Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 45 (8.11.1871)
- Date
- 1871-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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357 1 Streben» tmb Gegenstreb««», der hohe» Politik »nd der Völker» kämpfe vermöge fie nicht etnzngretfm. Nur einzelne „Erwählte oder Berufe«^', glaubt «an, vermöge« de« Ideale „nachzu» wandeln" — di« übrig« verzichten darauf und behelfen sich mit der viel leichtere» Anbetung. Israel» Lehre stellt Gott selbst und allein al» da» Urbild de» Gute« hin, ihm sollen wir nach» wandeln. Eben weil der Mensch »tcht Gott werden km», ist dann mit dieser Forderung nicht» Uebermmschliche» hingesteüt; weil kein Mensch über da» Maaß de» Menschlichen hinaulgrhoben ist, kann von jedem da» Gleiche, Sittlichkeit, gesordert werden, nnb weil für alle Gleiche» gilt, kann alle sonstig« 'Größe nicht über die Forderungen »k^Moral Hinaulgehen» unt wir könne» und dürfe» »o» Wen nicht abfehm. E» ist wahrlich Zeit, daß Israel sich wieder erinnere, wer den Namen eine» „Großen" verdient! Berichte und Correspondenzen. Deutfchland. Breslau, 2. November. (Orig.-Corresp.) Nach dem freudig bewegten Leben der letzten Wochen, welche den Herzm aller Theil» »ehmer ewig unvergeßlich bleiben werden, hat die Zeit de» ernsten Studium» am jüdisch-theologischen Seminar seit bereit» viinrzehn Lagen wieder ihre» Anfang genommen. Nachdem am 18. und 19. Oktober die Aufnahmeprüfungen, zu denen sehr zahlreiche Anmeldungen eingelaufea waren, aber nur zum geringeren Theil Berücksichtigung find« konnten, stattgefuoden hatten, begannen am 22. Oktober die Borlesungen. Auch Herr vr. Freudenthal, der seit mehreren Semestern durch Krankheit an der Aullübuag seiner Lehrthätlgkeit gehindert war, fühlt sich, Gott Lob, so weit wieder hergeftellt, daß er seine Borlefunge« über. Religion«- Phllofophie und seinen Unterricht in der Gymnasial »Abtheilunz wieder aufnehm« konnte. — Her: Prof. Graetz, deffm Erklärung zum hohen Rede in den letzten Tag« die Prefle verlaffm hat, la» im vorig« Semester an der Universität vor eine« sehr zahlreich« Auditorium publice über die Geschichte der Jude« bl und nach dem babylonisch« Exil, u.ib tnterpretirte in einer Privat- Vorlesung da» Buch Daniel. Für da» laufmde Wintersemester wird derselbe über die Geschichte der Judm in der Makkabäer- Epoche lesm und die Bücher Esther und Ruth kritisch erklären «nd zugleich eine allgemeine Einleitung in die Hagiographm geb«. — Um 9. Oktober fand die feierlich« Eröffnung de» Leip» ztger'schm Beth»Hamidrasch statt. Die Beth»Hamidrasch »Commission führte die beiden Lehrer, über der« Engagement bereit» früher berichtet wurde, Hm. vr. I. Levy und Hm. P. Dienstfertig, mit einer paffend« Ansprache in ihr Amt ein und übergab hiermit die Anstalt, der« Wirk« hoffentlich ein segensreiche« sein wird, dem öffentlich« Gebrauch. Rendsburg, 29. Oktober. (Orig.-Corresp.) Die »J»r. Wochmschrift" vom 11. Oktober d. I. brachte einen Arttkel, datirt Colberg im Juli 1871, betteffmd die Sabbathfeten: e» war« mir diese Wotte so au» der Seele geredet, daß auch ich Sie, geehtter Herr Redaktmr, ersuche, dies« Zeil« eia Plätzchm in Ihrem Blatte zu gönn«. Seit vielen Jahren beschäftigt mich der Gedanke: wie ist e» möglich, dem Sabbath seine gehörig« Weihe zu geb« und de« mehr und mehr um sich greifmd« IW %n Einhalt zu thun. Immer mehr ist e» mir zur Gewißheit geworden, daß die Wochmmärkte an d« Ort«, wo dteselbm am Sonnabend gehalt« werd«, eine Hauptursach« der Entweihung de» Sabbath geword« sind. Der ganze Verkehr ein tüchttge» F«er im Ofen. Me Männer sind im Ziempel, die Frau« bet« im Hause oder verharr« großmtheil» in dem angmehmm fkr niente, welche» die Glückseligkeit de» Sabbath» einlettet «nd welche» nach der hart« Arbeit de» Freitag» doppelt mundet. Nun ist der Gotte»di«st bemdet, und der Vater kehrl mtt d« Söhn« frmdig heim tu da» bescheidme Gemach, vr> ihn Zufrtedmheit «nd Glück erwarten. Weihalb sollte er auch nicht glücklich sein? Für ihn giebt'» keine Sorg«, keine Mühen bi» zum Sonntag! Ganz giebt er sich der Fr«de de» Familim» leb«» «nd de» Sabbath» hin; und wie süß, wie heüig find fie beide! »Am Freitag Abend,' so lehrt der Talmud, »kehr« mtt dem Menschen die Engel de» Fried«» in seine Wohnung ein, w«u Eintracht dort herrschet und fie verbreit« Gotte» Degm über ihn «nd seine Lieben!' Glaubet nicht, daß die» für dm Vater nur eine Legmde, eine einfache und rührmde Redefigur sei. Nein, dmn im selb« Augenblicke spricht er dm Willkomm» grüß an die göttlich« Lotm, die ihn besuch« und ihm dm Segm bringen. Dazu reetttrt er die herrliche Schilderung, welch« die Sprüche mtworfm von dem wackem Weibel »Glücklich/ heißt «» dort, »der fie gefunden!' Da» ist eine Anerkennung, die er der Mutter feiner Kmder zollt, der Hüterin de» häuslich« Heerde», deffm Mildthätigkett »nd Reinheit zu wahr« ihre religiöse Aufgabe ist. Unterdeß Hab« die Kinder fich um die Elte« versammelt «nd neigm vor ihn« in Achtung ihr junge» Haupt, auf welche« so viele Hoff» «mg« fich gründm; Vater und Mutter leg« ihre Hände darauf »nd sprech« die geheiligte Segensformel: »Gott lasse dich wer» dm wie Ephraim und Manaffe — Gott segne dich, wie er gesegnet Sara, Rebecka, üiahel und Lea.' Und all die jungen »nd frisch« Stimm« autwortm: »Gott gebe euch ein« glücklich« Sabbath!' («chm, Pest. Der auf der sogmaant« Heldi-pustq wohnend« jüdische Gut«befitzer Herr Adolph Steiner fuhr am TS3 or 3"# mit seiner Frau in die Stadt, um in der dortigen Synagoge dm heilig« versöhnung»tag zuzubringm. Seine 22 jährige Tochter blieb auf der Pusta zurück, um mit dm Knecht« und Mägdm die Wlrthschaft zu bewache». Gegm 1 Uhr nach Mitternacht wurde die Zimmerthür diese« Mädchm» von s außen mit einem Nachschlüssel geöffnet, und hinein trat ein junger Mann mit einer Flinte auf der Schulter. Durch da» Geräusch erwachte da» Mädchm, und da da» Zimmer wegen de» heilißen Abend» belmchtet war, erkannte daffelbe in diesem Eindringling zu ihrem größt« Schreck« dm Sohn der bmachbarten Herrschaft, welcher sie schon lange mit sein« Liebe»anttägm belästigte. Der junge Mann eröffnet« nun mit kurzm Wort« de« Mädchen, daß sie fein« Wunsch erfüllm solle, dmn sonst würde fie noch in dieser Stund« zu leb« aufhörm, «nd um diese seine Drohung zu bestätig«, wollte er die Flinte von seiner Schulter herunternehmm, wobei er mtt derselbm an die über ihm hängende und brmnmde Pekroleumlampe angeschlagen hatte, und im Augenblick stand der junge Mann in hell« Flamm«. Nun mtstand ein Geschrei, sowohl von diesem von Liebe und Petroleum brmnenden Manne, al» auch von dem zitterndm Mädchm, worauf die Hausdiener herbeteilte«. Mau konnte nun wohl da» Feuer ersticken, aber für da» ftfot de» jungen Manne» ist keine Hoffnung mehr, da seine vrandwundm äußerst gefährlich find. Zu bemerken ist nur noch, daß die Flinte nicht geladm war, und somit kann man anuehmm, daß der junge Manu mit der Ermordung de» jüdisch« Mädchen» e» nicht ernst gemeint hatte. , lvtt-r m. 8%-) I