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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-29 · 48 (29.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
48 (29.11.1871)
Date
1871-11-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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381 -Die Judm a(S Klaffe find in Deutschland. wohlhabender, reicher und minder angestrengt, als die amerikanisch-n. Wen odpr Eerlia allein hat mehr jüdische Millionäre, ,ais ganz .Lperrka. Die genannten Berhältniffe find in dieser Beziehung zu Gunsten -Deutschland'«. Wenn dem deutschen Juden irgend etra» fehlt, so ist eS der Wille, die Lhatkraft, d>'e Freiheit, oder vielmehr der -von der Freiheit belebte Wille und von ihr erzeugte Lhatkraft. Die andere irrige Voraussetzung ist die, daß die amerikanischen Juden zumeist in großen aufblühenden Städten wlhnen und deshalb keiner ZwangSgefetze bedürfen. Da« Gegenteil davon ist wahr. Gerade auf dem Lande in den kleineren und kleinsten Plätzen ist das Organisation-Verlangen größer und bat! Bewußt» ' sein der Zusammengehörigkeit kräftiger, als in den große» Städten. -Wo zehn oder fünfzehn jüdische Familien wohnen, wird eine Gemeinde gegründet, und der Zwang der öffentlichen Meinung genügt, Jeden zum Anschlüsse und zum Mittragen der Lasten zu bewegen. Der Arme» und der Mittelstand leisten mehr aiS die Reichen. Wer vom Lande in eine Stadt zieht, schließt sich sicher» ilich der Gemeinde an, die Nichtbetheiligten sind meistens Großstädter. Die Gemeinden in den großen Städten werden verzüg- >lich von solchm Mitgliedern erhallen» die vom Lande nach den großen Städten ziehen. Bon den zweihundert jüdischen Gemein- . >d«n Amerika'- außerhalb der neun großen Städte scheint man : in Deutschland wenig zu wiffen, und doch liegt der Schwerpunkt i -de- Judenthum» gerade in diesen Landgemeinden." Außerdem wendet sich Wise auch gegen den von anS auS-! . gesprochenen allgemeinen Satz: „Die religiöse Berfaffung Amerika'»! -läßt sich ebenso wenig ohne Weiteres auf Deutschland übertragen,; wie man die deutschen Monarchieen kurzer Hand in föderirte' Republiken umzuwandeln vermöchte" Er spricht dabei weit- ' läufig über Freiheit, über Geistesdruck, Pfaffen, Bureau!kratie, «Soldateska, Junkerthum und Millionäre, über Juder.thun« und Chrlstenthum; —was er sagt, ist zum Theil sehr wahr, zum ' Theil Bombast. Jndeffenwerden unsere Leser ohne weitere AuS- ' zöge gern glauben, daß an der Thalsächlichkeit deutscher Zu'lande weder durch jene Wahrheiten, »och durch diese Phrasen vorderhand etwa» geändert werden könne. 1 Berichte und Cprrespondeqzen. Aeutschland. Breslau, 23. November. Wie wir hören, hat Herr Direktor Frankel die Summ« von mehr al» siebentausend Thal«»:», welche ihm von seinen Verehrern zum siebzigsten Geburtslage übergeben worden ist, zu einer Stiftung für RgbbMatS-Candidaten verwandt, welche nach Beendigung ihrer jüdischenwie allgemein wissenschaftlichen Studien noch keinen Ruf in eine Gemeinde erhalten haben. DaS Bedürfniß zu einer solchen Stiftung ist sicherlich sehr dringend. Der jüdische Theologe ist, wenn er mit seinen Studien fertig ist, schlimmer daran, als die Theologen der christlichen Bekenntnisse. Der Katholik z. B. ist, sobald er nur nach den Ordnungen seiner Religion die nöthize Reife für ein geistliches Amt erworben hat, ohne weiteres materiell versorgt; der evangelische Geistliche kann, ohne auf die theologische Carriere zu verzichten, eine Stelle in einer Schule annehmen; wir sähen eg sehr gern, wenn dieser Brauch sich auch bei unS einbörgerte; aber wie die Sachen nun einmal liegen, läßt sich dies in jüdischen Gemeinden nicht realisiren; wir fürchten, eine zwar höchst unbegründete, aber leider sehr mächtige Prätension würde jedem Candidaten in größeren Gemeinden den Erfolg erschweren, wenn er als Schullehrer sich um ein Rabbinat bewürbe. Auch ein anderer Weg, welchen die evangelischen Geistlichen gewöhnlich einschlagen, um in der Zeit zwischen dem Schluß der Studien und dem Antritt des Amtes sich ihr Drod zu erwerbm, der, in vornehmen Familien als Hauslehrer zu fungiren, verschließt sich religiös gesinnten jüdischen Theologen aus naheliegenden Gründen, die wir deshalb lieber unausgesprochen lassen. Der „FrankelfondS" wird deshalb höchst nützliche Zwecke verfolgen, wenn er gerade solchen jungen Männern, welche die für das geistliche Amt nöthige wissenschaftliche Reise aber kein geistliches Amt besitzen, behufs ihrer wissenschaftlichen Förderung die Subsistenzmittel wenigstens zum Theil gewahrt. Wer nur ein wenig Einsicht in die Berhältniffe hat, weiß,, wie schen Fellascha rühmlichst bekannte Joseph Halevy, dem.es auch wirklich geglückt sein soll, sehr weit in'» Innere von Kleinen einzudrinzen. (Darüber im nächsten Blatte ) Seine Reisen berühren zwar einen andern Theil von Südarabien, als de» von mir behandelten, dürften aber doch in Bezug auf bt* Juden PcmenS im Allgemeinen neue überraschende Aufschlüsse gewähren. Ihrer Veröffentlichung wird mit Spannung entgegengesehen. Mit der größeren Freiheit, welche die Juden in Ade» »und Umgegend genießen, hat sich auch ihr Culturzustand merklich gehoben. ES wohnt diesem Volke eine solche geistige Lebenskraft inne, daß e« nur eines gei ingen Anstöße» von Außen bedarf, um sich auf eine höhere moralische und intellectuelle Stufe zu schwingen. Merkwürdig ist schon jetzt der Unterschied zwischen der jüngeren und der älteren Generation, die noch unter dem früheren Drucke erzogen «mde. Die Knaben haben fast durchgehend» eine gewisse Bildung, selbst nach europäischen Begriffen, während die Väter außer ihrem Handwerk nur wenig Nützliches wiffen und auch nicht durch die bei andern Juden des Orients so vielfach »erlretene talmudische Gelehrsamkeit. glänzen. Da» Bedürfniß einer europäischen Ausbildung wird übrigen»von den Juden selbst einpsuuden (ein Araber glaubt eine solche nicht nöthig zu-haben) und diese» Streben ist schon allein ein Fortschritt. So können „wir denn ohne Uebertreibung sagen, daß.die südarabischen Juden sich «mporguarbeiten beginnen. In einigen Generationen..werden sie.wahrscheinlich den Europäern nicht viel nachstehen. Die-Rückwirkung wird sich dann auch auf die Juden des Innern bemerkbar machen. l Dem Ethnologen wird sich au» dem Gesagten eine wichtige > culturgeschichtliche Wahrheit entwickeln, die nämlich,, daß heutzuj tage die Kulturstufe, die ein Volk einnimmt, mehr al» früher j von diesem Volke selbst abhängt. Den meisten Völkern bietet > jetzt die vermehrte Berührung mit Europa die Mittel, sich auS! der Barbarei hervorzuarbeiten. Thut ei» Volt dieses nichr, so j ist eS seine eigene Schuld. Daß die» aber.möglich ist» davon liefem uns die südarabiscken Juden den,BewxiS." Soweit Herr v. Maltzan. (Schluß folgt.) So mög' e, sein! Wenn ste naht, die letzte Swnde, Die mich führt zur ew'gen Ruh'» Dann so rufet, hört Ihr Brüder, Mir da« „Sch’ina Jiiroel“ zu. „Sch'ma Jiiroel“ rief ich Morgen», Wenn den Tag ich Hab' begrüßt; Und die schweren, herben Pflichten Hat der Slang mir stet« versüß«. .^eb'ma Jiiroel" rief ich Hbead», Wenn da» Tagewerk vollbracht, Wenn ich Ruh' und sanften Schlummer Mir erflehet für die Rächt. Treu dem Glauben, meiner Bärer .Hab', aus Erden,ich gelsbt.. Rost zum Abschied „öcb'ma Jiiroel", lp«»m mein Geist zum Himmel schwebt. dr. lllawosky, Sauit.-R. in Celle.

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