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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-12-20 · 51 (20.12.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
51 (20.12.1871)
Date
1871-12-20
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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408 Auch von zwei Erscheinungen muß ich Ihnen Meldung thun, die im Gebiete der jüdischen Journalistik ausgetaucht find, vr. Rokonsteia, der abgedankte Rabbiner in Steinamanger, machte d«, Versuch den »Magyar Jöraelita* auf's Neue herauszugeben, mußte ihn aber aus Mangel an Theilnahme gleich »ach Erscheinen der Probenummer auflaffen. Sehnlich erging eS der »Palnle" von vr. Eternau, die nach Erscheinen der dritten Nummer «in frühes Ende fand. Lequieseuut in pace! (Wir können erst im neuen Jahrgange auf eine selbstständige Besprechung der neuesten Wendung der Dinge in Ungarn eingeheo. R,L.) Rumänien. Bukt rest, 23. November. Der judenfrefferische Senator DeSliu hat sich oun doch einmal gründlich blamirt und die ganze judenfeindliche Partei, als deren Repräsentant er auftrat, lächerlich gemacht. Er unterfing fich gegen daS gegenwärtige Ministerium ein: fulminante Interpellation einzubringen und wiederholt die Judenfrage zu betonen. Aber selbst dieses schwere Geschütz, welches die Opposition noch immer mS Feld zu führen pflegt, verfängt bei diesem Ministerium nicht. AlS der Herr Senator d e Zulässigkeit der Juden für eine Beschimpfung der Freiheit und für einen Verstoß gegen die Constitution erklärte, sagte ihm der Minister Costafor, wie die „Rum.-Post" schreibt: Ich kann den Juden ein natürliches Recht nicht verwehren, nämlich solche Personen als Schiedsrichter zu wählen, denen sie ihr Vertrauen schenken; ich kann «umöglill» so ungerecht gegen Menschen sein, denen man sonst keine Schuld beimesfen kann, als die, daß sie in cittisr anderen Religion geboren stad. Ich werde Beschränkungen gegen Nienianden, gehöre er welcher Nationalität immer an, dulden. Jedermann soll eS freistehen, seine natürlichen Recht: auSzuüben." Solche Worte find aus dem Munde eines rumänischen Ministerschon lange nicht gehört worden, und eS ist nicht zu bezweifeln, daß ein Mann, der fich nicht scheut so überzeugung-treu zu sprechen, seine Worte auch zur That machen werde. Berla», 5. Decbr. (Orig.-Corr.) Um Ihnen die traurige Situation, in der wir Juden in Rumänien uns befinden, im Einzelnen zn schildern, müßte ich eine Riesenkraft zu schreiben haben. Ich werde Ihnen daher nur einiges anführen. Der jetzt tagende Journalisten-Congreß hat die von der Majorität vorgeschlagenen vier Artikel angenommen. Der Artikel 2 lautet: »Der GermaniSmuS bedroht augenscheinlich die Donauländer. Die Presse wird nachdrücklich gegen jeden Versuch einer Colonisation durch die Deutschen kämpfen. Ebenso wird sie energisch gegi-n die systematische und stets wachsendes?) Invasion (?) deS JudrntblimS, dieser Vorhut deS Germanismus (eia prächtiges Kompliment! Red.), kämpfen. Die Presse wird die unbedingte Ausführung der bestehenden Gesetze und die strengsten Maßregeln im Interesse der öffentlichen Ordnung und Moral gegen die von Juden gemachten Ausbeutungen — welchen unsere Nation, und ganz besonders die Landgemeinden auSgesetzt find — verlangen.* Die hiesige Primaria hat Regulament; gemacht, mit welchen sie hauptsächlich die Juden zu verfolgm strebt. Den Inhalt dieser Regulcmente hat Ihnen schon einer Ihrer Correspondenten aus Berlad berichtet. Freitag, den 23. November, kam der Primär und Polizeicommissair za einem Juden, bei welchem man Brot — auch mehreres noch ungebackenes — fand. Derselbe nahm eS weg, und man nöthizte den Juden, bas rohe Brot aufzumachen und zu backen; dann nahm man auch dieses weg. Ist eS r icht schauderhaft, wen» man im neunzehnten Jahrhundert solche barbarische Thaten begehen siebt! M. Tauber. j Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Eine höchst angenehme Ueberraschung wurde am 26. v. MtS. den jüdischen Theilnehmern deS FeldzugeS bereitet» deren Familien während desselben die Communal-Uaterstützung bezogen haben. Nicht allein daß denselben »eben den städtischen noch eine regelmäßige Unterstützung zur.Hälfte deS Betrageder elfteren von der hiesige« jüdifchm Gemeinde gewährt worden war, wurde auch den heimgekehrten Kriegern auS einem in aller Stille in den wohlhabenden Kreisen aufgebrachten Fondeine RetabliffementSbeihilfe ihrer geschäftlichen und bürgerlichen Verhältnisse in Höhe von 25 bi» 30 Thlr. in so taktvoller und delikater Weise gewährt, die wir den Staatsorganen bei dergleichen Obliegenheiten nur zur Nachahmung auf's Angelegeut» lichste empfehlen können, daß die Annahme diese- Geschenke- Niemandem schwer fallen konnte. Jetzt erhielt nun jeder der Obengenannten ein Handschreiben des Vorsitzenden des Comitö'S zur Unterstützung jüdischer Wehrleute und Reservisten, worin ihnen dieser mütheilt, daß bei 'Jet stattgehabten Schlußverthei» lung de« erwähnten Fondauf sie noch je ein Antheil von 20 Thalera entfalle, den sie am 27. in den Vormittagsstunden in Empfang nehmen möchten. Dieseganz anständige Sümmchen, auf dagewiß Niemand fich Rechnung zu machen berechtigt war, wird den Betreffenden dafür um so willkommener sein.' (3üd. Pr.) Ans Süddentschland berichtet der „Israelit" und das „Synodalblatt" über neuerdings auftauchende, durch die kleinsten Winkelblättchen gehende höchst judenfeindliche Zeitungsartikel. Während solche fich der Aufmerksamkeit degebildeten Publikums, namentlich in Norddeutschlaad, entziehen, wirken sie um so bedenklicher auf die Leser, für die sie berechnet und gedruckt sind. Da ist ein jüngst in der „Neuen AugSb. Zeitung" erschienener, io hessischen u. a. Localblättchen abgedruckter Artikel: „Wer ist in Wirklichkeit staat-gefährlich?" Der Sinn derselben ist: nicht die von der Kanzel agitirenden katholischen Geistlichen sind staatsgefährlich, wie Lutz und die ReichStag-majorität sagen, sondern — nur die Juden. Man erräth also die Urheber leicht. Diese StaatSgefährlichkeit soll durch die gemeinsten, ebenso bodenlosen wie giftigen Lügen erwiesen werden. Diese Lügen find auS den verschollenen, aber doch noch hier und da vorhandenen Schmähschriften der Hephepzeü von 1819, welche ihrerseft» wieder aus älteren derartigen Büchern schöpften, entlehnt. Proben hier zu gebe», oder gar eine Widerlegung zu versuchen, wäre ganz unnütz. Wir erwähnen eS nur als Zeichen der Zeit und um darauf hinzuweisen, daß doch etwas dagegen geschehen müßte; ein Gemeindebund müßte die« nicht nur zu seinen Aufgaben zählen, .sondern nur ein solcher könnte mit nachhaltigem Erfolg eintreten und wirken. Dies bedarf wohl keine- Beweises. Bei ver Gelegenheit wird auch die Schandschrift deS Scharff von Scharffenstein „Daentlarvte Judenthum jc." wieder erwähnt, und wir erfahren, daß der Mann fich lange in der Frankfurter Gegend Herumgetrieben hat und zwar in Verhältnissen, die ihm den Beinamen „Schmiß von Schmeißt ihn hinaus" verschafft haben. — Sehr treffend-erwähnt das „Synodal-Bl." bei dieser Gelegenheit, daß zwei jüdische Abgeordnete, LaSker und Sonnemann, gegen die bekannte Strafgesetzbuch-Novelle gestimmt haben. Wien. Der Gründer deiSraelit. Blindeninstituts Hierselbst, vr. 8. A. Frankl, hat die Idee angeregt, während der Weltausstellung, welche 1873 in Wien stattfiudea soll, eine» Congreß von BlindeninstitutS-Lehrern abzuhalten. Er hat einen darauf bezüglichen Auftuf erlassen und von dem CultuSminister und Bürgermeister der Residenz in sehr schmeichelhaften

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