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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-08 · 45 (8.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
45 (8.11.1871)
Date
1871-11-08
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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SSO. nicht nur einen beispiellosen Erfolg erzielt, sondern noch eine» sehr heilsamen, fittigeaden Einfluß auf die Massen geübt, Millaud'S Wihlthätigkett war großartig und dabei still, besonne», verschwieg,-»; sein Lebenswandel entsprach de« Geboten jüdischer Frömmigkeit, in seinem Haufe war allenicht nur dem Ritual angemessen, sondern dabei glänzend; .der Verstorbene setzte einen gewissen Stolz in diese» höchst eleganten, ja kostbaren frommen Luxu»'. Eine» Sonnabendsah er auf der Straße einen 3-rae» Uten, welcher allerlei Kurzwaaren feilbot. »Wie viel verdient Ihr täglich, lieber Mann?' fragte ihn Millaud. — »Etwa fünf oder sechs Francs.-' — »So holt Euch jede Woche bei mir zehn Franc-; aber handelt nicht mehr am Sabbath.' — Bei feiner Beerdigung weinten viele Arme und riefen: voilü notte pnio qni s’en va! (Unser Brod wird da begraben!) Am Eingänge de« Kriedhafsprach Alb. Cohn im Namen de- Wohlthätigkeit-- Berein», dann Radb. Kahn »mit jener Salbung, welche die katholischen Zuhörer au de« tiefbeklagten Erzbischof Darboy erinnerte', «ie ei« Journal bemerkt; daun, wie schon erwähnt, Crömieux md schließlich ein Schriftsteller im Namen der Socittd des gen* de lettre*. Millaud ruht neben Halövy und dem «ährend der Belagerung gefallenen Commandanten Franchetti. — Der Red. de- »Univ. J»r.' sagt von Millaud: Er war rnrrna 0’.2n jys (ein gerechter und vollkommener Mann unter seinen Zeitgenossen.)" Wir sagen im Hinblick auf seine jüdische Frömmigkeit uud im Vergleich mit MiröS und manchem Andern! — 'an pS p no un, beachtet den Unterschied —! Vermischte und neueste Nachrichtm. Berlia, S. Oktober. Vorgestern Abend starb hier eine der geachtetsten Persönlichkeiten Berlin-, der Geh. Commerzien» Rath Alexander Mendelssohn, im 74. Jahre seinethätigen Leben-. Sein wohlwollender Sinn, seine humane Freigebigkeit bewährte sich in reicher Weise nach allen Seiten, und ebenso fanden Kunst und Wissenschaft an dem fein und vielseitig gebildeten Manne jederzeit warme Theilnahme und lebendige Förderung. Berlin. Joseph Zebner ist den 10. Oktober seinen langen Leiten erlegen. Er wurde 1804 in Groß.Glogau geboren. Mehrere Jahre wtrfte er al- Lehrer in Strelitz, hielt sich dann einige Zeit in Berlin auf und folgte im Jahre 1845 auf Empfehlung de- Buchhändler- Ascher in Berlin einem Rufe al» Bibliothekar de- Lritisd diusenm — er nahm diese Stelle s Z. nur unter der Bedingung an, daß er an Sabbath und Feiertagen dienstfrei bleibe — dadurch feine Bemühungen nächst Oxford die größte hebräische Bibliothek besitzt. Der von ihm verfaßte „Catalog" ist ein Meisterwerk seiner Art und ebenbürtig dem Catalvs der Bodlciana, der Steinschneider zum Verfasser hat. Auch ,-rschien von ihm eine „Auswahl historischer Stücke auhebräischen Schriftstellern vom 2. Jahrhundert biauf die Gegenwart" und mehrere Artikel in Steinschneider- „Hama-kir". Zedner war in den letzten Jahren meistenkränklich, und auf Anrathen seineihn in London behandelnden Arzte-, Hrn. vr. Weil, hat er seiner Aufenthalt in Berlin genommen. (I. Pr.) Halberstadt, 23. Oktober. Mit allgemeiner Trauer vernimmt unsene Stadt da- Hioscheidm de- Commerzien» Rath- Joseph Hirsch. Wie allgemein bekannt, war er ein Vater der Armen uud Hülf-bedürftigen, ohne Unterschied der Religion. In seinem Lebe» hat er so manch« Thräue der Rothleidenden getrocknet, maich' Herzeleid gemildert, manch« Rahrung-sorge gehoben, so da; diejenigen, welche den Tod diesewahr«, Menschenfreundes den,einen werden, gewiß nach Tausenden zählen. Bor allem war e: e-, der während der jetzt überstaudene» Kriege die Familie» der gegen den Feind gezogenen Krieger reichlich unterstützte und da« Herz manche« Tapferen, de« für da« Wohl seiner Theuern in der Heiwath bangte, erleichtert«. Darum, sagt »user »Intelligenz-Blatt', ist (S nufere Pflicht, Atu Pflicht aller, der J»raeliten wie der Ehriste«, de« Mm Dahtngeschtedenen im innigsten Dankgefühle ein hochehrend«« Andenken zu bewahren, wie e« wohl fetten jemand beanspruchen kann. Lange noch wird der Tobte durch seine Thatea tu unserer Mitte fortleben! Friede seiner Asche! Aka-de». Zt^) Arankfurt a. M., 26. Oktober. Heute ist ei» Refcrtpt der königl. Regierung in Eaffel tu Bettest de« Verhältnisse« der i-raelttischen Realschule z« den sie besuchende» christlichen Schüler« eingetrostea. Bekanntlich sollte« »ach eiuer Verfügung de« Herr» von Mühler die christlichen Zöglinge der i-raelttischen Realschule, auch wenn sie dieselbe absolvirten, nicht da» Stecht zum einjährigen Freiwilligendteust haben. Der Reichstag« »Abgeordnett Sonnemann hatte in der vorigen Session diese faktische Ungleichheit vor dem Gesetze zum Gegenstände einer Interpellation gemacht und Herr o. Delbrück Abhülfe zugesagt. Dieselbe ist insofern erfolgt, alnun daseitherige Hinderniß beseitigt und die christliche« Schäler der i-raelttischen Realschule wie ihre jüdische» Kameraden die Berechtigung-scheiue zum einjährigen Freiwilligen» dienst erhalten. Mnucheu. AuS der in Beantwortung der Herz'schea Interpellation gehaltene« großen Rede de» Ministerv. Lutz dürste folgender gleich im Eingänge all-gesprochene Satz hier Abdruck verdienen: »Man erdreistet sich zu sage», die Katholiken dürste« und würden enicht leiden, daß man sie zur Stellung der Paria'» herabdrücke, obgleich ihre Söhne, «ie die Söhne der Protestanten und Juden, im Kampfe für Deutschland« Ehre und Größe geblutet, und obschou die Katholik« aldie groß« Mehrzahl der Bevölkerung auch die weitaus größten Laste» zu tragen hätten. Ein für allemal fei hier, wo wtt zu de« Verttetern de» bayerischen Volke-, also auch de» katholsscheu bayerische» Volke« spreche», erklärt, daß dergleichen Au-laflunge» nicht« find, al« eine Entstellung der Wahrheit, nichtfind, al« Agttation-mittel für die Zwecke Derer, die ungehalten find, wenn e« ihnen nicht ohne Widerstand gelingt, die Religion zu ihre» Absichten zu benützen.' Elsaß. Au« einem längeren Schreiben eine« Hrn. Fleur, Lehrer» in Pari-, welcher eine Reise in seine Heiwath, da» Elsaß, gemacht hat und die dorttge» Zustände «nd Stimmungen nach seiner Auffassung schildert, thellen wir folgende, jüdssche Angelegenheiten betteffenden Sätze mtt, de« Leser die Beurtheilung «nd Schlußfolgerungen überlassend: »Ich besucht« Eolmar »nd Sttaßburg, zwei Städte, die in gleicher Weise an Bedeutung verlieren. Diejenigen unserer Glaubensgenossen, die nicht Grundbesitz im Lande haben, fiedeln «ach dem Innern von Frankreich über. Colmar hat auf diese Weise berett» zwanzig, Sttaßburg ungefähr fünfzig jüdisch« Famllie» verloren. In der Hauptstadt de- Elsaß habe» sich zwar fett Kurzem eine größere Snzahl deutscher Juden niedergelassen, allein dies« bllden eine Separat- Gemeinde, besitzen eine besondere Synagoge und wenig Sympathie bei de» Sttaßburger Juden... Bi» jetzt beziehen di« CultuSbeamten und Lehrer ihre Gehälter in derselben Wesse, wie e» unter französischer Herrschaft erfolgtt; die Lehrer haben sogar eine kleine Aufbesserung erhalten. Der Gouverneur von Elsaß- Lothringen scheint den israelitische« CultuSbeamttn, welche er der annectirteu Provinz mtt allen Kräften zu erhalte» bestrebt ist, ziemlich gewogen zu fein. Aber die Lage der Lehrer gestattet sich in Folge der Einführung deneue« Programm» zu einer sehr schwierigen. Die deutsche Sprache ist für alle Unterrichts- Gegenstände obligatorisch; mau rechnet, mau lernt Religion, biblische Geschichte, Geographie in deutscher Sprach«; dem Französischen sollen nur vier Stunde« wöchentlich gewidmet werde», uud «» soll van uuu a» al» fremd« Sprache gelten. In de»

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