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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-12-13 · 50 (13.12.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
50 (13.12.1871)
Date
1871-12-13
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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3S8 wurde die Anregung zur Stiftung eines WiltweafondS gegeben, der heute einen Capitalbestand von 16,006 Thlr. nachweist und vielen Wittwe» verstorbener Freunde zu Gute kommt. Und daS diesjährige fünfzigste Stiftungsfest sollte seine eigentliche Weihe durch die „Begründung eine- Fonds für die vaterlosen Waisen ver» storbener Freunde" erhalten. Die Summe von 11,500 Thlr. war der Ertrag einer Sammlung unter der Mitgliedern, und die am Tage deS Jubiläums vollzogene Urkunde der Waisenstiftung ist ein Werk, auf welches die Gesellschaft mit gerechtem Stolz Hinblicken darf. Kein Wunder, daß die freudigste Regung unter allen Mitgliedern sich kundgab, als der 25. November 1871 zur i Feier deS Stiftungsfestes bestimmt wurde, nachdem der eigentliche GründunzStaz. der 9. Januar, mit Rücksicht auf die kriegerischen! Z-itverhältnifse geräuschlos hatte vorübergehen müssen. Nahe au; 400 GesellschaftSmitglieder vereinigten sich zur Feier deS Jubel» | lazeS. Der Jubel-Ouvertüre folgte die Fest-Cantate, welche bei | Gelegenheit der fünfundzwanzigsten Stiftungsfeier eigen» von j Gustav Freitag verfaßt war und besonder» durch die Solopieceu, die von Herrn Cantor Deutsch so innig vorgetrazen wurden, einen überwältigenden Eindruck auf alle Zuhörer machte. Den Mittelpunkt des Feste« bildete die Festrede deS ersten Direktor», die, meisterhaft in der stilistischen Form, der eignen Begeisterung für den Verein Ausdruck gab. ES -st sicherlich ein i allgemeiner Wunsch, daß sie durch Veröffentlichung zum Ge- I meingut Aller gemacht werde. — Ein Männerchor beschloß den ernsten Theil der Feier, dem sich daS Festessen anschloß. j Festlieder wechselten mit ernsten und humoristischen Trink-; sprächen. Der erste Toast galt dem Kaiser, dem die Ge» j s-llschaft die Verleihung der CorporationSrechte verdankt, der j zweite vom zweiten Direktor Herrn vr. Honigmann der Gefell»; schaft, welche dieselbe geblieben ist in den Grundzügen ihre» , Strebens. Herr Rabbiner vr. Jcöl erwiderte daS Hoch, da» j den Ehrenmitgliedern auszebkacht worden, mit einem Hinweis l auf den biblischen Ursprung der Jubiläen und begründete die 1 Berechtigung deS heutigen Tage» durch da» GleichnH von Dio» , gene», der den Wanderer erst gehen hieß, damit er fein« Schritte kennen lerne, ehe er ihm die Zeit bestimmen könne, in der er! an sein Ziel gelangen würde. Der Verein habe gezeigt, wie | er voranzuschreiten verstehe. — Auch wir wünschen ihm fernere» kräftige» Fortschreiten. ll. Berlin, d. 4. Der. (Orig.-Corr.) Die am 30. Nov. stattgehabte Wahl der Repräsentanten für die hiesige jüdische Gemeinde hatte vorher nur geringe Agitation hervorgerufen. Die sich mit großem Unrecht, etwa nach Art de» "WU „liberal" nennende Partei de» religiösm Umstürze» hatte eine Versammlung zur Feststellung der Candidatenliste berufen. Männern, welche in dieser Versammlung da» Wort ergriffen, um den liberalen Standpunkt dahin zu prärifiren, daß man jeder religiösen Richtung in der Gemeinde gerecht werden müsie, und daß e» mit dem öffentlich gegebenen Versprechen, daß die alten Jnstitutionen nicht angetastet werden sollen, nicht übereinstimmt, wen« der Apostel der äußersten Reform, vr. Geiger, am ZT1 in der alten Synagoge dreimal predigte — wurde da» Wort kurz ent« zogen mit dem Bemerken, e« sei eine Partei-Versammlung und der Sprecher habe kein Recht ihr beizuwohnen. Dennoch scheute man sich nicht den Kunstgriff zu gebrauchen, die in dieser Versammlung erwählten Candidaten in den Zeitungen al» au» einer allgemeinen Versammlung hervorgegangen zu bezeichnen. Eine Zahl Vertrauensmänner der religiös» konservativen Partei beschloß den GesinnungSgenosseu zu empfehlen, sich bei der Wahl nicht zu betheiligen. Die Erfahrung hatte gelehrt, daß der Wahl-ModuS der offenen Stimmabgabe nicht den wahren Ausdruck der in der Gemeinde herrschenden Ansichten zur Geltung kommen ließ. Die am Ruder befindliche Partei hatte den Einfluß, welchen die Verwaltung gewährt, auf eine Weise benutzt, die auch mit den Grundsätzen einer wahren Liberalität schwer zu vereinigen ist. E» wird al» weitere» Motiv hervorgehobea, daß die religiöslehrten Reisenden die für seine Sendung bestimmten Fond» zu ergänzen." Wir setzen noch Hinz«, daß Joseph Halevy auch von der Allianre J»r. Un. unterstützt, aber nicht — wie v. Maltzan angibt — vcn ihr direct au»geseudet worden ist. Daß Halövy seine Aufmerksamkeit auch auf die in Inner-Arabien wohnenden Juden gerichtet haben wird, wie die» die Alliance im Auge hatte, ist wohl selbstverständlich. Weitere gewiß intereffante Mittheilungen sind zu erwarten. ELelumth und Treue eines italienischen Inden. (Lu» dem Ztalienischeu de» Ober-Rabbiuer Jona im „(Ebne. g«r.", übersetzt von F. de Sola M.) Im Jahre 981 unternahm der deutsche Kaiser Otto II. einen Römcrzug, um den vertriebenen Papst BonifaciuS VII. wieder in seine Reckte einzusetzen. Nachdem er die Empörung glücklich unterdrückt hatte, zog er nach Apulien und Calabrien, auf welche Länder er, wie bekannt, durch seine Heirath mit der griechischen Prinzessin Theophania, der Stieftochter deS byzantinischen Kaiser» Ricephoru» PhocaS, ein Anrecht erworben hatte. Allein die Griechen und Araber wollten keineswegs feine Autorttät gutwillig anerkeuneu, und er sah sich genöthigt, ihnen am 13. Juli iu der Nähe von Basentevo eine Schlacht zu tiefem, die sich durch dm Lerrath der Einwohner von Bmevmt zu seioe» Rachthell entschied. Seine Mannschaft«, durch die unbeschreiblich« Wucht de» Angriffe« der Araber auf« höchste betroffen, vermochtm nicht Stand zu haltm, roarfm Gepäck und Waffen von sich und ftobm in der größtm Unordnung nach allm Seitm hin auseinander. Sogar der Oberbefehlshaber de» Heere» und eie Officiere seiner »ächstm Umgebung ließ« pfiichtvergeffm dm Kaiser im Sttch Nur ein einziger Mann harrte treu bei ihm au«, und da» war ein italienischer Jude. Kalonymo» war fein Name. Au» welcher Stadt Jtalim» er gewefm, wie er dazu kam sich in der Umgebung Otto'» zu befinden, welche Stellung er beim Heere einnahm, darüber schweigt die Chronik de» Bischof» Thietmar, in der diese historischm Skizzm erzählt werden. E« wird bloß gesagt, er sei ein trm ergebmer llaterthan gewesen. „Verlaß mich, mein lieber Sohn," sagte Otto zu dem Judm, „ttachte auch Du Dich zu rettm, wie Deine Kamerad« gtthaa, die Feinde nahm, in kurzem müßt« wir Beide sterbm" „Nein, mein Kaiser," antwortete Kalonymo» mit dm Wortm der fromm« Ruth, „wo Du hiugehst, gehe auch ich hin, und Dein Schicksal sei auch mein Schicksal." „Ich werde ja aber bald sterbm müffm." „Wenn ich Dich nicht reiten kann, will ich an Deiner Seite dem Tode entgegengehen." „Mich rettm willst Du?! Mein Schlachttoß ist todtmüde. E» muß jedm Augenblick dm Strapazen erlieg«." „Ich werde Dir ein andere» schaff«." „Aber wir find ring» von Feinden umgeben; nur der Weg zum Meere ist un» «och frei." „So werden wir durch'» Meer unsere Rettung suchen." Der Kaiser lächelte. Da» Meer dehnte sich Nar und ruhig zu ihr« Fuß« an». Aber kein Schiff, kein Kahn, kein armselige» Fischockoot lieh sich erblicken, dem man sich hätte auv«- ttauen können. ,-sp^st Du die Wuuderkrast eine» Mose?" fuhr Otto fort.

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