Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 48 (29.11.1871)
- Date
- 1871-11-29
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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064 ein derartig«'- Gedicht und 'Bild zu 'bringe», da» die Derherr- 'lichong einer heiligen Handlung darstellt, so ist anderseits der Nachdruck und hier von einer bedeutenden Handlung um so vrr» werflicher. Der Oberstaatsanwalt zu Berlin ließ bei den Nachdrucken« die Vorgefundenen Vorräthe der Taschentücher confisriren, wie er auch in den Handlungen, welche diese Tücher geführt, solche mit Beschlag belegen ließ. (Jüd. Pr.) 8ie». Ein JSraelite, Namen« Heinrich, Zögling de» hiesigen Lehr>-rpädagogiumS, ist zum BolkSfchullehrcr der Eommune Wien ernannt worden. Die ,Wahrh.' bemerkt hierzu sehr richtig: „Ist eS jedetfallS als ein Fortschritt bemerken-- und anerkennenSwerth, wenn einzelne, durch Talente und Leistungen ausgezeichnete Israelit,m zu Ehren und Würden gelangen, während früher daS Gesetz selbst dem Verdientesten den Weg dahin verschloß; so hat eS doch höheren Werth, daß endlich auch die nicht über die Grenzen des Gewöhnlichen hinausreichende Kraft durch den Glauben in ihrer Verwendung nicht behindert wird. Und so hat die Anstellung eine- Juden in einem minder hohen Amte in gewisser Beziehung mehr Bedeutung, al» in einem hohen, wo derselbe «venig oder ne mit dem eigentlichen Volke in Verkehr kommt und die Vor rrthrile de» letzteren gegen Juden schon darum nicht beseitigt werden, weil daS Volk in dem besonder» Hochgestellten immer nur eine Ausnahme sehen und die SnstellungSfähigkeit der Juden in« allgemeinen dennoch nicht erkennen wird." Vor mehreren Mcnaten war bereit-, wie wir berichtet haben, ein JSraelite, S;-itz, bei Prag zum VolkSfchullehrer erwählt, ist aber bis jetzt noch nicht bestätigt. Luxemburg, 15. November. Wie üppig da- Zelotenthum seit SyllabuS und Eoncil in- Kraut geschossen, zeigt ein kaihol. Seelenhirt, der nach mehreren der »Luxemb. Ztz.* gewordenen Berichten am 12. November zu Eltelbeck von der Kanzel herab seinen Schaf,» mit Androhung kirchlicher Strafen untersagte, bei einem Irden etwazu kaufen, bei einem Juden in Dienst zu treten, einm jüdischen Arzt zu gebrauchen, bei einem Juden zu Gast zu sein u. s. w. (K. Z) Haag. Ein kleiner Judenknabe von hier, Namen- Strelitz, hatte da- Gluck, erst sieben Jahre alt, durch sein bemerkenswerlheS musikalisches Talent die Aufmerksamkeit der Königin von Holland auf sich zu ziehen. Ihre Majestät schickte ihn in daS Conservatorium nach Leipzig, mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß er dort auf Kosten der Königin irreiner jüdischen Familie unter gebracht werde. (I. Ehr.) Parkt. Zum ersten mal hat ein JSraelite, Ulmann, den großen Preis für Architektur erhalten. Wir dringen also allmählich in daS Verständniß der Künste ein, welches, wie man vorgab, unser» Stamme abgehen sollte. Wir haben mit der Musik begonnen, besitzen seit einiger Zett ausgezeichnete Maler und Kupferstecher, von Bildhauern kennen wir wenigsten« einen, Adam Salomin, jetzt sind wir also auch zur Architektur gelangt. Do schreibt die „Reo. J-r." — In Deutschland haben wir schon lange im Baufach ausgezeichnete Glaubensgenossen. — Bi. Schwab veröffentlicht den ersten Theil (mra) ein.r französischen Uebersetzung de« Talmud Jeruschalmi. Die Nationaldruckerei besorgt auf Befehl der Regierung den Druck gratis. — „Unb. J-r." excerpirt einen giftgeschwollenen Artikel de- „PayS", welcher sich gegen den „Juden RatiSbonne" wendet. Dieser wird en arnörsuereu des JudaS genannt; ein Aufsatz, welchen er geschrieben, „sei dunkel wie ein Eapitel der Mischna, und der siebeaarmize Leuchter sei nicht ausreichend, um diese talmudische Witzelei zu beleuchten." DaS Schönste bei der Sache ist, daß die Oheime diesenrriöreneveu äe Jndaa die Patres Theodor und AlphonS RatiSbonne sind, deren „Wunderbekehrung" vor mehr als 30 Jahren so viel Lärm gemacht hat, London. Zum erstenmale ist ein JSraelit ■ zu einem der höchsten richterlichen Äemter in England gelaugt. Herr Jeffley ist auf Vorschlag Gladstone's zum Sollicitor general ernannt worden. Plymouth. Bei einer jüngst dahier stattgehabten Versammlung der MissionSgesellschaft berichtete der bekannte getaufte Missionär Stern von einigen Erfolgen feiner Thätigkeit, unter Anderem, daß e« ihm in einer spanischen Stadt gelungen, einm 'Rabbinen mit seinem Weibe zu taufen. Solche Unwahrheiten weiß dieses Subjekt feinem leichtgläubigen, meist au» -Frauen bestehenden Publikum mitzuthellen, «ährend es doch allbekannt ist, daß den Juden erst in neuester Zeit die Niederlaffung in Spanien gestattet und gewiß die Taufe eine» Rabbinen in Spanien noch nicht bewerkstelligt werden konnte, da es deren noch keine dort giebt. (Jew. Ehr.) Englische Blätter bringen verschiedene „Eingesandt", auch von Nichtjuben, welche sich über dieses Märchen lustig maihen und den Rev. Stern auffordern, doch den Namen de» spanischen Rabbi zu nennen. Aber auch „Times" widmet diesem Zwischenfalle eine ernsthafte Besprechung de« MiisionSwesen», den wir mit einem ähnlichen im nächsten Blatte mitlhcilcn werden. Padua. DaS lange Gefürchtete ist eingetreten. Das Eollegio Rabbinico ist am 12. September „provisorisch" geschlossen worden. Alorcuz. 'Der alte Mortara, dem die Ermordung seiner christlichen Magd in fast frivoler Weise zur Last gelegt worden war <s. Wochenschr. Nr. 28), ist freigesprochen, der Staatsanwalt hat die Klage nach der Rede de« Vcrtheidiger» fallen laffen. Der Sachverhalt ist so, wie wir ihn a. a. O. angegeben haben. Madrid. Daß den Juden der Wiedereintritt in Spanien al» Vollbürgern gestattet ist, haben wir schon im Anfang d. I. berichtet. ES verlohnt sich immerhin, den ersten einem Juden dort erlheilten königlichen Bürgerbrief abzudrucken. »In Uebereinstimmung mit dem Anträge de« Regierung»- Ministers und den Anschauungen de« Regierungs-Departement» für öffentliche Ermunterung gemäß, verordne ich Folgende«: § 1. Dem Hebräer Joseph Obadiah Edery, der darum nachgesucht, ist hiermit die spanische Nationalität lBürgerrecht) zugesichert, u. z. unter der vierten Klaffe in -den gesetzlichen Regulationen. § 2. Diese Conression tritt nicht eher in Kraft, bi» die dafür interessirte Perlon'den Eid der Treue für Constitution und Staat und Gehorsam dem Gesetze geschworen. Dalirt San Jldefonso den 14. August 1871. Amabeo.* So -ist seit 1492 wieder ein Jude Bürger in Spanien. -Er heißt Joseph, er wird, dem Patriarchen gleich, vielen seiner -Brüder den Weg bahnen, er heißt Obadiah „Diener Gottes"; als-solcher, ohne auch nur zum Scheine — wie Tausend« ehemals zu thun gezwungen waren — seine Religion zu verläugnen, wohnt er in jenem Lande! Werschau. In den Jahren 1862 und 1868, ließen sich viele Synagogengemeinden im Königreiche Polen durch den damals herrschenden Terrorismus der polnischen Revolutionspartei bestimmen, statt der bisherigen deutschen Predigt die polnische bet ihrem Gottesdienste einzuführen, die von den meisten dieser Gemeinden beibehalten worden ist. Durch eine Ministerialverfügung sollen die Gemeinden veranlaßt werden, die polnische Predigt abzuschaffen und die deutsche wieder einzuführen. So-berichten mehrere Journale. „Hamagid" hat dieselbe Nachricht mit dem höchst wahrscheinlich richtigen Zusatze, daß Predigten und Gebete in hebräischer, deutscher oder russischer Sprache, aber nicht in polnjjcher gesprochen werden dürfen. -Hierauf reduzirt sich auch ohne Zweiftl die unlängst durch viele Blätter gegangene Racheicht, daß die russisch« Regierung die Abschaffung der hebräische« Gebete und deren Ersetzung durch russische befohlen habe, - die wir, al» offenbar sinnlos, - gar nicht erwähnt hatte«.