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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-12-05 · 49 (5.12.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
49 (5.12.1871)
Date
1871-12-05
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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038 ruhig jZm Gmicßen niederließ, da war die Gefahr nahe! Israel begann zu träum» von Garb-n und Sterne», wollte Heb« und Himmel — Llam haseh und Olam habh« — zugleich hkßtzen, Reichthum und friedlichen Gmuß — Sternenglanz griechischer Weisheit und heidnisch» Sinnentaumel; et wollte sich in allem Hervorthun, auch in dem, waS ihm versagt. Da mtstehet Zwiespalt und Neid, bald find» wir eS verirrt auf dem Felde, irre gehend auf dm Weg» deS HeidmthumS; eS entsteht Spaltung im Vo ke selbst; und als dann der eine Theil, der jüdisch gesinnte, seine Brüder in Israel suchte, da mußte er erkmnm, daß sie sich von ihm gewmdet; und als der andere Theil die neuen Brüder suchte, um sich mit ihnen zu vereinigm, da mußte er finden, daß sie von Brüderlichkeit doch nichts hören wollt». Die sucht» religiösm Streit, Religion-Verfolgung brach herein, man wirst Israel in die Grube, leer vom Lebenswasser der Thora. Diese wird ihm mtriffm, zerrissen, verbrannt, die ihr Getreum werden mit dem Tode bedroht — „wir wollen doch schm, waS aus den Träumen wird?" Die Schaar der Schwankend» fällt ab, gibt sich selbst in die Sklaverei deS HeidmthumS, um im trügerischen Schimmer der Hofzunst zu lebm, „sie setzen sich zur Mahlzeit"; die Treuen aber werden in die Sklaverei verkauft, dem Hmker überliefert. — Aus dem Hause deeinen Mattitjahu wird Rettung, er und seine fünf Söhne nehmen dm Kampf auf, eium Kampf der Waffen allerdings, voll von Schlacht», Siegen und wunderbar» Rettungen. Sie retten ihr Bolk vom Untergänge. Doch nicht den Waffenthatm gilt am Chanuckafefte unsere Erinnerung, nicht den Siegern ist daS Fest geweiht, sondern dem j Geiste, der sie beseelt, dem Geiste angestammter Tugmd und der Treue gegen Gottes Gesetz: „nicht durch Macht und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist." Mit dem ein» Siege war noch nicht alles gewonnm, noch lange war Israel nicht endgültig gerettet. Jme erste Prüfung, Verfolgung und Erlösung fand noch gar oft ihre Wiederholung. Viele Jahrhunderte irrte Israel in stemdem Lande, suchte Brüder, rief: „o Himmel, haben wir denn nicht alle einen Vater!"') — umsonst, die Völker verleugnetm die Brüderlichkeit, sie suchten!>) rkd? -nx 2* ihn crasnt rbbz ir:Br Religionsstreit und häuft» über Israel Religion-Verfolgung. Da- Gewand de» JichmthumS sollte chng «nftGen werden, in die Sklgverei «erkauft •*- .Ficht einmal für Oeltz»' — dem Hmker preiSge^bm... WaS hat Israel erhalt»? Jaftph« Gesinnung! „Wie sollte ich so groftch Unrecht thun un» mich geg» Gott versündig»!" Nicht mit euch theilhaben in dieser Welt, nicht «ich lo-sagm vom Ienseit»! Und überall, wohin sie wandert», zog die Gotte-Herrlichkeit mit ihn» — so deutet der Midrasch ein Bild der SabbathS-Haphtora. Seit der Makkabäerzeit sind wieder zwanzig Jahrhunderte dahingegangm. Israel hat sich niedergelaffm in d» Lände», in dmen die Vorfahren nur geduldete Fremdlinge waren. Gott hat sich unS wieder in Liebe zugewendet, das Joch ist zerbrochen. O wie glücklich werden wir nun sein, wenn wir insgesammt einzig der un« gewordenen Aufgabe eingedenk bleiben: in voller bürgerlicher Freiheit, in der Berechtigung zu jedem LebenSerwerb und Lebensgenuß, daS Gewand der Sittenreinheit und der Tregp gegen Gottes Lehre zu tragen, unbeirrt und unbekümmert um Gunst oder Ungunst, da wir jene nicht zu such» und diese nicht zu fürchtm haben, dem Judeuthum anhänglich zu leb», das un» vom Gesetz Versagte nicht begehrend. Aber daS ruhige, sorglos behagliche sich Niederlaffen birgt Gefahr! Israel beginnt wieder zu träum» von Garben und Sternen: Erdenbesitz, Reichthum, Auszeichnung, Hervorragen und sich Vordrängm; eS will diese Welt ganz mitgenießen. Und nun sind eS nicht die Brüder ander» Stammes und Glauben-, die unS anfeinden; nein, sie „redm zumeist friedlich und freundlich zu unS", und wenn Israel Neid erweckt, so ist eS wahrlich nicht um der Gesetzeserfüllung und der religiös» Treue, sondern um ganz anderer Dinge will«. Jetzt sehen wir Zwiespalt unter den Brüdern unsres Stamme-, die Brüderlichkeit droht zu schwinden, religiöse Streitigkeit» brechen in unserer Milte aus, schon hat ein Theil sich weggewendet und nennt daS Beharren im angeerbt» Judenthum: Träumerei; legt ab daS Gewand — setzt sich nieder um zu essen — und der Brunnen, auS dem die Geschlechter der Vorzeit LebenSwaffer und Freude geschöpft, dünkt ihn» leer, und ist ihnen wirklich leer geworden; birgt ihnen nur Veraltetes, Lichtscheues. Feuilleton. Die Mission unter Israel. Also lautet ein unter der Rubrik „Aufsätze wissmschaftlichen Inhalts" in der monatlich erscheinenden Zeitschrift „Allgemeiner literarischer Anzeiger" stehender Aufsatz, der eS sich zur Aufgabe stellt, l-m in der Ueberfchrift bezeichnet» Gegenstand vom wissenschaftlichen Standpunfte auS zu besprechen. Wir habm in demselben nur den ein» „wissmschaftlich sein sollenden" Gedanken vorgefunden, auf dm sich der Verfasser etwas ganz BeiondrreS zugute thut, daß nämlich im Grunde doch ein Unterschied zwischen Heiden und Juden sei, und daß demnach die BekehrrngSschrift» für die Letzter» ganz ander» abgefaßt sein müht» alS für die Heid». Ist daS nicht ein ganz origineller, funkelncgelneuer Gedanke! Bei der Gelegenheit erfahren wir, daß etv>a 30 Schriften, die dies» Zweck verfolgen, bereiterschien» seien, und 12 Zeitschriften werden namhaft gemacht, die sich mit diesem „Zweige christlicher LiebeSlhätigkeit" beschäftig». Ein besonderer „Lchriftmverein" habe sich in Köln gebildet (an dessm Spitze der Pastor Axmfcld daselbst steht), um der Freigeistern. Zweifelsucht und Ungläubigkeit der Juden zu steuern. WaS sich doch die Herren den Kopf für unS zerbrechen! Zum Schluß erzählt der Vers. folgendes .Mörtcheu": Er sei nach vollendeter Studienzeit zu den Semen zurückgekehrt, und habe alsobald die Gelegenheit ergriff», seinem greisen Vater gegenüber den schätz seiner Gelehrsamkeit auSzu- I kramen, und vermöge seiner philosophischen und historisch« 1 Kenntnisse seine gegründeten Zweifel über die geschichtliche Wahr- | heit der Bibel de- Langen und Breiten vorzutragen. Sein lieber Vater habe ihm mit aller Geduld zugehört, und ihn Alleau-» rrdcu lassen, und da er endlich innehielt, in aller Ruhe nur die > einfach» Worte gesproch»: „Und die Juden?" Daschlug mich derart, daß ich in mich ging und mich gewöhnte, die Juden al» die lebendigen Zeugen für die Wahrheit der Bibel aiizusehen. Will mir Einer daS GotteSwort angreifen, so sage ich wie mei» Vater: Und die Juden!" — Wir begreifen nach diesem Ge» ständniß nur da» Eine nicht: warum ist der Hr. Vers, trotzdem so eifrig bemüht, diese Juden, diese einzigen lebendigen Zeug» für die Wahrheit der Bibel. auS der Welt zu schaffen, ftellich nicht durch Gift und Schwert, aber — durch Taufwasser I M. B Wir schließen Vorstehendem eia» Au-zug au» dem t« vorigen Blatte erwähnt» Time-»Artikel über die Judmmisstoa an. „Die Bekehrung der Jud» macht nicht den geriugst« Fortschritt. Eie sind so verkehrt und unversöhnlich wie vor achtzehnhundert Jahren. Sie sind ihrem alt» Glaub» tr« und halten an ihren alten Ueberlieferung» fest. Seit fast sech-zig Jahren arbeitet die MissionSgesellschaft mit Beharrlichkeit, auch wohl mit Klugheit, an ihrer Bekehrung, ohne zu irgend einem ernstlich» Erfolge zu gelangen. Sie hat eine ganze Armee von Bekehrern aufgestellt, welche mft Berg» von Streitschrift» «mb I

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