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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-29 · 48 (29.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
48 (29.11.1871)
Date
1871-11-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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- -—t ' --- N» 48. - 1871. iffltHtlfdlt LJahrga»«. Wochen-Zchrifl für die religiöse« und sociale« Interessen des J«de«thnms. Erscheint jed» Mittwoch. Drei» vierteljährlich 20 «ilberP-osche». s»! M< dreispelti-e Petitzeile oder deren Raum «t*. verantworilichrr Web*»inrr mb Herausgeber Rabbiner Dr. jl. tu Stettin. Breslau. 29. November 1871. Zu bezieh«» durch alle Buchhandlungen «ad Postaastallea. Anferate« - Annah«« t» »er Echletter'scheu Buchhandlung (H. Skutsch) tu Breslau. Inhalt. Leitender Artikel: Di« »atscheidang des tletch»»0berhaad«l»g«rtcht» in vetresf der i»ra«lttisch«n Feiertag«. Jüdische Geweiadeverhälluisse in Deutschland and in «inertka. Uenilleton: Di« Inden tu Süd-Arabien. (Fortsetzung.) So uüig' «»sei». Berichte«.Terrespendenzen: Dentschlaad: Breslau. Birltu. AnsPounaeru. Magdeburg. Fürth. Homburg. Oesterreich: Wien, «iederlande: Lnzembur-. Bernrischtr »nd nenest» Nachricht««: vrislau. Bali». Berlin. Wien. Lusemburg. Haag. Pari». Soudon. Pl^nouih. Padua. Florenz. Madrid, «arscha». Ieleez Jerusalem. Jerusalem. A«w-j>>vrl. Yokohama. Literatnrtertcht. vaeanzea-Liste. Inserate. Me Sntscheidung de» Keich«^Sberhandei»gnichlH in Betreff »er ioraeittischeu Zeieriage. Daß da» deutsch« Oberhandelsgericht in einer Streitsache entschiede« hat, ein Jude könne sich an settrm Feiertage» de: Er» ftthmg geschäftlicher Derbindlichkett» nicht eniziehen oder dü: ihm augebotm» nicht zurückweis», ist vor einiger Zeit dmch dt« Leitung» berichtet worden. (Siehe .Wochenschr.' Nr. {15 nnter Oeistgi».) 9m »Synodalbkattt theüt mm E. L. aus 'vreldm (ohne Zweifel Hr. Advok. Emil Lehmann) Epecielle» über dm Fall mit. „Zwei Jud» war» mit einander um ein» Getreide» hmtdel tu Strett. Der Eine hatte dem Andern 1000 Centn er Weizm verkauft, die im April 1868 partimwetse zu kündig» warm. Der Verkäufer kündigte nun dem Käufer 200 Centner zur Abnahme auf dm 15. April, au dem — einem jüdisch» Ostersetertage — der Käufer nicht abnahm. Verkäufer ließ nun den Weizm öffentlich verkauf» und fordert vom Gegner die Preisdifferenz. Dieser wmdrt ein, am jüdisch» Feiertage habe ihm nicht gekündigt werdm dürsm; daß es KläHr gethan, sei unsittlich, mithin auch recht-unverbindlich. Das Ober-.handelS» gertcht verurthellt dm verklagt» Käufer, weil der von ihm angezogme Art. 12 der preuß. Berfaffung keineswegs zu dem «Schlüsse führe, daß an einem jüdische« Feiertage einem. Zudm die Erfüllung eine- Vertrages nicht angebotm und tär Annahme nicht zugemuthet werd» dürfe, indem vielmehr der Art. 829 des Handelsgesetzbuches nm für d» Fall, daß idle. Erfüllungiljjett auf eium Sonntag oder allgemeinen Feiertag falle, dm nächst» Werftag als Erfüllungstag bestimmte. Verklagter sei auch jeden» falls durch die Vorschrift» fcfaut. Religion nicht behinlrert gewesen, die Lieferung dmch eiumMpßysit^er anuehmm zu kaffen. Dari» endlich, daß auch der Mststw^MLude, erblicke der Ober» gertchtshof ebmsowmig tbxaSmaßt^), als darin, daß er auf eium jüdisch» Feiertag ‘gyfifft,;;#* «nMich« Handlungsweise, die dm Verzugdm vMW» ausschtöffe." „Die Entscheidung (setztB Lhfiyu) ist unbedingt juriftisch richtig. Das halt» auch wir a. a. O. vermut het. lieber die moralische Seite der Rechtsftage ist »och »etter zu red». Ei handett sich jedoch hier nicht um die Moralttät der Handlung, der vom Verkäufer vollzog«» Kündigung, a u sich, sonde» um die Finge, ob di« Handlungsweise vor dem Besetze als unmoralisch zu betracht» sei, .also daß sich darauf der Einwand der Rechtsunvir» biadlichkett bafirm lasse. Wir laffm hierüber Hm. E. L. weiter redm: „Dies hängt von Umständen ab, die sich aus d» Act» und um so mehr au» dem Erkenntnisse nicht beurtheilen last». Es kommt oft g»«g vor, daß Jud», die es mit dm Gabbathm »nd Feiertag» gar nicht so gmau «ehmm, wo e« sich um ihr Hab», ihr« Vortheil handelt, höchst empfindlich find, w»n an solch» Tag» ein Soll», eine Leistung für fie in Frage komutt. Hiele solcher Dcheiuftommm befolg» dm Grundsatz: Nehmm ist erlaubt, Beb» verboten. Derartig» Mmschm religiöse Hinter» thürm zu öffnm, ist verderblich. Wohl aber ist nicht zu lmgnen, daß «S (noch recht viele) Personen gibt, dm» die Strenggläubigkeit Herzenssache ist, und die au» Bewiffenhaftigkeit die Feiertage streng halten. Muthet nun solch» Zudm ein Glaubensgenosse, der diese ihre Sigmschaft kmnt, eine Handlung zu, die eine Verletzung dek Feiertage» in fich schließt, so handelt er gewiß nicht billig." Wir müssm auch dies», leider thatsächlichm, Behauptung» und dm zunächst daran geknüpften Folgerungen beipflicht». Aber wir zieh» eine andere Schlußfolgerung al» Hr. L. Wir sehm nämlich von dem speciellm Falle ab; wir wissen nicht» of^fccr Verklagte (Käufer) sonst Sabbath und jüdische Feiertage ftWohnchtet Mü nicht. Wenn aber ein Geschäftsmann die» thut, so H.,eS —rile Hr. L. einräumt, und wie jeder zugesteh» wird — sehr unsittlich, wenn ihm von einem GlaubmSgmoffm V«r» traßserfüllung zugemuthet wird; e» ist dann Nar, daß der letztere sich durch die Gewissenhaftigkeit des erster» einen Vorth«! zuwendm will. Warum soll uun der Gerichtshof auf jene Borftage nicht etngehen? E» handelt fich dabet ja nicht um ei» JMjuirirm» um ein Erforsch» der Gesinnung, um ein Horch» an dm Thürm, complicirte Beweisaufnahme, sonde» um die in der Regel offenkundige, leicht actenmäßig sestzustellende Thatftage: macht der Kaufmann N. N. am Sabbath u. s. w. Geschäfte, besucht er die Börse, .hält er fein Verkauf-lokal, Comptoir u. dgl. geöffnet oder ntchvst Lud «ach dies» Thatsachm müßte da» llr» theil über dteMvdakttitt und Recht-Verbindlichkeit der Handlung, welche im prasst.M> Entscheidung steht, sich rtchtm. ES ist dies bis jetzt M'Dvttschlaud nicht Recht»». Wir wissen nicht, wie e» in aulWm LLndern gehaadhabt wird; aber eine Analogie haben wir an frt jüngst von mehreren amerikanisch» Gericht» (auch für einest besonder» Punft von der »glisch» Gesetzgebung) gefällt»Entscheidung (rrsp.Klausel), wonach diejenigen Jud»,

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