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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 1. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 1.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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xt&fy mit bequemen Schlagwörteru die jüdischen Orth-dorm bekämpfen. Soll« wir mm dagegen remonstrirm oter bei Gelegenheit Gleiche» mit Gleichem »«»gelten, auch vetdreh« und lügen-l Ungegründete veschnldigung, au» de, Luft gegriffene Borwürst, wa» kann der Shrliebmde ihnen entgegensetze»? Da findet man z. B., daß in einer jüdisch», Gemeinde religiöse Lauheit herrscht; man macht den Rubbiner verantwortlich, zeigt auf ihn mit Fingern, „seht den Mann und sein SBetl". — Daß der Berläumdete etwa seit Jahr- > zehnten bereit» die Gemeinde verlassen, oder daß in einem andern Falle die Gemeinde bereit» wegen ihrer Jrrttiisiösittt Aüchwörtlich gewesen, al» der Vater ibre» jetzig« Rabbiner» noch nicht gÄorm war, anderersett», daß e» Gemeinden giebt, in dm« „verehrte Häupter der orthodox« Partei" ein Menschenalter hindurch fungirt, und die dennoch dm Gipfel de» Zndifferentt»mu» erreicht Hab« — da» Alle» hindert jme Leute nicht . . . Soll« wir unsere Leser beleidig«, indem wi» ihn« sowenig eigme» Urthttl zutrau«, daß »>ir die Bodmlofigkeit der Anklagm demonstrir« müßt«? vor denjmigm aber, welche un» zuvitt Polemik vorwerftn, würden wir un» am best« rechtfertig« fftnn«, wmn wir ihn« zu zeig« vermöchtm, wie vitt Polemische», welche» man un» mit dringender Bitte um Abdruck gesendet, in unser» Papierkorb gewandert oder allmfall» im Putte aufgehoben ist. Kritik«, Enthüllungen, Mittheilungm über Lebensläufe von Leite« und Hauptmitarbeitern gegnersscher Organe; e» wurde un» versichert, e» sei alle« Mitgetheitte dnrchau« zuverlässig, — wir Hab« e» bei Seite gelegt. Wir führt« die Redaction noch nicht vier Wochm, al» wir eine vernichtende Kritik über die eben erschimene, sehr panegyrische Lebm»beschreibung de» Rabbiner» X. erhielt«, der Verfasser der ersteren sei ein Schüler de« Krittfirten, er wisse alle» gmau — die Antwort lautete: von einem Manne, der so gegen sein« Lehrer schreibt, kann nicht» anfgmommm werdm, gleichviel um welche Person« e» sich handle. Und somit gmug l Genug de» Vorworte» und gmug de» Streiten». Wir könnm leider nicht versprechm, daß Polemik hinfort ganz fern bleib« solle, aber wir woll« der viel« und liebst« Leser und Leserinnen eingedenk sein, welch« religiöse Belehrung, Anregung und Unterhaltung am wenigsten in Strettarttkeln find«, die wohl Waffm zur Widerlegung von Geguem der Religion, de» Zudenthum», in unserm Blatte - such«, aber nicht Mittel zu gegenseitiger Bekämpfung. Und w«n unsere bisherig« Leser sich gewundert Hab« sollten, daß gerade die letzt erschien«« Nuinme« so viel streitbare Arttkel gebracht Hab«, so könnm wir ihn« ja jetzt sag«, daß wir ebm „im attm Jahre" noch so manche» „abschütteln" wollt«, um dann für möglichst lange Frist die Fe!»er de» Zauke» au» der Hand zu leg«. Berichte und Correspondenzen. Lentschlaud. Höerklu, 22. December. Da» Central-Comitö für dm Lau von Arm«- und Ptlgerwohnungen in Jerusalem, welche» erst unlängst eine» seiner Mitglieder, den Commerz.»Rath I. Hirsch, verlor« hatte und nun durch dm Tod de» Oberrabbiner» Ettling er seine» Haupte» beraubt ist, nünret dem letzter« ein« Nach«f und zeigt an, daß Herr Akiba Lehren, | Vorsitzender der Pekidim re. in Amsterdam, in da» Comitti eingehret« ist; dasselbe besteht also wieder au» drei Wtgliede«: dem ©mannt«, dem Her« Rabbiner vr. Hilde» - heimer und Gustav Hirsch in Halberstadt. L. Nreutau, 24. December. (Orig - Corresp.) Wmn Sie in Ihrem gestrig« Blatte, in dem Arttktl au» Süddmsschland behaupt«, daß in Norddmsschland von judenfttndlich« Arttkel» und Libellm der dort geschildert« Art keine Rottz gmomm« werde, so muß ich dem widersprechen. Auch da giebt e» Aehnliche», ultramontane Umtriebe lassen sich auch dort bemerk«. Die hiesige „Schlesische BolkSzeitung", welche von einem getauft« Juden au» Unga« redigirt wird, bringt regelmäßige Judenhetz-Arttkel, und da» in Berlin erscheinende „Märkische Kirchenchblatt" steht ihm darin nicht nach. Was sag« Ihre Leser z. B. zu nachstehmd« Sätz« de« letzteren Blatte»: „Der mode«e Liberalismus fällt ganz mit dem zusammen, wa» dm SocialiSmu« de» Judenthum« charatteristri. Bezeichnmd ist e« daher, daß ein Israelit, der sich zum Lehrerexamm gemeldet hatte, für dm deusschen Aussatz da» Thema bekam: „über die Uneigennützigkeit". MS er die Arbeit abgad, stand nicht« auf dem ArbeitSbog«, al» der Satz: „Die Unttgmnützigkttt ist mir nicht bekmnt". *) Zst.e» dmn nicht durchschlagend, daß alle Gesetze de» Liberalismus, von der Freizügigkeit, Gcwerbefreiheit bi» zur Wuchergesetzgebung, nur dem Judenthume durchweg Borlheile bieten? Selbst die Religionsfreiheit soll lediglich so lange und soweit gelten, older Reform-Jude davon eigmnützigen Gebrauch mach« kann. Diese Reform-Judm mach« auch in der Loge da» befände,« Elemmt, loelche» jetzt dm Freimaurern selber schon Unheimlichkett bringt". Daß in dem gmanntm Blatte zu den Judm und Liberal« jetzt die „Altkatholischm" die drittm im Bunde bilde», ist sehr natürlich. Karnöurg, Ende December. Die Redactton berichtet mtt vergnüg«, daß ihr au» Hamburg-Altona, außer dem im vorig« Blatte veröffenttich« Schreib«, noch vier andere, drtt von bekannt« respettablm Person« und ein anonymes, zngegangen sind, welche verstche«, daß der Chanuka- „Mummenschanz" weder von der orthodoxen, noch von der hyperorthodoxm Partei auögegangen, sondern nur die Ausgeburt eine» excentrsschm Kopfe» sei und von d« vernünftig« aller Farben gleichmäßig ve«rtheilt und bedauert werde. Man berichtet un» noch weitere Detail» über die mitwirkend« Personen und die zu dem Feste zugezogm« und „Gepreßten", doch bietet die» für da» nichthamburgische Publikum kein Interesse. Wir erwähn« nur, daß man von einer,Meiderseller-Ortbaborfe" spricht und daß den Darstellern Haman'S und Mardochai'S der Unterschied zwischen beid« verschwamm« war. Da» un» von einer Seite gespendete Compliment eine» „Jtfugrt, der besser al» ein Prophet" geahnt und vorauSgssagt habe, von welcher Farbe die Sache auSgegangm sei und welche» Ende sie nehmen werde, müssen wir ablehnen; e» gehörte sehr wenig „Weisheit" dazu, um da» zu wissen. Dagegm hat die von Her« vr. Katzenstein während de» Chanuka-Feste» zu einem wohlthättg« Zwecke (Beschaffu,,^ von Winterkleidem für die durch die Pockmepidemie verwaist,' armen Jtinber) veranstaltete Privat-Mattnöe trotz de» zögernt Mißrraum», mit welchem man btt dem hier grassirendm Soirö •) warum ist der Sermste nicht bei Ar. Langraoä-Vmvonoeaiur und andern „pipsUichen Sraien" in die Schule gegangen, um Uneiginnützigkeit theoretisch «»nd praktisch zu studirrn! (Sied.)

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