Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 1.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 ’gWe*. Der frühere SRebacteur der hiesigen „ostdeutschen Zeitung," Herr vr. Waldstein, ist zum deutschen Biceconsul in TemeSvar ernannt worden. (Diese von Wiener Blättern verbrettete Nachricht wird zwar von Berliner Zeitungen dementtrt, „da biS jetzt in TemeSvar ein derarttger Posten noch gar nicht existirt". DaS schließt jedoch nach der „Volkszeitung" nicht auS, daß für vr. W. ein solcher jüngst geschaffen worden). Me«. Der liberalen Presie Oesterreichs, welche in der Ermordung des Bürgermeisters von Stainz eine Frucht der elericalm Hetzereien sieht, wird von dem ultramontanen „Vaterland" in folgender Weife ein Paroli geboten: „Sollten die Wiener Zudmblätter fortfahren, über unfern katholischm Glauben zu hihnm, den Papst zu lästern und gegen den Clerus und die Jesuiten zu Hetzen — so werden wir dieses Thema gründlicher behandln und die gerichtlich constattrten Kindermorde, den Mord d«S Pater Thomas in DamascuS, andere jüdische Frevelthaten -und die talmudischen Schimpfworte über die Christen anführrn und das seltsame Verschwinden so vieler Kinder in Wien Hinweisen." (!) (DaS SufrufungSzeichen rührt von der Redaction einer polittschen Zeitung her; wir wundern uns garnicht, weder darüber, daß dem „Vaterland" jede Waffe und jedes Mittel zur Vertheidigung gut und heilig ist, noch darüber, daß es überzeugt ist; seine zum Glauben an jeglichen NonsenS erzogenen Leser werden auch jene alten Mährchen glauben.) Areistadtet a. W. (Ungarn.) 17. Decbr. Unserer Gemeinde, welche durch die stuhlrichterlich octroyirte Gebetordnung während der jüngsten Feiertage eine traurige Berühmtheit erlangt hat, hat diesmal S«. Ercellenz der Herr Cultusminister eine Ueberraschung bereitet. Zn seinem Erlaffe vom 5. d. M. Z. 26556, der den bisherigen Verlauf der hiesigen Wirren kurz resümirt, fordert er am Schluffe das Comitat auf, die hiesigen Gemeinden zu befragen, ob sie, bis ihre Streitsache friedlich oder gerichtlich beigelegt ist, nicht damtt einverstanden wären, die ausschließliche Benutzung des Tempels — auf der Trommel zu verlicitiren und den Tempel „mit Ausschluß fremder Gemeinden auf dem Wege diesn: Licitation dem Meistbietenden in Miethe zu geben"? Heber diesen ministeriellen Erlaß und seine Folgen, die sich im Augenblicke noch gar nicht übersehen kaffen, nächstens mehr. (U. W.) Hkaris. „Der gegenwärttg in London weilende Delegirte des Pariser Central-Komitös der Kommune in Marseille, Landeck, erklärt in einem an die Times gerichteten Schreiben, daß er und nicht Gaston Cremieux die Schuld an den Ereigniffen in Marseille trage. Sollten sich die Behauptungen Landeck's bewahrheiten, so würde dies abermals ein höchst bezeichnendes Licht auf die Thättgkeit der französischen Kriegsgerichte werfen". Co berichtet die „N. Fr. Pr.", welche das in der „Times" veröffenttichte Schreiben vollständig mittheilt. Wir geben nur die eiilleitrnden Sätze, welche zur Beurtheilung vollständig genügen. „An den Herausgeber der Times. Mein Herr! Ich habe nicht bis zur Ermordung meines armen Freundes Cremieux gewartet, um die Wahrheit über die Ereigniffe von Marseille festzustellen. Die Berichtigung ist schon vor.zwei Monaien durch verschiedene französische, belgische und Schweizer Blätter in einem Schreiben erfolgt, worin ich mich allein verantwortlich erklärte für die in Marseille vorgekommenen Akte. Ich glaubte, daß dieses Schreiben, welches, meines Wiffens, in der Brüsseler Liberte, im Courrier de la Gironde und in mehreren Schweizer Blättern, deren Namen mir entfallen sind, veröffentlicht worden ist, hinreichen würde, ein Verbrechen hintanzuhalten. Ich hatte mich getäuscht. Man hat einen Mann erschossen, der unschuldig ist an dm Thatsachm, welche ihm seine Derurtheilung zuzogm; I und da die Versailler Regierung dieses Verbrechm begangen r hat, da» ich zu verhindern gesucht, so möge sie auch die Verantwortlichkeit dafür tragm!" ' Dem entsprechend lautet der Schluß: „Zch wiederhole es also mtt dem größten Nachdruck: Cre« mieux war der Handlungen, welche da-Urtheil wider ihn hervorgehoben, nicht schuldig. Wohl aber war Gaston Cremimr schuldig, ein Republikaner zu sein, ein Freidmker, ein Freimaurer, und diese Berbrechm sind eS, welche die Männer von Versailles in ihm straften; und so erkläre ich dmn, indem ich angesichts der Gerechttgkeit, angesichts der Menschheit gegen diesm Mord protestire, daß eine derarttge Ruchlosigkeit nicht ohne Züchtigung bleiben kann. Gmehmigm Sie u. s. w. Landek, Delegirter des Pariser Cmttal-Komitäs in Marseille." Da die Thaffachm, welche Landek anführt, derart find, daß sie offenkundig mtweder wahr oder falsch sein müffm, so muß sich die Wahrheit bald herauSstellm. Eine Prüfung derselben gehört nicht in unser Blatt. <£**)*>». Die hiesigen Blätter heben eS besonders hervor, daß die jüdischen Gemeinden die ersten gewesm, die während der gefährlichen Krankheit des Kronprinzm in ihr« Tempeln besondere Gebete für seine Genesung emporsandtm; ihnen that es sodann die Kirche nach. Die „TimeS" bemerkt hierzu, daß dies nicht das erste Mal gewesm, daß die Zudm ihre Liebe zum KönigShause in solcher Weise bekundet. Als im Jahre 1788 König Georg HI. gefährlich krank darnieder lag, da warm die Londoner Zudm auch die erstm, die in e ihre Gotteshäuser eilten, um die göttliche Hülfe anzurufen, I während die Räthe der Krone noch des Langen und Breiten I über die zu diesem Zwecke für die Kirchen zu entwerfende > Gebetformel dcbattirtm. Montefiore hatte sogar» wie Jew. Chron. berichtet, den Oberrabbiner in Jerusalem telegraphisch ersucht, in allen Syna». i zogen der heil. Stadt und Palistina's für dm Kronprinzen I Gebete zu verrichten; was auch geschah. Vj Zn Italien werden Zuden an höhere Lehranstaltm ohne l» Weiteres angestellt. So wurde jüngst dem jungm Gelehrt« ns Leone Ottolenggi die Profeffur der lateinischen und grie- 1 chischm Sprache an dem Lycmm in Casale, seiner Geburtss stadt, übertragm. Herr Moses Levi, Sohn des Rabbiners j zu Cuneo, wurde zum Profeffor der Geschichte und Geographie I am Polytechnimm in Foffano ernannt, und Herr Tobias cj Latis aus Pottgliano, der einzige'Zude unter vielm Bei Werbern katholischen Glaubens, wurde als Lehrer an der i j Normalschule in Pisa angestellt. (Ed. Zsr.) ] Ztntarell. Die Rumänin sind mit ihren Anschuldrgungen gegen die Zudm nun bald zu Ende; sie machm ihnen, jetzt schon ihr Streben nach Bildung zum Vorwurfe. Die „Souveranitatea", ein funkelnagelnmes Blatt, lamentirt, „daß unter 200 Eleven, welche die hiesige Handelsschule besuchen, . sich nicht weniger als 150 Zudm befinden". Möge man , uns nie etwas Anderes vorwerfen könnm! Zn Rumänim mag freilich das Stteben nach Schulkenntniffm eine gewalttge ■ Schmach involviren. Khicago. Wise's „Zsraelite" berichtet: Eine neue Ge-. 1 meinde, „Rades Schalom" ist hier von 40 Mitgliedem fürs den orthodoxen deuffchen Ritus gegründet worden. MoseS v Hirsch wurde zum Präsidenten erwählt. Sie haben eine Halle ' j gemiethet und zu einer Znterims-Synagoge eingerichtet." — Unter den noch in Chicago obwaltmden Verhältnissen wird man diesm Opfermuth bewundemd anerkmnen. *! Sydney. Es wird gewiß Zhre Leser interesstrm, zv erfahren, welchm Standpunkt socialer Stellung die Glaubens gmoffen auf der andem Seite des Globus einnehmen. 20,50 Israeliten wohnm auf diesem Erdtheil. Davon ist 1 Mayo einer größern Stadt, 3 sind Friedensrichter, 3 Mitgliede von Provinzialräthm und 5 bekleiden Offiziersrang in dt Armee. (Jew. Chr.)