Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 46 (15.11.1871)
- Date
- 1871-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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m Schritt» war« ia Eonstantinopel geschehen; nachher hat nstmand mehr die Uugelegmhett betreiben körmm — e» ist nicht mehr die Rebe davon. Ebenso zeigt da- Somitin Livorno an, daß «in jüdische- Kind in Kairo von Mönch« geraubt sei; man will sich mit dem Somitdaselbst in Verbindung setz«; die Alliance Panfirt — die Sache ist vorbei. Emuß ein Central-Comitbestehen, welcheüberall seine Augen, überall die Fäden seiner Verbindungen hat. — Die Beilagen de- Berichtebetreffen theilS die Ackerbauschule in Jaffa, worüber im heutig« Leitartikel geredet ist. Ein lithographirter Situation-plan über da- Terrain der Colonie Mikweh J-rael, ein Grund- und ein AusriY der Gebäude der Anstalt geben ein klare- Bild von dem Vorhandenen und von dem Projectirtm. Die andem Beilagm mthalten Berichte des Haupt-Gr«z-Somitin König-berg über die Auswanderung und de- Somitin Cöln über die untergebrachtm russisch« Waisen. Diese Berichte find dm Lesern bereitbekannt. Rußland. Aus Rußland läßt sich die ,A. A. Z.' über abergläubische Ceremonim bericht«, welche von Jud« und Ehristm während der Cholera-Epidemie geübt wordm find. Wa» von den Jud« erzählt wird, ist schon früher bei ähnlich« Calamitäten vorgekommcn und wird diesmal durch ganz unverdächtige Berichterstatter, z. B. im .Hamagib', bestätigt. Indem wir daher den Artikel der »A. A. Z.' reprodurir«, schicken wir nur voraus, daß unter d« „Rabbinern" Chassidim-Rebbm zu versteh« sind, den« freilich auch untergeordnete Talmudistm beigetreten sein mögen, während die talmudischen Autorität« vergleich« heidnischen Wahn von jeher und auch jetzt wieder bekämpft haben. DaS ,Dmun>:irn' ist ohne Zweifel so zu erklär«, daß man gepredigt hat, eS sei ein MOn in der Gemeinde, eS müßten Sündm hinweggeschafft werden, damit die Krankheit schwinde. ES ist eine sehr nahe liegend« Aufforderung zur Bekehrung gewesen, die dmn wohl in etwazu drastischer Weise vorgebracht, dm Fanatismus — und der Fanatismus der Todesangst ist der schlimmste — geweckt haben kann. Der erwähnte Bericht lautet: »Eine der auffälligst« Wirkungen der Cholera-Epidemie bestand darin, daß an einig« Ort« im Lande eine gewisse Reizung zum Heidmthum zum Vorschein kam. Die Ausbreitung der räthfelhast« und doch schrecklichen Krankheit ließ «in göttliche- Strafgericht vorauösetzm, und man versuchte dagegm sich durch Gebräuche zu schütz«, die seit Jahrhunderten, ja seit Iah» tausenden im Schoße der Vergeffenheit begrab« zu sein schime». Eigenthümlich war eS, daß Jud« und Christ« im Innern Rußlands ganz gleichmäßig dies« Hang zum heidnischen Wesen bekundeten. Bei dm Jud« scheint der Aberglaube sich mit rabbinischem ZelotiSmuS zu verbinden. Wir sehen dieauS verschiedmen Vorgängen im WitebSkischen. Es hatte die Cholera dort in kurzer Zeit 500 Opfer von der jüdischen Bevölkerung allein hinzeraffr. Die Rabbiner ordneten daher alS probates Mittel gegm die Cholera an: daß sich zw:i Paare auf dem Friedbof trauen lassen sollten, wozu Aussteuer, Spenden und sonstige Kosten einzig und allein durch milde Beiträge eingeliefert werden mußt«. Die Aufregung während der Ceremonie nebst dm nachfolgmdeir Schmausereien bewirkte, daß die Cholera nur noch bösartiger auftrat und noch viel mehr Opfer dahinraffte als vorher. Da sandten die Vorsteher sämmtlicher Bethäuser 8«te umher, welche von all« Gliedern der jüdischen Bevölkerung eia .LoSkaufgeld^ erhoben: durch diese Steuer sollten sich die Jud« von der Choleru gleichsam „freikaufen", und man führte dm Leut« zu Gemü.he, daß ein Arzt für den kleinsten Gang mehr verlangt als die gewünschte Steuer pro Kopf ausmacht. Die Cholera wüthete trotz de- „LoSkaufgeldes" immer heftiger, und immer trotziger wurden die Rabbiner. Sie untersagten eS immer mergischer, daß jemand nach ärztlichem Beistände verlangte, und forderten nun: dje Gemeinde solle sich dadurch mtsündigen, daß einer den andern wegen Ehebruchs und ähnlicher Sündm dcnuncirte. Damit entstand eine ganz abscheuliche Wirthschaft: Angeberei, Klatschsucht, Verlmmdung mit obligaten ErpreffungSversuchen trieben ihr teuflische» Spiel, und erschienen um so gräßlicher, alS jeder ein gottgefälliges Werk dabei auSzuführen glaubte. Bei unfern christlichen Landsleuten zeigte sich der Aberglaube nicht gerade in dieser nichtswüroigen Gestalt. In den russischen sind meist klein, die Juden selten unter, oft über Mittelgröße. Erstere sind mehr gedrungen, letztere schlank. Die Hautfarbe der ein« ist dunkel, oft fast schwarz, die der andem stets weiß, fast | ebenso weiß, wie diejenige der Europäer. Die Züge der Süd» , Araber sind klein, zierlich, nähem sich dem Rundlichen, die der Juden gedehnt, regelmäßig, aber weit entfernt von jener fast kindlichen Niedlichkeit, die wir bei vielen Arabern beobachten. Das Haar der einen ist sehr kraus, das der andern beinahe schlicht, so daß die PaieS, die bekannten Hängelockm, welche hier sehr dünn und fein, aber lang getragen werden, nur wenige lockige Windungen zeigen. Ein Süd-Araber würde gar nicht im Stande sein, solche Paies zu tragen, die das Gesicht einrahmen; sie würden sich bei ihm als krause Büschel um die Schläfen ballen. Im Ganz« sind die südarabischen Juden ein sehr schöner Mmschenschlag, der an Schönheit nur dm spanischen Juden nachsteht, aber die polnischen weit übertrifft. Namentlich die Kinder zeigen oft allerliebste Gesichter. Die Erwachsen« sehen in Folge der viel« rauh« Arbeit, die sie verricht«, oft vor der Zeit verwittert aus. Ihre Züge nehmen dann leicht etwas allzu Gedehntes an, was durch die langen spitz« Bärte noch vermehrt wird. Der Bartreichthum der Juden ist auch wieder ein augenfälliges Unterscheidungs-Merkmal vom südarabischm Typus, der fast bartlos ist. Nur eine» habm die Jud« mit dm Süd- Arabem gemein, da» ist die Magerkeit. Hierin unterscheiden sie sich auffallend von dem Jud« der spanisch« (sephardtschen) Unter« Abthetlung, bei den« (nammtlich dm in Tuni» angefiedelt«) eine auherordmtliche Neigung zur Wohlbeletbthett Vorhand« ist. ( In Süd-Arabien dagegen habe ich nie ein wohlbeleibtes Jndi» , viduum gesehen: die Männer und ältere Frauen zeigen sogar oft I eine auffallende Magerkeit. , Ich war neugierig zu erfahr«, ob es unter der südarabischen Judenschaft auch Karaiten gebe. Bekanntlich sollen die ersten jüdischen Ansiedler in Nemen, die Beni Koraita, wie auch der Name anzudeuten scheint, dieser Secte anzehört Hab«. Aber alle meine Nachfragen erhielten eine entschieden verneinende Antwort. In Aden, wo die ansässige Judenschaft nur eine einzige große Synagoge besitzt, bestehen zwar noch zwei kleine Gotteshäuser, die nicht von den Adener Israeliten, sondern nur von fremden, aus dem Innern gekommenen besucht werden. Aber ein Unterschied im Bekenntniß findet doch bier nicht statt, wie mir der Ober-Rabbiner von Aden versicherte; er sagte, die Leute aus dem Innern fühlten sich durch die Nähe der meist reicheren uud civilisirterm Adener gewissermaßen gedemüthizt, und das sei der einzige Grund, warum sie sich absonderten. Nach Andern besteht jedoch in der Abmdgebetstunde ein Unterschied, welche bei den Einen fest auf 8 Uhr fixirt wäre, was jedoch nicht viel auf sich hat, denn in Aden geht die Sonne fast immer um 6 Uhr Abends unter, da eS nur 12 Grad nördlich von der Linie liegt. UebrigenS bietet die große Synagoge kaum Platz für die Fremd«, dmn die Adener Judmschast zählt an 2000 Köpfe, so daß an jedem Festtag sich immer viele Hunderte dort einfind«. (Fortsetzung folgt.)