Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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outbc. Befragt, war fie zu solch«« verbrechen bewegen konnte, erwiderte fie, fie wären von einem Juden aus Rogasen beredet worden, ihm gegen Vergütung geweihte Hostien zu verschaffen. Das ist jedenfalls ein Märchen, indeffen eia solcher» welcher von der niederen polnischen Bevälkerung, die von einem unsinnigen Hast gegm dar Jurrnthum erfüllt ist, gern geglaubt wird, denn diese Aussage wurde schnell über die ganze Stadt verbreitet. Die Dirnen waren jedenfalls nach anderen Schätzen auSgegangen. Sie hatten gewaltsam dar Ziborium geöffnet und eine derselbe hatte sich die im Kelche befindlichen gegen 150 Stück geweihten Hostien in die Schürze geschüttet, dann aber den Kelch in der Verwirrung stehen laffen. Eine wollene Altardecke wurde jedoch während der Nacht zu Unterkleidern verarbeitet. Hoffentlich wird eS der Polizei gelingen, auch der anderen verbrecherin habhaft zu werden. So berichtet die „Pos. Zig." Zn früheren Zeiten haben solche Gerüchte zu den gräßlichsten Judenverfolgungen geführt, ja den Ereigniffen zu Damaskus 1840 lag sogar noch weniger als ein solcher „Schwindel" zu Grunde. OTIT fWö «gepriesen, der die Zeiten ändert"! □ München, 17. Decbr. (Orig.-Corresp.). Der Verein für Unterstützung mit Brennmaterialien dahier, hat sich so ausgedehnt, daß er nunmehr auch unsere GlaubenSgenoffen in sein Bereich zieht um eine desto größere Wirksamkeit entfalten zu können. Besonders nimmt Herr Kaufmann I. L. E ohn sich wacker der edlen Sache an. Im Aufträge des Ausschusses erließ schon im vorigen Monate der erste Vereins-Vorstand, Herr Fürst zu Oettingen-Spielberg, eine Bekanntmachung, wonach die Stadt und ihr Bezirk in 14 District« getheilt worden ist, damit die Unterstützungen an Holz rascher orrtheilt werden könnten. Der Verein schließt sich der Communal- und der organisirten freiwilligen Armenpflege ergänzend an. Wenn man mit diesem Vorgehen die Thatsache vergleicht, daß auswärts von den jüdischen Holz-Vertheilungs-Vereinen in mehreren Gemeinden erst die härteste Zahrerzeit und die strenge Kälte abgewartet wird, ehe der unbemittelte, und ganz arme Jsraelite eine halbe Portion Holz erhält, so muß man gestehen, daß man in dieser Beziehung noch Manches von unfern nichtjüdischen Mitbürgern lernen könnt«. — (Dagegen ist die in mehreren jüdischen Gemeinden geübte entsprechend« Wohlthättgkeit weit schonender al« fie, nach der uns von dem Herrn Korrespondenten mitgetheilten Bekanntmachung, von dem Münchener Verein geübt wird. Red.). E. Lu« Würtemberg Ende December (Orig. Corresp.) ES dürste die Leser interesstren die Mottve kennen zu lernen, welche der Königl. Gebeimerath seinem Beschluffe in Betreff der Verpflichtung einer politischen Gemeind«, jüdischen Armen auf derm verlangen entweder koschere Kost oder eine Geldunterstützung in demjenigen Betrage zu reichen, welcher dem auf der Verkösttgung einer christlichen Armen zu machenden Aufwand« zu Geld berechnet, gleich kommt, beigefügt hat. (S. Nr. 52 der Wochenschr. von 1871.) Sie lauten wörtlich: „Wenn in der Beschwerdeausführung der nächstvorigen Instanz der Satz aufgestellt werd«, die polittsche Gemeinde sei bloß verpflichtet, dem einzelnen verarmten Gemrindeangehörigen denjenigen Unterhalt zugewähren, welchen derselbe als Mensch behufs der Befriedigung seiner leiblichen Bedürfniff« nöthig Hab«, so sei dagegen zu erinnern, daß bei der Alimenttrung einer Menschen nicht nur deffen leiblicher, sondern auch besten sittlicher und religiöser Bedürfniß in Betracht zu nehmen fti. Da nun bei einem gutgläubigen Israeliten die 14 - I Scheu vor Speisen, welch« «ach ihrer Art oder ihrer Zute» I reitung jüdischen Ritualgesetzen nicht entsprechen, als ein auf 1 einem vollberechtigten religiösen Bewußtsein begründetes Gefühl I anzuerkennen sei, so habe eine Gemeinde, welcher di« Verpflichtung der Alimentirung einer solchen ZSraeltten auf Grund der Bestimmung deS BürgerrechtSgesetzeS über Armen» i Unterstützung obliege, auch jenem religiösen Bedürfniffe jedenfalls f in soweit Rechnung zu tragen, al« ihr dadurch gegenüber ihrer . ArmenunterstützungSpflicht überhaupt ein erhöhter Aufwand nicht! erwachse. ES könne nun dahingestellt bleiben, ob die Berab» s reichung sogenannter koscherer Kost an die 6. mit eine« solchen erhöhten Aufwand verbunden wäre, denn die G. selbst habe nicht ausschließlich auf Verabreichung koscherer Kost ge» > klagt, sondern sie habe durch ihr in der Instanz der KreiS» l regierung gestelltealternatives Bittgesuch der Gemeind« A. | die Wahl frei gestellt, ihr anstatt der Naturalverköstigung eine I Geldunterstützung zu verwilligen in dem Maß »nd Umfang,! wie sie der Unterstützung der andern OrtSarmen gleichkomme und in Rücksicht auf dieses Gesuch sei so, wie geschehen, erkannt worden." — Die Vorsänger des Landes haben eine Eingabe an di« Königliche Regierung um Gleichstellung mit den BolkSlehrern im Gehalt unt in der Pensionirung eingrbracht; die Vorsänger Eichberg aus Stuttgart, Löwensteiu auS Heilbronn und Kahn auS LudwigSburg wurden in einer Audienz vom Herrn Kultminister v. Gehler gnädigst empfangen und die Punkte , der Petttion eingehend besprochen. — Der Etat der israelitischen OberkirchenbehSrde wurde mit dem Budget d«S Kultministeriums eingelstacht und nahezu 10,000 Thlr. alS Staatsbeitrag bewilligt. Oesterreich. Me«. (Trauerfeier für Baron KönigSwarter.) Heute Nachmittag um 4 Uhr fand in dem Tempel in ber Seitenstettengaffe ein Trauergottesdienst für den am 23, Decbr. verstorbenen Präses der Wiener israelittschen EultuSgemeind«^ Baron Jonas v. KönigSwarter, statt. Der Tempel war, der, Feier entsprechend, schwarz decorirt und in allen seinen Räumen von einem distinguirten Publikum überfüllt; unter Ander« bemerkten wir außer den Anverwandten deverstorben« die Vorstände sämmtlicher Synagogen Wiens und Umgebung, vr. L. A. Frankl, I)r. Kompert, vr. Kuranda, vr. Max Engels vr. v. Hofmannsthal, den gewesen« kaiserlich mexieaniscs Leibarzt vr. Basch, mehrere Gemeinderäthe, die Spitz« hiesigen baut» tmancs rc. Nach dem oorgeschriebenm „Mincha^ Gebete", welches in Folge plötzlicher Erkrankung deS Professo Sulzer, Cantor Fischer verrichtete, nahm die Feier mit eine unter Orgelbegleitung executirten Choral ihren Anfang, wor Prediger vr. Jellinek die Trauerrede hielt. Me«. Durch den Tod de« Baron Jona« Königil winter mtsteht ein« Lücke, weniger wegen d«S Einfluss«! diese« bedeutenden Hauses, al« vielmehr wegen de« sittlichen Einflusses d«S Dahingeschiedenen. Baron wart« war eben ein durch Scharfsinn, Rechtlichkeit und schiedmes Auftreten maßgebender Bankier, der überall, wo im öffmtlichm oder im privat« Verkehre in Geschäftslegmheitm ein Wort mitzusprechm hatte, häufig, w«n immer, den Aurschlag gab. In der Verwaltung der bahn repräsentirte er da« Gegengewicht gegm dm übermächl' gm Rothschildschen Einfluß und bildete so dm Kernpunkt b Opposttton gegm dm Druck, welch« diese« Welt hau« vermü l\