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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-12-27 · 52 (27.12.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
52 (27.12.1871)
Date
1871-12-27
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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418 „Ein wahre» Kind der lange», bange« Schnurzen, wen» «an di« Mittel in» Enge saht, an» denen sie hervorgegangeu, die Ueberschüffe jener Judeusteuer» an denen der grimsa» abgepreßt« sauere Schweiß unserer Voreltern klebt, ist die Stiftung zugleich bestimmt, über die wechselnde» Menschenalter hinauszuragen als ein feftbegründete», herzerhebend«» Denkmal beglückender Erlösung au» Jahrhunderte langer uuvertimter, und so Gott will, für alle Zukunft ausgeschloffener Sh mach und Entwürdigung." Sett zwanzig Jahren ist über die Verwendung der ftagl. Ueberschüffe geplant «orden, bi» endlich im Jahre 1869 der Entschluß gefaßt wurde, denselben zur Gründung «ine» Waisen» Institut» zu benutzen. Die Pfleglinge sind in verschirbmeu Orten bei Privaten nntergebracht und für jeden ei» Aufseher (Privatmann oder Gemeindebehörde) bestellt. Die Thätigkeit ist in der kurzen Zeit bereit» eine segensreiche gewesen. Die Anzahl der sett Activirung der Stiftung bi» heute verliehenen Stipendien bettägt zusammen 61, wovon im Jahre 1869 ursprünglich 13, und später 8, zusammen also im Jihre 1869 21, im Jahre 1876 aber 46 zur Verleihung gekommen sind, von diesen Stipendisten besuchten im abgelaufenev Jahre 52 die Volk»- und Gemeindeschulen, 5 die Realschul«', 3 da» Gymnasium, und 1 hat bereit» Stellung in einein Handelsgeschäfte grfundeu. Der Sppell an den WohUhätigkeitlfinn unserer Glaubeusbrüder war vom schönsten Erfolge gekrönt, inbem im Jahre 1876 allein 585 fl. 48 kr. ö. Währung an freiwilligen Spenden etngtngen. Der effectiv« Bermögen«stand der Stiftung bettägt in Summa 151,886 fl. 89>/, kr. Ja de« Jahren 1869 «ad 76 find die 61 Stiftung»plätze mit der Durchschnittödotttung von 12,166 fl. besetzt gewesen. 9«« -er Grga»isatt«n -es israelitischen Sultus in Sisaß-Lathringe«'). (Not de« „Niederrheinischen Lourier".) Da» elsäsfisch - lothringische Judeuthum zählt ungefähr 55,666 Anhänger, die irr 166 mehr oder minder bcdeutendeu religiösen Gemeinden veviheüt find. Diese .Gemeinde« werden durch drei Eonfistorien verwaltet, die ihren Sitz in Sttaßburg, Eolmar und Metz haben und bei jeder Synagoge durch eine Verwaltung-commiffion rertrrtm find unter dem Vorsitz eine» Eommiffär», welcher» wie sein« College«, von dem brlreffenden Eoafistortum ernannt find. 46 Gemeinderabbiner lehren da» Wort Gotte» unter der Leitung der drei Ober-Rabbiner von Sttaßburg, Eolmar und Metz. 43 vo« Staate besoldete und 126 nicht besoldett Vorsänger find mtt dem Borbet rn und dev Gesängen bei den GoUeSbienstea beauftragt. Der Elementarunterricht wird iu 66 gemischten Communalschulen und in 16 öffentlichen Mädchenschulen ertheitt. Urderdie» giebt e» noch 14 freie Schulen, die sich fast sämmtlich im Oberrheia befinden. Nach dieser kurzen statistische» liebersicht wollen wtt die Organisation de» israelitischen Euttu» prüfen, der hatte noch auf der Ordonnanz vom 25. Mai 1844 und auf dem kaiserlichen Decret von 1862 beruht. Diese» letztere war damals oitt großer Ungeduld erwartet. Die religiösen Gemeinde» hofften endlich von der zu engherzig« Vormundschaft der Eonfistoriin befreit zu «erden. Da» Rabbimtt schmeichelte sich «tt dn Hoffnung, daß da» geistliche Element in etwa» größtem Verhältnisse in *) Wir glaube» viele miserrr Leser M tulnesßv«, tnde»» ivir diese» der Feder eine« ioraklltische» llvreesp»,deute, zu verdaaWlden Ilrület eiartUke,. flied. d. «. Lmer.) Ui» «ft dieser «rtikck »«4 Qn. Dt. «mn> (Wb (de, Verfasser?) eiagesendet. di« Käthe und Eonfistorien eingesührt wurde, «elchs, obgleich weltliche Versammlung», sich manchmal einen fast dogmatischen Charakter beimeffev. Nach einer von den Eonfistorien und den Büreaux de» Ministerium» augestellt-u laugen und «ühesamen Untersuchung erblickte endlich da» Decret von 1862 da» Tageslicht; statt aller Steuerung vermehrte dasselbe da» Personal der Eonfistorien und schuf die Institution der Unter-Rabbiner; da» war Alle». Zu dem muß man beifüge», daß da» erste Specimen de» Unter- Rabbiner» bi» jetzt noch aufzuweisen ist. j Aber am meisten enttäuscht waren die Herren Rabbiner, deren Ernennung ganz einfach den au» 6 Weltlichen und einem Ober-Rabbiner bestehenden Eonfistorien zugewiesen wurde, indem die Regierung sich nur da» Eins:tzung»recht vorbehielt. Wir wollen diese sehr wichtige Frage nicht eingehend eröttern; jedoch müssen wir unser tiefe» Bedauern darüber auSdrückrn, daß ein junger Mann, der feine schönsten Jahre höhere» Studien gewidmet hat, gezwungen ist, bei sech» Personen, deren einzige» Talent manchmal aut ihr Reichthum ist, demüthig um eine mehr al» bescheidene Stelle nachzusuchen, in welcher er trotz aller seiner Intelligenz und allen seinen Kenntnissen sein ganze» Leben lang Reue empfinden wird und überdies noch tausenderlei Plackereien von Seiten seiner Gemeindeaogehönge» auSgesctzt ist, di« gegen ihn ungehalten find, gerade «eil er vom Eonfistorium erwählt wurde. E» ist also augenscheinlich, daß in dieser Beziehung die kaiserliche Regierung den atata» quo nicht aufrecht halten kaun, und wir haben die feste Ueberzeugung, daß sie denselben nicht aufrechterhalten wird. Außerhalb de» Rabbinat» giebt e» noch, wie 'gesagt, '43 vom Staate besoldete und 126 freie Vorsänger, welche letztere einzig und allein von de» Gemeinden, die sie bedienen, bezahlt «erden. Außer der ihnen obliegenden Leitung der Gotte»dieuste üben alle diese geistlichen Beamten, mit Ausnahme derjenigen von Eolmar, Sttaßburg und Metz, auch noch die Verrichtung eine» Schochet (Schlächter) au», da da» Einkommen al» Borbeier ihneu keine genügenden Existenzmittel verschafft. Gestehen wir jedoch ein, daß die« eine seltsame Vereinigung von Aemtern ist, welche den Bediensteten bald an den Altar, bald in da» Schlachthau» beruft! E» ist war, daß die Herren Vorbetrr keineSweg» Anstoß daran nehmen. Wenn fir einmal au» der Elementarschule getteten sind, werden sie tu keiner Fachschule «»»gebildet. Such in dieser Beziehung wäre eine durchgreifende Reform wünschenSwerth. Wa» die iSraelttischen Schulen betrifft, ist auch nicht Alle» zum Besten. Der Riederrheiu zählt eine beziehungsweise angemesseue Zahl israelitischer Schulen (46), au» dem einfachen Grunde, well sie sämmttich comamnale find. Aber der Oberrhetn» der mehr israelttische Gemeinden hat, al» der Ntederrhein, ist nicht so gut «»»gestattet: 12 öffentliche und 56 freie Schulen für 56 Gemeinden, da» ist sehr wenig. Im annectirien Lothringen steht e» noch schlimmer au»: e» bestehen dort nur 8 öffentliche Schulen für 45 israelitisch« Gemeinden. Wo keine Schule besteht, da mangeln «othwendiger Weise Unterricht und Bildung; e» folgt darau», baß die iSraelititische Jugend von ungefähr 166 elsäsfisch-lothringischen Gemeinden der Wohlthaten dr» Unterrichte» beraubt ist und beraubt bleiben wird, wenn ander» sie nicht cenfesstonelle «Lchulen von eüiem andern Cultu» besucht, wa» in den Dörfern ziemlich fetten ist. Bleibt noch die Kategorie der fteien Schulen, ungefähr 16 bi» 14 an der Zahl, die von den Eltern der Schüler, welche dieselben besuchen, errichtet worden sind und unterhalte» werden. Aber in Aubettacht der Seltenhett der iSraelttischen Lehrer, di« sogar für die Eommunalschuttn mangeln, versteht e» sich von selbst, daß einig« frei« Schulen fast immer ohne Leitung find

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