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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-29 · 48 (29.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
48 (29.11.1871)
Date
1871-11-29
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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882 viel Zufall zkeitea oft gerade den besten und tüchtigste» Candidaten die Erlangung einet RabbinatS erschweren. Diese Stiftung ist sonach keineswegs als eine Prämiirung der Talentlosigkeit aufzufaffen sondern nur alS ein Mittel, die Wirkung solcher unberechenbarer Zufälle ein wenig abzufchwächen. Unsere Borfahren hattm wohl Recht, wenn sie ein schwierige- Unternehmen mit den Worten bezeichnet«:: So geschwind fährt man in eine «Hille. ll Berlin, 19. Novbr. (Orig.»Corr.) Gestern Abend hat eine Bersainmlung im Saale der „Gesellschaft der Freunde" stattgefundei, in d« die HH. Profeffor LazaruS, vvr. Aub und Geig« — sehr spät! — üb« die Augsburg« Synode Bericht ersicttetm und die «hoben«! „Verdächtigungen" und Angriffe zu wid«legen suchten. 3ch habe nur kurze Zeit zuhören können; war ich selbst und durch and«e gehört, geht dahin, daß man theil» Mißverständnisse zu beseitigen, theilS die Beschlüsse zu vntheidigen suchte. Man solle die Protokolle abwartm. Unt« andnem sprach Prof. LazaruS sehr en«gisch darüb«, daß daS Fahren am Sabbath nur für Kranke u. f. w. zum Gottesdienst, keine ZwegS allgemein, gestattet worden fei. Ob der Genannte selbst von dies« Erlaubniß, und nur von ihr Gebrauch macht, und ob « für sich einen Synodalbeschluß abzuwarten für nöthig gefunden? Die Zuhörerschaft, offenbar und fast räumlich geschieden, auS Freunden und Gegnern bestehend, gab Beifall und Mißfallen, mitunter wi« und geräuschvoll zu «kennen. Doch v«lief alles in größtem Anstand; B«lin liegt nicht in — doch wozu Parallelen? L. Aus Pommern, 14. November. (Orig.-Corr.) Ich bitte Sie, einige Worte einem leid« zu früh v«storbenen Manne zu widmen, i>« bescheiden wie Wenige in wahrhafter Frömmig» kett gelebt hat und ein Jude von ganz« Seele war. Julius Kohnheim in Wangerin ist in best« ManneSkraft, etwa 38—38 & alt, durch eine Gehirnentzündung diesem Leben entriffen worden. Ungeachtet s>ün« bescheidenen Mittel betheiligte er sich bei allen daS Judenthum fördernden Anstalten, die ihm erreichbar waren, gestatt«« ab« nie, daß fein Name v«öffentlicht werde. Er lie6te mit hingebend« Liebe seine Brüd«, seine Religion, suchte sich zu belehren, wo und wie er konnte. Rechtschaffen biS zur äußersten Minutiosität, übte er bei seiner strengen Frömmigkeit einen wahren Kiäänscd haschem durch fein echt jüdische- Leben. Darum genoß er auch eines seltenen Vertrauens. Die Christen nannten ihn einen echten Israeliten ohne Falsch, und die größten Judenhass« kamen ihm mit Berttauen entgegen. Daß « so früh dahin gehen mußte! Er war zu gut, zu ehrlich für d.rS Getriebe dieser Welt. So hat ihn d« Allgütige abgerufen '13° Djn» rmrfc Magdeburg, 22. November. (Orig.-Corr.) Obwohl die Privatwohlthätigkeit der hiesigen Gemeindemitglied« durch öftere Sammlungen für die hierorts zahlreich internirt gewesenen französischen Kriegsgefangenen iSraelit. Glaubenin außergewöhnlich« Weife n Anspruch genommen war, so hat sich dieselbe in jüngst« Zeit wird« mehrfach glänzend bewährt. In Folge j eines „Aufru'eS" de- Rabbiners in d« hiesigen Zeitung haben mehr als 50 Mitglied« ihren Bettritt zur Alliance israälite universelle ««klärt, — diese Anzahl ist eine größere alS sie pro 1870 vor AuSbruch deS Kriegegewesen, die Mis«e deS Krieges hat «ilso gewissermaßen den Sinn für die Humanitätszwecke d« Besiegten*) noch gesteig«t; auch zur „Linderung der HungerSnoth in Persien" gingen beim Hru. Rabbin« zahlreiche Beittäge von Juden und Christen (auch Pastoren) ein. Zur Begründung deS „Wittwen- und Waifen-Unter» stützungSfondS" find ebenfalls bedeutende Summen schon ge- *) Aber die Alliance n-rrbt ja nicht» für Frankreich oder für französische Inden. (Red.) zeichnet, so daß diese WohlthättgkrüS-Anstatt schon mtt dem Jahre 1872 ihre Wirksamkeit wird beginnen könne». AlS Signatare temporis theile ich Ihnen mtt, daß fett voriger Woche im hiesigen städtisch« „Kaufmännischen L«eia" von Hrn. Profeffor Dr. Gosche auS Halle Lorttäge üb« die „Geschichte dn Äden in Berlin" gehalten w«den. D« Borttag üb« „Mose« Mendelssohn" war, wenn auch nicht besonders tief, so doch eine sehr gerechte Würdigung diese» jüd. Weltweise«. Neu und vielleicht unaachweiSbar") war die Bemerkung, daß die etwa« verwachsene Gestalt M.'S von d« Strenge, mit d« sein Bat« ihn «zog, herrührte. Etwa« einseittg war da« Urtheil üb« „Phädon"; M. wellt« darin nur die „Berwerfltchkett de» Selbstmordes" Nachweisen. Dagegen wurde in richtig« Hervorhebung de« MendelSsohn'schen „Jerusalem" diese« Werk alS ein „Evangelium" g«ad« für die in uns«« Zett zu lösende Frage von d« Stellung de« Staatezur Kttche gewürdigt, wie denn übnhaupt der elegante Redn« die Bedeutung de« Juden» thumS al» „Culturmacht" in wohlthoendst« Weife hervorhob. D« nächste Borttag will sich mit Felix MendelSfohn-Bartholdy beschäftigen. Sehr beifällig wurde e» in d« Gemeinde ausgenommen, daß uns« H«r Rabbin« in ein« sein« letzten Predigten da- Andenken deS verstorbenen CommerzienrathS Joseph Hirsch tat — zu dessen Leichenbegängniß derselbe wegen ein« nicht aufzuschieben.de» amtlichen Reise nach Wolfenbüttel nicht erscheine» konnte — in würdigst« Weise von d« Kanzel feierte. Kurth, 13. Novembn 1871. (Orig.-Corr.) Hr. Rabbiner Dr. Loewi hat an die Collegm in Bay«n p« Circular vom heutigen Datum da» nachstehende Gesuch mit der Bitte gesendet, dasselbe schleunigst zu unt«zeichnen und, wie et bereitgethan, an den ReichStagS-Abgeordneten für Fürth, Herrn Dr. Mmquardjen, gleichzeitig ab« auch den Abgeordneten für Nürub«g, Herrn Crämer, zu send«, damit dies«, im Falle d« L«hiu» derung deS Erstgenannten, sich d« Sache annehme. (Dam« wie oben.) .Hochverehrter He«! Zeitungsnachrichten zufolge geht d« Reichstag daran, das preußische He«eS-ErgänzungS-Gesetz in Bayern einzuführen. llnt« den vorbehaltenen Artikeln de« bayerisch« Gesetzefind« sich Art. 11 und 12 nicht. Nach Art. 11 diese» letzt« Gesetzefind vorschrift-mäßig angestellte Rabbin« gleich den ordinirten Pfarre« von d« Wehrpflicht.definitiv, nach Art. 12 RabbinatScandidatm gleich den Candidatm der christlichen Theologie zeitweise beftett. Soll die Gleichheit dei Eonfesfion« und Religion« im staa1»bürg«lichen Leb« wahrhaft durchgeführt w«d«, so geht e« nicht an» dm geistlich« Stand ein« in Opf«n für da« Bat«land nicht zurückstehmdm ReligionSgmoffmschast reichsgesetzlich zu igaorirm, ihm gar dmch die Reichsgesetzgebung die Gleichstellung mit d« Geistlich« and«« Religion« zu entziehen, d«m n sich parttkularrechtlich längst erfrmte. Ich bitte dah«, Ihr« vielvermögenden Einfluß dahin geltmd zu machen, daß für Bayem auch bei Einführung de« preußischen WehrgesetzeS die angestellte» Rabbin« gleich dm Pfa««n definttiv, die RabbinatScandidatm ab« gleich dm Candidatm d« christlich« Theologie zeitweise von d« Wehrpflicht befreit bleib«. Da eine jüdisch-theologische Fakultät zur Zett nicht besteht, so erscheint eS angemeffm, gleich dem Art. 12 Abs. 1 de« bayerisch« Gesetzes als RabbinatScandidatm Jme d« «bet«« Wohlthal theilhaftig w«dm zu laff«, welche da» Gymnasial- Abfolutortum besitzen, und sich dmch Zmguiß eiueS in BayaU (Red.) *) Sich«Lch kmrichUgl

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