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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-12-05 · 49 (5.12.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
49 (5.12.1871)
Date
1871-12-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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389 Wir stehen in der Gegenwart, wir blicken in die Zukunft, die Vergangenheit giebt nn- Lehre, Warnung: bedenket, wohin das Träumen von den Garben und Sternen, wohin Abfall und Zwietracht stet« geführt! Die Vergangenheit gibt un» Trost, Bürgschaft. Einer war Joseph, gestoßen unter Millionen Götzendiener» und er rettete fich in sein Hau«; ein hundertjähriger GretS und »och fünf, feine Söhne, stemmten sich, de« GotteSgeiste» voll, «iuerWeit entgegen, fierrtleton fich und mit sich Tausende.—Joseph zog seine Brüder nach sich» erst wideiwillig, dann gerne seinem Rufe folgend; Mattitjahu strht allein, dann wenden Tausende sich ihm zu; wir haben treue Bürgschaft, daß die Lehre nicht weichen wird von J-rael und daß Gotte» Geist bleiben muh in den Enkeln der Enkel. Da» Licht leuchtet noch; solange noch eine» angezündet ist, lebt noch da» Licht! Die Derpfllchtung der Rabbiner und Kabbiuats- -andidaten pna Kriegsdienste. Wir haben im vor. Blatte über die von dem Rabbiner Hrn. vr. Loewi in Fürth behuf» Wahrung der den Rabbinen und RabbinatSrandidaten in Bayrrn bisher landesgesetzlich zustehenden Befreiung vom Kriegsdienste gethanen Schritte berichtet. wir haben auch die Wendung, welche die Angelegenheit im Reichstage genommen hat, erwähnt. Herr vr. Loewi theilt unS die weitere zwischen dem Abgeordneten für Fürth, Prof. vr. Marquardsen, und ihm gepflogene Correspondenz über diesen Gegenstand mit, welche wir, bei der principiellen hohen Wichtigkeit der Frage an sich und ihrer Bedeutung für manchen militärpflichtigen jüdischen Theologrn insbesondere, unfern Lesern im ganzen Umfange vorzulegen für angemessen erachten. (Nr. 1.) Hochverehrter Herr Doctor! Ihre freundliche Zuschrift war mir alS Beweis JhreS ehrenvollen Vertrauens höchst willkommen, nicht minder die vielen zustimmeuden Erklärungen, welche mir von Ihren Herren Amtskollegen in der gleichen Angelegenheit zukamen und noch täglich zugehen. Gestern ist der Gegenstand zur Verhandlung gekommen und ich werde nicht ermangeln, Ihnen einen Abdruck meiner Bemerkungen auS den stenographischen Berichten zugehen zu lasten. Die Sttmmung im Reichstage» sowie im Kriegsministerium ist entschieden dafür, die bi» jetzt bestehenden Privilegien der katholischen und protestantischen Geistlichen aufzuheben, welche in Norddeutschland nur auf einer Verordnung beruht, immer nur für eine beschränkte Zeit erlaffen wird und durch den Mangel an Kandidaten de» geistlichen Amt» motivirt wird. Ehe ich zum Worte kam, hatte mein Freund und Kollege vr. Dove diesen Punkt berührt und eine zustimmende Erklärung de» KriegSminister» erhalten. Unter diesen Umständen konnte ich nur, und ich glaube darin im Sinne meiner iSrael. bayrischen und deutschen Mitbürger gesprochen zu haben, den Grundsatz der gleichen Behandlung für alle Confesstonen betonen. Schafft da» Reich jene Begünstigung für christliche Geistliche ab, so werden die Vertreter de» iSrael. Kultus keine Ausnahmestellung verlangen. So lange aber, wenn auch nur auf dem VerordnungSweze, der katholische oder protestanttsche Geistliche oder Kandidat um seine» geistlichen Berufe» willen ein Privilegium hat, soll dasselbe auch unfern iSrael. Mitbürgern in gleicher Stellung zugestanden sein. In diesem Sinne habe ich gesprochen und kann hinzufügen, daß meine Freunde, Bamberger, der Ihnen für Ihren Brief danken läßt, Krämer und LaSker mit dieser Behandlung der Sache völlig einverstanden waren.! Ein förmlicher Antrag auf Auftechthaltung der besonderen I gesetzlichen Bestimmungen unsere» bayr. WehrgesetzeS wäre absolut ' aussichtslos gewesen, wke au» der oben geschilderten Auffassung von Regierung und Reichstag deutlich hervorgeht, j Wird in der neuen reichsgesetzlichen Regelung das Privis legium der Pastoren und Priester aufrechterhalten, so verlangen Bibelübersetzungen bewaffnet sind; sie hat die Juden mit diesen Wurfgeschossen bombardirt, ohne die mindeste Bresche zu erzielen. Haufen Goldes sind für denselben Zweck mit demselben Erfolge verwendet worden. Auch ist der Ton der Gesellschaftsberichte im ganzen nicht ermuthigend. Es ist in ihnen immer von zu kesiegenden Schwierigkeiten die Rede, nie hört man den Ruf teS Siege», da» Triumphgeschrei, mit dem man die Vollendung eine» großen Werkes zu verkünden pflegt. Der in der Manchester- Sertion zu ihrer 57. Jahresversammlung erstattete Bericht lehrt un», „daß die Juden immer noch den Anblick bieten, den sie seit langer Zeit gewährt haben". ... Wir erfahren da ferner, daß die Gesellschaft zu Anfang diese« Jahre« als Missionäre 29 Geistliche, 49 Laien und 25 Schullehrer verwendet hat, darunter 6.2 in Europa, 22 in Asien, 19 in Afrika. Das Resultat ihrer Thätigkeit besteht in der Vertheilnng von 2665 ganzen hebräischen Bibeln, 29,006 Exemplaren verschiedener Theile der Bibel, 3000 Exemplaren de» Neuen Testaments, ungerechnet eine große Zahl von Traktaten aller Art. Die Gesellschaft hat eS für klug gehalten, die Zahl der von ihr für da» Christenthum gewonnenen Juden nicht zu veröffentlichen. Sie hat weife gehandelt, denn mehr als ein Beitragender würde, wenn er die Zahl gesehen hätte, sich gesagt haben, daß der Nettogewinn nicht der Größe der Ausgabe entspricht. Unsere Neugierde ist indeffen «tue gerechte." ... Ein Artikel in einem Pkymouther Blatte spricht über diesen Punkt noch unumwundener: „Alle diese LekehrungSgeiellschaftea ffl&: auf Geld gegründet und veröffentlichen ihre Abrechnungen 1 genau so wie GaS- oder Eisenbahncompaznien. Wir sind gewiß > sehr glücklich zu erfahren, daß der Plymouthzweig der Gesellschaft j gute Geschäfte macht, aber eS ist mehr als bedenklich, wenn j auch die Bekehrung eines spanischen Rabbiner» im Gewinnconto fizurirt." DaS „Mag. f. d. L. d. A." brachte vor einigen Wochen ein Referat über die Orientreise eines russischen protestantischen Geistlichen (erschienen in Petersburg). Wir ersehen daraus, daß die» Buch sich ebenfalls mit besonderer Vorliebe dem Missionswerke in Palästina zuwcndkt, aber die Erfolge unter den dortigen Juden werden als höchst unbedeutend bezeichnet. Indirekt, meint jedoch der Verfasser, habe die Mission den Juden Jerusalems Segen gebracht, indem sie die europäischen Inden zur Nacheiferung geweckt und ihnen das Streben einzcflößt habe, der Mission durch Unterstützung der armen Glaubensgenossen entgegen zu wirken. Liegt darin nicht da» Bekrnntniß, daß die „LiebeSwerke" und WohlthätigkeitSanstalten der Missionäre nichts als Seelenjäzerei bezwecken? In der Behauptung selbst, die europäischen Juden betreffend, liegt ein Fünkchen Wahrheit; doch bemerkt da» „Magazin" wiederum mit Recht, daß Mangel an Wohlthätigkeit und an Theilnahme für nothleidende Glaubensgenosten sicherlich da» Letzte sei, wa» man den Juden vorwerfen könne.

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