Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 51 (20.12.1871)
- Date
- 1871-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-5934989-5935543--1012-5370663- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
409 Schreiben dm Ausdruck der Zustimmung und da» Vnfprechm kräftiger Unterstützung erhalten. Wie«. 3a dem neuen Ministerium sitzen zwei getaufte Juden, Glaier und Unger. Die» ginge uns gar nicht» an, aber da» Prager Czecheablatt spricht von der „Aera der getauften Juden" und da» ist — der Nutzen, den un» die Herren bringen. Eine Hochzeit in der jüdischen Geldaristokratie hat die Runde durch alle Blätter gemacht: Herr Adolph Schenk und Fräulein Jeannette von Popper. Die Trauung, welche im alten Tempel vollzogen wurde, versammelte daselbst ein Publicum, wie e» in einem jüdischen Gotteshaus« nicht oft sich zusammen findet. In den ersten Reihen saßen Graf Beust und Graf Andraffy; der gestürzte Reichskanzler nahm den ersten Platz ein — rin Glück, daß recht» und link» im Tempel nicht dieselbe Geltung haben, wie im Parlamente! Außer diesen beiden Diplomaten waren anwesend Dr. GiSkra, Fürst Fürstenberg, Baron Wenkheim, Graf Zichy, Ritter von Goldschmidt, Vertreter der Preffe, Hofschauspieler, Bankier» — kurz die Elite der Wiener Gesellschaft. Nach der Trauung fand in den glänzend decorirten Appartement» deS Herrn Ritter von Popper ein große» Diner statt, bei dem Graf Beust viel gefeiert wurde. Sekaly (Oesterreich). Hier starb jüngst ein Jude Namen» I. Habisch im Alter von 140 Jahren. Er hatte sechs Frauen geheirathet, die ihm 33 Kinder geboren. (Libanon.) Pari». Dem Berichte der „N. Fr. Pr." über die Hinrichtung Gaston Crömieux' entnehmen wir noch den Schlußsatz über die persönlichen Verhältnisie de» Unglücklichen: „Gaston Crömieux, der einer reichen israelitischen Familie angehörte, hinterläßt eine 22jährige Wittwe und 2 Kinder. Gaston Crömieux war ein fanatischer Republikaner, ein glühender Verehrer der Männer von 1791, aber ein höchst ehrmwerther Charakter, eia liebenswürdiger Mensch. Seine Frau, eine schöne, geistreiche Engländerin, war schon vor längerer Zett und mit Auszeichnung von Thier», mehreren Ministern und zahlreichen Abgeordneten empfangen worden, und sie wurde mit der bestimmten Zusage entlasten, sie habe um da» Leben ihre» Mannes nicht zu zittern. Seitdem verwendete sich der Generalrath von Marseille zweimal und einstimmig für Crömieux. Niemand dachte mehr an sein TodeüurtheU, weil Niemand den Vollzug für möglich hielt. Um so größer ist die Ueberraschung." Chicago. „Hebr. Leader" berichtet» daß da» Gerücht, als ob beim Brande im jüdischen HoSpital mehrere Krarke umgekommen feien, sich, Gott Lob, nicht bestätigt habe. Notiz. Joseph Zedner. Seinem verewigten Freunde und seriellen Fachgenossen Zedner widme: Steinschneider im „Mag. f. d. Lit. d. Ausl." (Nr. 44) einen warmen und würdigen Nacyrus. Er sagt: „Mit ihm schwindet einer der Letzten au» dem kleinen Kreise der Männer, welche seit etwa einem halben Jahrhundert der jüdischen Literatur einen Platz in der Wissmschast erobert, ohne durch Stellung und äußere Anerkennung für den harten Kampf belohnt zu werden. An jeden ihrer Namen ließe sich ein Stück Cultur» und Recht»geschichte unsrer Zett knüpfen." Da» äußere Leben Zedner'», besten Hauptmomente in dies. Bl. Nr. 45 S. 300 aufgezählt sind, bietet fteilich keinen Stoff für da», wa» man eine interestante Biographie zu nennen pflegt. Von dem, wa» Steinschneider über dt« Lebea-omstände Z.'S erwähnt, ttagen wir noch Folgende» nach. Er war einst Schüler de« R. Aktba Eger. An die Schule zu Strelitz wurde er berufen, al» er kaum 24 Jahre alt war, und war dort College de- Oberlehrers Levh, welcher später unter dem Namen Lehfeldt zusammen mit 0r. Veit eine Buchhandlung in Berlin gründete. Schüler dieser beiden Männer war der jetzt al» Lexikograph gefeierte vr. Daniel Sander», welcher in einem Briefe sagt: „Ich bekenne e» gern und mit fteudigem Stolze, daß ich hauptsächlich diesen trefflichen Männern mit die Grundlage meines Wissen» und die Anregung zum Vorwärtsstreben dauke." Insbesondere bezieht er diese Dankbarkeit auf Z.'» Unterricht in der deutschen Sprache. „Zedner war (so schreibt er), wie die» u. A. seine Briefe zeigen, ein Meister d«> deutschen Stil», und ich habe e» immer lebhaft bedauert, daß er, namentlich durch seine übergroße Bescheidenheit daran verhindert, sich nicht entschließen konnte oder wollte, al» Schriftsteller, z. B. auf dem Gebiete der Novellistik, aufzutteten, auf welchem er gewiß Ausgezeichnete» geleistet hätte. Ich weiß, daß u. A. auch Barn- Hagen von Ense ihn wiederholt, aber vergeblich, dazu aufgefordert uud ermuntert hat." Or. Sander» war im Verkehr mit seinem verehrten Lehrer geblieben, und dieser hatte ihm noch zuletzt werthvolle Mittheiluogeu über die dem Orient entstammenden Ausdrücke in S.'S Fremdwörterbuch zugesendet. Von Zedner» Leistungsfähigkeit im Deutschen zeugen einige Nachbildungen von hebräischen Makamen de» Charisi im Ltteraturblatt deS .Orient', von seiner poettschen Begabung einige Gedichte zu Stahlsttchm in den Sammlung« (Porttätaldum») „Ehret die Frauen" und „Edelstein und Perle" (1836—45) mit dem umgestellten Ramm R. Z. Ende unterzeichnet, sowie eine Humoreske, welche die einsamen LeidenSstundm diese» — seine» letzten — Jahre» auS» füllte üilb un» eine überraschende Sette seine» Talent» enthüll:. „Ein Fragment au» dem letzten Gesänge von Reineke Auch»" (8 S. Ascher u. Co.) mit dem Datum 17. März 1871 und der Chiffre ,Z.' wurde einig« Freund« ohne Angabe de» Verfasser» zugesmdet. Reineke zu Malepartu» in dieser ttefflich gezeichneten Satire ist — Napoleon QL Bonaparte! Die Specialitäten über die bibliographisch« Leistung« Z.» müflm wtt hier übergeh«, sie lieg« einem Theile unserer Leser zu fem, andem find sie im allgemein« bekannt. Daher noch einige Worte zu seiner Charakteristik: „Er war nicht etwa eia in Büchern und KatalogSzettela vergrabener, mmfch«scheuer Hagestolz, sondem er liebte dm geistig« Verkehr, dm Umgang; in sein« frei« Stnndeu la» er mü unbemittelt« Jüngern philosophische und andere Schriften» erfteute durch Lieben»- würdigkeit, feine» Bmehmm, ja durch finnige Heiterkeit. Die jüdstchm Observanzen strenge beobachtend, so daß er im Amte den Sonnabmd durch Ueberstundm in dm Wochentagen ersetzte, spielte er nie dm Sittenrichter und fand kein« Anstoß im Verkehr mü Männern eatgegmgesetzter religiöser Richtung." „Wenn diese Zett« (schließt Steinschneider) da» Büd Z.'» nur in schwach« Umristm zeichne», so mag da» zu sein« best« Züg« gerechnet werdm, daß da» Original sich gern öffmtlicher Ausstellung mtzog." > verichttgung. Nr. 49. S. 388,d. «in Schluß W erste» Absätze» ist eine Anmerkung au»gesalleu: anoB nrsf bm mpe ho r nvm bo rtwi S. 389,» 3* « lie»: uud sei» Hau», statt: in. Nr. 50. S. 396,» Z. 24 ft. »Lattich l. neulich. «. 399,b Z. 7 ft. Selben l. „Halden". Briefkasten der Redaktion. Hr. — in Sch. Da» Lhanmkagedichr ist ganz leibar »ad gm, ent- HLtt aber »» «eaig originelle Sedanken, so daß '»oir chm keine» Nan» gebe» köuneiu