Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/5369809-5935003-5935569--1063-5370702
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ftcrbsng, daß mit d^s« Ensscheidung eigentlich «ch die Schulfrage erledigt stti. Den» wen» sich dt« hiesigen Behörden ). S. msschlöffm, rin jüdische« Gymnasium zu eröffnen, so falle darin consequenter Weis« der obligatorisch« Religionsunterricht der dasselbe besuchenden christlichen Schüler »eg. wir Juden hätten allerdings einen Grund »ur Klage gehabt, «trat die städtischen Behörden einmal auf dies« Idee etvgei gangen wären und Herrn von Mühler in den Schlingen seiner eigenen Sophistik gefangen hätten, allein was braucht man hmte nach Mühler ad absurdum zu führen. Die Hoffnungen and Erwartungen, oie sich an seinm Nachfolger knüpfen, sind das unerschöpfliche Thema, um das sich die gesammte öffentliche Meinung dreht. Dieser hat sich zwar im Jahre 1860 gegen die Anstellung jüdischer KreiSrichtm gewehrt, weil er non der Ansicht ausging, daß ein Jude einen christlich - confessionellen Eid abzunehmen nicht im Stande sei. Er ist aber andmerseit- «nter dmjmigm gewesen, die eifrig auf eine confessiov-lofe Eidesformel hinarbeiteten, um so daS Richtmamt den Staatsbürgern aller Konfessionen zugänglich zu machen. Wenn nun Minister Falk seinm Prinzipien getrm geblieben ist, so wird er wmigstenS die hiherm Lehranstalten — denn mehr verlangen wir ja durchaus nicht*) — so organistren, laß auch diese StaatScarrier«, di« einzige, zu der un» bisher der Zutritt geradezu »erwehrt ist, unferm GlaubensgMoffm «öffnet »erd«. Ich gebe Ihn« gerne zu, daß e« rbm, mic dem „Kenn" vielleicht ein böses Ding ist. Allein wer kann vor der Hand über dieS „Wenn" hinauSkommm- — Der hier bestehende, durch die Verdienste de- Hrrnr Ehr- "mann in» Lebm gerufene Verein, Ahabat Jerusalem, hat 5 seinm sechsten Jahresbericht erscheinen kaffen. Die Tendenz deffelben ist, die Unterstützung der Armm in Jerusalem. Zm vergangmm Jahre ist die Summe von 222 Thlr. dorthin geschickt worden, und dabei restirt noch ein Kassmbesta.id von 97 Thlr. 14. Sgr. 5 Pf. Der Verein zählt jetzt mehr als 180 Mitglieder. — Ein anderer Verein, die zweite Brüdrrgrfellschaft, deffm Thätigkeit sich nammtlich auf Unterstützung seiner Mitglieder concentrirte, feierte am vergangenen Sonntag ' mit einem solennen Festeffm, an dem ca. 150 Personen Theil " nahmen, sein achtzigste» Stiftungsfest. v. An» der Provinz Hfose», 19. Januar. (Orig.- Lorresp.). Nach dm amtlichm Festsetzungm beträgt di« Zahl der jüdischm Einwohner unserer Provinz 66,184 Seelm bei einer Gesammtbmölkerung von 1,490,664. Das starke Zurück- «eichm des jüdischm ElemmtS, welche« aus diism Zahlm " hervorgeht, ist um so frappanter, wmn man bedenkt, daß die ‘ Gesammtbmölkerung vor zehn Jahren etwa um «ine Liertel- «illion geringer angeschlagm wurde, währmd man die Zudm auf ca. 15,000 Seelm mehr schätzte. Allein die Gründe dieser Erscheinung liegen auch sehr nahe. Der sehr bedeutende Ab- . gang ganzer Familim nach andem Provinzen, und hier na- - mmtllch in die großm Handelsplätze Berlin und Ltrebl au, .-und die AuSwandemng nach Amerika, die immer größer«? Dimenfionm annimmt, werdm wohl die Haupffactorm hft der Verminderung sein. Dabei darf man nicht vergeffm, daß sogar, wmn die ältere Gmeration der Heimath getrm bbibt, doch von der jüngern herangewachsmm und heranwach smdm Gme- •) Dtw URieeschreiten »ir dmchm» nicht; Haien ata auch bei der Schalsrage keiner»«»» an die »aftckdmg om ei» paar flute» im Saft, nicht einmal in erßer Linie. flted.) geht. Den« da sich" di« Meiflm de» Haudelsstande wtdwm, so laffm st« es sich angelegm fein, möglichst in dt« Städte z« komm«, di« Mittelpunkte der Verkehrswelt find, «nid find sie einmal draußm, so sehnm sie sich äußerst seltm nach dm hetmmhlichm Berhältuiffm zurück. — ES wird Ihre Leser am End« interesstrm, zy erfahren, waS ein in der Metropole erscheinmde» ultramontanxS Winkelblatt zu der HosttmmtwmdungSgeschichte in Posers von Re» dactionS wegen bemerkt. Di« betreffende Redactionsuote lautet: „Dieser Hinweis auf die Zudm wird von der liberalen Presse alS „Märchen" und Deckmantel ftir moderne DiebeSsachm bezeichnet. Warum ist dieselbe Preffe hier so zwesselsüchtig, nachdem sie den Worten eines Verrückt« in Linz wider einm hochgeachtet« Mönch so volle- Verträum geschmkt? — „ES scheint doch," so lautet dm glattgescheitrlte Schluß, „als ob der Himmel viel Schlimmes zulasse, damit di/ Feinde dm Kirche übmall an ihrm Grundsätzen zum Ersticken kommen, seit katholischm Seils die Schlashaubm abgenommem sind." Lohnt es sich übm solche Extravaganzen noch ein Wort zu verlieren? bl. Meisenhei«, im Januar. (Orig.-Eorresp.) llebm die BerhälMiffe und übm die Stimmung dm Juden in Elsaß- Lothringen ist schon Vieles geschriebm wordm; gleichwohl dürfte Folgende« noch für manchm Ihrer Lesm von Interesse sein und will ich es darum dm Oeffmtlichkeit nicht vormthaltm. Eine Familimangelegenheit führte mich jüngst nach dem badischm Obmlande und da beschloß ich, um einm längst gehegten Wunsch zu befriedigen, auf dm Rückreise einm kurzvi Abstecher noch Straßburg zu machen. Ich pmbrachte nur wenig Zeit mit dm Besichtigung dm Ruin« in Kehl und Straßburg, da eS mehr meine Absicht war, zu erkundm, welch« Spuren dm Krieg in dm Gemüthmn, besonders dm jüdischen Bewohner, als an dm Eteinm der Wohnhäusm zurückgelaffen. Ich besuchte deshalb eine ziemliche Anzahl Eafä S und jüdischm Restaurationen, wo-ich Glaubensgenossen zu findm hoffte. Ich ließ mich mit denselbm in Gespräche ein, wobei ich Wenfalls den mir ziemlich geläufigen jüdisch - elsäsfischm Jargon sprach, da ich sofort bemmkt hatte, daß dir Leute mit Deutsch« nur sehr ungmn und übm Politik, gar nicht sprechen. Um auch eine gewissermaßen officielle Bestätigung meinm Wahrnchmungen zu erhalten, stattete ich, auch dem Grand-rabbin Herrn Arnaud Aron einm Besuch ab, wobei ich nur bedaumte^vdsi derselbe von so kurzm Daum sein mußte. Derselbe empfing mich sehr frmndlich und gab mir aufs bereitwilligste jedwede Auskunft. Danach find unsere Glaubmsgmoffm :m Elsaß nach wie vor sehr warme Anhängm Frankreichs und,ebmfolche Gegner DeusschlarchS. Eie liebm eben FrankreitMgje eine Mutter, weil sie fett dm großen Rmolution von demfelbm niemals . stiefmüttmlich behandelt wurden. Ei« sehm Prmßm als die -verkörperte IudMfeindlichkeit an, nud trotzdem durchaus kein Anlaß hiezu vorhandm, befürchtm sie doch sehr, daß die vrakttsche Durchführung dm Emancipatton von Deusschland nicht in derselbm libmalm Wesse gehandhabt wmde, als von Frankreich. Wohl find dm elsäsfsschen Zudm officiell und officiös die lebhaft« Berfichmungm gegebm worden, daß die dmssih« Regierung nicht im msserntestm daran denke, ihre Rechte zu vmkümmmn, abm unsme Glaubensgenossm sag«, nicht Worte, sondern Theten soll« sprechen. Prenßm soll« einmal i»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.