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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 3. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 3.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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I : V/ 28 Feuilleton. Vie Humsristik bei be» Jude« -e» Mittelalter». <»«» einer von Nr. Südemann irt Wien gehaltenen Vorlesung.) (Fortsetzung.) Sin Dunkel ist über die Macht tw Feder verbreitet) — ihr Schaffer Staunen bereite«; — Wen hat fie zu ihrem Seheimniß geleitet? — War ich im Herzen empfinde — ohne daß ich't verkünde,,— fie bringt » zu Papier geschwinde; — fie hat keine Ohren, — und den noch geht ihr kein Wort verloren; — er gebricht — ihr da» Lugen licht, — und doch entgeht ihr dar Dunkelst« nicht. — Wie ein Priester im Gotte«hau« — sprengt fie den schwarzen Saft, wie opfernd, aur, — der da der Weirheit Quelle ist — und die Thoren erfüllet mit List. — Sr ist ein befruchtender Regen, — spendet de» Wissen» Segen! — Ja, wer die Feder führt mit Verstand, — dein wird fie ein Dollmetsch in der Hand. — In unaufhaltsamem Eilen — schreibt fie die Zeilen — bereit zum Streite, — wie ein Held da» Schwert an der Seite. — Wa» ich fie frage, fie macht'» mir! kund, — wenn ich sie rufe, antwortet ihr Mund. — Sieh die Feder, fie ist ohne Seele Und kann doch mein Flüstern selbst verstehen; Die Natur hat ihr versagt die Ohren, Dennoch wird ihr nicht mein Wort entgehe». Wie ein Held umgürtet fie die Hüfte Keinen raichern Boten könnt' ich mir ersehen. Dem tsteschrieb'nm kehrt sie den Rücken, küßt «r frei und unbeachtet stehen. Sie bewegt sich nur aus weißem Grunde Ln dem schwarzen doch muß sie vorübergehrn. Kurz unter grtynh»» und Lieben ist mir die Feder am meisten verehrt; — wie ein theu'rer Sohn, wie ein Kindlein lieben»wrrth; — wenn ich mit ihr mich unterhalte, — bringt sie da« Alte, — längst verhallte, — von allen Seiten, — dahin e» verstoßen vor Zeiten, — mir in» Gedächtniß; — macht'» zum Bennächtniß — für künftige Zeit — und rettet'» vor der Vergänglichkeit.'— Denn so erst die Worte stehn aus dem Papier, — dauern sie für und für; — wie Schollen an einander geschmiegt, — stehn sie festgefügt, — un» gebannt — wie Nägel in der Wand. — Zm Buch« bewahrt die Feder meiner Lippen Aurspruch, — vertauscht ihn nicht in treuloser, Rechirbruch; — fest steht mein Wort und ohne Weichen, — zur >' | Erinnerung und zum Zeichen. — £ | Nach dieser Einleitung will nun der Dichter zu schreiben ' beginnen; aber wie er die Feder eintaucht, o Unglück, da knickt Ki-st« zusammen. (Denn die Dinte ist eingefroren, was aber den« ^Dichter noch unbekannt ist). Voll Zorn wirft er jetzt die Feder Seite. „Ist da» der Lohn dafür, daß ich Dich anerkannt, — und einer Gottelstab genamir, — daß ich Dich siebenfach gepriesen — und Dir den Rang angewiesen — Über jeden Mund und jede Zunge?" — Auf diesen Borwurf bleibt die Feder nicht ohne entrüstete ^Einwendung: ,,Wa» Nagst Du m i ch an, — Du böser Mann? — Du hast mich selbst auf» Feinste zugefpitzt — und ausgeritzt — hast mich wie Holz zerschlissen — und wie ein Lamm zerriflen — .... Wenn Du nun hättest schreiben wollen — da hättest Du zuvor, — Du Thor, — die Dinte auslösen sollen! — ... Dann kannst Du Wasier schöpfen au» de« Heile» Quell« — und zur Stelle — o» b.m Blatte einverleiben — und darauf schreiben!" — Der Dichter überzeugt sich nun von der Unschuld der feder und thut ihr Abbitte. Allein bald bemächtigt sich des ichterS wieder eine trübe Stimmung, denn e» bleibt den Käuzen Tag über kalt und die Dinte — eingeftoren. Da tnit jinem Male vernimmt er von rückwärts Worte deS Trostes nd der Ermuthigung und wie er sich umschaut, da ist eS — Gcheere, die zu ihm spricht. „Ob er denn, sagt sie, ein laoe von Dinte und Feder sei? er möge sich ihrer Spitzelt bienen, st« halte in Hitze und Eilte aus"! Bald hat der lichter diese Red« begriffen und er ist ganz glücklich. Mit der Scheere kritzelt er nun die niedlichsten Epigramme auf das Pergament, welche diese Schreibart selbst behandeln, z. 8. vewund're, Freund, hier meine Zeichen, Sie steh'n durch Zauiermacht; Wenn auch von Menschenhand, — fie gleichen Der Taselschrist, die Gott erdacht. Bewundre fie und meine Hände; — di« haben S>? nicht geschrieben, sondern eingegraden. i - (Forts, folgt.i Ä«f mir? oder auf mich? j Zn dichtgedrängten Reihen standen die frommen Beter im Gotteshause, denn es war Zom kippur; alle uiit dem 'Antlitz gen Osten gewandt, denn sie beteten die Schmone Effre; Einige mit ganz besonders tief gebeugtem Haupte und Rücken, denn also schreibt es die Satzung für diesen Tag der „Buße und Kasteiung" vor. Die festen Sitzplätze des Gotteshauses reichten nicht aus, auch die Seiter.gänge füllte der Beter Zahl. In einer solchen Reihe — der zweiten von der Ostwand — sehen lvir einen reumüthigen zerknirschten Mitbeter, das große Machsor in der Hand — denn diese improvisirten Plätze ermangelten der Betpulte —, andächtig betend. Er kömmt zum „Sündenbekenntniß"; da muß er die rechte Hand frei haben, um bei jeder aufgeführten Sünde reumüthig auf die linke Brustseite, den Sitz des sündigen Herzens, zu klopfen. Während des kurzen Sündeubrkenntnisses (1ZV,ltzs) grht's, da hält er mit der linken Hand das Machsor. Nun aber folgt das lange Sündenbekenntniß (KLsNf^K); da ermüdet, — Sar nicht des Betenden Mund, aber — seine linke Hand; das were Machsor drückt schwerer als der Sünden Last, es droht jeden Augenblick geräuschvoll zu Boden zu fallen, und welch' ein böses Omen wäre das für ihn! Wie könnte er hoffen, daß die Gottheit ihm die Sünden heute vergeben würde, wenn er sie durch eine solche Entweihung de» vom heiligen Gottesnamen strotzenden Gebetbuches erzürnte! Zn seiner Herzensangst blickt er auf und schaut um sich, da steht vor ihin Reb M...., ein als ganz besonders frotnm in der Gemeinde bekanntes Männchen, mit tief gebeugtem Haupte und Rücken, das so glücklich war an der Ostwand befen zu können, die mit Lesepulten versehen war. Wie ein Blick durchzuckt ihn der Gedanke: „Wie wär's, wenn du des Vordermanns tiefgebeugten Rücken als Lesepult benütztest"? Gedacht, gethan; ehe er stch's versah, lag auch schon da« Machsor, das eben seinen Händen entgleiten wollte, auf besagtem Rücken. Der Fromme fühlt die schwere Last, aber er blickt sich nicht einmal um, denn er möchte sich um keinen Preis heute in der Andacht unterbrechen, er trägt es willig, er erblickt darin eine besondere Kasteiung". „Er neigte seine Schulter zum tragen und ward dienstbar — der theueren Last." Doch als das Gebetstück zu Ende war, als er die drei Schritt« rückwärts gethan, (als Zeichen der vollendeten Schmone Essre,) da blickt er hinter sich, um doch den so überaus freundlichen Hintermann wenigstens von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen. Er zürnt ihm nicht, sondern mit einem gutmüthtzen Lächeln macht er ihm in launiger Weise den sanften Vorwurf: „Wie? das ganze Zahr hindurch sündigt Zhr, und heute, wo Zhr'S aus dem Machsor miSwadde sein (bekennen) sollt, da schiebt Zhr's auf mich, und sagt's auf mir"? öl. R. Briefkasten der Redactio«. Mehrere Anerdtet»»-«» von Mittheilungen für unser Blatt, welch« in den letzten Wochen eingegangen sind, veranlasien un» zu I bemerken, daß wir Nachrichten über Personen und Verhältnisse, -- gleichviel nach welcher Parteirichtung hin — welche die Gefammtheit compromirtlren, nicht aufnehmen oder benutzen können, obgleich wir sehr wohl wisser, daß solch« Sorrespondenzen pikant sein und unser« Blatte hier und da Leser gewinnen würden. S. 8/». Da die Mittheilung am richtigen Orte Lufnahme gefunden hat, so würden wir fie auf keinen Fall gegeben haben. »8. Sie haben Ihre »dresi« anzugeben vergessen. 9t. G. >uf da» ftagliche Organ Hab« ich «inen Einfluß, vr. — l in B. Lus Zhre Klag« über mangelnd« Nachrichten au» Ihrer Provinz, erwidere ich: '2ZR tf23 M?!i bitte daher, mich mit Ihren freundlichen Mittheilungen oder llebersendung von einschlägigen Notizen au« den Lokalblätteni versehen zu «ollen.!

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