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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-15 · 47 (15.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
47 (15.11.1871)
Date
1871-11-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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374 jüdisch«» Hällser ergoß uad, zudringlich trotzend, auch de» Aermften nicht verfchorte, der buchstäblich im Schweiße seine« Angesicht» seine Familie ernährt, ward da« Ziel dieser Völkerwanderung klar. Daß „der diese« maffenhaste Schnorrerthum in einer Provinz. in welcher man die emsigste Thätigkeit gewohnt ist, in I welcher Müßiggang und GewohnheitSbettel, auch bei Juden zur j äußerste» Seltenheit geworden, am Ende Rischu«, und damit j „Chillul-Ha chem" machte, umsomehr, als auch junge, kräftige,! wohlgenähtte Männer darunter waren, ist leicht zu begreifen. E« heißt aut Ende ooch: nur bei Juden kann so etwa« Vorkommen.— Doch das war e« nicht allein: es kamen wirkliche , llnsittirchkettm bei diesen Menschen vor. <U. j. W.) > Niederlande.! V. Arafterdaru, 7. Nov. (Or.-Corr.*> Sowohl mir als auch mehrerm meiner Landsleute ist Ihre Zeitschrift von allen in Deutschland erscheinenden jüdischen sicherlich die liebste. Denn j sie allein scheint un« und vielleicht allen ihren Lesern die Wahr- > heit und wirkliche Religiosität im Auge zu haben. ... j Glauben Sie mir. daß wir auch hier uns nach einem ein» ‘ zigen Wone wahrer Frömmigkeit sehnen und nach einem einzigen Tröpfch n an« der rechten Quelle geschöpfter Religion dürsten. Auch bei unfern Landsleuten ist da« Judenthum nur wenigen in i da« Innere gedrungen, die meisten oder doch sehr viele sind lässig oder gar zügello«. Diejenigen, welche in religiöser Beziehung | sich „liberal?" nennen, leiden gewiß inSgesammt an jenem Gebrechen, aber nicht weniger auch diejenigen, welche sich als eifrige | Anhänger d-S jüdischen Gesetze« bezeichnen. Letztere haben die«! jüngst bewie en. Beide RabbinatSaffessoren unserer (der deutschen) Gemeinde (und der eine von ibnen wiederholt) haben ernst mahnend ' und strafend darüber gesprochen, daß unsere Jugend, besonder« auch die dei besseren Stände, de« religiösen Unterrichts gänzlich entbehren; aber trotzdem ist es keinem dieser Orthodoxen, wie sie sich nennen, eingefall-n, Geld zur Gründung einer Schule zu- I *) Da« Original itt lateinisch abgefaßt. Unsere Leser werben an« dem Inhalt de« g. nzen Schreiben« ersehen, daß wir die«mal, um den Zusammenhang klar zu laffen, da» unserem Blatte gespendete Lob theüweise mit i üverjeyen inuiiten. (Red.) I sammenzubringen, in der die Knaben da« dem Juden zu wiffea Nöthige lernen könnten. So wird e« Ihnen denn klar sein, daß! Derjenige, welcher bei beiden Parteien fast dieselbe Lerderbaiß 1 erblickt, von beiden Extremen nicht« wiffe» mag und sich freut, wo eia Strahl der Wahrheit au« den dichten Wolken hervorbricht. Besonder» schätze ich auch den gemäßigten Ton, mit dem Ihr Blatt den maßlosen Angriffen Ihrer Gegner erwidert. E« ist ja besser zu den C'obvi al» zu den crSTO zu gehören („Unrecht zu leiden al» zu thun"). Dennoch, oder vielmehr gerade um dieser Borzüge Ihre« Blatte« willen, erlauben Sie mir eine Bemerkung gegen die Correspondenz in Nr. 37 zu machen, welche da« „Anathem" (wie eS dort genannt wird) der 133 Rabbiner gegen die Synodler tadelt, und ich wundere mich sehr, daß Sie dem Schreiben Raum gegeben haben, welche« behauptet, daß jene« Anathem viele Juden sehr unangenehm berühit habe. Obgleich e« zelotisch ist, Männer, dir sich selbst Juden nennen, au« dem Judenthum hinauszuweisen, so ist e« doch wohl billig, daß diejenigen Rabbiner, welche in leichtfertiger Weise unverbrüchliche Satzungen für hinfällig und reformirbar erklären, und welche Gesetze, die un« von unseren Weisen al« solche bezeichnet sind, die für alle Zeiten gelten, al« „unserer Zeit nicht mehr angemessen" erachten, wo möglich bewogen werden ihre Stellen niederzulegen, und daß man sie allen Juden al» solche bezeichne, die sich religiöser Funktionen unwürdig gemacht haben, und deren Entscheidungen und Ritualakte als iri religiös zu gelten haben, damit in Israel kein Anstoß C71BQD) herbcigeführt werbe. Auch ich weiß wohl, daß mit gelinden Worten uad gemäßigten Handlungen mehr «»«gerichtet wird, als mit wirrem Geschrei und heftigem Schelten, aber g>'gen diejenigen, welche sich solche« anmaßen, darf man nicht gemäßigt handeln. Gegen derartige Männer muß scharfe Rüge ertheilt werden. Darum habe ich von Ihnen in dieser Sache, um der Wahrheit willen, eensorische Strenge erwartet. Wenn Sie aber Gründe haben, anderer Ansicht zu sein, so würde e» mir sehr lieb sein dieselben zu erfahren. Nachschrift. Umstände haben mich verhindert, Ihnen diese meine Ansicht früher mitzutheiien. cipiell, wen» man auch noch so streng in, Fernhalten aller andern Nichtrioslems ist. Ein schlagendes Beispiel von dieser Ausnahmsstellung der Juden lieferen die neuesten Religionsrerfolgunzen von SanS,, wo man vor einigen Jahren alle nichtjüdischen Andersgläubigen, namentlich die vielen Hindu's» die dort lebten, zwang, zwischen Uebertritt oder Tod zu wählen, und da die Meisten den letzteren vorzozen, ein fürchterliche« Blutbad veranstaltete. In derselben Stadt lebt aber eine zahlreiche Jutengemeiode, die bei dieser Gelegenheit ganz unbehelligt gelassen wurde. Die Juden sind eben den Andern unentbehrlich, namentlich in ihrer oben erwähnten Eigenschaft al« Waffenschmiede, jedoch auch noch anderer Jndustrieen wegen, wie Baumwollweberei, Tüncherei und der wenigen übrigen Gewerbe, welche bei diesem bedürfnißlosen Bolke überhaupt Vorkommen. Die Zuden stehen deshalb überall unter dem Schutz der Obrigkeit rnd, wo eine /ölche fehlt, unter dem der freien Beduinenstämme. Ja diesem Lande der erblichen Blutrache würde es freilich unmöglich sein, den Mörder eines Juden mit dem Tode zu strafen, da der Mord eben meist durch die Blutrache gesühnt wi.d, eia Recht, da« jedoch nur dem Araber, nicht dem Juden zusteht. Die Juden würden also vogelfrei sein, hätte die südarabijcho Bölkersitte hier seit uratter Zeit nicht einen andern Ausweg ergriffen. Dieser ist, daß man e« für Schande erklärt, einen Juden zu tödteu, wa« vollkommen den ritterlichen Begriffen von Ehre entspricht, da die Juden unbewaffnet find, und ei» Unbewaffneter im kriegerischen Sinne nicht für einen Mann gilt. Deshalb hört man oft Araber sagen: »die Juden sind wie die Frauen; Eines dieser beidm zu tödten, schändet den Mann;' (v. M. erörtert weiter, daß dies die Juden genügend schütze.) Sind so Leben und Gut der Juden im Inner» von Süd- Arabien gesichert, so ist doch ihre Stellung in jeder andern Beziehung keineswegs eine beneidenSwerthe. Sie sind einer Menge von Demüthizungen auSgefetzt. Wie in Marokko, dürfen sie keine Pferde, sondern nur Esel reiten. Begegnet ein so berittener Jude einem Araber, so muß er vom Thiere absteigen, eS am Halfter führen und zur linken Sette auSweichen, während die Araber dies sonst zur rechten thun. In dem gezwungenen Ausweichen zur Linken liegt ei» Schimpf. Bei Begrüßungen, die frettich zwischen einem Araber uad Juden seltener Vorkommen, streckt jener diesem jeine Hand mit weitauSgestrecktem Arm zum Kuffe entgegen, streng die gehörige Distanz beobachtend, um nicht durch die Nähe de« verachteten Juden verunreinigt zu werden. Der Araber hütet sich jedoch gewöhnlich vor jeder Berührung mit Juden. Beispiele von einer Familien-Berbindung zwischen Arabern und Juden kommen gar nicht vor und die bloße Nachfrage danach schien meine arabischen Bekannten au» dem Innern zu skandalisirea. Alle diese Araber sprachen sich höchst fanatisch und verächtlich über die Juden au«, denen sie freilich nicht» nachsage« konnten, als daß sie eben einem von ihnen verachteten Glauben angehörten. Da« genügt aber in den Augen de« Araber«, dem dogmatische Sünden schlimmer find, al« die schändlichsten verbrechen. Daß die gewöhnlichen Araber keinen Begriff von der Religion der Juden haben, versteht sich wohl von selbst. Deß-

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