Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 47 (15.11.1871)
- Date
- 1871-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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378 der palästinensischen Juden. Ob di, zu diese« Zwecke Beitragenden nnr einfach Wohlthat üben, oder ob fie speziell für da« heilig« Land etwa« ihn», oder Antheil an demfelben erwerben, oder die Erlösung herbeiführen wollen, bleibt sich gleich. Im Jahre 1860 erging von Frankfurt a. O. au« der erste Aufruf zur Gründung eine« ColonisationSverein« durch Df. Lorje und Gen. — in demselben ist lediglich von Hilfrleistung durch Ackerbau die Rede. 1867, nach der Heuschrecken» und Choleranoth, erging ein zweiter Aufruf, gezeichnet von H. Kalischer und dem Rabb. El. Guttmacher in Grätz; auch in diesem wird die Colonisatton nur al« einzige« Mittel gegen die Wiederkehr der Nothstände empfohlen. Seitdem haben die zuerst gescannten Männer in den Rabbinen zu Altona u. And. Anhänger für ihn Ansichten und Pläne gewonnen; der neueste Aufruf tritt denselben näher. E« ist demnach ein Statut für den fraglichen Verein au-gearbei»et, dessen 9 2 besagt: „der Verein stellt sich die Aufgabe, in Palästina Grund und Boden zu erverbkn, und diesen in gleich großen Parzellen nach einem bestimmten Plane und nur an J«raeliten zur Bebauung zu übergeben." Mitgliedschaft de« Verein« ist durch einen Jahre«britrag von mindesten« einem Thaler") bedingt. Wir halten diese Mittheilungen z. Z. für genügend, und «erden auf die Statuten de- Colonisation«» Berein», wie auf di« gegen die Nettersche Schule erhobenen Anklagen zurückkommen. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. 8. Lut Schlesien, 15. November. (Or.-Corr.) Wenn auch seit dem Frieden«schlusie die einst in Ihrem Blatte stehend gewesen« Rubrik der ertheilten Dekorationen au-gefallen ist, so beliebt e« Ihnen doch vielleicht einmal wieder ein paar Notizen nachzuliefern. Ludw. Rawitz au« Gr.«Glogau, z. Z. Hand» *) Im gedruckten Statut steht „2 Lhlr.", e» ist jedoch in dem ua» abersendeten, wir augegeben, corrigirt. BeitriliterNLruogen ninmt der Schristführrr de» verein», 8. €. Skutsch in Frankfurt a. M., «o:cgegt». iung«commi« in Berlin, hat da« eiserne Kreuz erster Klaffe und der Buchhändler Max Ger st mann (aut Ostrowo) in Berlsti da» eiserne Kreuz zweiter Klaffe und den mecklenburgischen verdienstorden erhalten. L. Schnridemühl, 13. November. (Or-Corr.) Herr Goldring <J«ra,Ii>), nunmehriger Bürgermeister in Jarorin (Prov. Posm), machte, in einem Schreiben vom 12. d. M., seinen hiesigen Freunden folgende Mittheilung: „Endlich ist der Sieg errungen; gestern,, Sonnabend, ist meine ganz bedingungslose Bestätigung zum Bürgermeister auf die Dauer von 12 Jahren von der Königlichen Regierung zu Posen eingegangen. Der Landrath und da« ganze landräthliche Beamtenpersonal gratulirten mir sofort in der herzlichsten Weise, und wird meine Amtseinführung schon nächsten Dienstag erfolgen." In der That rin Siez, her mit dem großen nattonalen Siege, den die gesammte Volkskraft, in sich fastend alle Stände und alle RelizionSbekenntniffe, so glorreich errungen hat, sicherlich zusammenhängt. Und so können wir un« der Hoffnung hingeben, daß der neue Geist, der au« dem Reiche in da« enger« Vaterland eingezogen, eine neue Zeit schaffen werde, in welcher über Kämpfe und Siege, welche die volle Gleichberechtigung der Confesstonen betreffen, nicht« mehr zu berichten sein wird. Schließ, ltch sei noch bemerkt, daß Jarocin der Geburt-ort de« bekannten Abgeordneten Lasker ist. Lus der Pfalz, 2. November. Von Mitte de« Sommer« bi« nach den Herbstfeiertagen hat sich ein wahrer Strom von polnischen Schnorrern über die Pfalz (wie wir hören, über ganz Süddeutschland) ergoffen. Alle Straßen waren davon überfluthet: zu Fuß, in mit Tüchern überspannten Wagen, auk derer Vorsitze gewöhnlich zwei Männer al« Kutscher fungirten, in deffeN Innern e« aber von Männern, Frauen, Kindern pSIawöle. wie in einem Ameisenhaufen wimmelte, zogen fie daher, schmutzig bi« zum Ekel, zerrissen, zerlumpt. Zu zwanzig, dreißig '--.men sie in die Ortschaften zum Schrecken ihrer Bewohner, von welcher, namentlich die Christen Anfang« gar nicht wußten, wa« da« zu bedeuten habe. Erst dann, al« diese Maste einzeln sich in die wie 0 (in Gott, gut) au-gefprochen werden. Daleth urd Tbau ohne Dagesch aSpirirt, wie bei den spanischen Juden, lauten etwa wie da« englische th in the (stark) und their (schwach). Die Stammestraditionen haben sich in Bezug auf die Levsten und Kohanim treu erhalten und werden in den Zunamen der Betreffenden zur Geltung gebracht. In Aden zählt man zur Zeit 30 Personen vom Geschlecht der Kohanim, dagegen nur 10 Leviim; man legt nämlich den ersteren, obgleich ar,ch vom Stamme Levi, doch im gewöhnlichen Leben niemals den Namen Leviim bei, ja die Unwissenderen halten die Kohanim für einen eigenen Stamm. Alle übrigen Juden nennen sich zum Unterschiede von diesen beiden: »Israeli'. Die Leviim besonder« genießen fast größere« Ansehen al« die Priestersöhne, wa« vielleicht daher kommt, weil die Kohanim hier unverhältnißmäßig zahlreich sind. Die Adener Juden sind zum größten Theil Handwerker, Waffenschmiede, Metzger, Maurer, zu jeder Handarbeit geschickt. Nebenbei treiben sie etwa« Handel und kleinere Wechselgefchäfte. Der Großhandel und die Bankgeschäfte sind hier nicht in ihren Händen, sondern in denen der Banianen oder ostindischen KaufmannSkaste. Die größeren Detailläden gehören den Parsi'S und die kleineren auch Banianen oder indischen Moslem«. So find denn die Juden hier auf Handarbeit angewiesen. Sie sind sehr geschickt, namentlich im Verfertigen der Waffenzierralhe und kriegerischen Utensilien der Araber, und wissen diesen Dingen mitunter eine ganz elegante Form zu geben. Da die Araber namentlich mit Dolchscheiden, Pulverhörnern, Kugelbehältern, silberbeschlagenen Bandeliren, Säbelgriffen u. s. v. großen kuxu« treiben und diese Gegenstände» wenn sie es nur irgendwie erschwingen können, von Silber haben wollen, so ist besonder« das Handwerk der Silberschmiede hier ein verbreitete« und vortheilhafte«. Dasselbe ist in ganz Südarabien ausschließlich in Händen der Juden, indem die Südaraber fast alle Handwerke im Allgemeinen, besonders aber jede Kategorie des SchmicdchandwerkeS verachten und als freier Beduinen unwürdig ansehen. Da sie aber kostbare Waffen nicht entbehren können, so sehen sie eS gern, wenn sich Juden bei ihnen niederlassen, obgleich ihr moslemischer Fanatismus dies nicht eingesteht. So kommt eS denn, daß wir fast in allen Gegenden Süd- Arabiens, namentlich in den Städten, Juden finden. Ja man kann so ziemlich den Blüthezustand einer Ortschaft nach der Zahl der sie bewohnenden Juden abschätzen. Nur im eigentlichen Hadhramaut, dessen Bevölkerung centralarabischen Ursprungs und, wie alle Centralaraber, fanatischer ist, werden keine Juden geduldet. Auch in Jafia giebt eü jetzt keine; e« scheint aber früher dort welche gegeben zu haben, da eine der größten Ortschaften »Schübel Bahlld', nach ihnen benannt ist. Ich glaube jedoch weniger, daß Fanatismus mit im Spiel war, die Juden von Jafia zu entfernen. Dieses StammeSgebiet ist, seit eS sich von der Herrschaft der Jmüme von Sanü frei machte, sehr in der Cultur zurückgegangen und seine Einwohner sind verwildert, so daß die Juden sich wohl freiwillig auö einem Lande, das ihnen nicht« mehr bieten konnte, zurückgezogen haben mögen. Ueberall sonst in Südarabien duldet man die Juden prin-