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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-15 · 47 (15.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
47 (15.11.1871)
Date
1871-11-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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375 i Aim. d. Red. Wir kommen zwar auf den angeregten Gegenstand nicht gern zurück, können indessen die in der Korrespondenz an un» gerichtete Aufforderung nicht unerwidert lassen, zumal da sie von einer — un» zwar persönlich ganz fremden, aber durch ihre Stellung hochachtbaren Persönlichkeit auSgedt. Zunächst berichtigen wir einige einzelne Punkte, Unser Herr Eorrrspondent au» Bayern in Nr. 37 hatte berichtet, daß die „Erklärung" selbst in jüdisch »conservativen Kreisen übel ausgenommen worden sei und in christlichen (auch bei den Behörden) peinliche» Aufsehai erregt habe. Die» find Thatsachen, n«lche mitzutheilen wir um so weniger Anstand nehmen konnten, al» wir nach beiden Seiten dieselbe Erfahrung gemacht hatten. Den Ausdruck „Anathem" hat weder der fragl. Corresp. noch dir Redaktion gebraucht: Letztere hatte nur gesagt, daß die christlichen Mitbürger jene Erllärung „mit den päpstlichen Anathema» i« eine Kategorie stellen"; und da» ist wieder logisch und faktisch richtig, wahr; Christen konnten nicht ander» urtheilen, und un» kann deren Meinung in solchen Dingen wahrlich nicht gleichgültig sein. — Jetzt ein Wort über die .Erklärung' selbst. Hatte der Herr Eorrrspondent sie zur Hand, ist fie ihm gegenwärtig und genau von ihm geprüft? E» heißt da: .Rabbiner..welche da« eia« oder da» andere biblische oder rabbinische Eheverbot für nicht mehr verbindlich au»geben ...' Da ist also alle« in eine Kategorie gestellt: Fälle, wo pOBin fBHTp pH, wo TTCD *6vi wo KYP 033 DM unb wo da» Gegentheil zu Recht besteht; e» gilt gleich, ob jemand eine wmun rmnj nny cöer eine »tcht npro — BHrt T3 *pn oder einmal in einem Nothsall D'S rrreon traut — (unser Herr Eorrrspondent ist vollkommen sachkundig, bedarf also keiner Erläuterung) hat da» Sinn?! wenn auch 133 e» unterzeichnet haben! Weiter: .Diejenigen, welche fich Bersammluagen anschließen, zu deren Zwecken die InstagefteUnng der Gültigkeit jüd. Eheverbote gehört.' Also «er zu einer Versammlung geht, auch um zu protestiren, zu warnen, auch wer gegen die Aufhebung stimmt, ist .unfähig, irgendwelche rabbinische Funktion zu vollziehen'. Da» ist wieder Unfinn und Gewaltthat, und wenn hundertmal 133 so .erklären'! Die Protokolle der Augsburger Synode find noch nicht publizirt,! unsere« Wissen» ist keiner der die jüdischen Eherechte tief ver- I letzenden veschlüffe einstimmig gefaßt — »nd hätte nur Einer gegen einen solchen Beschluß gestimmt, soll der mit verurthotlt sein, Vtro pn» rnm?! — Schließlich bemerken wir noch einmal, daß jene Erklärung gegen Heß, der einen Mann mit seine» Bruder« Wittwe, welche Kinder besaß, getraut hatte, erlassen war. Damal« ging ei« Schrei der Entrüstung durch ganz 3»rael, e« hat sich in Europa und Amerika nicht eine Stimme zur Entschuldigung der rfai erhoben. Der Schreiber diese«, von Herrn vr. Lehmann zur Unterzeichnung jener Erklärung aufgefordert, hat schon damal» brieflich dieselbe al» zu weit gehend, al« zu allgemein gefaßt, al» fich überstürzend bezeichnet. Daß fie gegen die Aug»durger Synodalrabbiner wieder publizirt worden ist, während fie ursprünglich nur einen einzelnen, wirklich vereiazelt dastehenden Fall betreffen tollte, ist sicherlich nicht im Sinne vieler Unterzeichner geschehen. Befragt sind sie offenbar nicht darum worden! Zwischen einem, je nachdem, mehr oder weniger scharfen Abweiien der Aug»burger Beschlüsse über Ederecht und jener Erklärung liegt noch eine weite Kluft. Zn Betreff einzelner jener Beschlüsse würden wir auck fteilich keinen Augenblick anftebm jener Erklärung beizutteten. — Italien. I Ro», im Oktober. Die „Unita Cattolica“ bringt unter der Uederschrift .Da» Fest auf dem Capitol und die hebräischen Kinder in Rom' einen Artikel voll — erfreulichen — Zngrimms. Dieser Zorn rührt daher, weil bei den Prüfungen in den Schulen, welche setzt natürlich nicht mehr in den Händen der Geistlichkeit sind, eine große, allerdings offenbar unverbältnißmäßig große Anzahl jüdischer Schüler und Schülerinnen ausgezeichnet wurden und .ihren Triumph bei der festlichen Prämiirung auf dem Capitol gefeiert haben.' Ha, die Namen der Preisgekrönten gehörten fast sämmtlich dem alten Testament an! Wenn der : Papst so tyrannisch regiert hätte, wie man behauptet, so hätten die Hebräer sich nickt so in Rom vermehrt. Noch nie hat der! Monte Capitolino so viel hebräische Namen vernommen, wie am I 2. Oktober 1871. Die gegenwärtige römische Bewegung hat halb find auch die fabelhaftesten Gerüchte über den jüdischen Ritu» bei ihnen verbreite». Man erzählte mir allerlei Seltamkeiten über den Gottesdienst. So sollen sich die Juden bei gewiflen Feierlichkeiten die Hände mit schwarzen Tüchern verhüllen, sie sollen fich eine Art Horn auf die Stirne binden und damit wie besessen in der Synagoge umherrennen. Selbstverständlich ist die» ein gehässige« Zerrbild, aber ich habe Uriache zu vermuthen, daß ihm ein Fünkchen Wahrheit*) zu Grunde liegt, denn al» ich meine jüdischen Bekannten danach ftagte, wurden sie verlegen und gaben au-weichende Antworten; natürlich waren sie mißtraui'ch, wie alle unterdrückten Lölker. (Fortsetzung folgt.) Wein, Thora, Alter. Ein Driuksprucht). „Der wein erfreut De« Menschen Her,"»), weckt Heiterkeit Und leichten Scherz. „Luch Dhora erfreut De» Menschen Her,"»); Frohsinn sie beut, _ Bannt Borg' und Schmer,. *) Daß diese Wahrheit sich ans di« Desillia bezieht, (obtti unsere keser schon erratheu. I So heißt'» im Psalter Bon „Dhora" und „wein"; > Mit Beiden hat Alter I Manche« gemein. Der wein mit den Jahren Gewinnet an Kraft, Heil dem Greis, der erfahren, Jugendlich schafft!») Den wein, so mild, , Schlürft man in Frieden»); Da» ist der „i!«hre" Bild, l Di« un» beschieden. wie der Kundige weiß, , Hat mit dem wein , Luch noch der Grei« Die „Siebzig" gemein»). Drum mit dem „Siebziger", Dem Saft der Reben, Prei» ich den „Siedziger" ~ _ _ Hoch soll er leben! bl. lt. i) Indem wir nachträglich noch eine« der vei Gelrgeuheiz der „Frankl- Feier" vorgerrageneu »der eingesenbete« Gedichte (.«rrt Tran irrt) »«rössentilchru, bitten wir zugleich die HH. Bers. und freundliche» Einsender weiterer Dichtungen um Entschuldigung, wenn wir lhren umfangreicheren Erzeugnisse« die Aufnahme versagen mußten, wir nennen jedoch noch eine 1 Dichtung von Hru. 0r. Rüls, der, al» bereit« genügend bekannt, aus naser | Lob verzichten mag, und ein sehr gelungene» Festgedicht de» Hr». Slud. Her«. Klüger. Die Adresse der Prager Dultul-Repräsentanz, au», gezeichnet durch Form und Ge^li, hatten wir gern noch abgedruckr; aber di« dabei «aßaeoend« Persönlichkeit hat un» ersucht, da» Publikum nicht «ft weiter ihr zntheil gewordeuen Ovationen unterhalte» zu «ollen, (»kr».) - ») Ps. 104, 15. >) Ps. 1«, 9. ») Diese» Vergleich «acht schon der Midrasch, efr.»» Schtr Haschirim l, L ») Spr. Sal. a, 31 jsnitxa pnrr *) P nach der Bnchstabenzahl — 70.

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