Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 6.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Naladung zu {rinrot dromLchstigeu Balle gesetzt «erden £ Unter den Karten fand sich auch die einebürgerlichen nerS in einem der Berliner Garde-Regimenter. Herr B. te rin langes Gesicht, als er einen Namen las, vor dem „Graf" oder „Freiherr"', nicht einmal „von" stand, einen m, der blos Name war, gerade wie der seinige. ES nichts, daß Herr v. 8h. den Betreffenden als einen sehr swürdigen Menschen und gewandten Tänzer schilderte, len wir ihn lieber nicht einladen", war die Antwort des rlichen Bankiers. „Ich will Ihnen sagen, wir müffen >aS bürgerliche Element möglichst vom Halse halten." Officiereorps des betreffenden Regimentes nahm diese -ung sehr ernst auf, es sah darin eine Beleidigung, ini dabei an der Austastung festhielt, daß einem Officiergegenüber weder von adeligem noch bürgerlichem Element che sein könne, der Officier sei eben Osficier. In Folge verbot der Kommandeur seinen Officieren, das Haus rrn B. wieder zu besuchen. Wir würden, bemerkt die Ztg", diese im neunzehnten Jahrhundert befremdliche ing gar nicht antttehmen, wenn nicht die „Kreuzzeitung" m ähnlichen Vorgang hingedeutet hätte." (Die Thateint an sich richtig zu fein. Sie ist hier mit dem Zurhlt worden, daß noch andere hohe Personen in Folge vischenfalles nicht bei B. erschienen seien, ja, daß eine »edacht gewesene „Adelung" eben deshalb nicht vollzogen sei. Ueber die nähern Umstände, den Kern der Sache, jedoch hier eine andere Version. Nicht B., sondern Rath Gezogene, soll gemeint haben, „lasten wir die hen weg." Welche Version wahrscheinlicher klinge, e Leser selbst prüfen. Red. der isr. Wochenschrift). **.»» Liuterpommer«, 18. Januar (Orig.-Eorresp.) Juden sind nun wieder um ein Epitheton reicher, lieb« Provinz Pommern hat das zweifelhafte Berxr Namengebung die Pathenstelle bekleidet zu haben, n nun nicht nur „Geldjuden", „Reformjuden", r", sondern erfreuen uns auch der „Holzjuden", le äietu! die Verheere! der deustchen Wälder, die $ ländlichen Wohlstandes, kurz die Landplage scheu Krautjunker sind. So steht es geschrieben t aus Hinterpommern an das hohe Abgeordnetenngenen Petitton, die ich in drin beikommenden ochenblatte" Ihnen schon wegen ihres Mcisteryles zur Durchsicht empfehle. Was jene alleri, hochgeborenen und hochgebildeten hinterpommerintra muros von uns denken und sprechen, kann leichgültig sein. Nach ihren Intentionen müßten e Holzjuden aus den Wäldern" sondern die Juden de vertrieben werden. Aber in einer öffentlichen ttnen gesetzgebenden Körper in der heuttgen Zeit n" in jener gemeinen Weise zu denuncirrn, das Bornirthtit, das ist eine Dummdreistigkeit, die ntliche Rüge nicht hinnehmen dürfen. In dem alblatte erschien folgendes „Eingesandt": rren Petenten aus Hinterpommern werden , sich über dm in ihrer Petttton an das Abs wiederholt gebrauchten Ausdruck holzjuden" trat. Ob es in Hinterpommern mehr jüdische istliche Holzhändler giebt, überlasten wir, zumal Fingem abzählen läßt, getrost der Bmrtheilung theilsfreien Mitbürger ohne Unterschied der m htnterpommerschm Petenten aber leg« wir die Frage vor: Wmn nach täglicher Wahrnchmung in unser« Eegendm selten rin Jude sich dem Trünke ergiebt, wenn nach statistischer Rachweisung noch wett seltener ein Jude sich de» Mordeschuldig macht, welche- Epitheton müßte demnach, analog jener unliebsamen confessionellen Bezeichnung, den meiste» Säufern und Mördern beigelegt werden? Man leistet weder der Religion noch der guten Sache durch Schimpf und schimpfliche Mittel Vorschub. War es aber den hinterpommerschea Petenten blos um das „Hep, Hep" zu thun, dann hätten sie ihr Schriftstück mr den niedrigen Pöbel, nicht aber an dar hohe Haus adrestiren müssen.*) „Vor 70 Jahrm warm dergleichen primitive Zustände sachgemäß",**) darin habm Sie Recht; „mit dem Ackerbau und der Industrie (und der Eultur überhaupt) sieht es ttaurig aus" in den Kreisen, audmm die Petttton hervorgeht; ja, „an Salz thut es sehr Roth"- in jener verwahrlosten hinterpommerschen Gegend; darum unterschreiben wir mit vollem Herzen und aus rein humane» Mottven den eigentlichen Gegenstand der Petition,- daß durch eine Eisenbahn recht bald mehr Intelligenz und geistiger Verkehr jenem Theile Hinterpommems zugeführt werde, „aus destm Wäldern der Holzjude noch nicht vertrieben ist." R. Memet, 20. Jan. (Orrig.-Eorresp ). Neulich feierte der hiesige Handwerkerverein sein Neujahrsfest in ebenso erhebender als fteudig belebter Weise. Nun gehört freilich der Bericht hierüber nicht in diese Blätter; allein den ersten Theil der Feier bildete eine Beschenkung der Lehrlinge aus der Fortbildungsschule, die auch unter unmittelbarer Leitung des Vorstandes steht, und zu diesen gehören auch 15 israelitische Lehrlinge von den bei hiesigen Meistern untergebrachten russisch« Waisen. Jeder Schüler erhielt einen s. g. bunten Teller und die fünfzehn besten, darunter auch einer der unsrigen, erhielt« noch extra Prämien. Mehrere Ansprachen an die gcsammtm Lehrlinge hoben hervor, daß die Einheit und Zusammengehörigkeit der Menschen in Leben und Lieben auch auf die israelittsch« Schüler und Genosten übertragen, die brüderliche Gesinnung gegen dieselben in ihren Herzen anregen müsse. Ein Redner machte besonders geltend, wie diese russischen Waisen einer ganz besonderen Achtung und Beachtung sich würdig zeigten, indem sie arm und verlassen und ohne alle Jugenderziehung sich zu so tüchttgen und brauchbaren Arbeitern emporgearbeitet hätten. In der That, was ihre Arbeitsfähigkeit und Geschicklichkeit, ihren Fleiß und ihre Ausdauer betrifft, so stehen sie keinem Einzigen nach. Ihr einziger Fehler besteht in einer ziemlich derben Ueberschätzung ihrer Kraft und Leistungsfähigkeit. Sie hören nicht auf zu klagen: „Ich komme nicht vorwärts bei meinem Meister; er giebt mir nur die Flickereien, aber kein neues Stück zu verarbeiten rc. rc." Mehrere Lehrlinge sind uns bereits aus der Lehre und über die Grenze nach Rußland zurück gegangen, weil sie der Meinung waren, genug zu verstehen, um zu Hause ihr Handwerk mit Erfolg betreiben zu *) Die mit Anführungszeichen versehenen Stellen sinh dem Wortlaut« der Petition selbst entnommen. (Sorresp.) —) In diese» Worten liegt der eigentliche tkeim de« «erger». der zu dem Ausfall auch die „Holzhändler" geführt hat. „Der Holzbefitzer" sagt di« Petition, „Ist gezwungen, seinen enragslo» gemachten Wald an de» Hol,Händler zu verkaufen." Da» war vor 70 Jahren ander«, ,/tl» man in hiesiger Gegend allenfalls auch ohne vaargeld leben konnte". Freilich jetzt will der hinterpommersche Junker auch Luru» treiben, wozu „vaargeld" gehärt, ist aber au» verschiedenen Gründen nicht im Stand«, sich solche» zu erwerben, und bedauert di« gut« alt« Zeit, da seine reisige» Ahnen, dir — itz und — »», dem Inden oder anch de» christlichen Bürger und Kaufmann wegelagernd da« „vaaiHeld" «tnahmen. (M.)