Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 45 (8.11.1871)
- Date
- 1871-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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358 in den kleinen Städte« dreht sich um den Wochenmarkt, und da ist ekaam eia Wunder, wenn sich der Eine oder der Andere Hinreißen läßt; Anfang« mit schwerem Herzen, dann aber heißt e«: »wenn Jemand eine Sunde wiederholt begangen hat, dünkt fie ihm erlaubt zu fein.' Schon in den Jahren 1854 oder 55 petttionirte die hiesig« Gemeinde auf meine Veranlassung an di« känigl. dänische Regierung um Abstellung de- Markte« vom Sabbath auf eine« Wochentag, erhielt aber von derselben einm mit Bedauern ausgesprochenen abschlägigen Bescheid, da der Magistrat der Stadt Rendsburg fich dagegen erklärte. Der Zeitpunkt zur Wiederaufnahme dieser Angelegenheit war bi« jetzt noch nicht gelegen, die Kriege in den kommenden Jahren hielten auch diese Sache zurück und das Interesse schwand, ja e« wurde mir, wenn ich in meiner Gemeinde über diesen Gegenstand sprach, geantwortet, daß die« doch nicht zu erreich« fei, und so Iieruhte die Sache auf fich, obgleich e« immer fühlbarer wurde, wie sehr die Enthaltung von der Theilnahme an den Markige chästen eine Lähmung in den geschäftlichen Ve-kehr bringe. Bit her hat Gott <T3 denjenigen iu unserer Gemeinde, welche den Saobath streng hielte», noch immer »doppelte« Brod* (iTM erb) gegeben und diejenigen, welche ihre Verkaufsläden öffneten, dieselben ftei- oder unfteiwillig wieder schließen laffen. Ein Zwischenfall ließ mich diese Sache wieder in die Hand nehmen; es kam nämlich hier der unerhörte Fall vor, daß der diesjährige Jahrmarkt auf dm Versöhnungstag fiel, und da ein wiederholtes Gesuch der Gemeindevorsteher um Verlegung deSfelbm b«i der hohm köaigl. Regierung fruchtlos blieb, so schim mir eb« dieser Umstand daS Signal zu sein zur abermaligen Aufnahnie dieser für daS ganze Judmthum so wichttgm Angelegmh«n1; ich fordette dm Gemeindevorstand in unserem »RendSburger Wochenblatts (siehe untenstehende- Eingesandt*) auf, die Sache wieder in die Hand zu nehmm, mußte aber zu meinem Bedauern erfahrm, daß, währmd mein Sttebm bei christlichm Mitbürgern Anklang fand, in der Gemeinde selbst — b'p [W rw p<i Niemand darauf achtete. Um so ftmdiger begrüße ich dm gmanntm Arttkel Ihrer Wochmschrift. Ja, »es ist Zett, etwa« für Gott zu thun,' und dm Mächte« auf Israels Mauem rufe ich zu: Wohl mancher könnte von der Sünde zurückgehaltm werdm, wenn große Männer, die in Israel doch nicht seltm sind, an die Spitze ttetm würdm und bis an die höchste Instanz, ja bi« an dm Thron unsere« erhabmeu Kaisers gingm; wer möchte wohl nicht an dem Berdimst T!)eil nehmm, wovon man mtt Recht fagm könnte: »Viele hat er von Sünde zurückgehaltm.* Auch ich würde e« für die größte Aufgabe meine« Lebm« bettachten, wmn meine geringen Kräfte Theil an diesem edlm Werke nehmm könnten. Der geeignete Zeitpunkt ist da, und das Jntweffe für dm heiligm Sabbath, wer will daS demjmigm absprechm, »der sich dm Namm JSraelit giebt*. Darum Hand in Hand alle Patteim in Israel, dann wttd mer Lager groß uvd heilig sein unip fOTO nvn M. P. Jacob. 1 (Eingesandt.) Da der erste vierjährige Michaeli-markUag mit dem BersöhaungStag der JSraelitea zosammentraf und ein wiederholte- Gesuch de- Vorständeder hiesige» israelitischen Gemeind», mn Verlegung desselben, von der königlichen Regierung iu Schleswig abschlägig beschiedeu wurde, so konnten jüdische Gewerbetreibend« an dem Hanptmarktverkehr keinen Antheil nehmen. In Rend-bnrg ist ein solcher Fall seit vielen Jahren nicht vorcekomnien, und dürste ewohl au der Zeit sein, BrrkehrSbeschränkungru dieser Art nicht mehr stattfindeu zu lasten. LS wäre daher wohl angemessen, wenn di« Vertreter dieser Gemeinde für fich, oder in Verbindung mit den übrigen Vertretern der israelitisch«» Gemeinden, sich bis an die höchsten Behörden wendeten, damit in Schleswig- Holstein sowohl als im ganzen deutschen Reiche ferner Jahr- und Wocheumärkte rur an solchen Tage« abgehalte» werden, an denen die ganze Bevölkerung ohne Verletzung ihrer Religion, gleichmäßigen Amheil nehmen kum. „Gleiche Pflichten bedingen auch gleiche Rechtei" Wolfenbüttel, 25. Oktober. (Orig.-Corresp.) Der gestrige Lag war für die Geschichte der hiefigm »Samsonschule* von großer Bedeutung. An ihm fand die Einführung de« »mm Direktor« Herrn 0r. Rosenstock kn fei»-Ami statt. Die Administration hatte zur Erhößang der Feier die Herren Rabbiner vr. Herzfeld au« Brmmschweig und vr. Rahmer au« Magdeburg, sowie die städtischm Behördm Wolfmbüttel« eingeladm. Um 3 Uhr Nachmittag begann die Feierlichkeit in einem der festlich geschmückt« Räume der Anstalt mit einem von fämmtlichm Zöglingm unter Leitung de« Lehrer« Herm Wimmelbacher gefungmm Liede, dem der Borttag eine« geeignetm EmpfangS-Gedichte« durch etnmMterm Schüler folgte. Hierauf begrüßte der RittergutSbefitzer Herr Hncobson au« Hannover, ein Sohn Israel Jacobson'«, der al» Administrator der Samson- Jacobfon'schm Stiftungm (nebst dem vr. jnr. Magnu« au« Braunschweig) erschimm war, die Versammlung, legte in kmzem Ueberblick die EntwickelungSgeschichte der Anstalt und ihre Zielpunkte dar, und stellte dm nmm Direktor dm Behördm, dem Lehrer-Collegium und dm Schülern vor, herzliche Wotte an die letzter« richtend. Dm Mittelpunkt deS weihevoll« ActeS bildete die nunmehr folgende Antrittsrede de« Herm Direktor«. Er sprach zunächst im Allgemein« über dm Nutz« von Knaben- ErziehuagS-Anstalt«, widerlegte in schlagmder Weise die Vorurtheile, die man vielfach dagegm habe, und wie« die« im Be» sondem an dm Einrichtungm der Samsonschule nach. Er zeigte sodann, wie diese Schule dm Anfordemngm der Zeit stet« gerecht zu werdm bemüht gewefm sei, wie fie auS einem Beth-Hamidrasch seit dem Jahre 1807 zu einer höher« Bürgerschule unter Leitung der beidm Dttectorm Ehrenberg (Vater und Sohn) — »die Ehrenberge haben fich Ehrendenkmäler für ewige Zeit« in dm Annalm der Anstatt gefichett* — fich emporgeschwungen, und wie fie jetzt in die dritte Phase ihrer Entwickelung trete, indem fie fortan unter seiner Leitung darnach ttachtm werde, ihrm Zöglingm die Befähigung zum einjährig« Militärdienst- Examen beizubringm. Die Samsonschule soll nunmehr den Rang einer Realschule zweiter Ordnung erlangm. Doch solle die religiöse Durchbildung der Schüler, die Pflege de« Hebräisch« hierunter nicht leid«. Mtt einer herzinnig« Ansprache an die Zöglinge schloß die in schöner Abmndung abgefaßte — der Vervielfältigung durch dm Dmck würdige — Rede, die durch paffende Anwendung biblischer und talmudischer Sprüche und Bilder gewürzt war. Bei der hieran fich schließendm Bewttthung der Ehrmgäste sprach noch der Herr Rabbiner aus Magdeburg, anknüpfmd an dm VerS au« Hosea: »Ich will sein wie der Thau für Israel, daß eS blühe wie eine Rose,* wie die wahre Pädagogik dem Thau gleich« müsse, die zattm Keime befmchtmd, die Fähigkeitm hervorlockmd, bildmd, anregmd, erfrischmd. Der zwette Theil deS angeführt« Verse« wurde mit Anspielung an dm Ramm deS nmm Dttector» (vr. Rosen stock) gedmtet, dem die herzlichstm Wünsche von allm Anwesenden ausgesprochen wurden. Möge eS demfelbm geling«, der Anstalt dm von ihm tmdtttm Auftchwung zu gebm, damit fie, die einm Jost und Zunz zu ihrm Schülem zählte, die ihr gebührende Anerkmnung und Förderung SeitmS der iSraelittfchen Gemeind« finde. (Außer Freischülern nimmt die Anstalt für einm sehr solidm Preis auch Knabm von über S Jahrm in Pension. Wir lmkm di« Aufmerksamkeit jüdischerFamilim auf diese zu dm besten iSraelüischm Erziehung--Institut« zu zählende Anstalt hin, der« Devise, daS herrliche Wort p» jn Dy NID *nefcn ns’ »Schön ist religiöse Durchbildung im Verein mtt Weltbildung' daselbst in harmonischer Weise zur Verwirklichung gelangt.) Oesterreich. N. G. Aus Ungarn, 24. Oktober. (Ortg^Correfp.) Sie habm schon au« dm TageSblättem erfahrm, wie in vielm Ge-