Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 52 (27.12.1871)
- Date
- 1871-12-27
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/5369809-5934989-5935544--1018-5370668- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Lübeck 1× ep/1048008
OCR text
414 In dies« Beziehung habe ich jüngst eins sehr charakteristische Anzeige gelesen, die von einer sehr bedeutenden Gemeinde deS Oberrhein; ausgegangen ist: »Man sucht einen Lehrer »oder^ eine Lehrerin; Gehalt 1200 Fr. Man wende sich an Hr. Spire in Pfostatck.* Wie gefällt Ihnen diese- Bindewort »ober*? ES bezeichnet für sich allein schon hinlänglich die traurige Lage der israelitischen Schulen, im Ober-Elsaß insbesondere. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. J. 8. Altona, 15. December. (Orig.-Corr.) (Nekrolog: Jacob Aron Ettlinger, Oberrabbiner zu Altona, gestorben am Donnerstag den 7. Der. 1871, N21SN1 W' orb HK.] In der Thal dürfen wir hier, und mit uns das ganze gläubige Juden» thum, in die Worte auSbrechen: „eS ist gefallen die Krone unseres HaupteS". Nachdem der Berftorbene am rban rOB» noch die ganze Sidra wie gewöhnlich vorgetragen und nur von einem anscheinent leichten Unwohlsein befallen war, ahnten wir eS nicht, daß die letzten Worte deS WochenabschnitteS 1. Mos. 32, 1 so bald zum Texte einer Trauerrede für den großen Manu werden ' sollten 'vi i2h6 apjm. Am Donnerstag Nachmittag- 51/* Uhr hauchte er seine; Seele aus Der Oberrabbiner Ettlinger, geboren IS. März 1795 (n"*TS7 | jOO) zu Karlsruhe, trat (10P2 i'b) im Mai 1836 das Oberj rabbinat tu Altona und Schleswig-Holstein an, fuagirte bis zum I Jahre 1863 als Präses des iSraelit. Gericht-, welches bis zu! dieser Zeit in Altona bestand, erwarb sich in dieser Eigenschaft die Achtung und Liebe vieler hochgestellter Personen deS Beamtenstandes. Seine Amtsdauer (fast 36 Jahre) ist bisher von keinem seiner Vorgänger am hiesigen Orte erreicht worden. Der Verstorbene verdiente in vollem Maße die Anhänglichkeit und Zuneigung aller Gemeindemitglieder jeglicher religiösen Richtung. Wenn er unablässig bemüht war an jedem Sabbath Worte der Belehrung und Ermahnung von geheiligter Stätte zu verkünden, so erwarb er sich durch seine in vortrefflicher, blumenreicher Sprache gehaltenen, schwungvollen und mit den phantasiere chsten allegorischen Bildern geschmückten allmonatlich gehaltenen Reden die Anerkennung der gebildetsten Männer. Wie reichhaltig der Schatz detiefen WiffenS und ForschenS deS großen ManneS war, dafür gab wiederum kie zweimalige „Disputation" am «W und "W T2&, welche viele Talmud- Kundige auS Hamburg jedeSmal herbeizog, Zeugniß. Hinsichtlich seiner Stellung in hiesiger Gemeinde vereinte er in feinein Namen ganz die Tugend« feiner groß« Ahnherren. Sein Name war »2flp", seine Arbeit war auch, wie die de» Patriarch«, nicht im Strudel deS LebmS: nicht auf dem Kampfplatz« der Presse, auch nicht in d« Sälm der Synodm und Eongrefle oollzog sich seine Thätigkeit für die große Aufgabe der Religioir, sondern ganz wie j«er Fromme "brtu 2Bn! Dn sein HauS, fein Zelt, sein Arbeitstisch war die Werkstätte seines Streben», von hier aus war eS ihm auch vergönnt, durch dm Druck feiner Werke sich Nam« und Ruf in ganz Israel zu erwerben. Aber auch j1*YW war sei» Name, stetübend di« groß« Tugmdm jenefromm« Priester-, 1)1 üfoff 2m* stets bemüht den Frieds» in der Gemeiud« zu fördern und zu erhalten, sst e« ihm gelungen bi» heute dm Zwiespalt und die leider in Iier Neuzeit „zur Mode" geworden« Trennung der Partei«, in hiesiger Gemeind« zu verhüt«. Dank d« Bemühung« deS nunmehr Hetmgegangmm steht «nsere Gemeinde im Allgemein« noch auf dem Standpunkte deS echt« Juden» thumS, und heg« wir alle d« Wunsch, daß der Geist de» Entschlaf«« auch femerhin da» Ideal für die Aufrechthaltung. unseres GlaubmS sein möge. Hinsichtlich der Beerdigung mögm noch folgmde Notiz« für Ihre Zeitung von Interesse fei«. Unser alter Begräbnißplatz. (belegen inmitten der Stadt, welcher seit 260 Jahren bmutzt wnrde) mußte, nachdem derselbe längst derart überfüllt war, daß kaum noch ein Platz frei war, am 1. Februar d. I. geschloffen werden. Trotzdem gestattete e» die Kgl. Regierung in Schleswig auf telegraphische Anfrage, daß noch einmal ausnahmsweise die Pfortm de» alten Friedhöfe» sich öffa« sollten, um die Hülle de» großen Mannes aufzunehmm, damit derselbe ruh« auf dem Platze, wo die großen Männer unserer Gemeinde schlummern, denn hier rasten die Gebeine eine» „Eibeschütz" und eine- 'pim nOJ2 u. s. w. Am Sonntag, d« 10. Decbr., Morgm» 11 Uhr setzte sich der Leichenconduct, gefolgt von über 60 Wag« in Bewegung. Nicht nach Hundert«, nein nach Tausmdm zählten die Glauben»» g«ossen der Gemeinden von Hamburg und Altona, Kopf an Kopf gedrängt stand« die Mmschen, um dem theuren Todtm die letzte Ehre zu erweisen. Und daS waren Leidtragende in deS Wortes tiefster Bedeutung, welche von Nah und Fem herbeieilten, um dies« „Demüthig«" zu Grab« zu trag«. Von den benachbart« Gemeind«, wie WandSbeck, Kiel» Lübeck, Rendsburg, Hannover u. f. w., waren Fr«nd« und Schüler de» Verstorben« anwesend, ferner Herr vr. Cohn au» Schwerin, Schwiegersohn de» sel. OberrabbinerS, Herr vr. HlldeSheimer auS Berlin, einer seiner Schüler, und viele Andere. Jede andere Feierlichkeit war vom Verstorb«« verbot« •) Word«, derselbe hat ausdrücklich auSgesprochm, daß weder TDDH Trauer» Ceremonim abzehalten, «och der Ausdruck '2T2^ 'HB "121-auf ihn Anwendung finden solle. So ist dmn ein Mann au» der Welt gegangm, deffm Andenken für lange Zeit al» Licht und 8«chte für da- Jud«thum und deffm Anhänger scheinen wird, und wenn wiederum da» Licht der Chanuckafeier in d« Kreisen unserer Gemeinde ange» zündet wird, wird man in wehmüthiger Erinnerung de» Tage» eingedmk sein, da beim Anzünden de» Lichteeinst ein Licht erlosch für unsere Gemeind«—). M. Hamburg, 20. Der. (Orig.-Corr.) So ist sie d«.: endlich vorgestem wirklich in Scme gegangm die mtt vielem Bombast verkündete sogenannte 2000jährige Ehaaucka-Jubelfeier, und gem, ja ge« möchte ich jmm Scandal, von dem sich jeder religiös-, wie überhaupt jeder ernstgefinnte Mann mit Verachtung abwendm muß, der Bergeffmheit anhetmgebm, wm« er nicht leider durch Programm und Berichte nur allzu öffentlich bekannt gewordm wäre und die Außmstehmdm, die unsere Local- und Personalverhältnisse nicht k«n«, der Sache vielleicht eine Bedeutung beileg«, die sie durchaus nicht verdient; und so glaube ich eü dmn der Ehre unserer Gemeinde schuldig zu sein, Sie von dem Hergang zu unterricht«. Die 'Idee zu dem Unternehmen, der vielleicht Mancher Beifall zoll« mag, sst dem Hi« eines Manne« entspross«, der al» *) Xu letztwillige «erftlgnng, eigenhändig tot etwa 3 Jahren von dem Selig« geschriebm und ,«ei Lage vor feine« Lode unterschriebe», bestimmt auch, daß auf sei«» reicheastet» ,»r sei» Kamt, «mtldaurr «d »i« Titel seiner Werke, kein rühmende« wart gesetzt «erde» falle. (iffin, Correfp.) •*) «i» na* «itgetheilter «ericht i» der „«efawn« schließt mit de» Wort«: Einfach »ad aasprachsla», wie sei. Lebe», war di» pap Feier lein» veerdigmy. Da» »am Herr» Larmfp. tlbersendet« «eqeichniß der Werke de* verstarb««» gebe» wir denmilchst t» der „literarisch«» veilage". (Sied.)