Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 51 (20.12.1871)
- Date
- 1871-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 406 die barbari chm „PrusfimS" zu Feld« zog und in seiner Red« behauptete, „daß alle Juden, selbst die, welche in der preußischen Armee dienten, im Herzm Frankreich ergeben seien". Dieser Artikel hat die Rund» durch viele Blätter gemacht, wir geben audiesem Grunde hier die Entgegnung, welche in der heutigen Nummer de» genannten Blattegestanden hat. „Gestatten Sie mir, geehrtester Herr Redacteur, meinen Collezen, den Grand-Rabbi« Isidor in Paris, wegen einiger in Ihrem gestngm Abendblatte ihm in dm Mund gelegtm, geradezu sinnlos klir genden Behauptungm in Schutz zu nehmen. Herr Isidor ist zwar mit Leib und Seele Franzose, theilt mit seinm LandSlmtm dm Schmerz über dm Verlust von Elsaß» Lothrinzm und die Hoffnung auf Wiedererwerbung dieser Provinzen, aber er ist doch ein vernünftiger Mann. Er hat, al» Oberrabiner von Frankreich, im vorigen Sommer von seinm GlaubmSg,mosten in dm gmanntm Bezirkm in einem „Hirteabrief" Abschied genommm, er hat dabei ausgesprochen, daß das Lebewohl nur auf eine kürzere oder längere Zeit gelten möge, hat aber emstlich ermahnt, daS Geschehene ruhig zu ertrazm und jedm Gedanken an Auflehnung und Gewaltthätigkeit fern zu hattm. Wenn er nun gesagt habm soll, daß „fast alle Kinder Elsaß-LothringmS Judm seien", so liegt für jeden, der die Berhälmiffe kmnt, das Mißverständniß auf der Hand. Er hat gesagte „fast alle Juden Frankreichs sind Kinder Elsaß- Lothringens", und das ist ganz richtig, da alle französischen Juden, mit Ausnahme der im Süden (Bordeaux, Marseille u. A.) wohnenden, aus jenm Provinzen eingewandert sind, oder im zweiten oder drittm Gliede von dort stammen. Namentlich sind die französischen Rabbiner ohne Ausnahme Elsässer oder Lothringer, Zöglinge der erst vor etwa 15 Jahrm nach Pariverlegten Rabbinerschnle zu Metz; wenn daher Isidor und seine Collezen in mehreren letzthin gehaltenen und veröffentlichten Reden und Ansprachm darüber klagen, daß ihre Heimath und die Grabstätte ihrer Eltern ihnm mtfremdet sei, so wird gewiß kein dmtscheS Gemüth solcher Empfindungen spotten. Die am Schlüsse de- Artikel» erwähnte, im December v. I. gehaltme Rede ist nicht von Isidor, sondern von Albert Cohn gesprochen. Schließlich erwähne ich noch, daß Rabbiner Isidor dem jüngst in dem Pariser jüdischm „WohlthätizkeitS-Bereine" eingebrachtm Anträge auf Ausschluß der Dmtschland anzehörizm Mitglieder mit aller Kraft mtzegmgearbeitet, und die Versammlung mit Thränm gebetm hat von einem so unvernünftigen und relizionSwidrigm Beschlüsse abzustehm. TreuenfelS." Lerliu, 10. Dec. (Orig.-Corresp.) Ueber dm Ausfall der Wahlm zur Repräsentantenverfammlunz sind Sie gewiß bereits unterrichtet. Bon 5100 Stimmberechtigtm habm 900 gewählt, freilich ganz im Sinne der herrschmdm Partei, die, wie sich dadurch deutlich zeigt, ebenso gering an Zahl wie an wirklichem Einfluß, an festem Rückhalt in der Gemeinde ist. Bei den letzten Wahlm, 1868, habm von 3500 Berechttztm etwa 2600 abgestimmt, und die Majorität für Geiger (um dm es sich ja damals handelte) bettuz ca. 150 Stimmen. Jetzt wirkt derselbe seit ein paar Jahrm hier, und die Abstimmung zeigt, mit welchem Erfolge. Aber es ist mü diesem statistischm Resultate roch nicht gmug der Blamage. Könnte die Partei sich noch damit rechtfertigen oder ttöstm, daß nicht gmug ge»; schehen sei, um die Wähler an ihre Pflicht zu mahnen! Aber es hat an Aufrufm und Azitationm nicht gefehlt. Und wie wmig scrupulös man dabei verfahren ist, trüt jetzt offm zu Tage. Zwei Männer, derm Namen unter dem Wahlaufruf und der Canditatmliste des „liberalm" Comitö zu lesen warm, erklären in der »Boss. Ztg.', daß sie von nichts wissm, nichts unterschrielm und auch niemand beauftragt habm, für sie zu unterzeichum! — Daß sich auch LaSker unter dm Gewähltm befindet, habm Sie wohl bereit» in dm hiesigm polttischm Blättern gelesen. E» ist allerdings schlau, daß man ihn auf die Liste gesetzt hat. Man weiß, daß er principiell gegm da» Gesetz von 1847 ist; nimmt er nun dm Postm an — und er könnte nur unter ausdrücklichem Protest gegm die RechtSbestän« dizkeit de» Gesetzeablehnen — so ist er moralisch gmöthtgt, für dasselbe ein^uttetm. (DaS kann un» schon recht fein, da wir ja nur eine Rmision, nicht ein Umstoßen deSselbm »cm» fa^on wünschen. Red.) Berlin» 8. December. Herr Rabbiner vr. HUdeSheimer überfmdet der Redaction einm Attikel „In Angelegenheit der Armen» und Pilgerwohnungm in Jerusalem", unterzeichnet von dem Central »Comits für den Bau derselben: Ober-Rabbiner Ettlinger(s^I2ttN^^2N),0r.Hildesheimer und G. Hirsch. ES ist unS heut unmöglich, daS Ganze abzudrucken, wir gebm daher nur dm Inhalt vollständig und im Wortlaut die Hauptsätze. Wir erhieltm jüngst von dem Kolel in Hebron eine Petition de« Inhalte», daß wir nicht Jerusalem allein unsere ausschließlich« Fürsorge zuwmdm, insbesondere Hebron» auch gedenken möchten, welcher Ort ein wegm der Höhle Machpela besonder« viel besuchter Wallfahrtsort ftommer jüdischer Pilger sei, dir aber großentheil» obdachslos umherirren müssen, da der Ort klein und die Wohnungen sehr beschränkt. Dieser Wunsch aber konnte von un» um so weniger befriedigt werdm, weil da» Statut für die Pilgerwohnungen immer nur von Armen- und Pilgerwohnungen „in Jerusalem" spricht und wir dasselbe nicht eigenmächtig ändem können. Und dennoch scheint un» da» Berlangm der Petmtm ein sehr berechtigte» zu sei». Der allgütige Vater hat in dm dreizehn Jahrm seit Beginn de» Unternehmens demselbm Seinm besonderen förderlichen Schutz angedeihm lassen. E» sind gegenwärtig in Jemsalem außer einem Pilgerhause, 3b kleinere Wohnungen außer zwei großen Häusern für je sechs Familien, Dmkmäler zweier hochherziger Spender, hergestellt, und drei Listemm, damuter eine außerordentlich große» restaurirt, so daß man wohl nachgerade auch zunächst an ei» Pilgerhau» in Hebron denlea dürfte. Freilich ist diese Frage zunächst nur eine principielle, da wir für die in Jemsalem hergestellten, au» verschiedmen Gründen unausschieb» baren Bauten noch m einem sehr bedmtmdm Rückstände gegm die eingegangme« Spenden sind, welcher natürlich erst gedeckt werdm muß. Auch würdm zur Realisirung de« obigen Plane» bedmtmde neue Mittel gehören.. Allein theil» weil wir der nie versiegenden Quelle jüdischer Wohlthätigkeit fest verttaum, theil» weil «n» außerordentlich viel daran liegt, die öffmtliche Meinung über da» Princip selbst sobald al» möglich zu vemehmm, ttetm wir schon jetzt vor die Oeffeutlichkeit und bitten die geehrte Redaction, die Spalten ihre» Blatte» der Di»- cussiou hierüber gütigst zu öffnen, oder man möge sich in Privatbriefen an un» wmden, die wir an die Adresse Aron Hirsch und Sohn in Halberstadt, für H. G. Hirsch, zu sendm bittm. bl. Altona, 11. Dec. <Orig.»Corr.) Tiefbewegt komme ich ebm vom Friedhofe zurück; e» ist unser Haupt, unsre Ehre, unser Ruhm da bestattet wordm, R. Jakob Ettlinger ist nicht mehr! Ich bin nicht derjmige, der ihm einm würdigm Nachruf widmm könnte, und wäre ich dazu im Stande, dann doch nicht jetzt. Bloße Worte aber mag ich nicht niederschreibm. Unser Verlust ist groß, als groß aber wftd er überall empfunden werdm, wo Thora noch in Geltung, in Ehre steht. Dmn da» ist keine Frage, daß R. I. Ettlinger einer der größten Lomdim in Dmtschland gewesen, daß unter den Lebendm keiner zurückbleibt, der größer wäre, als er gewesen. Besonders hervor» ragend war er auf diesem Gebiete dadurch, daß er durch praktische Thätigkeü auch »och im vStvv JBTl (im jüdischm Recht) voll bewandert war, da seiner Zeit dasselbe hier noch in Geltung stand. Wie R. Raphael Cohn in Hamburg hat auch er für , Beibehaltung des rmn [H nach Kräften gewirkt und durch seine auch von Christm rühmend anerkanntm llttheile in Civilproceß» fachen, welche fast nie in der ApellationSinstanz reformirt wurde«, einm wahrm Kiddusch haschem veranlaßt. Danebm war er strmge gegen sich und müde gegm andere, echt ftomm ohne j