Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 52 (27.12.1871)
- Date
- 1871-12-27
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Bericht über Motzlthatigkettr-Anstalten. Es liegt un», zum Theil schon fett längerer Zeit, eine Reih« von Jahresberichten und Referate« über jüdische Wohl» thätigkeitS» Anstalten und Vereine vor, au« denen mir zum Jahresabschluss« Auszüge zusammenstellen. Au» Schippenbeil. „Zweiter Rechenschaftsbericht über da» israelitische Priovinzial-WaisenhauS für Knaben und Mädchen in Oftpreußm." Da» Waisenhaus wurde am 16. Sept. 1868 mit der Aufnahme von 4 Waisen eröffnet. E» zählte bereit» 10 Zöglinge: 4 Mädchen und 6 Knaben. 3 Knaben find jetzt confirmirt und entlasten worden. Einer ist zu einem jüdischen Bäcker, der zweite zu einem jüdischen Kürschner in die Lehr« gegeben u. Einer muhte, weil er geistesschwach war, entlaffen werden. G:gmwärtig siad 6 Waisen in der Anstalt, 4 Mädchen rmd 2 Knallen, welche die Mittelschule besuchen. Da» Waisen» hau» ist be'anntlich durch die erübrigten RothstandSgelder an« den Jahren 1867/68 begründet worden, und der damal» geringe Fond» ist lmrch wohlthättge Spenden.dermaßen angewachsen, daß jetzt der Bestand der Anstalt gesichert ist. Se. Maj. der deutsche Kaiser hat da» Protektorat der Anstalt zu übernehmen und derselbe, den Namen .^könig WilhelmS-Stift" zu verleihen geruht. Au» der Bilanz der Einnahme und Ausgabe (2124 Thlr. 24 Sgr. 10 Pf.) ist zu entnehmen, daß die Ausgaben für jede» Kind an Kostgeld, Kleider, Wäsch« und Unterricht jährlich über 100 Thlr. besagen. Der Bestand beträgt 1) in Kreis-Obligationen 5000 Thlr. und 2) zinSlich angelegt 2700 Thlr. Leipzig. „Vierter Bericht über die Mendelssohn-Stiftung." Er umfaßt die Jahre 1869 und 70. Die Stiftung hat im jüngsten Jahre bereit« 962 Thlr. an Stipendien und Unterstützungen, die letzteren auch an Bedürftige christlicher Eonfession, verausgabt, und ihr Fond» ist von 1450 Thlru. auf 3021 Thlr. gestiegen. Sie hat 25 Stipendien c>a Studenten der verschiedenen Fakultäten und der Musik im Belaufe von ca. 1000 Thlrn. während Lei beiden Jahre bewilligt, und Unterstützungen im Belauft von 360 Thlrn. meist an Gelehrte und Künstler gewährt. Die Zahl der Letzterm belief sich auf 89, worunter 25 christlich,-! Eonfession, Einige davon waren Ausgewiesene auS Frankriich. Dem permanenten Ausschuß der Studentm wurde bei feiner Gründung eine Gabe von 20 Thlrn. gespendet. Wien, lleber die Gründung und höchst gedeihliche Entwickelung d«S „JSraelitischm BlindeninftitutS", das durch Beschluß der lonstituirendm Versammlung vom 19. März c. inS Leben trat, haben wir bereits in Nr. 20 d. Jahrg. ausführlich berichtet. Wir lasten hier noch einen kurzen Auszug des Statut» folg«. „DaS Israelitische Blindeniustüut hat seinen Sitz in Wien. Zweck deffelbm ist die geistige, religiös-sittliche und gewerbliche AirSbUdung von Blinden beiderlei Geschlecht» (tz 1). «Sl» Ergänzung zur BildungSanstalt dimt eure mit derfelbm zu oerbindmde BlindmbeschäftigungSanstalt; in diese können solche männliche Zöglinge versetzt und bis zum 20. Lebensjahre belasten werden, die nach Zurücklegung der BUdungSzeit zur Ausübung ihre« Beruft» noch nicht reif find, oder für die der Ort hierzu noch nicht e>mittelt ist (g 2). Aufnahme-Bedingung ist unter Anderem StaatSangehörigkett zur östreichisch-ungarischen Monarchie (8 3) Staatsangehörige der öftreich^ungar. Monarchie könnm nach Lage der Verhältnisse zu ermäßigtm Bedingungen, bei erwiesen,» gänzlicher Armuth aber auch unmtgeltlich aufgmommm »erden ($ 11). Ausländer können jedoch nur gegm eine «tt dem Curatorium zu vereinbarende Gebühr Aufnahme finden. Dt: Lehrzett soll nicht unter sechs, uud nicht über acht Jahre dauern (§ 8). Der Unterricht umfaßt di« Gegmständ« der Volk»- imd Mittelschule, sowett sie Btiade» faßbar gemacht »erd« Urnen, ferner Musik» Handwerke und Leibesübungen (§ 9). Die Leitung de« Jnstttut» geschieht durch et» Eoratorium, bestehend auS 7 Männem und 3 Frau«, welche« für die Dauer von drei Jahrm gewähtt wird (8 19). Wen» die Auflösung der Anstalt beschloffen wttd, so fällt Han« nebst Gartm und Einrichtung der Wiener iSraeltt. CultuS-Gemeinde zu, deren Vorstand über die weitere Venvmdung zu einem wohlthätigen Zwecke zu beschließm hat (8 26). Köln. DaS Local-Comitö der Alliance iSraöl. «niv., dain Folge de» Kriege» die Aufgabe hatte, selbstständig für die Unterbringung und theilweise Unterhaltung der von jmer übernommmm rnsfischm Waismkinder Sorge zu tragm, hat einm öffmtlichm Bericht über seine Wirksamkeit erstattet. Durch dm AuSbruch des Kriege» stellt« sich dem hochherzig« Gedankm, durch Adoption uud Versorgung der Waisen dem erhabmm Werke der Regmeratioa eine feste Gmndlage zu geb«, die bedmtmdstm Schwierigkeit« iu dm Weg. Der WohlthättgkeitSsinn conrentrirt« sich auf «in andere« Gebiet, da« all« Deutsch« ohne Unterschied der Eonfession näher lag. Trotz allem ist e« dem Local-Eomitö durch die anerkmnmSwertheste Aufopferung gelungen, dreißig Knabm, die ihm theil« von dem Haupt-Grmz- Comite in Königsberg, theil» vom Central-Comitö in Pari» überwies« wnrd«, derartig zu versorg«, daß sie vor der Hand de» Beistände» der Slltanee nicht mehr bedürf«. Zwölf derfelbm sind von Synagogen-Semeinden de» Rheinland«« und Westfalm» oder von Privat« adopttrt und die ander« achtzehn bei Handwerkern oder in Handlung-Häusern untergebracht Word«. Verausgabt wurde die Summe von 1132 Thlr. 17 Sgr. 7 Pf. Durch Sammlung« bet verschied«« Festlichkeit« und durch Subventionen von Gemeind« uud Privatperson« wurde «t»e Einnahme von 509 Thlr. 20 Sgr. erzielt. Da» Eomttö gebraucht für die nächst« drei resp. vier Jahre zur Bestreitung von Lehrgeld, Bekleidung, Handwerkszeug uud Unterricht »och circa. 5—600 Thlr. jährlich. Möge ihm zu dein gottgefällig« Werke eine allseitig« reichliche Förderung und Unterstützung zu Theil werden. Berlin. „Zweiter und letzter Rechenschaftsbericht de» Comitö'S für die währmd de» Kriege» 1870/71 in Berlin befindlichen jüdisch« Soldaten." Der vorliegmde Bericht ist ein rühmliche« Zeichm dafür, wie unsere GlaubmSbrüder währmd i de« Krieges durch thatkrästige Mlldthätigkeit auf allen Gebiet«! die Nothstände zu mildem bereit und erbötig waren. Da» Comttö hat sich auch damit befaßt, für Verabreichung von Peßachkost an die im Felde befindlich« Soldat« Sorge zu ttag«. Die Einnahme, größtmtheil» durch Sammlung« in einzeln« Gemeind«, betmg 917 Thlr. 5 Sgr. 8 Pf., die Ausgabe 827 Thlr. 22 Sgr. 4 Pf. Au» der Specification der Letzteren geht unter Anderem hervor, daß in Metz über ganz Peßach 114 Soldat« (für 2968 Fr. 90 C.) gespeist, für Dertheilung von Mazzoth daselbst 322 Fr. verausgabt wurden, femer daß in Straßburg 52, in Weißenburg 12, in Soeullrtou 12, ln Mutzig 3 jüdische Soldat« mtt Peßachkost versehm wordm find. 100 Thlr. wurdm dem Feldgeistltchm IX. Blumenstein zur Disposition gestellt und von demselben zu ähnlich« Zweck« verwmdet. Der sich ergebende Kaffenbestand von 119 Thlr. 6 Sgr. soll nach Erlaubuiß der Spmder zur Begründung eine« „Vereins für Beköstigung jüdischer Soldaten in Berlin" verwendet werdm. Prag. „Erster Jahresbericht der landeSherrfchastlichm Steuerstiftung für der Judmschaft de« Königreich« Böhm«, mtt Ausschluß der Stadt Prag, angehörtge Waismknab« für dm Zeitraum fett der «ttivinwg der Stiftung am 16. August 1869 bi« zum 31. Decbr. 1870." In der dem Bericht vorangeschickt« Einleitung wttd über dtt Entstehung der Stiftung gesagt: