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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-29 · 48 (29.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
48 (29.11.1871)
Date
1871-11-29
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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welche de» Sonnabend feiern, von der staatsgesetzlich verordneten Feier de» SooatazS'befreit find. Sollte es nicht möglich sein, Aehnlicht»^ in Deutschlaich zu erzielen? H. 8. pkaidirl in seinem Ätfsatz) dafür, daß der Der«' söhnungStag gesetzlich dahin anerkatint lSerbe, dah an ihm die Juden von der Pflicht der Erfüllung bespeit würden. Damit wäre wenig genützt! Ganz abgesehen davon, daß der gesetzestreue JSraeltt ebensowenig am Sabbath Geschäfte mach« will, wie am- Lersöhnungstage, so kann er für den einen Tag sich auch leicht selbst schützen. Börsen-Usancen ertheilen an vielen größeren > Plätzen für Jom Kippur (und Rosch-Haschana) Jndulgenz; wo die Juden nicht ganz einflußlos in der betreffenden Korporation sind, können sie las für 1 — 3 Tage im Jahre schon durchsetzen, eS bedarf dazu < unseres Wissens) durchaus keines Gesetzes, daS Börsenstatut ist dafür competent. Und wo eS sich nicht um Börsengeschäft handelt, oder wo man auf Jom Kippur keine Rücksicht nimmt, da kann der Einzelne dafür sorgen, daß ihm auf den betreffenden Tag keine Kündigung gemacht, kein Wechsel präsentirt oder fällig werde u. s. w. Aber für die Sabbathe und Feiertage ist die Sache schwierig, Wir haben soviel Einsicht in dir Verhältnisse, daß wir wissen, wie außerordentlich schwer eS fei, im heutigen Börsenverkehr zu arbeiten und dabei der Religion nichts zu vergeben. Äber welche gesetzliche Vorkehrungen den Juoen Abhilfe gewähren könnten, vermögen wir nicht anzugeden. Wiederum cber glauben wir gehört zu haben, daß an manchen Plätzen (Posen?) die Juden sich zu schützen wissen. Möchten dock sachkundige Kaufleute ihre Erfahrungen und Vorschläge mittheilen (wir würden selbst Ausführliches gern aufnehmen); es dürfte doch nicht unmöglich sein, etwas zu erreich :», sei es bei der Gesetzgebung, sei es durch gemeinsame Schritte bei der Handelskammer, den Vorständen der Kaufmannschaften , den Fachkommissionen. Bi» jetzt haben die Beobachter!ieS Sabbath vereinzelt gerungen, sich gequält, Vsrlufte ertragen — sollte Vereinigung nicht geboten, sollte sie aussichtslos feir, sollte kein Versuch gewagt werden? Risiko ist doch dabei nicht! l Jüdische Gemeinde -Derhaltmjse in Deutschland und in Amerika! Bei Besptechntig. de» preußische» Zudentzeshtzes von 1847 (in Är. 87 d. Mocheitschb.') haben wft gesagt,- daß das amerikqnische (FreiwilligkeitS-) System jetzt von sehr vielen Juden in : Deutschland gebilligt und herbeigewünscht werde, daß auch wir \ dasselbe im Princip durchaus billigen, daß es sich aber nicht ohlkck Weiteres auf Deutschland übertragen lasse. Wise freut sich in der .Deborah' jenes Zugeständnisses und sucht unsere Bemerkungen über die Verschiedenheit der Verhältnisse zu widerlegen. Der Umstand, daß Wise schon seit längerer Zeit unser Blatt nicht mehr nennt und die zahlreichen Entlehnungen auS ihm sich stillschweigend aneiznet, kann unS nicht hindern, seine Erörterungen mitzutheilen, da wir nur Wahrheit suchen und den Lesern Material zur eigenen Prüfung nicht vorenthalten dürfen. Wise, der amerikanisch« Zustände sonder Zweifel besser kennt, als wir,, sagt also: . „Genanntes (d. h. anonym bezeichnetes) Organ fügt noch in | einer Anmerkung hinzu: „Auch die Vermögens- und ErwerbS-! Verhältnisse sind bei den zumeist in großen aufdlühenden Städtenchohnmd« Juden Amerika's ganz anders, als die der deutschen, meist in Landstädten und Dörfem wohnenden!" Da» beruht auf irrthümlichen Voraussetzungen. DaS Volkselrment, da» , hier die Gemeinden, Gesellschaften, Tempel, Spitäler, Waisenhäuser, ReligionSschulm u. s w. gegründet und emporgebracht hat, ist daS deutsche. Deutsche Immigranten in Amerika sind dieselben Menschen mit denselben Gesinnungen, Vorzügen und Fehlern, wie die Deutschen daheim. WaS die hier zu Stande bringen, können jme dort auch. Die Vermögen»- und Erwerb»-- Verhältnisse in Deutschland sind der geistigen Thäsigkeit allgemein günstiger als die amerikanischen, well ganz Amerika arbeitet, bo> ständiz und angestrengt. In großen Städten, wie auf bmt Lande, ist die ganze Bevölkerung in beständiger Thätigkeit begriffen. Wir, die Eingewandertea, haben keine Rentier», Privatier», Privatgclehrte, wie man sie in Deutschland so vielfach findet, die sich mit den öffentlich« Institutionen befassen könne« Feuilleton. Me IuÄen in Aiid -Arabien. ^Forlsetzimz.) Daß die Juden ihre gedrmäthigte Stellung ertragen und sich daran gewöhnt haben, ist in Südarabien vielleicht leichter zu erklären, altanderSwo. Die Jude» sehen eint andere Menschen« klaffe neben sich, die Achdam und Schnmr, welche einer ganz ähnlichen V Pachtung unterliegen, wie sie selbst, ja die in gewisser Beziehung roch mehr zu beklage» find, da sie nicht den Trost religiöser Genossenschaft haben, wie die Juden. Die am tiefste» stehende Paria-Kaste, die Schnmr, find, obgleich Mohamrdaner, doch vom Besuch der Moscheen ausgeschlossen, besitzen auch keine eigenen Lehcer und Gotteshäuser. Den Juden tröstet seine Religion über allen Unglimpf, der ihm in der Wett widerfährt. Welcher geistige Trost bleibt aber diesen unglücklichen mohamedanischea Auswürflinge», die sich zur herrschenden Religion bekennen, sidoch aller Glauben-mittel und aller Erbauung entbehren. Wenn sich die Inden nett ihnen vergleichen, so müssen sie sich sag«», daß sie noch besser daran find, und dieser Gedanke kann neben dem Halt, den ihnen ihre Religion gibt, wohl auch dazu beitrazm, sie in ihrer ttanrigen Stellung einftwelle» an», harren und von der Zukunft da» Beste hoffen zu lassen. In der Hoffnung ans eine bessere Zukunft ist überhaupt der Jude beharrlich, und die Thatfache» gebe» ih« Recht, de» diese Hoffnung beginnt sich zu verwirklichen und hat sich i» der That schon auf vielen Punkten verwirklicht. Auch in Südarabien beifindet sich ein solcher Punkt, nämlich Aden und sein« nächste Umgebung. Wer hätte es den mißhandelten Juden Südarabien» vor 30 Jahre» vorausgejagt, daß sie in eben diesem Lande ihre« Wahl ein Asyl finden könnt«, in welchem sie ihren einstigen Herren; den stolz« Arabern^ rechtlich vollkommen gleichgestellt sein würden? Nur wer dm Orient g«au kennt, kann daS Unermeßliche deS Umschwung» zum Besser« würdigen, welche» die mglische Herrschaft in Ad« für die Judm mit sich gebracht hat» Aber nicht Nur in Ad« allein find sie dm Arabem, ja d« Engländern selbst rechtlich gleichgestellt, sondern auch i« d« benachbart« Sultanat« beginnt sich der Einfluß der englisch« Toleranz heilsam geltend zu machen. Die Sultane der Abadel von Laheg und der Födhli von Schughra könn« heutzutage nicht mehr wagen, Judm mit ungerechter Willkür zu behandeln. Sie furcht« sich vor Borsteünngm von Seit« der Engländer und vermeid« e», 4» solch« Grund zu geben. I» nmester Zeit hat man auch in Europa begonnen, sich eingehender mit dem Loose der südarabischen Judm pi beschäftig«. Vorerst ist ei die.Israelitische Alliance' (mit dem Harchtsitz in Paris), welche ein« Emissär nach Cmttal- und Nord-Arm« fmdete, wo gletchfall» viele Judm leb«, z.B. im Lande Th«ayim, in dem, nach dem Missionär Wolf, ein jüdischer Staak besteh« soll, ferner der seltsame, beduinisch lebmd« Misch« Stamm dsr Rachabit«, worüber sreüich Biete« problematisch sei» bürst». Dieser Emissär war der schon dmch sei« «eise zn d« abesstnt-

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