Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 47 (15.11.1871)
- Date
- 1871-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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372 C'M 2V rwa). Dieser Pflicht «erde keinetwege» dmch bloße« Eitzen im Lande genügt. Die Besiedelung soll allmählich tu der bereit» -lngedeutrtea Weise geschehen. Wer nicht selbst hingehen kann oder will, soll die Colouisten unterstütze», er soll durch einen Beitrag, wie Nein auch immer, sich einen Antheil, eine ideelle P arzelle palästinensischen Boden« erwerben. Bon den Kolonisten stllen und müssen dann auch die nur für Palästina vorgeschriebenen Satzungen (p»a nr6nn nviO) beobachtet wer. den, damit auch dicse wieder au» tausendjährigem Schlummer erstehen. Et« soll so eine Stelle erworben und eingerichtet werden, auf der da» Gesetz der Thora voll erfüllt werden könne. Denn — da« ist wenigsten« die Ansicht Kalischer'S — wenn so eine hinlängliche Zahl von JSrael-te» wieder in Palästina ansässig, ein hinlänglicher Theil de« Boden« in ihrer Hand und die Temprlstätte auch wieder in den Besitz der Juden gelangt sei, wa« ja für Geld zu erreichen wohl möglich, dann könnte auch - wieder ein Altar errichtet, und der Dienst, auch ohne daß der Tempel selbst erbaut sei, wenigsten« theilweise wieder eingerichtet werden. Schon wiederholt habe Gott Israel an die Schwelle der verheißenen Zukunft geführt: in der Blüthezeit der spanischen Juden, zu Ealadin'S, zu Selim's Zeiten, zur Zeit de« Karchi; sie hätten d rmal« Freiheit, Vermögen und-mächtige Gönner be» festen, sie Mitten im heil. Lande, welche« sehnsüchtig seiner Kinder geharrt Hab.», ganz leicht Besitz erwerben uno sich einrichten können, aber sie hätten e« vorzezogen der flüchtigen Gunst der Zeiten und der Machthaberj sich zu freuen und zu bleiben, wo sie e« gerade gut hatten — sie hätten Zion geliebt und um Rückkehr dahin gebetet, aber nicht« dafür gethau — darum feien die Zeiren de« Glücke« immer nur von kurzer Dauer gewesen, die Erlösung sei von Israel selbst hinausgeschoben worden. Auch die Züchtigung de« Unglück« hätte man ebensowenig verstanden, und al« die Juden au« Spanien vertrieben worden seien, hätten sie überall hin sich gewendet, um in Elend zu leben oder in noch größerem umzukommen, aber nicht nach Palästina. Daß die großen Männer, Maimonide« an der zugesetzieu, jidoch auch nicht in der Aulbehnung, die ihr von St. u. F. gegeben wird. Spitz« und alle ihm nachfolgend, diese göttlichen Winke ganz mißverstanden und sich ein falsche« System de« Richttthun« und der wuudergläubige» Erwartung göttliche» Eingreifen« zurechtgemacht hätten, da« sei am Uebel Schuld. Nur einige wenige, wie Nachmanide«, R. Jehuda Halevi und einig« der au« Spanien Vertriebenen, hätten da« Richtig« erkannt, aber man habe nicht auf sie gehört und di« Gelegenheit versäumt. Jetzt sei die Zeit günstig wie noch nie ... . Diese Ansichten find kühn und neu*), wenn auch nicht in der Weise, daß nicht in den erwähnten Schriften von K. u. F. viele Stellen au« Talmud, Midrasch und späteren Werken angeführt wären, in denen Begründung derselben gefunden werden soll. Die Messia«lehre und alle«, wa« damit zusammenhängt, ist eben von jeher eontrover« gewesen — natürlich abgesehen vom Grundprincip, welche« unbestritten blieb — daher kann man besonder« iu der Weise de« Derusch, für jede Ansicht Belege finden. Jrgmd welch« Beurthetlung dieser Ansichten ist hier weder nöthiz noch möglich. Die Idee de« Colonisationtverein« ist auch von denselben unabhängig. In erster Linie handelt e« sich bei demselben immer um Abhülfe für die Nothstände *1 Wa» die Opfertheorie betrifft, f« steht H. Kalischer mit ihr auch ziemlich isolitt. Sie Hingt allerding» nicht« weniger al» orthodox, verstößt gegen aUhergebrachte Lustchten, ja, wäre st« von einem minder gelehrten und unverdächtigen Manne vorgetrage«, so würden die Orthodoxen sie «l» Lhorheit und Irrlehre bezeichnet haben. Aber H. St., der schon vor 35 Jahre» mit ihr hervorgetrete» ist, hat die großen halachischru Fragen und Schwierigkeiten dreist in Angriff genommen, (veiläusig ei» erfreulicher Bewei», daß «» auch heut orthodoxe Lalumdisteu gibt, welche nicht bloß „da» hundertmal Durchgesprocheue wiederholen, »achschlagen und sage» können, wa» geschrieben steht", die auch de» Math haben, Autoritäten z» bekämpseu und tradirte Ansichten zn widerlegen.) Sr veröffentlicht den über dies« Materie mit seine« Lehrer und Freunde, «. Akiba »ger s. A., ge- ( Kfiogeae» Briefwechsel; derselbe hat K.'» Ansicht zurrst bestrinen, schließlich aber, kurz vor seinem Hiatritte, zugestimmt, ebenso deffeu Schwiegersohn R. Mos. Sofer, mit dem jener darüber correspoudirt hat. Die Rabbiner, welch« später sich K. augeschloffe» habe« (s. weiter nuten), haben jedoch dies« Frage mit Stillschweigen übergangen, auch ist iu keinem Ausruse von Opfer» di« Red«. Feuilleton. Me Juden in Süd-Arabien. (Fortsetzung.) Al« ich an einem Freitag Abend die Synagoge besuchte, fand ich sie dicht mit Menschen gefüllt, Alle sehr wohl gekleidet, die Knaben mitunter prachtvoll und mit silbernen Zierrathen behängen. Ter Boden war mit schönen Teppichen bedeckt, eine Unzahl Landen waren anzezündet; der Schrein, in welchem die Thora aufbewahrt wird, war kunstvoll geschnitzt und reich verzier». Während de« Gottesdienstes fühtte man mich nicht herum, wie die« in Cairo bei den Karaiten geschehen war, sondern wartete das Ende cb, um mir die Thora zu zeigen. Diese war auf lange Leder, ollen*) geschrieben und ich erfuhr, daß in Südarabien jede Synagoge solche Lederrollen besitzt. Auch außerdem sind eine Menge solcher Rollen vorhanden und nicht schwer zu erwerben. Deren sollen noch jetzt beschrieben werden, aber nur im Innern; in Aden selbst gibt eS keine Schreiber, welche diese Arbeit ausführen. Am fclgenden Sabbath machte ich dem Oberrabbiner einen Besuch. Dieser führt den Titel »Meri* (r-Q) und daS soll überhaupt die Bezeichnung aller höheren Rabbiner Eüdarabien« fein. *) Ta v. M. gewiß nicht Pergament al« Leber bqeichuen wird, so bestätigt sei« Angabe trefflich da» von Baer iu der in Rr 27 der Woche», schrist besprochenen Schrift Gesagte. ES ist wohl da« chaldäische Mare (Herr). Sein Name ist Menachem den Mescheh. So nämlich wird hier der Name Moscheh ausgesprochen. Der Meri war eia ehrwürdiger Grei«, hochbetagt und schon vom Alter gebückt» nebenbei auch sehr kränklich, so daß er mich auf dem Ruhebett liegend empfing. Seine Gelehrsamkeit soll groß sein; er ist übrigen« der einzige hier ansässige Jude, der bedeutende Kenntnisse besitzt. Die Bücher, deren er sich bediente, waren meist europäische Drucke; er besaß jedoch auch Handschriften auf Leder. Er klagte mir, daß keiner seiner Söhne sich der Gelehrsamkeit gewidmet habe. Aden sei überhaupt ein schlechtes Terrain für diese» man finde hier zu leicht anderweitige und einträglichere Beschäftigungen. Rach seinem Tode müsse man wohl einen Fremden kommen lassen, um einen gelehrten Meri zu haben. Ich wurde mit trefflichen weißen, fast kernlosen Rosinen (den berühmten au« Sana) und englischem Liqueur traktirt. Da« gebrannte Wasser gilt immer für erlaubt, während bloß gegohrene Getränke (Wein) von Juden zubereitet sein müssen. Interessant war mir, wa« mir der Meri über die landesüblich« Aussprache de« Hebräischen sagte. Oamez wird wie o ausgesprochen, ebenso Oamez chatnph, nur kürzer. Zerr ist e, Segol aber a und von Patach kaum unterschieden. Cholem lautet wie e, so daß mau Mescheh, Pesef u. s. w. sagt, doch ist diese« e nicht ganz so laug, wie Zere. Da» Beth ist hier stet» hart wie bh, selbst wenn cfi ohne Dagesch steht. Da» Zad« klingt sehr weich, fast wie englische« z und deutsche« - schwache« «. Da« Ooph wftd in Aden selbst wie Q, in Sana dagegen soll e«