Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 45 (8.11.1871)
- Date
- 1871-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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361 Kinderbewahranstaltm soll überhaupt nicht ftauzöfisch unterrichtet »erde», rmd auch iu deu Elementarschule« solle« Ktudei: uoter acht Jahr« um tu deutscher Sprache Luterricht erhalt«. Der größte Theil der südischeu Lehrer de! Elsaß hat wenig oder gar uicht Deutsch gelernt. Anderersettö wolle« sich die Kindiv diese radikale Reform ihrer Sprach« dmchau« uicht gefallen lassen. Wenn auch auf de« Straß« Deutsch gefprochm wird, so ist doch in der Klaffe schon seit Jahren allein da« Französische in Anwendung. Fast der dritte Theil der jüdisch« Lehrer de» Elsaß, «ud besonder» di« juug« Leute, Hab« bereit» ihre Entlaffung etngereicht und such« llnterkommm tu Handlung-Häusern oder in andern industriell« Fächern. Der deutschen Regierung mißfall« diese zahlreich« Dacanzm ungemein. Erst neulich ließ der Direktor de» Kreise» Mühlhaufm ein« jung« Lehr-rr au» einer bed«tmdm Gemeinde de» Kreise», der seine Demission etngereicht hatte, privattm zu sich komm« und bat ihn inständig, auf seinem Post« zu bleib«, indem er ihn de» Wohlwollen» der d«tschm Behörden versicherte. Auf die Bemerkung de» Her« R. .., daß er uicht gmügmde Kenntniß de» Deutsch« besitze, um dm Anforderungen de» n«m Reglemmt» entsprechen zu könn«, antwortete der KretS-Director: »Sie köawm alle Tage gmug Deutsch, um un» zu befriedig«, wir sind nicht so anspruchsvoll.' Herr N. bestand ttotzdem auf seinem Entschluß »ad hat nun eine andere Carriöre eingeschlagm.' * Algier. Nach dem 1. Artikel de» Dekret», betreffend den RegierungSrath in Algier, »soll der Erzbischof von Algier Mitglied de» Rath«» sein und zur Recht« de» Präsidenten seinen Sitz Hab«'. »Rev. J»r.' bemerkt dazu: »Warum diese» Privilegium, und warum gmießt der ehrwürdige Rabbiner von Algier uicht daffelb« Borrechts' In Dmtschland würde e» auch nicht ander» sein. Wer aber würde dagegm auch nur remonstrirms Aus WsrfchaU wird der H. Ztg." soebm von kürzlich daselbst durch Katholik« verübt« Gewaltthatm gegm die friedliche jüdisch« Bürgerschaft Mittheilung gemacht, welche bisher noch uicht in die Oeffentlichkett gedrungm und der« eventuelle Sttaflofigkeit ähnliche Krawalle in Pol« wie die zu Odeffa und Bukarest erzeug« würde. Die Thatfachm find folgmde: Am Abend« de» Laubhüttmfeste» saß« jüdische Familien ruhig und vergnügt in ihr« festlich geschmückt« Lauben zu Tische, al» plötzlich eine roh« Horde von etwa fünfzig Christ« über sie herfiel, Männer, Frau« und Kinder unbarmherzig schlug, verwundete, mit Füßm ttat und dann eiligst davon lief. Uni» was that der Polizeikommiffär de» bettrffmdm (neuntm) Zirkel», al» ihm die Sache gemeldet wmdes Er wie» die Kläger mit der «aiv« Bemerkung jähzornig ab, e» sei ja noch Niemand von ihn« getödtet worden, sie möchtm ihn mit derartig« Bagatellen künftig verschonen. An den Polizeiminister aber berichtete derselbe Beamte da» unwahre Faktum, e» wäre eine einfache Schlägerei gewesm, an der Judm und Katholik« gleiche Schuld hätten. Diese» von ob« wie von untm gegebme schlechte Beispiel — sagt unser Gewährsmann — fand alsbald Nachahmung, dmn Böse» muß Böse» wieder erzeugen. Dm Tag darauf, bei Gelegmheit eine» jüdisch« Begräbnisse» in Warschau, ü beisielen abermals rohe christliche Gesell« ihre leidttagmden Mitbürger und richtet« wiederum ein kleine» Blutbad an — nur daß diesmal einige Rädel»führer zur Wache abgeführt wurd«, um vielleicht bald wieder ungestraft mttaff« zu werd«. Bei dieser ungerechten Wtrthschast der Uuterbeamtm kann jedoch der Staat -*** besteh«, und e» ist daher Pflicht der Presse, solche Ber- ,« an'» Licht zu zieh«, um sie dadurch zur Kmntnißrahm« oer ober« russisch« Behörden zu bring«. Der Corres pond«t sagt selbst am Schluffe seine» Briefe», daß der Warschauer Ober- Polizeimeister ein strmg gerechter und wahrheitsliebender Mann sei, der ohne Zweifel bet gmauer Information in der Anzelegmhett die verdiente Sühne der beregtm Schaodthat« beim Statthalter, Fürst« ». Lory, zu« abschreckend« Exempel für die Folgezeit «ergisch beantrag« uud sofort au»wtrkm werde. Möge ihn da» feste Berttau« zur Gerechtigkeittlieb« seiner Staat». Regierung nicht täusch«. Karlsstadt. Wir Hab« immer mit Fr«d« berichtet, daß in Ortschaft« und Lände«, in dm« sich früher kaum ein Jude blick« lass« durste, jetzt sich unsere jüdisch« Mitbrüder ansässig gemacht und sogar ansehnliche Gemeinden gebildet Hab«. (So durste auch in der kroatisch« Militärgr«ze, namentlich in Karl»- stadt, noch vor w«ig« Jahr« kein Jude wohn«, und jetzt ist in KarlSstadt eine prachtvolle jüdische Synagoge aufzebaut und vor einig« Tag« eingeweiht Word«. An diesem Einweihun,;»- feste Hab« sogar die Christ« Theil gmommm. Der dortige Gmeral de» Grmzregiment» ließ die Militärmusik vor dem Zuge Vorspiel«; alle dortig« militärischen Persönltchkeit«, wie auch der Bürgermeister und sämmtliche Professor« schloff« sich dem Zuge an. In dm Straßen, durch welche der Zug passirte, warm sogar die christlichen Gewölbe, zur Ehre der vorbeigetragenen Thorarollm, gesperrt. Zu bemerken ist, daß auch hier unser König zum Bau der Synagoge eine ansehnliche Summe beigetragm. jab. Ztg.) Venedig. Ritter Sigi»mund v. Blummthal vermachte die Summe von'10,000 Lire zu wohlthätigen Zweck«, ev sein« Brüder« überlaffmd, die Berwmdung desselben zu bestimmen. Diese haben nun unter Ander« auch der jüd. Gemeinde 1800 Fro». zugewmdet. Ehieago. Bei dem Brande find vier Synagogen -in Raub der Flamm« geword«, nur eine kleinere ist noch Vorhand«. Literaturbericht* Iuzetge »euer Aücher. Sattst »tiefer (hebr.) oon dem Robb, in Hala«. (Thematisch geordntt« Zusammenstellung van Midraschstellen, mit Erläuterungen.) Bd. III. Pre»bürg 1871. (vd. L erschien 1864, U. 1866.) stilenyi» Dr. M., lUngar.-deutsche gotteldienstl. Vorträge, besonder» »,» Schulgebrauch. Basa 1871. Freund n. Marx' Prlparatioueu zum A.T. Abth. II. Präparationen zn Psalmen. 3 Heft«. Leipzig Biolet. «roner, Entstellte«, Unwahre» und Erfundene« in dem „Talmndjude," Pros. Dr August Rohling'». Theil U. Münster. E. Obertstschen. 1871. weiß, I. H. (Lector am v. H. in Mm) rwini 171171 (hebr.) Zir Geschichte der jüd. Tradition. I. Theil. Wien, 1871. Hordwann, L., Texten cU*»iqne* de la litentnre rlligiento de* I*ra4- Ute*. Pari*, Franck. 1870. Schriften vom Institut znrFSrdernng derjüdtschen Literatur. 1870—1871. 1) Schluß de« Herzseld'schen Geschicht«werte». 2) Löw, Beiträge sc. 2. Lief, de« 1. Bande«. 3) Munk, Palästina, bearbeitet von Prof. Levy. Bd. 1. 4) Juda Touro, biographischer Roman vcn Wassermann. Schriften de« verein» Mekize Nirtamim. 1) n. 2) Pachad Jizchak. Forts, d. Buftaben » n. g. 3) Biographie I«. Lampronti'». 4> Forts, de« Genestt-Eommentar» von Wessely. 5) *00.1 KQ bt* Jbn Ephraim an« Modena. 6) ."taron 'x rren von D. Juda Abarbanel. Eine »ene Monat«schrist» hebe., erscheint unter de« Titel «771.110 in Lemberg. (Goldberger, der Heronägeber ders., wohnt in Taruopol.) Da» im vorig« Blatte besprochme Schristchm von vr. Berliner ist bei Benzian in Berlin erschimm. Berichtigung. I« Rr. 44, S. 349b, in der »umerlung, lie» „reine Geist" stan neue Geist der Religion. Briefkasten der Med«««»». vr.«. Der »ragt, «nssatz steht im Lit.-«!. de» Orimt I. 181S.