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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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trir gesagt im Wesen nicht. Man sagt, dt find die Geister RomaniSmu» und de- Germanismus, man hofft mit Zucht auf den Sieg de- Letztem, wie man 1870 an dem chm Sieg« Deutschland» nicht zweifelte, wmn auch Riederi vcrau-gehen müßten. Aber alle solche Vergleich« treffen r mit Bestimmtheit da» Wesm der religiösen Gegensätze, beweis« sie etwa» über'den AuSgang de» Streite». Den l Streiter kennen wir genau, e» ist der Ultramontanis- Unfere Leser wrrden es mit unS für unmöglich halten, die katholische Kirche in verjüngter ftraft, in der mittelichrn Macht und Gestalt, als Siegerin hervorgehm könne, werden keinm Beweis dafür verlangm. Aber wird nun '«ltgionslosigkeit, werden AtheiSmu», Materialismus oher Socialismus Sieger bleibm? Auch da» ist Thorheit, der zu fürchtm noch zu hoffm. ES stehm die höchsten geistigm der Mmschheit auf dem Spiele und dagegen im Kampfe, alle tenschen innewohnenden höhem Idem und ihre Ziele, der mte Lau der sittlichm Ordnung in Familie, Staat und Geist. Sie könnm nicht stürzm, nicht zu Gmnde gehen.?o bildet den kämpfendm Gegensatz zum Ultramonta- » nicht die Religionslosigkeit, sondern die Religio n tnde mit den Idem der Freiheit, de» Rechte», der ittät und der Toleranz, im Bunde also mit allem, was i Bestrebungen der heutigen Civilisation AechteS und ist. Run sind diese Ideen im Christrnthum allerdings rn, weil sie au» dem Judmthum herrührm, aber in eutigen, d. h. in der historisch überlieferten Gestalt re» zu deren Durchführung nicht im Stande. Wir unsere Ansicht gelaffm aus: die heutige Lage der m Religionsgesellschast zeigt die größte Sehnlichkeit mit Alt-Rom«, oder vielmehr der altm Welt, in dm letzten erten de» Heidenthum«. Wir müffm uns auf einige gen beschränkm, die Ausfühning deS Gedankens erin Buch. Wir hadm hier nicht eine von vornherein sstge Parallele zwischm politischen und religiösen die Aehnlichkeit zwischm der katholischen Hierarchie altrömischm Staatsreligion ist, wie Mommsen nachhat, mehr als eine äußerliche, jme ist in ihrer l Organisation dieser nachgebildet. Wie nun in hm Zeiträume der alte Götterglaube geschwunden windet der Glaube an das christliche Grunddogma, r Kirche geheiligte Glaube, allmählig aber unaufd unwiederbringlich hin. So wie damals der e zuerst von der Elite der Gebildeten aufgegeben von immer grißern Kreisen, bis er sich nur noch uf den roheu Haufen des Landvolks (pagani) rseits auf die Staatslenker und Priester, so lange - bit Staatsraison hielten, die Altäre der altm tützm, so sehen wir heut und seit 100 Zähren > dasselbe. Erst haben die exclusiven Kreise der oer fein Gebildeten, dann die weitem Kreise der .den Glaubm verloren," es bleiben einzelne ehrliche omantiker oder die au» politischen oder weltlich m Notivm sich an den Glaubm Klammemden und aber auch zusammenschmelzend« Haufe der rohen, und im stumpfen Rachbetm erzogenen Menge, theil der großen Menge, „die Arm» und Elenden" Im damals dm Götterxlauben und wartetm auf mal» die Hadrian und Dtocletia» durch Gewalt dm <8Httrr glauben festigen, Julian, der Romantiker, ihn vchisurirm wollte, ^'-4 wir verschiedene Philosophenschulen (Euwnertftm u. s. w.) th» phllosophisch zurechtlegm und neu zu unterbaum suchtm, und die Künste, bildmde wie dichtmd«, ihr Beste» aufboten, um die Gemüther an eine Religion zu feffeln, die der Verstand als unhaltbar erkannt hatte, während andere Philofophm ste durch Spott untergmben (Imeian-Voltairo), andere Schulen ihre Theorien der Religion zu substituiren suchten, und wieder andere den rohm oder feinem Materialismus oder dm alle» zersetzmdm Skepticismu» lehrten, so haben wir alle diese Erscheinungen, bi» in» Kleinste ähnlich, wieder gesehm. Wie femer damals das religiöse Bedürfniß der menschlichm Natur mit dem Schwinden des alten Boden» einen nmm suchte und ihn in allerlei Wahn und Aberglauben fand, so sehen wir und haben gesehn, wie Aberglaube der verschledenstm Artvom Spiritualismus bi» zum KönigStrank, gleich Unkrauts sich an der leer gewordenen Stätte der Religion einnistet. Dem Allen stand damals die Lehr« de» JudenthuwV gegenüber. Aber da» Zudenthum konnte die antike Welt nicht gebrauchen. „Sie glauben an garnicht»", sagten die Römer von den Juden, ihr Tempel mthält garnicht» (inaoia sacra) und „es ist «in nichtsnutzige» Volk, und sie haben närrische Gesetze", sagtm die Satyriker. Da» Ehristenthum aber, welche» sich dem Heidenthum accommodirt hatte und immer weiter an» zupaffen bereit war, fand an Stelle des altm Glauben» Ei»» gang. — Die Geister sind jetzt offenbar für die Lehre bell Zudenthum» empfänglicher; wa» sich an geläutertm oder läu» ternden und zugleich religiösen Bestrebungen zeigt (Protestant«»» verein, Unitarier und viele» Sehnliche) daS ist jaJudenthu». Und nun zum Schluffe. Wir haben gesagt, dt« höchst« geistigen Güter der Menschheit können nicht zu Gmnde gehe», Religion, GotteSglaube, Sittlichkeit werden fortbestehm. stber Völker könnm untergehen, sind zu Grunde gegangm, unf die Juden haben am Grabe ganzer Bölkerreihen gestanden und haben sie überdauert. Die romanischen Völker sind im Rieder» gehen; man hat das von Spanien, Italien längst gewußt; o» letzteres sich aufraffen, regenerireu wird? Daß Frankreich de« Verfall mtgegenreift, habm vor kurzem wmig« geahnt, jetzt ist die Krankheit plötzlich offenbar gewordm. Völker sterb« nicht wie Individuen, ihr Hinsiechen zählt nach Jahrhundert«; Krisen, schwere und langwierige, werdm überwundm, aber der Abfall von den Prinzipien der Religion und der SitÜichkdit zieht den Tod der Völker nach sich, unaufhaltsam, weil nach Naturgesetz, physische Degenerirung, Schwächung, Untergang; Cultur, Civilisation können sie nicht retten, nicht erhalten, e» zeigt sich vielmehr bei Völkern? wie bei Jndividum, oft in dm deutlich den TodrSkeim tragenden, viel Jntelligmz, Frühreife deS Verstandes. Da« sind Thaffachm der Geschichte und der Physiologie, fest wie da» Einmaleins. Ist die Religion bet dm romanischen Bölkem gefährdet, so ist nicht sie es, sonder» die Völker find'»; da» Zudenthum wird dann-zur Zeit abermals am Grabe einer Reihe einst hochbegnadeter Völker steh» und — sie überleben. In den germanischen Dölkem ist vorerst noch Kern, physischer, moralischer, religiöser. Es hat in keiner - Beziehung um die Zukunft de» Judmthum» Bedenkliche». » ihrer Lage durch neue Lehr«, so steht'» auch nderttanseüd«, der altm Religion gilt ihr Haß, Hell »an polMch-socialer ueuerLehre. Wie da« Jndnlthn» «tz Sittmtg. (Au klein«» Aach wort). De« Leitartikel unsere» geschätzten Mitarbeiter» im vorig» Blattemichtm wir noch «ine Rrbmdemerkuug htazufüge». .i ■3

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