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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 3. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 3.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Schwiegersohn zu führte, um die Hospitäler der Stadt, in denen französisch« Verwundete verpflegt wurde», zu besuchen, um chnen Hülfe jeder Art reichlich zu bringen, chren durch körperliche und geistige Leiden erschütterten Muth zu beleben und mit ihnm Worte voll Mitgefühls für ihr armes Vaterland zu wechseln. Das Haus des Herrn vr. Levi wurde bald der Sammelplatz der kriegsgefangenen Offiziere und Soldaten ohne Unterschied ihres Glaubensbekenntnisses, so daß ein franzosenfeindliches Blatt darüber in Zorn gerieth; aber dir hohe Achtung, derm sich Herr vr. Levi in (fließen erfreut, hatte unter diesem unsinnigen Angriffe nicht zu leiden, und er machte sich bis an's Ende bei den Franzosen beliebt. Diese dagegen halten das Andenken an die liebenswürdigen Beziehungen zu diesem wahren Ehrenmanne in Ehren. Die anderen israelitischen Familien haben sein Beispiel nachgeahmt, find auch ebenso von dem erwähnten Journal auf den Index gesetzt worden. Falls unter den 1000 (nicht 1400) Gefangenen noch andere Israeliten gewesen wären und fcklls sie als solche sich der Gemeind« zu erkennen gegeben haben würden, so würden sie sicherlich ebenso herzlich behandelt worden sein wie wir. Als der, dem Grade nach, letzte der israelitischen Gefangenen und von den Mitgliedern der Gemeinde zu Gießen ebenso gut ausgenommen wie ein höherer Offizier, kann ich die Eorrespondenz der „Stettiner Wochenschrift" nicht passiren lassen, ohne energisch zu Gunsten der herzlichen und ech: französischen Gastlichkeit, die uns von Seiten der Gießener Israeliten zu Theil geworden ist, zu pretestiren." - (Was in diesem Berichte auf Kosten der französischen Denk- und Schreibart zu setzen ist, werden deutsche Leser in Abzug bringen.) , ' 1 Sfttis. Eine Iahresschau des „Unio. Zsr." enthält folgend« erfreuliche Betrachtung: Unsre Leser müssen, gleich uns selbst, über eine bemerkenswerthe Thatsache erstaunt gewesen sein. Die französischen Juden sind auf die Hälfte reducin und dennoch haben wir nie eine so große Zahl von Israeliten zu rrgistriren gehabt, welche zu hohen öffentlichen Aemtern in der Staatsverwaltung, dem Richterstand«, der Armee, der Finanzen, den Departements- und Munizipal-Räthen, der Ehrenlegion rc. befördert worden sind, wie seit unserm Unglück und unsrer Verringerung. Israel hat durch Qualität die.Quantität ersetzt; „nicht weil ihr zahlreicher seid als alle Nationen", hat ja schon Moses gesagt. Wir gleichen einem Tropfen Wasser im Meere, und dennoch verwirklicht und bestätigt sich immer die dem Abraham gegebene Verheißung „deine Nachkommen werden zahlreich sein, wie die Sterne des Himmels". L«gla«l>. 8. «£«*}»». 31. Dccember. (Orig.-Corrsp.) Daß die Juden in unfern Zeitungen sehr belobt worden sind, weil sie zuerst für die Genesung des Prinzen von Wales Gebete veranstaltet haben, .ist auch in Deutschland bekannt gewordm. Die „Times" erwähnte die Thassache als «in Beispiel für di« christlichen Kirchen und ist wohl nicht weniger als sechsmal darauf zurückgekommen. Ich würde also gar nichts mehr darüber erwähnen, wenn ich nicht erfahren hatte, daß deutsche Zeitungen darüber gewitzelt und dir weise Bemerkung gemacht haben, daß, sintemal der Sonnabend einen Tag früher alL der Sonntag falle, die Synagogen natürlich um einen Tag früher als die Kirchen gebetet haben müßten. Aber es handelt sich — wenn überhaupt einmal über den VoIprung geredet wird — um die Priorität der Anordnung, und die Juden 24 V haben überdies auch an den Wochentagen Gebete verrichtet. Das von dem Ehief Rabbi für diesen Zweck verfaßte Gebet ist sehr belobt worden. Der Kaplan des Prinzen hat st seiner vor der Königin gehaltenen Predigt von der durch bi« Juden bewiesenen Loyalität gesprochen und ebenso erwähnt, daß auf Ansuchen des Sir Moses Montefiore auch in Jerusalem für den Prinzen gebetet werde; weil diese Angelegenheit, wie alles Religiöse, bei uns in England ernst genommen und die Fürbitte für einen Kranken nicht etwa für. eilst Albernheit gehalten wird, eben darum ist auch die, an sich ja unwesentliche Prioritätsfrage ernsthaft und würdig behändest worden und hat weder zu Recriminationen noch zu Spott und Gehässigkeit geführt. Im Uebrigen geht es den Gemeinden hier und in btitf Provinzen sehr wohl. Die Hauptsynagogen Londons haben//' sich unlängst in einer Kongregation „Kneseth - Israel" vereinigt, und neue jüdische Gemeinden entstehen im Lande, so z. B. in Dudley bei Birmingham. Zn Sheffield wird in dieser Woche der Grundstein zu einer neuen Synagoge und Schule gelegt werden. Von den Gemeinden der Hauptstadt erfreut sich besonders die zu Bayswater, im Westend, starken Zuwachses. Die Synagoge derselben, an welcher vr. Herm.j Adler, Sohn des Chief-Rabbi, als Prediger fungirt, umfaßt 800 Plätze, wird jedoch bald vergrößert werden und dann die größeste Synagoge in London und in England überhaupt sein. Amerika. Aew-Hssrit. Die Statuten des großarttgen (jüdischen' Mount-Sinai-Hospitals sind letzthin in einer General-Vet sammlung einer- Revision unterzogen worden. Die Verhand, lungen nahmen einen so stürmischen Verlauf, daß die Versammlung auseinanderging, um nach 14 Tagen die Debatte fortzusetzen. Durch Zurückziehen von Aenderungsoorschläge» ist dann alles Streittge freundlichst bei Seile gelegt worden./ Der Punkt, der den Konflikt hervorrief, betraf die Aufnahms Kranker aus der Waisenanstalt und ist, wenn auch gewiß vom berechtigter lokaler Wichtigkeit, doch für unsre Leser nicht interessant. Prinzipielle Wichtigkeit besitzt jedoch ein anderer Paragraph, welcher bestimmt: „die Verwaltung des Hospital« soll in die Hand von 16 Direktoren, welche aus der Zahl de» jüdischen Mitglieder der Gesellschaft gewählt werden, ge! legt sein. Alle religiösen Ceremonien, welche in dem Hospitaj geübt werden, müssen in genauer Uebereinstimmung (stri, accordance) mit dem jüdischen Glauben stehen; jedoch soll di, die Anwesenheit eines Geistlichen irgend einer andern Sekte ai Bette eine« Kranken, der nach einem solchen verlangt, durch«»! nicht ausschließen". Hierzu waren drei Amendements gestelli Ein Herr Salomo» beantragt eine besondere Abtheilung füchristliche Kranke einzurjchten; jüdische Kranke könnten in ihr«! Gefühlen verletzt werden, wenn ein katholischer Priester tj ihrer Gegenwart einem Sterbenden die Sakramente ertheile/ würde. Durch gesonderten Raum werde das vermieden werde» Nachdem berichtet worden war, daß sich bisher nie eine Un zuträglichkeit in der fraglichen Weise gezeigt habe, wukde dal Amendement abgelehnt. Herr Lithauer beantragte in den Paragraphen das Wort „jüdische" (Mitglieder) und Her« Frankenheimer da« Wörtchen „genau" (strict) zu streichen. Hier über entspann sich eine kurze, aber scharfe Debatte. ES wurh« constatirl, daß daS Hospital von je rin jüdische« gewesen st wenn man auch den Namen verändert habe (Mount-Sin« statt Jew's-Hospital) so sei doch die Sache ungeändert a blieben und müsse es bleiben, in dem „Lande der Freihm (dem Stichworte amerikanischer Debatte) werde dem Liberd lismus hinlänglich genügt, wenn, wie von jeher, Kranke ohr Unterschied des Glaubens ausgenommen würden. Nächstde wurden aber beide Amendements gesondert abgesttmuit und beij verworfen. 'Es will uns jedoch bedünken, als ob über die, Paragraphen die Gemüther sich erhitzt hätten; wir kehl wenigstens nicht ab, wie man ohnedies über andere, prinztpk ganz unwichttge Punkte in der erwähnten Weise erbittert här streiten können. '■* - ld

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