Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 6.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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c Die Vorschrift unsrer Deist«: „beurtheile jdxn nach kr gute, Seite" ist uns zur andern Natur geworden; wir wögen nicht annehme», daß der Verfasser de« besprochene» Leitartikel» i» der „Bolkszeitung" sich von purer Gehässtgkiit hat leiitn lassen. „Da» orthodoxe Iudenthum ist bildmrgsf.'indltch", diesen Satz haben ihm seine Jugenderinnerungm au» dem kleinen Landstädtchen an der Weichsel eingegebea, und diese wögen bitter gmug gewesen sein. Die jüdische Orthodoxie war damal» der Erwerbung „profaner" Kenntnisse abhold. Da» ist wahr. Wir brauchen nun nicht entgegenzuhalten, daß die» in Deutschland — und nur von deutscher Schulstatistik ist ja die Red« — längst gänzlich aufgehört hat, sondern wir sagen, daß auch die Antipathie der starrsten jütischen Orthodoxie nie bildungsfeindlich gewesen ist. Bildung heißt doch «icht kr Erwerb oder Besitz gewisser Kenntnisse, die in «iuem Gchulregulativ, oder im Lehrplan für diese oder jene Klasse von Schulen vorgeschrieben sind? Wir werden doch nicht tu dm Fehler verfallen, niemand für gebildet zu halten, der nicht französisch oder lateinisch versteht, oder in Kn Fehler terjentgm, die sich für gebildet haltm, weil sie ein paar Brocken fremder Sprache aufgefangen und einige Zeitung»» »nd Eonversationslexion- Artikel gelesen haben? Bildung ist Schulung de» Geiste» zu selbstständigem Denken, (von Herzensbildung braucht in diesem Zusammenhänge nicht geredet zu werk») bildung-feindlich ist, wer da» Lernen und Denken hemmm und unterdrückm will. Das hat aber auch da» orthodoxeste Iudenthum nie gewollt, jeder soll „lernen", lesm, forschen, di-cutiren, von der frühesten Kindheit bi» zum Grabe, da» ist in Theorie und Prari» sein Gesetz gewesen, sein LebenS- «lemmt. ES hat die Kenntniß und Erforschung der ReligionS- «rkundm bmorzugt, da» Erlernen anderer Wissenschaften für entbehrlich, bedenklich erachtet. Wer es darum für bildung»- feindlich erklärt, begeht genau dmselbm Fehler, wie wenn der .Anhänger der klassischen Sprachkenntnisse denjenigen für bildungsfeindlich erklärt, der jene für unnütz hält und nur Realien und neue Sprachen nothwendig findet. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Stettin, 31. Januar. Zm vorigen Jahre, bald nach der Wiederkehr friedlicher Zustände, brachte unsere Wochmfchrift (S. 131) einen Artikel über „Fürst Bismarck und die Juden", welcher darlegte, daß der Reichskanzln seine Ansichtm über Juden und deren rechtliche Stellung im Staate ebensowohl gründlich geändert habe, wie so viele ander« Mnximm, die ihn etwa 1848 und später geleitet hatten. Wir hoben dmnals Versichert, daß die Mittheilungen aus bestens unterrichteter und burchau» glaubwürdiger Quelle stammten. Der Artikel ist durch alle jüdischen Blätter des Auslandes g>.»gangm und, je nachdem, mit wohlwollenden oder skeptischen Bemerkungen begleitet worden. Die gestrigen Verhandlungen im Abgeord- «etmhause haben nun wohl aufs klarste dargelegt, wie verläßlich unsere Angaben gewesen sind. Die ärgsten Feinde Bismarck's werdm ihm ja Mangel an Offmheit und an krbem Ausfprechm seiner Meinung nicht vorwerfm Die stagliche, gegm die Emtrumsfraction gerichtete Rede ist unfern Lesern bereit» bekannt. Die Worte, um welche es un» hier gilt, «oll» wir jedoch hier abdruckm. „Ich Hab« dm Grundsatz jeder Confesflou vollkommm freie Bewegung zu gestatt», »hu« e» deshalb für n« zu haltm, daß dieselbm zisfermäßig nach Maßgabe ihrer in der Bmölkerung in allm Gtaatsämtern vrrtretm Ich kenne da« Verhältnis gar nicht und will e» auch, nicht wiflm, da» aber^ gebe ich Ihnen zu beknken, daß r selben Anspruch, wie di« Katholiken, jede andere Religio t meinschaft zu erheben berechtigt ist, die Lutheraner wie, Reformirten und die Juten — und ich habe gefunden,. gerade die letzteren sich durch besondere Intelligenz und' fähigung für staatSmänuische Wirksamkeit auSzeichnen.".»' Wenn die Kammer-Berichte nach dieser Amßemng Heiterkeit" flgnasisirm, so ist doch nicht anzUnehmm, dix marck ironisch gesprochm habm sollte, dmn dazu war die m Situation nicht angethan und der ganze Zusammmhang aufs klarste, daß der Satz emsthaft gemeint ist; ebenso^ pflegen die Gegner BiSmarck durch Lachen zu verhöhne«? vermuthen daher, daß B., in der bei ihm nicht ungewöh>- Weise, bei jmen Worten nach einem sehr b»kannten, vobet vielen Gelegmheiten alt staatSmännisch-begabt anerkr und auSgezeichnetm, jüdischen Abgeordneten hing^ hat. So wäre die Heiterkeit" erklärlich, Noch nr>, aber ist der Schlußsatz der Red«. „Man verlange ni. einer paritätischm Regiemng eine confesstonrllr Haltur^.^ Staatsreligion als solche haben wir nicht" Das vi kutlichl ES wird unsre Leser interessiren, wenn wir ge blich« Bismarck'sch« Amßemng, welche ä. a. O. wurde, noch einmal hier hersetzm. Er sollte 1 haben: „ich gestehe dm Juden jede» Recht zu, nur n s einer wichtigen officiellm Stellung in einem chrisü^ Staate." Einen schlagenderen Beweis für die Um^i» dieser Amßerung (die B. allerdings, wie wir s. Z-,^' merkt haben, vor Jahrzehnten gemacht haben wird^' nicht geben, al» die eigenen Wort« des Kanzlers. >3 der katholischen Partei dankbar, daß sie ihm Anlass« gebm. 1 s Freilich hatte auch Wind Horst unmittelbar iV'" sagt, „meines Erachtens haben die Israeliten vol^' eine Vertretung ihrer religiösen Interessen!zu verleg ' ich würde sie darin bereitwilligst unterstützen." zwischen diesen Katholiken und dm Sigl und AL. großer Unterschied ob; wir erinnern unS dankbar-^, die katholische Parthei die Abolitton de» g. 1l^ " Verfassung s. Z. in der „Landrathskammer" $n j f bracht hat. , <du Nerkin, 28. Januar. Der „Kölp. Ztg. ut;f°l hier geschrieben: Mehrere Berliner Zeitungen lj Vorfall gebracht, welcher augenblicklich l»s Gesp ^b>, Gesellschaft Berlins bildet und einen dorthgm Ba, j»d Der wahre Sachverhalt ist nach sorgfältiger Erk^ ftnt gendrr. Herr B. (Bleichröder), der i,r den ftüheren ftanzösischen Militärbeoollmächttgftn, Baq jreiu öfter» genannt und von einem berühmten Pttnil ^inil zu Finanz-Berathungen zugezogen wurde, ist dady jhew Mann gewordm, der sich ein feines Hau» rjrstdeä Salon» gebaut hat und darauf capricirt, di« E, 0 Hofes bei sich zu sehen. Ein Eheil der Hofgesi^' , hin, auch die tanzlustigen Offiziere der Berltnen mmter gabm ihre Kartm bei Herm B. ab, un».—- musterte derselbe in Gesellschaft eine» Hauptman»^ ein «kn so brillanler Tanzarrangcur ist als er (Ö«?' diger Officier bewiesen hat, di« Ramm derjmia *