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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-15 · 46 (15.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
46 (15.11.1871)
Date
1871-11-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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366 Stra-Knrg, im November. Wir haben bereitgemeldet, daß cm die h efigen Schulen und die d-« Elsaß überhaupt l-r. Lehrer berufen worden und noch mehr in Aussicht genommen find. Die Regierung hat sich selbst veranlaßt gesehen, die» officioin einem Erlaffe hervorzuheben. ES ist hier nun in dieser Beziehung Etwas geschehen, worüber man in Deutschland nicht wenig erstaunt sein wird. Es ist ein jüdischer Lehrer, vr. Marx Simon, am Straßburger Lehrer-Seminar angestellt worden, in welcher Eigenschaft und für welche Fächer, kann ich Ihn«, heute leider noch nicht mittheilen. Ich darf jedoch die Hoffnung an diese allerdings bemerkenswerthe Concession knüpfen, daß sie auch für Deutschland nicht verloren sein wird. Kann man auch jetzt fortfahren, im .alten neuen Reiche' jüdische Stulen und jüdische Lehrer als Stiefkinder zu betrachten? (Irr. Lehrer.) Oesterreich. Wie», I. November. (Orig.-Corresp.) Wit der Winterfai'on hat au,b die Thätigkeit der Gemeinde»Vertretung wieder begonnen. Dm ersten Gegenstand der Tagesordnung bilden die Wahlen, welche gewöhnlich Ende November vorgenommen werden. Dieses Mal wird die Anzahl der Wähler doppelt so groß sein als früher. Bisher waren nämlich nur die »Mitglieder' der Gemeinde, d. i. die hier Zuständigen wahlberechtigt. Von diesem Jahre cib werden auch die »Beitragenden * zur Wahlurne zuzelaffen. Es dürften so wobl 6000 Wähler sich zusammenfinden. Nutze!' den Ausgeloosten haben zwei ihre Aemter freiwillig niedergelegt, die Herren Jakob Brandeis und Paul Schiff. Ich höre jedoch, daß aus der Mitte des Vorstandes selbst Anstrengungen gemacht werden, beide Männer, deren Wohlthätigkeitssinne und regem Jntereffe für die jüdischen Angelegenheiten unsere Gemeinde viel verdankt, zur Rücknahme ihrer Abdication zu bewegen. — Wie unser Vorstand kürzlich daS 70. GeburtSfe't l>r. Frankels in Breslau durch Uedersendung einer Adreffe gefeiert hat, so wird er auch die Feier des 80. Geburtstagsfestes des Religionslehrers Breuer durch Ueberreichung einer Adresse erhöhen. Derselbe verdient diese Auszeichnung ebensowohl wezen seines langjährigen pflichttreuen Wirkens, wie durch keine persönliche Ehrenhaftigkeit, die er sich fleckenlos bewahrt hat. Auch der Handwerker- und Waisrnvereist, -deren Vorstandsmitglied Breuer ist, werdest demselben ihre Glückwünsche darbringen. — Mit dem Abgänge JireeekS hat daS österreichische Volk gar nichts, die Angelegenheit der jüdisch-theologischen Fakultät aber jedenfalls einm wackern Vertreter verloren. Wir sind wieder einmal im — Provisorium. Wann wird au« dem ewigen Anfang einmal — ein Ende? Frankreich. Paris. Das Bulletin der Alliance Jsraölite Universelle vom 2. Semester 1870 und dem 1. Semester 1871 enthält zunächst die SitzungS-Protokolle vom 13. Juli v. I. an. ES ist schon bemerkenSwerth, daß noch im August (10. und 29.) zwei Sitzungen, wenn auch augenscheinlich nur kurze, stattgefunden haben. Dann fand noch eine Berathung am 9. Nov. darüber statt, in welcher Art für die Auszahlung der Besoldung der von der Alliance im Orient angestellten Lehrer gesorgt werden könne. Daß Herr S. H. Goldschmidt für die Schule zu Jaffa 50,000 Fr. vorgeschossen hat, haben wir seiner Zeit berichtet. Am 12. März 1871 wurden die Sitzungen wieder ausgenommen und kamen zugleich die ersten Anzeichen der wiederbelebten Beziehungen zur Gesammtjudenheit. DaS Comitö zu Panama zeigt nämlich die Uebersendung von 225 Dollar für die westrussischen Juden an; das Comitö in Fernambuco protestirt »gegen daS Projekt einer Uebertragung des SitzeS der Alliance nach Deutschland'. (Wie wird unser Mitarbeiter, Verfaffer des „blodlesso odlixe", sich wundern, wenn er sieht, wie weithin seiner Worte Schall gedrungen ist.) Während der nächstfolgenden Wochen ruhte die Arbeit natürlich wieder, vom 19. Juni ab folgen die Sitzungen regelmäßig, um hoffentlich nicht mehr unterbrochen zu werden. Ist doch die Thätigkeit des Central-Comitö eine so vielseittge ,und nach vielen Seiten hin erforderliche. Da lesen wir im Protokoll der letzten Sitzung vor dem Kriege die an die Alliance gebrachte Klage über die Ermordung eines Israeliten in Tripolis, welche die öffentliche Meinung einem hohen Beamten zuschreibt, und die daher von den Gerichten nicht beachtet wird. Einleitende stimmtheit annchmen, daß dieses Land einst einen gewissen Culturgrad erreicht hatte, und daß die jüdische Einwanderung auf diese Cultur einen inehr oder weniger groß-n Einfluß auSübte. Nicht zahlreich genug, um in einem völlig barbarischen Lande eine nicht vorhandene Crltur ins Leben zu rufen, ist diese Einwanderung doch mächtig genug, um eine schon vorhandene in ihrer Entwicklung zu fördern, wovon wohl der Einfluß der spanischen Juden im Reiche der Omejaden das glänzendste Beispiel liefert. Die numerische Schwäche bringt es aber wieder mit sich, daß diese Einwanderung nickt im Stande ist, den Verfall eines Landes dauernd aufzuhalten, wenn es gemäß dem seltsamen Gesetz, welches den Cultur-Fortichritt und tm Rückschritt auf unserem Erdkörper regelt, das Gfetz, welches heißt »von Ost nach West', wieder der Barbarei rnheimfällt. Diese Einwanderung widersteht zwar der einbrechent en Barbarei länger als das Volk, in dessen Mitte sie lebt, aber mit Erfolg nur in den wenigen Küstenländern, in welchen sie im Stande ist, eine Verbindung mit den heuigen Trägern der Cultur, den Europäern und den Nordamerikanern, zu unterhalten. Beispiele eines solchen Widerstandes, ja noch mehr als eines bloßen Widerstandes, einer förmlichen Neubelebung von der Barbarei zur Civilisation, liefern uns die Juden in Alg'wie». Sinkt ab>w dos Volk, in dessen Mitte eine Judengemeinde lebt, in Barbarei zurück und fehlen dieser Gemeinde Verbindungen mit den neuer,« Trägern der Civilisation, so kann auch sie dem Ge'etz des Beifalls nicht dauernd widerstehen und fällt einem Zustand anhedu, der zwar noch immer höher ist, al» d-r de» sie umgebenden Volkes, aber doch tief unter demjenigen steht, der einst der ihre war, einem so tiefen Zustand, wie die Judenheit für sich seines Gleichen vielleicht nur in den Urzeiten ihres VolkS-! stammes findet. Ein Beispiel eines solchen Verfalls liefert unS auch Süd- Arabien, aber zugleich auch ein Beispiel der beginnenden Neubelebung und jener Elasticität, mit welcher dieses durch seltene Begabung bevorzugte Volk sich mit sonst fast beispielloser Spannkraft wieder emporzuheben vermag. Daß im größten Theile Süd-Arabiens auch nach jenem oarbarischen Ausspruch, den man zuweilen dem Propheten zuschreibt, Arabien müffe »rein von Ungläubigen' sein, Juden zu allen Zeiten geduldet wurden, ist eine unzweifelhafte Thatsache. i Vor Mohamed war sogar hier das Judenthum eine Zeit lang I zur staatlichen Herrschaft gelangt und ganze Araberstämme waren! zu ihm übergetreten. Mit der Einführung deS Islam traten j diese Stämme, deren Mosaismus wohl immer nur ein oberflächlicher gewesen sein mag, wieder zurück. Denn eS scheint unzweifelhaft, daß die heutigen Juden AemcnS, wenn sie auch vielleicht einen schwachen Bruchtheil arabischer Stämme, der sich im Alterthum ihnen einverleibt, beibehallen haben, doch größtentheil» rein iSraelittfchen Ursprung» sind. Ihre Physiognomie, ihre Hautfarbe, selbst ihr Gliederbau > sind so grundverschieden von dem der Süd-Araber, daß an eine innigere Blutsvermischung nicht zu denken ist. Ich habe Jude» auS allen Gegenden Süd-Arabien» gesehen und fand bei sämmt» lichen einen und denselben Typu» vertreten. Die Süd-Araber i

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