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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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1$ ldkcmilbflt baffeTbe Feiernden ebenfalls ,^uf einige Zehr« «ehr oder weniger" nicht ankam; e» soll hier nämlich non einem vier>Igjährigen Jubiläum de« hiesige» Verein« zur Unterstätzung der Armen HLob'eUca Ldjonim die Red« sein.!l)ie Mitglieder diese« bedeutenden und edlen Verein« Hallen sich zu dem um diese Zeit alljährlich üblichen Festessen de« Verein« die««al am letzten Ehanuka-Abend besonder« zahlreich »versammelt und in die öffentlichen Ansprachen sowohl al« in die Prjoatgespräche stoffen manche ernste Betrachtungen über die Zeit, welche der Gründung de« Verein« unmittelbar voranging und zugleich die mittelbar« Veranlassung dazu gab. In der ersten Tischrede erinnert« der Herr. Rabbiner vr. Rosenthal an dt« große Cholera - Epidemie, welche im Jahre 1531 längere Zeit in unserer Stadt furchtbar wüthete. Die lün* hekauntschaft mit dieser damals hier zum erstenmal und mit «ttsetzlichen Wirkungen ausgetretenen Krankheit verleitete die Behörden zu unsinnigen Maßregeln, um die wettere Verbreitung der Seuche zu verhindern, und zu diesen gehörte besonder« die Abschließung der Stadt nach Innen und nach Außen durch «inen militärischen Cordon. An Folge deffen gesellten sich zu den Gefahren der Cholera noch die Schreckniffe einer furchtharen HungerSnoth, welche bis zu« Luckothfeste genannten Zahre« anhieltrn. Am Hoschana rabba wurde endlich die Cer» Mining mittels KabinetSordre aufgehoben und die ganze Stadt athmrte wieder freudig auf, und das darauf folgend« Azerethfrst wurde von unfern Glaubensgenossen zugleich al« ein hohes Erlöfungsfeft unter Jubel und Gesang gefeiert. Einer Anzahl wackerer Jünglinge aber genügte ei nicht, den Tag der Ge-' setzeSfteude beim Pokale in selbstischer Freude zu begehen; sie erinnerte sich vielmehr noch an das Elend der den vielfachen Gefahren entronnenen Armen und beschloffen sofort, einen Verein „jur Unterstützung der Armen" zu gründen. Aber die Iün glinge blieben beim Beschluffe allein nicht stehen, sondern In jugendlicher Begeisterung für denselben zogen sie unmittelbar darauf hinaus zu den noch frischen Grabhügeln der von der Seuche Dahingerafften, um den Beschluß durch ein Gelübriß an ernster Stätte zu sesttgen und zugleich die Zwecke des Berti«» daselbst zu besprechen. Nachdem der Redner ferner noch auf die große Fülle der hebräischen Bezeichnungen für diu Armen, während diese Sprache für den Begüterten nur einen Ausdruck hat, als auf einen praktischen Beweis hingewiesm, wie sehr der in der Sprache webende Volksgeist der Israeliten stet« seine besondere Aufmerksamkeit dem Loose der Armen zugewandt hat — schloß derselbe mit einem Hoch auf den verein und auf deffm Vorstand, in deffen Mttte sich zwei Mitglieder befinden, welche noch zu den Gründern des Vereins gehörten. Zn fröhlicher Stimmung wurde noch manche Rei« mü> Gegenrede gewechselt und manche Episoden auS der Zctt Epidemie von den alten Mitgliedern berichtet. Vielfach egneten wir hierbei der allgerneinen Anerkennug, welche einer bischen Frau gezollt, wurde. Dieselbe hatte, die Gefahren Ansteckung nicht achtend und obgleich sie selbst nicht sehr ttelt war, den hungernden Armen Brod und Speisen selbst in« HauS gebracht. Der Name dieser seligen Frommen ist Malka Fried linder, und dieselbe war die Großmutter des durch seine Wohlthätigkeit bekannten Herrn Commerzirnrath vr. Otto Friedländer. — Mtzstawlh, 22. Decbr. Dem Kaufmann, Rittergut?- iHbesttzer und Beigeordneten Herrn Simon Kuznitzky, welcher an Anerkennung seiner Verdienste um die Handelsbeziehung^ »«sonders mit Rußland, an dessen Grenze« die Firma S. Kuznijkp u. Co. acht Comtoire placirt hat, sowie in Würdigung seiner opferwilligen comm analen Thätigkrit von Sr. Majestät zum kgl. Eommerzienrath ernannt worden ist, wurde am 18. durch Herm Landrath Saiger im Beisein der Spitzen der kinigl. und städtischen Behörden da« Ernennungödecret überreicht. Die frohe Stimmung, welch« sich bei dem zur Frier dieser Ernennung stattgehabten Festmahl kundgab, bezeugte, wie sehr sich die zahlreichen Freunde des Herrn K. über dir demselben zu Theil gewordene Auszeichnung freuten. Die Toaste de« Landrath« und Bürgermeister« riefen großen Jubel hervor. Letzterer gedachte noch in anerkennender Weise der Gemahlin des Gefeierten, al« der Mutter unsrer Armen, die stets bereit sei zu helfen uud'zu lindern,, und namentlich während de« letzten Kriege« unermüdlich für unsre braven Truppen von. Hau» zu Hau« sammelte. Am Abend deffelben Tages wurden von dem freiwilligen Feuerwehr-Vereine und den Bürgerschützen ihrem Vorsteher resp. Ehrenmitglied, ein solenner Fackelzug gebracht und durch Deputationen die Glückwünsche der Vereine ausgesprochen. Daß an diesem Tage auch der Armen nicht vergeffen worden, ist aus dem Borhergesagten wohl selbstredend. Namhafte Beiträge sind vom Herrn Eommerzienrath zur verthellung an die Bedürfttge» aller Confessionen überwiesen worden. (Schl. Ztg.) bk. AuS VortzdeNtschtck»« im December (Orig. Sorresp.) WaS für Gefahren die rrine Civilehe in Beziehung auf ds« Iudenthum in sich birgt, wenn und weil sie auf da» religiöse Moment gar keine Rücksicht nimmt, hat ein jüngst porgekommener Fall gezeigt. Ein Mann, der eine geschiedene Frau heirathen wollte, legte zufällig dem Rabbiner da« bürgerliche Scheidungserkenntniß vor. Da daS Aufgebot bekanntlich durch die Gerichte erfolgt, erfuhr der Rabbiner da erst, daß es sich um eine Ehefrau handele und fragte nun natürlich nach dem Scheidebriese (Oed). Der Lräuttgam wußte gar nicht, da-z rin solcher erforderlich, ja maS daS überhaupt fei. Die Ehe wurde nun inhibirt; ob für die Dauer, ist fraglich. Statt der rastlosen Agitation zu Spaltung der Gemeinden sollten die religiösen Juden dahin streben, daß dem jüdischen Eherechte auch durch das Gesetz seine Beachtung gesichert werde. <Ai>»igsßerß. Am 9. November ist hier ein „FeuerungSverein" gegründet worden, der es sich zur Aufgabe macht, unbemittelte Familien auf discrete Weise mit Brennmaterial für den Winter zu unterstützen. Der Altonaer Verein gleicher Tendenz, dessen Einrichtungen wir im Jahrgang 1870 beschrieben haben, hat offenbar als Vorbild gedient. Dir Namen der Vorstandsmitglieder (Rabb. vr. Bamberger u. s. w.) wie die unter dem Aufruf stehenden, zusammen etwa 40, gehören Juden an; das Statut enthält jedoch kein Wort von einer Beschränkung in Beziehung auf die zu Unterstützenden. tylfe*. (Kirchrnraub.) Ein sakrilegisches Verbrechen wurde in der Nacht vom Sonntage auf den ersten Weihnachtsfeier tag in der hiesigen Dominikanerkirche begangen. Zwei Dirnen hatten sich nämlich in den Bänken hinter dem Hochaltar« verkrochen in der Absicht, dir Kirche zu berauben. Der Kirchendiener KulinSki, nicht» Böses ahnend, verschloß nach der Vesperandacht die Kirche, als er TagS darauf Morgen« 4 Uhr in die Kirche eintrat, bemerkte er hinter dem Altäre einen matten Lichtschimmer und in der Meinung, es sei Feuer in der Kirche ausgebrochen, eilte er nach Hilfe und ließ die Thüre offen. Diese Gelegenheit benutzte eine dieser Dirnen und schlüpfte hinaus, wogegen aber die ander« festgenommen

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