Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 49 (5.12.1871)
- Date
- 1871-12-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nt 4».-llffl. L Jahrgang. Wochen-Schrifl für die religiösen md sociale« Interesse« des Jndenthnms. ^-'chkiut jeden M ittwoch. Drei« vierteljährlich 20 «ilbergrosche». fti Mt »r»ispalti-e oder der«. Mattst IV» ««t. Bnantto» Micher MtbaBcnt snb Hercusgeber Rabbiner Dt. A. Lk<Ae»fets in Stettin. Breslau. 5. Deeember 1871. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. }i|iititn-Jt»M|tM Hi der Schiener'scheu Buchhandlung <H. «kutsch) in Breslau. Inhalt. kettende Artikel: Zum Lhannckafeste. Die verpsltchluog der «abbiner und Nabbtuats-Landidaten zum Nrieg»- dtenß. Seutlleton: Die Mission unter Israel, Berichte n. Evrrrktzattdenzett: Deutschland: Berlin. Iaraci». Hamburg. Oesterreich: Men. vermischte und neuefte Machrichten: Berlin, vreoliu. «olmar. Pari«. Pest. Bukarest. Bukarest. Jerusalem. Dripoli«. Erklärung, vrtekkasteu der Nedaetion. Vakanzen »Liste. Inserate. > sichen Bruder auSg,söhnt, in Ruhe und in Gottesfurcht hätte^kr 1 Familienkreis wohnen können, glücklich und kummcrloS. Aber allemal, wenn Israel sich zu ruhigem, behaglichen, sorglosem Lebensgenuß .niederläßt4, da ist Gefahr nahe, sagt der Midrasch»). In Joseph spinnt sich zunächst die Geschichte JakobS fort4) in und mit jenem beginnt die an Wechselfällen reiche EntwickelungSgeschichte Israels. Joseph überhebt sich, er fängt .an zu träumen veu Garben und von' Sternen. Garben sollen ihm der Erde Gaben bringen, und die seinige soll die stärkste und reichste sein. trlinint von Sternen,' von strahtel^rwr Nuhtn, seine Brüder sollen fich vor ihm beugen. Bald hassen ihn diese, und als er, verirrt in unbekannter Gegeno, sie sucht, da erhält er zur Ant-! wort: „sie haben sich von der Brüderlichkeit lljsgesagt"»); sie! suiben Streit, religiösen Streit4); sie wollen einmal sehen, waS i auö jenem Träumer werden wirb. Sie ziehen ihm sein Gewand auS, werfen ibn in eine Grube, leer an Wasser, aber voll scheußlichen GewürmS; endlich verkOtfen sie ihn in die «Lklaverei, sehen fich zum Mahle, und Joseph fällt in die Hänhe deS Obersten der Henker. — Aber in der Sklaverei bewahrt ihn angestammte Tugend vor dem Versinken in die Arme deS Lasters; er will nicht Theil haben an der Sünde in dieser Welt, sich nicht von Gott lossagen für daS Jenseits'). AuS Kerkers Nacht wird er in die Nähe deS Thrones berufen; er rettet sein HauS und Myriaden mit ihm vom Hungertode; sein Schicksal bestimmt daS LooS der kommenden Geschlechter. Sechözehnhundert Jahre später wohnt Israel wieder ruhig, hat sich niedergelassen im Lande, wo die Väter geweilt hatten. Der Tempel war wieder erbaut worden, die Perserkönige hatten milde über Juda gewaltet, Alexander d. Gr. hatte, die Hoheit der GotteSlehre ahnend, feine lorbeerumkränzte Stirn vor ihrem Priester gebeugt; feine Nachfolger, Egyptens und Syriens Könige, hatten für Israel Freiheit, ruhige Gottesverehrung huldreich bestätigt. Gott hatte sich liebreich ihm zugewendet, wie einst dem „Knaben" Joseph, wie einst, da er den „Knaben Israel geliebt und au: Egypten berufen"»). Wieder war Juda geschmückt mit dem auSzeichnenden Gewände hoher Sittlichkeit, reiner GotteSerkenntniß. Wie glücklich hätte Israel leben können, wenn eS fich treu an Gott und sein Gesetz, fern von dem Dölkertteibm und dem Wahn der Heiden gehalten hätte! Aber da eS fich VäaTjvtt 3* *n tmx crpts ba. *) *pr ajar rrrbn rbm liest btt BHbr. jttfamtnen. »jnrwnpw». «) mm bas WjM - ■bam Y 2'.nv2-nso irrrb .rrm-ssmb. •) umansi bmrtr -m w nmnv7i'"»pv ... Zum Shnnnltiafeste. ES sind.fast dreißig Jahr« verstrichen, feit der sel. Rapoport ,^iq«Parallele zwischen der Epoche de» Makkabäerkampfes und'unsrer Zeit" gezogen hat'). Freilich nur im Hinblick auf »inen einzelnen Punkt: den damal» eben aufgelauchten ,Mform-Derein" in Frankfurt a. M., und noch specieller auf den Kampf gegen den „heiligen Bund", der zuerst in der von einigen Israeliten verweigerten Beschneidung ihrer Sehne ein« Pvaktifche Wettdung genommen hatte. Aber jene Parnstete ha5 eine weitere und allgemeinere Bedeutung, und e» tritt, je allgemeiner wir die Verhältnisse auffassen, eine Sehnlichkeit zwischen jbrm Einst und dem Jetzt um so durchgreifender und duichschlagender hervor. „WaS den Vorfahren begegnet ist, ist ein Vorzeichen für die Nachkommen, wiederholt sich bei ihnen", so lautet ein alter Spruch der Weisen unsere» Volkes; schon in der Palnarchengeschichte spiegelt sich die Geschichte Israel» ab. Es liegt unergründlich viel Wahres in diesem Satze. Wenn die moderne» so vielfach die BibtUehre bekämpfende und bespöttelnde Anschauung der Welt und der Menschheit eine neue antibiblische Entdeckung gemacht zu haben glaubt, indem sie lehrt, daß der Mensch eben nur ein Naturwesen, den allgemeinen Entwicklungsgesetzen unterworfen sei, so ist in jenem Satze der Weisen Israels diese Lehre, soweit sie wahr ist, schon ausgesprochen, tief und weit hinaus begründet. Ja, wie in dem Keinie, dem Samenkorn, der ganze Baum gegeben und vorgebildet ist, so ist in dem Lebens- und Entwicklungsgänge der Stammväter die Geschichte de» ihnen entstammten Volke» vorbildlich enthalten. Ebendarum ziehen wir nicht nur zwischen der Epoche der Makkabäer und der Gegenwart eine Parallele, sondern wir knüpfen noch an weit ältere Zeiten die Fäden unserer Betrachtung an. Wir gehen bi» auf die Tage Jakob'» und Joseph'» zurück. In diesem Jahre wird der erste Theil der Geschichte Joseph'» am Festsabbath gelesen»). Derselbe beginnt mit den Worten: Jakob ließ fich nieder in dem Lande, wo sein Vater geweilt hatte. Der einsam mit seinem Stabe einst auSgezogeu war, ist Haupt einer Familie geworden, ist begütert, ist mit dem feind- , ») Im ersten Band« der Frankel'sches (Litern,) Zeitschrift, 1IM4. Der ssr chissrirte Nnssah ist ms SUpopoct *) Die «idra .Majescheb"; in den meisten Jahre» wird die nLchste, Mürz, mm «ab». Lhantnr» Gelesen.