Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 48 (29.11.1871)
- Date
- 1871-11-29
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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385 In Jelecz (Rußland) wurde dieser Tage di» BriwethnnA eine« Gymnasiumfestlich begangen, welche» Herr Samuel Polla» kof gegründet hat. Derselbe hat für diesen Zweck 200,CKK» Rubel und außerdem noch 3000 Rubel für Schulrequisiten gespendet. Da- Gymnasium ist bereis von 115 Schülern besucht. (Homag.) Jerusalem. Eine neue Expedition nach dem hbiligon Land hat unter Führung de» Genie-Capitän- Stewart vor einigen Tagen London verlassen. Ihr Hauptzweck ist dieVollendung der Vermessung von Palästina. Außerdem wird sie die über da- Land verbreiteten Wälle untersuchen, die Ruinen auf den Hüzelspipen skizziren und photographiren, die Traditionen samineln und die Inschriften copiren. Dem Vernehmen nach bereiten die Altirrlsanrr eine ähnliche Eppedltlon natch drm östlichen Jordan vor, die mit der englischen Hand in Hand gehen wird. Jerusalem. Herr S. Schon au» Mohilew am Dniepr kaufte i«t Jerusalem ein größere» Gebäude um den Prei» von 12,000 Rubel und bestimmte e» für die Angehörigen de» und für 10 tüchtige Talmudgelehrte, für di« er ein besondere» Beth-Hamidrasch in diesem Gebäude einrichbm ließ (Libanon.) Rew-Aork. Wir melden mit Vergnügen, daß'die »amerikanisch »jüdische Publication Society' (Gesellschaft zur Förderung der jüd. Literatur) zu Stande gekommen ist. Ueder 100 wohlbekannte und angesehene Männer vereinigten sich am 17 Oktober zur eonstituirenden Versammlung. Die von dem Comitö <l)r. Jastrow, Gutheim, Ellinger u. a.) entworfenen Statuten wurden berathen, eine provisorische Direktion erwählt, und man will die nöthizen Schritte thun, um für den Verein Eorporatiouörechte zu erlangen. (I. Meff.) Aokohama. M. S. Jaeob» in St. Francisco hat der Gemeinde in Kokohama eine Sepher Thora gefchmkt. (H. Okf.) .diesen »dp rt»a»' nicht gefunden. Nicht nur nufer Corr^sp. au» Berlin in Nr. 38, sondern auch andere mündlich Berichterstattende habe» erzählt, man habe allgemein getadelt, daß 0. in taktloser weise in Gegenwart der eingeladeae» Behörden da« Unrechts welche« deren Vorfahre«' den Jude« zugesügt hatten, ausführlich geschildert Hab«. (Dasselbe hatte man einst Leop. Blei» bei Gelegenheit der Synagogenweihe in Frankfurt bit«, verargt.) Wir können nach'der gedrucktvorliegende» Neda in-die» Urtheitnicht einstrmmen, sollte da vielleicht — geändert und gemili-ert oder ge. strichen worde« sein? wenn man aber auch dt« Polemik gegen da» christlich« Erlösnngsdogm» bei dieser Rede, als» vor «ingeladenen Christ-n, taltlo» gesunden hat, so ist der Tadel damit noch nicht scharf genug be» zeichnet. Angesehene Männer einladen, um ihnen Dinge in» Gestcht zu sagen, welche fie tief verletzen können, ist mehr al» taktlos. Obendrein war der Excur« bei den Haaren herdeizezogea; Redner konnte entweder, den Namen „Christian Dohm" nennen, ohne eine Silbe darüber zu vcr» liereu, oder er konnte e« bei dem Namen „Dohm" bewenden lassen. In beiden Reden vermiß» man auch jede leiseste Erwähnung der Männer, di« sür Thora, Gottesdienst und Wohlthätigkeit i« Sinne de«, wirklichen Judenthnm» in Berlin gewirkt haben; indessen wir waren dadurch nicht ent« täusch«, wir hatten da» nicht erwanet »der gesucht. Literaturbericht. QtfcitnQdtittben. Die von DDr. Aub und Geiger zur Säeularfeier der jüdischen Gemeinde i» Berlin gehaltenen Festreden stnd im Druck erschienen. (Berlin. Jul. Levit.) Der Erster« hat in der alte», letzterer in der neuen Synagoge ge- Iproche». G» ist in der Th« fast eine Pflicht z» neunen, daß die bei einer f»‘ überaus seltenen und bedeutungsvollen Gelegenheit gehalten,» Reden gedruckt worden find; die kommenden Geschlechter haben eia Recht darauf, sie ausbewahr« zu sehe«, um bet einer künftige» Säeularfeier zu erfahren, was und wie hundert Jahre vorher gepredigt worde» ist. Ebendarum hat «non auch ein Recht zu erwarte«, daß eia Rabbiner zu Berlin, wenn er da« Glück hat, bei einer so denkwürdigen Feier zu reden, etwas »ußer. gewöhnliche» zu leisten sich bemüßigt fühl». S» ist gewiß nicht Tadelfacht, wea» wir eiue Särularrede uubeftiedtgr au« der Hand legen, fall« sich nicht» weiter »oa ihr lagen läßt al« daß sie „nicht übel" sei. Da ferner Inhalt und Gedenlengaag der ftaglicheu Predigt ziemlich von selbst gegedeu waren, so darf mau um so mehr von der Form vorzügliche« verlange»; die Gedanken, di« di« Gelegenheit jede« an die Hanl, gibt (uud wir finden wirklich tu de» beiden Predtglen aur solche Idee», die zu übersehen fast unmöglich wäre«), müffen so eiagekleidet sein, daß nicht ftder ihue» «i« ebensogut« Form hätte gebe» köuueu. Di« Predigt vo» Di. »ub ist aber vollend» so beschaffe», daß hu»d«n Lehrer in kleine» Gemeiudeu i» Deutschland schon gelegentlich »ach Form uud Inhalt «beusogutt Predigte» gehalten habe». Dari» liegt zwar lei» Tadel, «»»zusetze» ist au der blub'sche» Predigt nicht», al« etwa daß di« zwei einzigen Gleichnis«, welche sie enthält (von der Taub« und vom weiue), nicht sehr trefierid durchgeführt find; aber da» genügt wahrlich nicht, klnch di« Getger^jche Poedigt wird «in eompetenter Leser schwerlich au» der Hand lege», ohne z» dessen: Di hätte ich doch etwa» ganz Andere» erwartet I Dagegen hebe» wir in Es freut un», ein« andere Gelegenheiltrede auzeigen zu köuueu, I welch« «!a wahre» Gegenstück zu den vorerwähnten bildet: I Hlrde bei ver feierlichen Enthüllung VeS Denkmalzur Erinnerung an die im Kriege gefallenen Glauben»»; brüder. Im iöraelit. Waisenhause zu Paderborn am 17. Oktober 1871 gehalten von Vr. I. Schwarz, Rabbiner in Cöln. (Zum Beste» der genannten Anstalt.) Die Gründerin und Borsteherin de» isr. Waisenhauses für RheinlMiv ' und Weftdhalen, genial al» Sammlerin, versteht edle Gefühle jeder Art I zum Nutzen der Anstalt i» Eontridutiou zu setzen. Damit wolle» wir , keinen Hauch de» Tadel« gegen die verehrnng»würdigr Dame au»fprrchra«> im Gegencheil, e« wäre ja nicht ander» möglich, ja denkbar gewesen, mir j gmrz leeren Hände» in einer ziemlich kleinen Gemeinde, als» ohne lokale s Stütze, eiue so großartig sich entwickelnde segenbringende Lustält zu gründen, zu «rhaUea and zu erweitern. Fräulein Nathan hat als» in ihrer Anstalt .eine Todtenseier sür die 1866 und 70—71 gefallene» israelitischen Krieger veranstaltet. „Der Feier wohnten (nach dem Bericht öffentlicher Blätter) der Oberpräsident v. skühlwetter sowie sämmtliche Spitze» der Behörden der Stadt und eine große Anzahl Gäste bei. Begtun der Festlichkeit man , Morgen« H> Uhr, um welche Zeit ein emsprecheade« Telegramm an den Kaiser and König abzeschickt wurde, dann Lusstelluag der Gedeaktasel der! gefallenen Soldaten unter Absingung eiue» Choral» dusch die Waisen- : Ander mit Mustkbegleiiuug; Geber für dir Gefallenen. Daraus Festrede, gehalten von Hr». Rabbiner vr. Schwarz aut Eöln." Diese Predigt lieg»! un« vor. Man kann es al» fast unmöglich bezeichnen, bei eiaor solchen! Gelegenheit jetzt noch irgend etwa» Neue», ja etwa» nicht ganz aus »er! Hand Liegende», von jedem hundertmal Gehörte» uud Gelesene» vorzni bringen. Und doch hat vr. Schwarz Treffliche» geredet. In mögiichsd engem Rahmen (7 Seiten, ausschließlich Gebet) ist Jüdische» und Lüge» | meine», Patriotische» un» Humane«, Alte« uud Neue» zusammengefaßt, e« I ist alles, wa» gesagt «erden sollte, scharf pointirt, ohne daß die Red« teadenziö» geworden wäre. Die Sprache ist edel — nur geht da» Rhythmische so »eit, daß »st Rechen vo» volle» jambische» Vers«» inj einander folgen, «a« denn »och nicht sei» &:rf! Kurz, t§ ist diese klein» j Rede nach Form und Gehalt so beschaffen, daß sie unter den tausende«, di« bei den Friedens-, Dank-, Trauer-, Gedächttüß-Feieru diese» Jahre« ge- , halten worden stnd, nicht eiarm welken Blatte gleicht, «elche« im Herbst mir tausenden seinesgleichen im Winde eiuherfianert, »der aus de« Bache»! Oberfläche dahinschwimutt. Part». Der neueste Band »er Memoiren de» „Jnstuui de Franc«", Abthrilung für Inschriften >c.. enthält unter andern die beide« solgenbe» Arbeiten: 1) Untersnchuug. über die Henker Ehristi und die Bollzugsorgme der Hinrichtungen bei den Römemr, von Edmoud Le Blant. 2) Denkschrift über die doppelre Frage: ») sind e» römische Soldaten gewesen, «elche Jesu» Ehriftu» gekreuzigt haben? d) haben di« römischen Soldaten «iuiu ttyitiy Aatheil an seiner Marter genommen? von M. Nander. Nach Le Blaut haben Gerichtsdiea-r Jesum gekreuzigt, nach Naudet find es Soldate» gewesen; nach beide» stad die Henker keine Jude» gewesen. Diese» Resultat hatte schon Renan gefunden uud viel« andere vor ihm. Aber e» ist iutereffant za sehen, wie dies» Frage immer mehr au« dem Gebiete refigikser voruotheile heran» und i» da» Licht wissenschaftlicher Uurersuchuag tritt. _. («»». J»r.)