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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-12-20 · 51 (20.12.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
51 (20.12.1871)
Date
1871-12-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Degen Mithilfe bet Rabbiners bet AdaS-JiSroel in Berlin zurückgewiesen habe. Selbst wohlgemeinte Warnungen, bas; ich mich keiner Illusion hingeben möge, mit einer berartigen Richtung irgeubwie auf neutralem Boden vorwärts zu kommen, habe ich unbeachtet gelassen, denn ich ging strikt im Sinne uad Geiste beS Gemeindetagevor. Es muh endlich doch einen Punkt geben, wo das jüdische Herz einen gemeinsamen Schlag empfindet, wenn auch die Köpfe au-einandergehen; es muh möglich fein, unferm Religionsstamm denjenigen Parlamentarismus beizubringen, der jede Ueberzeugung ehrt und anhört und dem Individuum fein angeborene- Recht läht, wenn nur sonst gemeinsame Berührungspunkte da find. Diese Voraussetzung hat sich auch glänzend gerechtfertigt. Denn unter den 90 Gemeinden, welche bijetzt zur Gründung de- Gemeindebundes angemeldet find» befindet sich eine gute Zahl höchst refpectabler orthodoxer Gemeinden im AUgemiinen und orthodoxer Vorstände im Besondern, welche einerseits keinen Anstand nehmen, den gemeinsamen Zweck zu erstreben, gemeinsam mit Gemeinden deentschiedenen Fortschritte-; sowie anderseits von entschieden fortschrittlichen Vorständen meinem Bestreben nach Neutralität in angegebenem Sinne in wärmsten Ausdrücken Zustimmung ertheilt wird. Dieselieh mich auch in Augsburg, wo jene Mahnungen und Warnungen an mich heranttaten, die Erklärung abgeben: Ich kenne keine FortschrittS-Echnorrer und keine Rückschritts» Schnorrer — ich kenne keine Fortschritts» oder Rückschrittsbeamte; der Beamte, der feiner Gemeinde langjährige gute Dienste geleistet, soll Pensionsanspruch haben; sowie die Durchführung der vollen Gleichberechtigung der Juden nicht bloS Einer Parteirichtung zu Gute kommen darf. Diese- Prtncip habe ich vor den drei zahlreichen Äerfamm» lungen »ährend der Messen vertteten unter Billigung der alle Richtungen umfassenden Auditorien und diese Richtu ng werde ich gemeinsam mit den AuSschußmitgliedern fortführen, biS wir unser Mandat in der nunmehr nahe bevorstehenden constituirenden Versammlung de» Gemeindebundes niederlegen werden. Im Geiste dieser Pflicht der Geschäftsführung de» Gemeindebundes darf mich der strenge Ton, in welchem Herr W. gegen die von mir nicht gut gekannten, von Ihnen hochverehrten drei Männer der „Colonifation" nicht beirren, ebenso wenig wie dal auch von Ihnen erlassene „Anathema" gegen würdige Rabbiner und hochgeehrte Gelehrte der fortschrittlichen Richtung, der ich anzugehören die Ehre habe. Herr Friedr. Wachtel aber ist derselbe, der unter dem Beifall aller Blätter Ihrer Richtung gegen Fritz Reuter so warm da» Wort für da» Judenthum geführt, und ist derselbe königlich sächsische GerichtSreferendar, der so eben einen g änzenden Kidusch-Haschem gegen da» sächs. Justizministerium durhgefühtt, indem er eine Verkümmerung seine- Rechteal» Richter, au» eonfesfionellen Gründen, mit feinem freiwilligen Austritte au» dem sächf. Staatsdienste beantwortete, obschon da» Ministerium ihm wegen seiner ausgezeichneten Amtsführung auSnahmSwesse Gehaltserhöhung zusprach. Derselbe Herr Fr. Wachtel (nicht Theodor Wachtel, wie der »JSraelit* druckt) ist daher im eminentesten Ginne ein „guter Jude", der mit demselben energischen Eifer indolenten Gemeindevorstehern, wie berühmten Schriftstellern und Ministern die Wahrheit sagt, und der sollte seine ltterarischen Arbeiten einer Censur unterwerfen? Herr GerichtSref. Wachtel liefert eben in feiner Person den Beweis, daß wahre moderne Bildung zu intelligentem Eifer, zu Wahrer Begeisterung für da» Judenthum, zu jedem Kampfe, zu jedem Opfer für dasselbe bereit macht. Andrerseits iü e» tief zu beklagen, daß Sie Männer mit chimärischem Projekte in Schutz nehmen, welche der christlich-germanischen Presse, ja selbst sonst liberalen Blättern neuen Stoff zur Schünmg de» Judenhasses geben, gerade cm der empfindlichsten Sette, der nationalen, wo auf die „Ssuderbestrebungen diese» fremden Stamme»" hingewiesen wird, und da» für ein Project, dessen innere sachliche Haltlosigkeit und schwärmerische Planlosigkeit der Herr vr. Lehmann in Nr. 49 de» „JSraeltt" so gründlich selbst nachweist und ad absurdum führt. Nachdem für da», waS wirklich in Palästina für die intellectuellen und ökonomischen Bedürfnisse unserer dort lebenden Glaubensgenossen zu thun, da» Mögliche durch die Alliance iSraölite universelle in die Hand genommen ist, kann ein so chimärische» Project der drei sonderbaren Schwärmer, al» welche» e» nach den Auseinandersetzungen de» Herrn Dr. Lehmann zu Mainz selbst erscheint, keine andere practssche Folge haben, al» RischuS zu machen und die Wirkung deS im letzten Nationalkriege vergossenen jüdischen Blute» in der Presse zu paralysiren; und e» kann, nach meiner Meinung, nicht laut und öffentlich genug von jüdischer Seite dagegen Verwahrung eingelegt werden. In diesem Sinne hat die Arbeit de» Herrn Wachtel meine persönliche volle Zustimmung. Wenn derselbe in seinen Ausdrücken sehr scharf ist, so hat sich eine Partei nicht zu beklagen, die in anathematifirender für die fromme Einfalt berechneter Polemik gegen unsere gelehttesten Männer alle Grenzen überschreitet; leider daß dieser Ton, der sich in der jüdischen TazeSpresse eingeschlichen, nur noch von der kleinen bayerischen ultramontanen Presse erreicht wird. Vielleicht wird e» zu einem der schönsten Erfolge de» Gemeindebunde» gehören, auch nach dieser Richtung hin versöhnenden, wenigsten» mildernden Einfluß zu üben; denn wenn ehrlich von recht» und link» ein gemeinsamer Boden nützlicher Wirksamkeit gesucht und gefunden sein wird, wie eS doch im Gemetndebunde möglich, wird hoffentlich jene Ausschreitung schwinden, die alle» Zusammenwirken abschneidet. Und Sie, Herr Doctor, werden gewiß sich auf Ihren schönen Satz besinnen, daß in allgemeinen humanitären Fragen jede Parteirichtung schwinden müsse, und werden auch die Consequenzen davon zu ziehen wissen, so wie ich e» in pflichtbewußter, dem Gemeindebunde schuldiger Selbstverleugnung verschiedenseitiger Extravaganz gegenüber thun muß. Hochachtungsvoll Lüpzig, 11. Decbr. 1871. Moritz Kohner. Berichte und Correspondenzen. Peutschland. Stettin, 12. December. Die hiesige ,N. St. Z." brachte gestern folgenden Artikel .au» Pari», 8. Decbr.: „Gestern fand in der Synagoge ein TrauergotteSdienft für den bei Champigny gefallenen Commandanten Franchetti statt. Bei dieser Gelegenheit hielt der Großrobbiner von Frankreich, Isidor, eine längere Rede, worin er von Elsaß-Lothringen sprach, „dessen Kinder, die fast alle Juden seien, im Herzen nur Franzosen bleiben würden, bi» diese Provinzen Frankreich wieoer zurückzegeben fein würden." Obgleich man bisher wußte, daß im Elsaß die Zahl der Juden sehr groß war, da sie bi» End», vorigen Jahrhundert» in Frankreich, seine deutschen Provinzen ausgenommen, wo man, al» man dieselben Deutschland wegnahm, dieselben vorgefunden hatte, nirgend» geduldet waren, so ist e» doch neu, daß, wie Herr Isidor behauptet, fast alle Elsaß- Lothringer JSraelitm sind! Herr Isidor ist übrigen« der Nämliche, welcher «ährend der Belagerung von Paris sehr scharf gegen t

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