Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 47 (15.11.1871)
- Date
- 1871-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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N£ 47.— 1871. gfttttJitfeffc* r. Jahrganiil. Wochen-Schrifl für die religiösen und soeialen Interessen des Judenthums. rrscheinr jede» Mittwoch. Prri» vierteliährlich 20 Bilbergroscheu. I»stt11«»»,e«stSe für »I« dnispatti-r Peeitzeil« »der bereu Raum IV» Sgr. Berannvonl> cher Redakteur imd Heraatgeder Rabbiner vr. A. Ire«enfe5s in Stettin. Breslau. 22. November 1871. Z» beziehe» durch alle Buchhandlungen und Postan statten An feeate« - Annah»« » der Lchlener'schen Buchhandlung (H. Bknrsch) in Breilau. Inhal«. Uettender Artikel: Die Alliance J»ra«tit« Universelle und der israelitische Verein ,ur Lotouisalion Palästina». (Schluß.) Feuilleton: Die Juden in Slld-Arabien. (F»ns«hung.) Berichte und Korrespondenzen: Deutschland: Au« echtesten. Schieid«, wühl. Au» der Pfalz. Riederlaad«: Amsterdam. Italien: Rom. Asien: Jerusalem, vermisch« und »rueste Rachrichten: vreilau. Berlin. Berlin. Frankfurt a. M. Lolmar. Sie». Au» Ungarn. Preßburg. Pari». Sonden. Odessa, lkhtcag». Rottz. Berichtigung. Vakanzen »Aste. Inserate. Die Alliance AsraSlite PnivrrseUe und der israel itische Perein zur Solonifatiou Palästina«. (Schluß.) Dir wenden unS nun zu dem zweiten vorbezeichneten Vereine. Die Zwecke desselben fallen mit den von der Alliance in Beziehung aus Palästina verfolgten faktisch zusammen, auch die von beide» wt* «ad «tageschlageaea Weg« sind.nicht sonderllch Tl[)it)Wih« l ■lllflffh <HiL Aber während die Alliance mit ihrer Äckerbaufchnle und >>en fftr7 später in« Auge gefaßten Maßregeln*) lediglich dal pinktische Ziel verfolg», den Juden in Palästina im eigentlichsten Sinne de« Worte« Brod zu verschaffen und sich dabei allerdings nicht bloß an die Humanität und die Bruderliebe der Israeliten wendkt, sonder» auch an ihre ideal« Anhänglichkeit an da« heilige Land appellirt, geht der EolonisatiouSverein von umfassendereu, tiefer »ud fernerliegenden, freilich auch streitigen Prtncipten au«. Wir woiie» diese, soweit e« hier angeht, zu entwickeln »ersuchen. Wir schicken vorau«, daß zwei Männer, betagte uild tiefgelehrte, von glühender Liebe zu ihren Idealen und von felsenfester lleberzeugung erfüllte, die Urheber jener Principien sind: 0t. Hirsch Kalischer und R. Nathan Frirdland. Bede, besonder« der letztere, haben ihre Bedanken in mehreren Schriften entwickelt und zu begründen versucht. Ob beide unabhängig von einander auf denselben Gedankengang geführt worden sind, »iffen wir nicht; aber sie ergänzen einander. H. Kalischer ist der halachtsche Begründer und Verfechter, wirkt zugleich durch da« Gewicht seiner anerkannten Gelehrsamkeit und Orthodoxie; *) Auch bte Alliance hat sich nämlich «eilere Ziel« sür die loloatsaeto» gesteckt, wie au« folgenden geilen eine» Briese» von Retter an da» Aentral-Lomilä hervorgeht: 4. Juni lk7l. ... Ich taten rtlie Idee, «* Ihnen aberlassend, vb und welch« Folge Bi« derselben gebra wollen, vir ktantr» Obligation«« «««geben, die Ztn» tragen von dem Lage an, wo dt« Anstalt «ine« Gewinn abwersen wird. Dt« Bach« wi rd, »der kbna« doch dadurch diejenige Au« Sehnung gewinnen, dt« mau ihr zu gebe» wünscht, und «Sglicher Weise sogar «in ganz ausgedehnte« Geschäft werde». Bereit» sängt die türkische Regierung an, m »er Landschaft Galiläa ganz« Dörfer zu »ertauseur auch an Palästina wird di« R«ih« rammen, und man wird vortteffltche» Bode« z» Bchlenderprrtse» vertause». Rar»« sollte» wir bei einer solchen Gelegenhrft nicht tausen — nicht, «n den »nban |n eigene« vonheil, »ohl aber im Interesse brr Anstatt z» unternehme».?" Friedland ist bewanderter und gewandter Agadist und rühriger wandernder Verkünder der (neuen) Lehre. Der Jude, der den Mann verstehen und auf seine Ideen eingehen kann, und dessen Stand und Gesichtspunkt nicht von vornherein als phantastisch abweist, wird sich deS Eindrucks nicht erwehren können, daß ein Funke tiefer Intuition, ureigner Auffassung und ein Hauctt ungefälschter Begeisteruug in ihm walte. Wir werden an jene Männer ertnnett, die in früheren Zeiten von Jahrhundert zu »frn Sfff Ifillhrcn "tifftiffmirwr nachgeforscht und die Nähe der Erläsung, auf verschiedene Weis? berechnet oder vermittelt, verkündet haben. Aber unsere bnden Zettgenoffen unterscheiden sich von jenen in wesentlichen Punkten. Di« moderne Wissenschaft und Bildung, die reale und geschichtliche Auffassung der Dinge der Gegenwart und der Begebenheiten der Vergangenheit sind, wie auch immer vermittelt, nicht ohne Einfluß auf sie geblieben. Sie machen f,mier von den kabbalistischen Schriften und Ideen nur einen eingeschränkten Gebrauch, und wenn auch der Sohar bei ihnen »olle Autorität besitzt, so berufen sie sich doch nicht in erster Linie auf ihn; während jene bezeichnet«! Vorgänger in deu letzten sechs Jahrhunderten lediglich in der Kabbalah lebten und webten. Ebenso sind ihnen alle „Berechnungen", aller mystischer Apparat fremd. Sie sind deshalb, wenn auch von Enthusiasmus erfüll», durchaus nicht als mystische Schwärmer zu bezeichnen, sie wissen aus die gegebenen Verhältniffe einzugehen, wollen die Gunst der Umstände für ihre idealen Ziele benutzen, und die Art, wie Friedland manches alte Won auf GegenwäNige» anwendet, hat oft etwas Frappirende«. Endlich haben wir e» in ihnen mit selbstständigen Geistern zu thun, die mit anertennenSwerlhem Freimuth die gefeteNesten Autoritäten der Vorzeit irrthümlicher, orrhängnißvoll inthümlicher Auffassung der Schriftlehre zeihen. Dir haben über die Männer etwas mehr gesagt, über die Sache, ihre Ansichten, müffen wir au» leicht erkennbaren Gründen un« sehr kurz faffen. Die Idee, die wir im Eingänge dieso« Anikel« (Nr. 46) ausgesprochen habe», gibt auch ihnen den Ausgangspunkt. Israel soll die Erfüllung der prophetischen Weissagungen nicht thatrnlv» adwarten, sondern dazu thun, ca die Unjstände die» ermöglichen. Kalischer und Friedland betrachten e« als heilige Pflicht, daß Palästina von Juden wieder bewohnt und bebaut weide*) Hesels» ttalt freilich weder Maimontde», noch roo, {ree, pan a. A. aus; n »r pai hat ste aU R». 4 seiner zum ersarb rwi ms