Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-12-05 · 49 (5.12.1871) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
49 (5.12.1871)
Date
1871-12-05
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5369809-5934989-5935540--0992-5370645
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

891 lichm mit umfassen «erden. 4) Die Angelegenheit, von und für Bayern angeregt, darf, wie auch Hr. Prof. M. andeutet, nicht a» bayrische Lande»», sondern muß als gefammtdeutsche Sache fortan behandelt werden. E» wird daher nölhiz sein, daß, sobald da» betreffend« Gesetz für Bayern erlaffen ist (wa» ja noch vor Neujahr geschehen muß), und je nachdem in diesem der Rabbiner und Rabbinatst-Eandidaten speriell Erwähnung geschieht, oder sie stillschweigend unter die Rubrik der Geistlichen inbegriffen werden, oder die Exemtion der Letzteren überhaupt stillschweigend wegfällt — eine Petition in Betreff der militärischen Verwendung der Rabbiner und Rabb.-Candidaten im deutschen Reiche, und um gleiche Behandlung dieser mit den christlichen Geistlichen und Candibaten unterzeichnet werde. (Nur wenn au» dem Gesetze hervorgehen sollte, daß jeder Unterschied zwischen Geistlichen und Laien in Bezug aus Krieg»« dienst künftig Wegfällen solle, so wäre die Petition zwecklo».) v) Diese Petition kann nicht an den Reichstag, sondern nur an den Kaiser selbst gerichtet werden, da ersterer über die Art, wie die einzelnen dienstpflichtigen Mannschaften verwendet, wohin sie dirigirt und diSloeirt werden sollen, nicht mitzuredea hat. 6) Diese Petition mübte zugleich genaue Definitionen darüber enthalte», wer al» Rabbiner und wer al» Rabbinal»- Candidat zu betrachten sek. Ein schwieriger, aber durchau» nothwendiger Punkt, da sonst die Petition al» ganz unvollständig zurückgewiesen werden dürfte! — Herr Dr. Loewi, dem gewiß jeder JSrealite für feine bisherigen Bemühungen zu innigem Danke sich verpflichtet fühlt, möge, nach dem alten Satze 121 J1WB2 ^nnen, sobald die Vorbedingungen e» rnzeigen, sich der wetteren Bemühung um da» Zustandekommen der frazl. Petition unterziehen. Endlich noch (abermal») die Bemerkung, daß dieser Zwischenfall wiederum zeigt, wie die preußischen Juden, denen jede gesetzliche Anerkennung ihrer Religicn bisher fehlte, durch jede Erweiterung de» GesetzzebungSgebiete» nur gewinnen können. Hannover, Hessen, Nassau, Elsaß, wie Bayern und Würtemberg, alle gaben und werden noch weiter Handhabe geben» bisher bei un» unbekannte Rechte zu beanspruchen und zu erlangen. Der Zug der Zeit geht, Gott Lob, dahin, daß man nirgend» in der Gesetzgebung rückwärts gehen kann! Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 22. November. (Orig.-Eorr.) „Alle» schon da gewesen", läßt Karl Gutzkow seinen weisen Ben Akiba sagen, und wenn da» auch schon ein paar Jahrtausende früher ein weiserer Mann al» Karl Gutzkow gesagt, so wird doch immer frisch darauf lo« sein weiser Ben Akiba citirt, denn da» ist modern, und vibelcitate sind ja unmodern in der großen Welt. Dem sei wie ihm wolle: e» giedt nicht» Neue» unter der Sonne, und jedeSmal, wenn draußen im Felde der eherne Mund der Geschütze eindringliche Vorlesungen über Recht und Gerechtigkeit hält, wenn auf dem Felde der Ehre Ströme Blut,» fließen, lasten die Daheimgebliebenen e» auch ihrersett» nicht fehlen und schone» wenigsten» der Tinte und Farben nicht, um fein säuberlich die Heldenthaten der Brüder zu Nutz und Frommen der Mit- und Nachwelt aufzuschreiben oder mit mehr oder weniger geschicktem Pinsel vor unseren Augen lebendig zu erhalten. Schade nur, daß dabet auch Erzählungen und Abbildungen unterlaufen, - in denen sich auch nicht ein Fünkchen Wahrheit findet, und sonderbar genug, daß gerade solche KriegSabenteuer die meisten Gläubigen finden l Wir Juden haben in dieser Beziehung während de» letzten Kriege» auch Lehrgeld zahlen müsse». „Die H47 jüdischen Soldaten vor Metz, die mitten unter drv» henden Kriegsgefahren, umgeben von der wachsamen Hut treuer christlicher Kameraden den Hv2 DP mit Beleumund Fasten heiligen", haben ihren Sänger und Maler, und deswegen natürlich auch bei Juden und Christen der Gläubigensiele gefunden. Sie haben schon häufig genug auf die unmögliche Idee, die diesem Bild und Gedicht zu Grunde liegt, htngewtesen und die „1147" auf da» rechte Maß zu reduciren versucht, und wenn bisher noch Jemand Zweifel hegte an ihren Worten, jetzt werden Sie die Ungläubigsten zu überzeugen im Stande fein. Bor einiger Zeit ist nämlich In Frankfurt a. M. eine Photographie herau»gekommen, die den faktisch am 4. Oktober 1870 vor Metz abgehaltenen Kol-Nidre-GotteSdienst nicht allein wahrheitsgetreu, sondern sogar, wa» wenigsten» den Feldgeistlichen Dr. Blumenstein angeht, portraitähnlich darstellt. In einem verhältnißmäßig kleinen Zimmer erblicken wir recht» in der Nähe der Wand einen mit einem Tuch bedeckten viereckigen Tisch, der al» Almemor dient. Auf demselben liegt ein aufzeschlazene» Gebetbuch; Leuchter hatte man nicht auftreiben können, Weinflaschen mußten ihre Stelle vertreten. Zwischen Wand und Almemor steht im Gebetmantel der Vorsänger, augenblicklich aufmerksam den Worten de» Prediger» lauschend, der in Kittel und Gebetmantel vor dem Almemor, den Andächtigen zuzewandt, eben die Kol-Nidre-Predigt hält. Da» Auditorium hat nur zum geringeren Theil im Zimmer Platz finden können. Nur ungefähr dreißig bi» vierzig haben einige Bänke, di« link» an der Wand aufgestellt sind, besetzt, einige stehen im Vordergründe link» vom Borbcter. Auf allen Gesichtern ist eine tiefe Andacht ausgeprägt. Hier bedarf e» fürwahr keiner äußem Anregungsmittel zur Andacht: die ganze Situation ist geeignet, die weihevolle Stimmung de» Tage» wach zu rufen und lebendig zu erhalten. Sie gehen ja täglich in de» König» Kleid — für sie jeden Augenblick ein Gewand de» Tode» — einher, und sie sollten der Vergänglichkeit de» Menschen und der reumüthigen Rückkehr zu Gott auch nur einen Moment vergrffen können? Da» andere Jom-Kippur-Bild mit den 1147 Mann steht vielleicht an Kunstwerth diesem nicht nach, und da» Gedicht, da» Gustav Philippson dazu gemacht hat, ist vielleicht überhaupt nicht schlecht; aber jene rolcffale Uebertreibung läßt un» Juden schon an sich nicht in gutem Lichte erscheinen, e» sieht wie eine lächerliche Prahlerei au», und da« haben Sie ja. wie gesagt, schon häufig genug in Ihrem Blatte hervorgehoben. Da» neue Bild ist nun nicht nur m effigie, sondern auch in Wahrheit ein« faktische Berichtigung jener bodenlosen Fiktion. Möge e» al» solche seinen Zweck erfüllen und allgemeine Anerkennung und Verbreitung finden. Anm. der Red. Auf weitere Verbreitung deuten in der That alle Anzeichen hin. Wir haben au» bester Quelle erfahren, daß Berliner Kunsthändler so starken Absatz diese» Bilde» erzielt haben, daß sie auf Jom-Kippur telegraphische Nachbestellungen gemacht haben, denen aber auch der Verleger nicht sofort entsprechen konnte. Jaroei«, im November. (Orig.-Corresp.) Gestatten Sie, daß ich Ihnen den ganzen Hergang unserer Bürgermeisterwahl wahrheltegetreu beichreibe"). Im Aprü d. I. »st der frühere *) Obgleich wir bereit« in Nr. 4t> d. vl. einen Bericht (Bchneidrmühl) gebracht haben, so bietet doch eia« genauere Darstellung de« Hergänge« ohne Zweifel erhebliche» Jateresie. «inmal gilt e« da» durchgefochten« resp. durchbrochene Princip, »nd in dieser Hinsicht ist dir Dahl und Bestätig an, eine» Inden ,um Bürgermeister in einem poseuschea Städtchen gerade l, wichtig, al« ob e« sich etwa um Posen und Magdeburg handelte. Sodann steht man, daß nicht etwa «wie von manchen wirtlich vermuthet worden ist) di« Majorität der Stadwerordaeteu in g. an« Inden besteht, und endlich, daß di« Dahl nicht ohne aas starken vud rinpustreichea Did,w stand zu Posten erfolgt ist, dast alle Hebel vielmehr tu Bewrguug geseh»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.