Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 1.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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I Herz«, tan. De« Schwindel KM er all sein ScUagc fern Vmb so reich er war, so hastet doch a» sei»« Schätz« kein Makel. Man schätzt seine Rachlasienschaft auf 1b Million». Diese erbt ein einziger Sohn, i» welchem Näherstehend« aber auch den Erben der väterlich« Tugenden erblicken. An der Beerdigung betheiltgte sich Hoch und Niedrig, die Minister, der Statthalter, di« Vorsteher der groß« Institute, wie die Nein« Leute und die Armen au« der Stadt und der Gemeind«. lFried« seiner Asche! Möge sein Sohn auch sein Nachfolger lsetn. Im Vorstand« bleibt während de« Jahre« Alle« unser-! tndert. Der viceprästdent Jturanba übernimmt den Vorsitz.! Eine Neuwahl findet nicht statt. «I, Zfeß, 23. Deebr. (Orig.-Corresp.) Da Ihn« dt« jüngst erlassenen Ministerialbescheid«, die Sanktionirung der orthodoxen OrganisationSstatutm betreffend, bekannt find, so wird d St« nicht überraschen zu hören, daß nun auch hier Ixrltung sich vollzieht, und eine orthodoxe Separatgemeind« 1 ldet. Und doch ist nirgend« in der Welt ein solcher t weniger motivirt, al« hier. Nicht nur, daß der Gekdorstand eine Synagoge für den alten Ritu« erbaut achdrm da» letzte Wort de« sel. Dr. Meise! diesem Werke Gerechtigkeit gegolten hatte, nicht nur, daß also den Ören alle« geboten ist, um nach der überliefert« Weise! lndacht zu verricht«, so will der Vorstand auch ein« |cr oder Darschan für die orthodoxe Synagoge anstellen, >« Augenmerk auf Männer, der« Orthodoxie nicht anen werden kann, gerichtet und solche zu Prob»ortrügen n. Die Borträge haben großen Beifall gesund«, all- .!n befriedigt — aber die Wühler wollen Trmnung ' mnm da« loyale, Jedem gerechte Borgehm de« Vorstände« : Köder. Er wolle damit di« Spaltung verhindern — i i, da« will er! Man kann gewiß jedem nicht ganz vertm da« Urtheil überlast«. Son dm zur Darschanstelle Beruf«« Hab« besonder« : *). Rabbiner Pollak und Deutsch Beifall erworbm, ganz er« der Erster«. Man greift zu den gemrinstm Mitteln m Mann zu verdächttgen, zu beseitigen. Darum sind XX) Mitglieder zusammengetvttm und Hab« Herrn Pollak dreste, begleitet von zwei paar silbernen Leuchtern, über- Die Adresse, welche zur Charakteristik der Sachlage st — und zugleich al« Antwort auf die Schmähung« trad. Iud." gilt — lautet im Hauptlheile wie folgt: Ihre sehr geistreich« Lehr«, gleich «tfernt von Zelot wie von Freigeisterei, tönen noch in unfern Ohr«, « an beidm Samstag« kjjji 13 TttHB und X12N 13 er Fülle Ihre« Geiste« und Ihrer Gelehrsamkeit, mtt! rast Ihre« wohllautend« Bortrage«, so salbung-voll > berzeugmd un« spmdetm; und können wir dm Aug«-! aum erwart«, an welchem wir Sie al« unfern n*TIÖ H werden n«nm dürfm. jndem jedoch durch die hier alle 3 Jahr« stattfindmd« iration der Gemeinde-Repräsentanz, welche gegenwärtig ige ist, di« Wahl eine» Rabbinat«-Astestor» und e Synagoge eine Verzögerung von einiger Zett herbeil dürfte, so könn« wir nicht länger d« Au«druck unserer thisch« Gefühl« zurückhalt«, von welch« wir für St« rungm sind. kingedmk Ihrer geistreichen Exegese über da« nVP3 }V sag« auch wir wir wollen unsere innige Werthng für Sie an dm Tag leg«, indem wir dahin wirk« l, daß da« mit dem göttlich« Beistände recht bald erfolg« möge, und rdauttn un» gleichzeitig durch «ttsolgend« Liebesgabe ein« Nein« Bewei« unserer Hochachtung und Verehrung für Sie zu manifesttrm". (Der Herr Corresp. berichtet noch über ein« Briefwechsel» worin Herr Rabbiner Pollak sich über die „Erklärung" geg« die Synode — d. h. gegm Heß! —, welch« er mitunterzeichnet hatte, au«gelastm hat. Wir sehen jedoch, daß jme Correspondenz zwischen Her« P. und einem Pest« eine private gewesen sein muß, und halt« un« daher nicht für berechttgt, da« un» darau» Mitgetheilte, obgleich «» ohne Zweifel authentisch ist und dem Hern» P. zur Ehr« gereicht, zu veröffmtlich«. (Red.) Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeß»rg. Au« dm „amtlich« Mttthrtlungen" des Conststortum« unserer Provinz verdient folgmder Satz al» gar zu charakteristisch für dm Geist, der in dies« hochconfesfionell« Kreis« weht, herautgrhob« und auch in einer israelitisch« Zeitung verzeichnet zu werd«. Die Herr« Nag« (in einem Bescheid an die Kret«synoden) darüber, daß dt« Zeichen eine« n«eu Leben« auf kirchlichem, religiösem und sittlichem Gebiet«, wie man nach solch' einem Krieg« hätte erwart« soll«, vergeben« gesucht werden, und schließ« mtt dm Wort«: „Wenn dabei öfter« auf die in der Krteg«ze1t hervorgetretene Bereitschaft zu Liebe-dienst« und Opfem al« hoffnung-volle Zeichen besserer Zukunft hingewies« ward«, so wird di« Kirche darau» kein« Beruhigung schöpf« dürfen, so lange e« mehr 'al» ein« Frucht wachsender Humanität al« eine« erhöht« christlichen Leben« erkannt werd« muß." Eine eigmthümliche Auffassung da«! find denn nach dm An-; schaumigen de« Conststorium» Humanität und Christmthum Gegensätze? vom Standpunkt de« Iudmthum« au« Hab« wir un» gewöhnt, die Humanität al« die herrlichste Blüthe ' am Baume der Religion zu bttrachtm. Freilich, wie e« sich damit auf dem Bodm de« Christmthum« verhätt, muß allerding« ein „Conststorium" besser wissen. Der jüngst verstorbene Geheime Commerzienrath Alexander Mendelssohn hat der Commune Berlin zur Begründung einer Anstalt für unheilbare Kranke derselben, letztwillig «in Legat von Fünftausend Thalern strmpelfrei vermacht; die Wtttwe schmkte außerdem 6000 Thlr. — Die von un« au« auder« Blättern dem Her« Bleichrider zugeschrieben« Spende von 23,000 Thal«« zur Erweiterung der AlterversorgungSanstalt hat Herr Reichenhetm hier gespmdet; hierzu die Bmdix'schm Eheleute noch 12,000 Thlr. Herr S. Beschütz hat 30,000 Thlr. zum Reichenheim'schm' Waismhause geschmkt. — Ein Gesetzmtwurf weg« Aufhebung de« Gesetze« vom 23. Juli 1847 „über die Verhältnisse der Iud«" und et» anderer darauf ruhender über die vermögm«r"chtlichen Verhältnisse der Synagogmgemeind« find, wie die K. Z. hört, in dm Ministerien der geistlich« Angelegmheitm und de« Znnem berathm und lieg« jetzt dem Justiz-Ministerium vor; e« ist staglich, ob sie noch in dieser Session zur Vorlage ge-' laug« können. Di« Verfassung«-Urkunde von 1800, noch mehr aber da« ReichSgesetz vom 3. Juli 1869 hat da« vorgedachte Gesetz schon lange 'zu einer vnmiglichkett gemacht. Es hat übrig««, wie hi« noch angeführt werd« mag, für die Iud« de« dar>alig« preußischen Staate« die obligatorische Zivilehe eingeführt, ohne daß bet d« Iud« Sitte und Stttlichkett geltttm hätte.