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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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1»-.» ,.s stai soll fU beweis«? ben i& der Juden? Welche Verkehrtheit! recht viele Juden» bei denen dik>Haupt «und« nachher Stadt zu -iehm,"^eÄ«»>die a r,-TarnU -rm Äinbmt einen befferr?^UntettHt*gmieDl laffchN .mnten. Welcher urffrrer Äser Särei^<Äh?Fä^ ntcht au« eigener Erfahrung bekännt. Was jMsHe Eltern'auf^dem Linde und in kleineren Städten es sich koste» lassen, um ihre KiW^näch' eiüe/ Lehrcsiffüt^ zu schliß, dtviit dükften die vielen jüd. Pensionshalter in den größeren Städten' zu «zählen wiffen. Und das Alles soll nicht als Beweis für den innewohnenden BikdungStrieb in's Gewicht fallen? Das wäre zu viel verlangt — es wird vielmehr al^'Gege,-beweis aufg-führt» um nur den Juden auf der Scala „höherer Bildung" einen niedrigeren Platz anzuweisen. Sehen wir uns nunmehr den zweiten „Bildungstrieb-Erklärungsgrund" etwas näher an: „Die Juden sind überwiegend Kaufleute, und will man richtige Zahlm für die Statistik erhalten, so darf man sie nicht in Religionsrubriken sondern in den Kaufmannsrubriken mitzählen, wodurch wiederum ein großer Theil der Abnormität beseitigt wird". Dagegen, daß die Juden überwiegend dem Kaufmannsuib Handelsstande angehören, läßt sich nichts sagen. Jener Leitartikel motivirt richtig, wie dagekommen sei. „Der schauerliche Druck, der auf den Juden noch vor einem Jahrhundert — und selbst unter dem aufgeklärten Geiste der Regierung Fri^richs de« Großen — lastete, hatte zur Folg^ daß di« Joden sich einzig und allein dem Handelsstande widmen kumten". Hiernach sollte man glauben, daß die Juden ihre Kinder hauptsächlich in die Real- und Handelsschulen schicken müßten, aber obige „abnorme Zahlen" entspringen ja der vergleichenden Statistik der die Gymnasien besuchenden Schüler. Za noch mehr. Unser Leitarttkler hat in dem TagS zuvor erschienenen Leitartikel (Nr. 14 d. DolkSztg.), der das Zahlenmuhältniß der protestantischen und katholischen Gymnastalschüler beleuchtet, das auffallende stattstische Ergebniß, wonach in der so sehr wohlhabenden katholischen Rheinprovinz, (welcher zudem durch die zahlreichrrrr« Unterrichtsanstalten, und die vielen Eisenbahnen bet wrüem mehr Gelegenhett zur höheren Ausb ldung geboten sei, als z. B. in dem fast durchweg protestanttschen Plstnmern,) dennoch der Besuch der Gymnastin ein verhältnißmäßig sehr geringer sei, ganz richttg dadurch erklärt," „daß der wohlhabende und gebildete Rheinländer seinm Söhnen lieber eine kaufmännisch« Ausbildung gebe, und deshalb natürlich das Gymnasium bei Seite laste, das, wie es jetzt beschaffen ist, doch nicht vielmehr als eine Dorschule für das Beamtenwesen sei. Rur für die eingewandertm evangelischen Beamtenfamilien sei die Staatscarriöre eine sehr' natürliche und der Besuch des Gymnasiums eine wahre Wohlthat." Und die Juden? Wenn sie, denen ja die Staatscarriöre meist noch verschloffen ist, dennoch in verhältnißmäßig so zahlreicher Söeise die Gymnasien besuchen, dann geschieht das nicht erwa aus höherem BildungStriebe, sondern blos deshalb, weil sie „überwiegend Kaufleute find." Wie doch alle Logik auf dm Kopf gestellt wird, ja wie man selbst vor Trugschlüffm nicht 'zurückschrickt, sobald es sich darum handelt, dem Judenthum irgend einm längst zugestandmm geistigen oder sittlichm Vorzug vom Haupte zu reißen. Doch hier hat sich der geistreiche Lettarttkler in dm Fäden seiner eigmen'haarstraltendm AuSeinaudersetzuugm verstrickt. komm llaffung „dm Juden stäi „bie JUaetti „kigiötMatt! „wandeM st! nun noch seinm dritte» .gSgmnd' et man hierzu noch d/^ift>lgm der unter herrfchendm VuM-lWWützungeu für f^fällt «ltF'Ms «an /tls Re» iebt, üh«r den HaiMi, und e» -er- ' e Würmer bei Zahlm N sehr natürltchk alen Berhiltniffe." „Folgm der Hier steht man es deutlich, wie der Berfaffer dt« Wahrhett £ streift,'aber ihr irfti eineä/ gaviffen Eigmflnn absichtlich' in! dem Wege geht, um ihr nicht voll und ganz die Ehre geben zu muffen. ES soll partout nicht der höhere vtlMgStrieb sein, der jme» gesteigerte Zahlmverhältniß verursacht,'"sösiÄrn " „die"größere Freigiebigkeit, die unter den Judm herrscht, um der ärmeren Jugiend eine möglichst gute <£ijte$ung. angedeihen zu lassm." Nun, wir accepttren diese Abschlagszahlung, dieses unfreiwillige Zugeständniß, welchedie „sociale Lage" der Judm ihm abnöthigt, und fragm jeden unbefangmm und uiipartheiischm Leser, ob solche opferfreudige Unterstützunarmer Schüler und Studmtm nicht der schlagmdste Beweis - für das ist, was der Schreiber jmes Leitartikels zu beftreitm" sich unnöthiger Weife gemüßigt sah — für den höheren Bildungstrieb bei den Juden.*) Ein talmudischeS Sprüchwort lautet: „Je scharfsinniger und spitzer, desto ärger der Schnitzer! — DaS scheint unS auf dm hier besprochmen Leitarttkel der „BolkSzeitung" vollend« zu paffen. 1 Interessant ist noch, mal der verf. über die Entstehung der bei den Juden so sehr aulgebilbete» ^norallsche» Verantwortlichkeit" schreibt: „Die Judengemeinde wurde in eine» «»gen Stadtbezirk eingepvüngt, »»dl trug all solche di« Verantwortlichkeit für jede» einzttnen, der sich **«*» ] eine strafbare Handlung zu Schulden kommen ließ." Daß der Grundsatz > >772 N7 V'INV bs »iel älter all dal Juden > Ghetto ist, thut zur Sach« nichtl, wenn el nur gelingt, einen so edlen, aul de«, tief-ethischen „Gefühl der Zusammengehörigkeit" heroorgegangenen jüd." Eharakterzug dem Publikum einfach all „sociale" Maßregel darzustelleu. Berichte und Correspondenzen. - i DeulschlauL. II. Nerki«, 18. Januar. (Orig.-Corresp.) Wmn, wie Ihr Breslauer Eorrespondmt Ihnen meldet, das Geiger'sche Gebetbuch dort in seinem Fortbestände ernstlich bedroht ist, so kann ich Jhnm meldm, daß hier stark an einer nmm Redactton de« Aub'schen Siddur gearbeitet wird. Da dies schwerlich in der Richtung, die in Breslau sich geltend macht, geschehm ' wird, so können die dort verdorrendm Lorbeerm des Urheber« jenes Gebetbuches hier neu aufblühm. Zterti». (Ein opus postdmuuw des Herm v. Mühler.) Das Januar-Heft des Centtalblattes für die UnterrichtS-Berwaltung enthält eine, noch am 21. November v. I. von Herm ». Mühler Unterzeichnete Verfügung, daß, obwohl Juden zu Mitgliedern der städttschm Schuldeputationm gewählt werde« könnm, sie nicht in dm „Vorstand einir christlichm Schule" eintretm sollm, weil der „Vorstand einer einzelnm Schule mtt der Befriedigung deS SchulbedürfniffrS für eine bestimutte Klaffe von StaatSangehörigm gar nichts zu thun hat. Seine Aufgabe erschöpft sich in der Sorge für die ihm anverttautt bestimutte Schule. Ist dies eine christliche, so hat ein Jude auch in ihrem Vorstand« kein« Stelle." bl. Hßrerk««, 18. Januar. (Orig.-Corresp.). Bor einiger Zeü besprach ei» Hiesige« Blatt die Entscheiimng, die da«

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