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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-12-05 · 49 (5.12.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
49 (5.12.1871)
Date
1871-12-05
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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392 Lürg«rmetster voa hier versetzt worden. Hr. Magnu» Goldriaz, der sich im Communal« und Polizeifache eine auSgebreitete Kenntaiß erworben, und den damals erkrankten DistrictS-CommissaiioS Werner vertreten hat» war zu jener Zeit (ältestes) MagitratS-Mttglied» und somit nach der Etädteordnung verpflichtet und berechtigt, de« abgkgangeneu Bürgermeister zu vertreten Da man damalauS verschiedenen Gründen zur sofortigen Neuwahl nicht schreiten wollte, und Hr. Goldring sich zur lleberiahm« der Verwaltung bereit erklärte, so wurde ihm diese für d e Zeit voa April bis Oktober mit Genehmigung der königl. Regierung übertragen. Inzwischen starb auch der CommiffariuS Werner, und Hr. Goldring wurde mit der interimistischen Der« tretur g deS Commiffariat« und der damit verbundenen Polizei- Anwaltschaft betraut. So kam e«, daß er drei verschiedene Armier zu gleicher Zeit verwaltete, seinen AmtSeifer und seine anerkennenSwerth« Tüchtigkeit zu bekunden, und die Aufmerksamkeit der Vorgesetzten Behörden auf sich zu lenken, die rechte Gelegenheit hatte. Die Wahlzeit war inzwischen herangerückt, und mit ihr die verschiedenen nationalen und confessionellen Agitationen. Die jüdischen Stadtverordneten bildeten die Minderzahl; dazu kam noch, daß Einer derselben plötzlich erkrankte «ad zum festgesetzten Wahltermine nicht erscheinen konnte. Unsere Sache schien fast verloren, und in der Thal haben wir eS nur einem wahrhaft gebildeten, voruriheilsfreien christlichen Stadtverordneten-Mitglicde zu verdanken, daß Goldring trotz der ungünstigen Aussichten von der Majorität zum Bürgermeister gewählt wurde. Mit dem Bekanntwerden die es unverhofften Wahlresultats fingere jedoch die Agitationen im Lager unserer Juden- und ForlschrittSfeinde von neuem mit doppelter Kraftanstrengung an. Ein Jude (und zwar ein guter Jude, der seinem Judenthume nichts vergiebt) Bürgermeister! das konnten und wollten die Herren gar nicht begreifen! Unsere alten Freunde, die Herren Schwarzröcke, haben sich auch diesmal nicht geschont. Die Herren agitirten, protestir»en und temonstrirten nach Möglichkeit, kolportiiten Unterschriften zu Maffenpetitionen; traten anfänglich für das Princip des christlichen Staates ein, und alS ihnen später dieses Mittel keine sichere Wirkung zu versprechen schien, so schämte man sich auch nicht (natürlich durch Helfershelfer) zu ordinären persönlichen Denunciationen zu greisen. Selbst die Kanzcl soll, wie man versichert, dazu benutzt löorden sein, um den schon ohnehin eingewurzelten, während vieler Jahrhunderte künstlich genährten Widerwillen der Menge zu stärken. Wir constatiren daher mit besonderer Befriedigung, Latz all die Versuche au der besseren Einsicht, an dem gesunden Gerechtigkeitssinn unserer maßgebenden Regierungskreise gescheitert, und daß klerikale Protestationen auf ihren wahren Werth zurückgesühi t worden sind. Heer Goldring wurde, nachdem sich gegen dessen Qualification und Charakter nichts einwenden ließ, zum Bürgermeister der hiesigen Stadt für die nächsten 12 Jahre bestätiget, und am 19. v. M. hat deffcn amtliche Einführung und Vereidigung durch den Hrn. Landrath Grezorovius stattgefunten. Schließlich verdient noch das äußerst takivolle und streng gerechte Vorgehen des Herrn Landraths in dieser Angelegenheit hervor« gehoben zu werden. Seine einflußreiche Befürwortung hat zur Entkräftigung der gegnerischen (geistlichen) Umtriebe wesentlich beigeiragen. M. Hamburg, den 24. Nov (Orig -Corr.) Die Nachricht von der Berufung deS Herrn Dr. Korcf aus Prag zum Rabbiner in Eisenach hat unter seinen hiesigen Bekannten freudige Theiluahme erweckt; derselbe war hier von dem 1. Januar 1861 bis 1876 Direktor einer höheren israelitischen Bürgerschule für Knaben ward«» find, >mr fi» mrd nachher deren Bestätigung zu hiotertreiben. L» ist sonnenklar, daß di« Lugelrgenheit dadurch in ihrer Tragweite weit über Jaroci» hiaanSragt. (Sied.) theilS unter selbstständiger Leitung, theil» in Abhängigkeit von einem ComttS; und hat er bei seinem Scheiden a«S unserer Stadt den Ruf eines streng religiösen und pflichtgrtreueo Manne» zu: ückgelasien. Von 1876 an hat er zur Vollendung seiner Studieu bei dem Rabbiner vr. Auerbach in Halberstadt zugebracht. Da» bevorstehende Chanuckafest soll bei feiner diesmalige» Wiederkehr — nach dem hiesigen') jüdischen Kalender hat dasselbe ein Alter von 2666 Jahren erreicht — durch eine gemeinsame Feier, welch« mit einem Festmahle verbunden sein soll, verherrlicht «erden; und hat sich zu diesem Behuf« eia Comitö gebildet, welche» di« Sache in die Hand nehmen will. Einen Festvortrag wird der hier unter feinen Freunden einer besonderen Beliebtheit al» Kauzelredner sich erfreuende frühere Mecklenburg- Schwerinfche Ober-LandeSrabbtner vr. Lipfchütz halten; derselbe war viele Jahre hier wohnhaft, in welcher Zeit er sich eine» Kreta von Berehreru erworben. — Nachträglich ist auch einer unserer jüdischen Kampfgenossen voa 1876 mit dem eisernen Kreuze decorirt worden; e» ist die» der in Hamburg gebürtige Siegmund Wolf, Gefteiter der 6. Compagnie de» 2. Bat. im 76. Regiment. Seßerreich. Wir«, 26. Nov. (Orig.-Corr.) Gestern Abend hat in dem großen Saale der Handelsakademie eine Wählerversammlung stattgefunden. Herr vr. Engel führte den Vorsitz und überließ nach einleitenden Worten die Tribüne seinen Mitvorstehern und denen, „die eS werden wollen", nämlich den Candidaten. Als solche traten auf die Herren Mannheimer, Sohn deS fei. Prediger», Baumgarten und Janowitzer. Die Debatte war äußerst erregt und erinnerte, obwohl sie sich nur um „Reform" und „Fortschritt" drehte, dennoch lebhaft an die — , Judenschule'. Indessen konnten die Theilnehmer doch nicht gefesselt werden. Die 466—566 Wähler, die zu Anfang anwesenv waren, schrumpften zuletzt bis auf den fünften Theil zusammen, so daß bei der Probewahl nur 96 Stimmzettel abgegeben wurden. Sonntag findet der Wahlakt statt. Bermischle und neueste Nachrichten. Berlin. Die Sitze in der neuen Synagoge werden bekanntlich sehr theuer bezahlt; ob sie aber einen Preis erlangen werden wie er soeben verlangt worden, steht noch dahin. E» besitzt nämlich ein russischer Jute einen solchen Sitz, der nur zu bestimmte» Zeiten nach Berlin kommt und bei seiner letzten Anwesenheit hier eS vergessen hat, verschiedene Verbindlichkeiten einzulösen. In Folge dessen hat einer seiner Gläubiger den Sitz des Russe» in der Synagoge wegen einer Schuld von 2uö,60ö Thlr. *) Allerdings ist nach der seit langer Zeit in den jüdischen Kalendern sich jortschleppendea Chronologie die« Jahr das 2000., oder nach ander» Äusgabeu da» luvv., seit der Reinigung de» Tempel» durch Juda Malkabi. Jadeg ist diese Zahlangabe, wie manche andere der Kalender Chronologe», ganz salsch. Nach de» meisten älteren jüdischen Chronographen sällt jene» Creigniß in da» I. 3622 n. C. d. W., wonach da» Jubiläum also vor 10 Jahren zu feiern gewesen wäre. Nach den neueren jüdischen und christlichen Chronologen steht da« Jahr 164 (165) B. Chc. sest, danach wäre da» Jubiläum bereit» 1636 gewesen. SolUe ma» etwa in Hamburg die Mit», tigkeir der tcalender-Chronologie auL zu einer voa der „Octhodopie" (kipschützl) seftzuhaltendeu „Ueberlieserung" stempeln wollen I? (Wahlschein, lich beruht die Kalenderangabe aus einem alten Schreib, oder Drucksehler; die jüdischen Chronographen f* •’Tro .fcrrr ,T3in setzen nämlich da» nnrr « 212 I. »ach Lrbannng de» 2. Lempel», i» den Kalendern beträgt die Difsereaz 222/3 Jahre. Auch glauben wir in alte» ntrb cabm Zahle» gesetzt» zu haben, tonne» aber augenblicklich nicht aachsehe» I Li« Mähr m» dem 200ojährigen Jubiläum ist übrig«»» brrrit« in politische Blätter, z. v. di« „Mtfotn" und die „Presse", übergegange». (tUb.)

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