister v. Linden, Staatsminister v. Geßler und Obertribunalrath v. Holzschuher, welchen sich auch Fürst v. Hohenlohe-Langenberg anschloß, erklärte die Gestattung der Ehe zwischen Christen und Israeliten (denn um diese handelt es sich fast doch nur allein) alseine natürliche Consequenz der Gleichstellung aller Glaub'nsbekenntnisse und der Aufhebung jedes GewiffenSzwanges. Sit würde in dem Verbot eine Beeintrüchttgung der Gewissensfreiheit erblicken, die durch nichts zu rechtfertigen wäre. Erfüllen doch die Israeliten mit den Christen alle Pflichten gegen den Staat, kämpften und bluteten im Kriege mit den Christin, und sollten dann von der Ehe mit den Christen ausgeschlossen sein. Das müßten sie als ein von ihnen geübtes Unrecht empfinden. Die Minderheit wendet dagegen ein., daß die sittliche Würde der Ehe zwischen in dem Religionsbckenntniß so sehr verschiedenen Ehegatten nothivendig verloren gehen muffe und gar nicht möglich sei, daß eben dadurch die Kindererziehung nothleiden müsse, solche Ehen also verderblich für din Staat seien. Die Gegner bestritten dies, und legten auch darauf Gewicht, daß dadurch, daß man, um diese Ehe zu ennöglichen, den einen Theil zum Religionswechsel zwinge, die Heuchelei befördert werde, was auch nicht zum Heil des Staates gereiche. Bei der Abstimmung wurde der Beitritt zum Beschluß des anderen Hauses die Ehe zwischen Christen und Juden zu gestatten, abgelehnt. (A. A. Z.) Oesterreich. Mie», 30. Januar. (Orig. - Correip.). Diese Woche bot die jüdische Gemeinde wieder einmal reichen Unterhaltungsstoff. In den Kaffö's begegnete man sich mit den verschiedensten Fragen über die „Reformbeschlüffe." An Antworten fehlte es auch nicht und zwar konnte man die widersprechendsten hören. Ich werde mich bemühen, Ihnen das Thatsichliihe mitzuhetlen. Wie Sie wissen, hatte der hiesige Borstän!» im vorigen Jahre die Streichung aller Stellen des Gebetbuch«» beschlossen, welche sich auf Jerusalem, dm Messt«» und die Opfer l «zögen. Dachte mau Vielleicht bei Fassung diese» Beschlusses an die Etnführimg eines eigenen, nach diese« Prinzip« zusammmgesetzten S so hatte v:an nachträglich diesen Gedanken von selber lassen und war in Folge der Opposition übereingest die ganze Reform dabei bewenden zu.laflm, daß der die ersten drei Bmedicttonm der Schmone-Esre laut t daß dann stilles Gebet folg« bis zu Ende. Einige Modifikationen waren theilS irrelevant, theils nur Wi den Cantor, welche, wenn fie nicht hn die große Gl kommen wären, kaurir Aufsehen erregt hätten, wie bei ganze Einrichtung nur von dem Gesichtspunkte der rin faßten prinzipiellen Beschlüsse aus, Bedeutung erhiel vr. Güdemann hat nun seiner Zeit,, wie ich höre, je tatio» der Schmon-Esre wohl vom Gesichtspunkte der S des Gottesdienstes cvncedirt, nicht aber als eine S oder Aufhebung prinzipieller, im Gebete zum Ausbr mender Ideen. Inzwischen faßte der Vorstand a> Sonntage den Beschluß, die Benebiction „Samchenu" i> zu streichen und die oben angegebene Recitation der Esre auch auf die Wochentage auszudftnen. Mit dies Beschlüssen war der Borstand über die Einverstindli vr. Güdemann hinausgegangen uni, letzterer reicht« mit Rücksicht insbesondere auf den messianischen I erwähnten Benediction, dann auch «it dem Hinwei. Wochentagen eine Kürzung kein Bedürfniß sei, seine T'« ein. Herr Kuranda handelte sehr geschickt, indem r Mission, die übrigens stadtbekannt geworden war, stände nicht osficiell zur Kenntniß brachte, denselbei Revision der bereits gefaßten Beschlüsse unter der ft „zweiten Lesung" bewog. Das Rfsultat dieser " war, daß man einstimmig die Benckhction „Samchei, herstellte, weil sie etwas Prinripielles-enthalte, die 2, der vorerwähnten Rezitation der Schmone-Esre au^ tage aber beließ, da dies nur etwlis Formales« Gleichmäßigkeit diesen Vorgang erfordere. $err'1,f hierauf feine Demission mit der Erklärung zurü ^,. daß er sich zwar nach wie vor mit dem in Bezij Wochengottesdienst beliebten Verfahren nicht einvez, klären könne, daß er aber die Aufhebung des 4* Betreff der mehrerwiihmen Benedictiop anerkennt sondere durch sein Ausscheiden nicht ifi den Ver«,,.« wolle, Lostrennung-ibestrcbungen begünstigt jii V1 wurden nämlich von der orthodoxen Partei 'n. heftigen Rede des R. Ass. Spitzer und der von 1 reichten — auch sofort angenommenen - DemiA ins Werk gesetzt. Dies Verfahren ist zu bedai^tz »so wmiger zur Belebung des Konservatismus.»bei die — zufällige, oder absichtliche — 'Anwesenheit der Schomre-hadath-Partei die Sa«he Iwie etwast^ erscheinen läßt. Indessen ist noch dieHosfnung liches Beisammenbleiben nicht aufzuge ien. Wüttz j erfolgen? s>. würde dafür die Aenderung im Gott,rei doch zu theuer erkauft sein, zumal die letztere Pinn einer prinzipiellen jetzt um so mehr w rlor« n §alPtn" stand selbst dieselbe ohne Bezug auf hie vorjähf^^ sondern nur unter dem Titel von „ModificatioiÄj einiger Gebetstücke durch den Cantor — welches ' { standc in seiner Sitzung am 28. Januar 1b wirrdrn" den Gemeindemitgliedern kundgemacht i*-' jahrstage und der BersihnungStag find von G muugm ausgenommen, nur daß statt rrmp Kapitel gelesen wird.' _•

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