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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-12-13 · 50 (13.12.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
50 (13.12.1871)
Date
1871-12-13
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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I I 399 konservative Partei, indem sie sich bet der Wahl der Repräsmtanten nicht betheiligt, damit einen Protest gegen da» Gebühren dieser Körperschaft «»»spricht, welche sich erlaubt Glaubenssätze zu abrogiren und neue Gebetbücher fabriciren zu lassen. Endlich wird mit Sicherheit vorausgesetzt, daß eine Abänderung de» Judengesetze« von 47 mindesten» dahin erwc rtet werden darf, daß die Willkürherrschaft seitens einer geringen Majorität in GlaubenSfachea keine staatliche Unterstützung mehr finden wird. Zu einem ähnlichen Beschlüsse kam auch die Gemeinde Abaß JiSroel. Dem gegenüber wurden vou der heischenden -Partei alle Hebel in Bewegung gesetzt und alle Mittel aufgeboten, eine rege Betheiligung herbeizuführen, die denn zu dem Resultate führten, daß von über 5000 stimmberechtigten Gemeinliegliedern sich circa 000 zur Wahlurne einfanden, wovon */* der Reformgenossenschaft angehörte, fast ein Drittel anderen Candi >aten al» den von der Reformpartei aufgesteiltm Männern die Gttmme gab, so daß von der eigentlichen Gemeinde sich nur bestimmt etwa 800 mit dem von der jetzigen Verwaltung adopttrten System der reformistischen Nivellirung einverstanden erklärten. ES ist hierdurch unwiderleglich constatirt, daß die Hinüber» führong der Gemeinde zur Reformgenoffenschaft, daS Ziel der jetzigen Verwaltung in der Gemeinde, keinen Anklang findet, und wenn die von einem Bruchtheile der Gemeinde gewählten Repräsentanten dennoch auf die» Ziel unter Bortritt der Rabbinm Geiger und Aub loSsteurrn, so werden sie weiter nichts -erreichen, als daß Alle, welche unter Judenthum noch etwa« mehr al» flachen DeiSmuS und humanitäre Bestrebungen verstehen, sich von ihnen loSsagen und sich zu einer eigenen Gemeinde con stiluiren. Hätte die Ada» JiSroel»Gemeinde e» verstanden, sich aus einer Grundlage zu constttuiren, welche, dem Geiste de» traditionstreuen JudenthumS angemessen, Niemanden auSschließt, der auf dieser Basis steht, Niemanden verketzert, weil er diesen und jenen Minhag nicht für ebeu so wichttg hält, wie die Grundprtn, ipken der Religion, wäre sie mit ihren gotteSdieustlichen Einrichtungen nicht „Willst Du mich trocknen Fuße» durch da» mittelländische Meer gehen lassen, wie einst Mose Deinen Vätern da» rothe Meer gespalten?" „DaS kann ich nicht, Herr; aber der Gott, der meine Väter au» Pharao'» Hand gerettet, er wird auch Dich und mich vor diesen Arabern nicht zu Schanden werden lassen. Verbirg Dich in jener Felsenkluft und harre dort meiner Rückkej-r." Der Kaiser that so, und Kalonymo» sprengte davon, um schleunigst mit einem frischen Pferde für feinen Herrn und Gebieter zurückzukehren. „Auf'» Pferd, mein Kaiser!" rief er, „und hinunter an'» Meer!" Keine Menschenfeele war am Ufer zu erblicken, ab-tr man hörte nur zu deutlich da» wilde Geheul und da» Pferdegelrappel der Araber, da» jede« Augenblick näher herankam. Nicht weit vom Ufer ragten einige FelSspitzen au» dem Meere hervor, eine derselben glich einem Fächer, unter der sich ein Mann, wenn er die andere Seite glücklich erreicht hatte, bequem verbergen konnte. „Versuchen wir hinüberzukommen," sägte Kalonymo», „hinter jenem Felsen wird man unS nicht sehen können." Die beiden Flüchtlinge wateten durch da» Wasser, aber unglücklicherweise war der Rand de» Felsen» so eng, daß kaum Otto und sein Pferd daselbst Platz fanden. „Bleibe hier," sagte der Jude, „ich will Dir Lebei »mittel Holm und dann Wacht halten." Sr ging an'» Land zurück. Eine Schaar Araber langt in demselben Augenblick am User an. Kolonymo» läßt fei» Pferd laufen und versteckt sich in der Felsen kluft. Endlich wird da» Gestade wieder leer. Auf der Holsen See wird ein Schiff sichtbar. Mit aller Anstrengung gelingt e» den wieder zurückgegangen hinter die von Rabb. 0r. Sach» approbirte Synagogen-Ordnung, so wäre zweifelsohne die Mehrzahl der glaubenStteuen Mitglieder der Gemeinde ihr zugefallen. Vielleicht wird die Nothwendtgkeit die Führer der Gemeinde zu der Ueberzeugung bringen, daß die religiösen Grundsätze de» „JSraeltt" in Berlin ebenso wenig Boden haben, wie diejenigen der entgegengesetzten extremen Partei; und so sehr man auf die „Gelben" jetzt schimpft, so wird die Zukunft auch hier die Wahrheit de» Midrasch-AuSspruche« darthun: ,ES giebt zwei Wege: auf dem einen FeuerSglut'y, auf dem andern EiseSkälte. Wa« soll da der Wandrei thun? Er soll die Mitte halten!" 2 Son dcr Leine, 29. Nov. (Orig.-Corr.) Wenn Sie lange nicht« au» dem alten Welfenlande gehört haben, so müssen Ihre Correspondenten wohl sehr lässig sein, denn an Stoff hat'» doch wahrlich nicht gefehlt. Da sind zunächst die großen Haupt- und StaatSactionen der diversen Landrabbinerwahlen im Gang, die nun, soweit e» HildeSheim betrifft, eben heute zum AuSttag kommen werden. Sie wissen wohl, daß die Dreizahl der Candidaten von der Synagozen-Gemeind« HildeSheim bereit» vor einigen Monaten gewählt ist, und da religiöse Parteiungen dort nicht in Frage kommen, die Gemeinde vielmehr einstimmig einen Mann wünschte, der weder nach link» noch nach recht» ein Ultra ist, so sind nur drei Gemäßigte gewählt, die vvr. Rippner und Guttmann au» dem BreSlauer Seminar und ein vr. Müller au» B. Leippa, von denen die Wahl aber nur zwischen den beiden ersten, offenbar au» rein persönlichen Motiven, schwankt. Beim Empfang diese» Briefe» werden Sie den Ausfall der Wahl schon wissen*), die übrigen« — da e» nun doch rii.mal ohne Streit nicht abgehen kann — den Austritt de» Vorsteher» der Syna» gogen-Gemeinde HildeSheim veranlaßt hat, da» für seinen Candidaten gegen den Willen der Majorität stimmen und daher ein gebundene» Mandat nicht annehmen wollte. — Ander» liegt die Sache in Emden, wo die eigentliche Wahl *) Noch in der letzten Stunde ist die Wahl vertagt worden. (Red.) Flüchtlingen die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. DaS Schiff kommt näher; aber al» der Capitän erfahren, wen er an Bord nehmen soll, fetzt er eiligst die Segel bei und fährt davon. Alle Bitten, alle Klagen und großartigen Versprechungen sind vergeben». Die Chronik berichtet un» nicht, wie lange sich 'bie Unglücklichen in dieser verzweifelten Lage befanden. E» wird bloß erzählt, daß Kalonymo» während der ganzen Zeit für Lebensmittel sorgte, daß die Araber öfter» vorbeistteisten, und daß 'Otto endlich verzweifelt und über,i.üdet an da» Ufer zurückkrhrte. Doch kaum hat er den Fuß an'» Land gesetzt, da ertönt wieder von den Höhen der wilde Schlachttuf der Reiterei. Auf dm Knieen bittet Kalonymo» dm Kaiser in sein Versteck zurückzukehren, er hebt ihn auf'» Pferd, stößt ihn in'» Wasser, und siehe da — plötzlich nähert sich eia Schiff. E» ist ein befreundete» Fahrzmg. Otto gelingt r», durch Signale dasselbe aufmerksam zu machm; aber e» kommt zu langsam. Kurz mtschlossm springt der Kaiser io'» Wasser und erreicht e» in demseldm Momente, in dem da» ganze Gestade sich mit Arabern füllte. Kalonymo» hatte sich indessen in die Kluft zurückgezogen und ging davon, al» die Gefahr vorüber war, beruhigt über da« Schicksal seine» Herrn. Der Kaiser landete glücklich in Roffano. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland rief er dm ttmen Judm zu sich, überhäufte ihn mit Ehrm und Reichthümeru, und al» er starb, empfahl er ihn seinem Nachfolger.

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