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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-08 · 45 (8.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
45 (8.11.1871)
Date
1871-11-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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356 Glutb", bttm e» find j« auch bedeutende Männer, die genannt verden nützten. Wer aber denkt anderSwo daran, dies« Maßstab anj.ulegm? Wer stellt z. B. Newton darum höher all Baco ocn Berulam, weil jener diesen sittlich um BergeShöhe überragte? Wer wagt e«, ohne den Vorwurf der Pedanterie, der Engl-erzigkeit, Philisterei, de» sittlichen Hochmuth» oder Fanatismus ii. f. w. auf sich zu laden, bei der Beuttheilung Göthe'«, ja selbst der Schlegel und ihrer Genossen und Genossinnen, auch nach der Sittlichkeit zu fragen, neben den Werken auch Eharakter und Wandel zu prüfen? Nun wohl, wir Juden thun eS, well wir eS nicht laffen können, und wir haben dabet noch einen andem Matzstab, dm der Idiosynkrasie gegm un», der oft merkwürdig mit jenem zusammmfällt. Nur bei „verkommmm GmieS" pflegt man auch anderSwo anzuerkmnm, daß sie in ihrer Unsittlichkeit und Liederlichkeit zu Gmnde gegangm sind, weil sie keinen Erfolg erlangt haben! Doch sei eS um die Literaturgeschichte und die wiffmschastliche od>-r ästhettsche Kritik! Mag sie von der Sittlichkeit der Meister (und der Werke) absehm; wir könnm ja eine» Geiste»- werke» an» frmm, ohne nach dem Privatleben de» Verfasser» zu fragen. Aber eS handelt sich um unendlich Wichtigere». Man uriheilt nach dem Erfolge, dem wissenschaftlichen, literarischen, künstlerischen, und dann auch auf andern Gebieten nach dem geschästlichm, dem kriegerischm, dem diplomatischm, politischen. Groß heißt, wer Große» zu Stande bringt, große Erfolge erzielt; wa» die Sittlichkeit, die religiöse, die bürgerliche, ja wohl die „spießbürgerliche" Moral zu dm Mitteln und Wegm sagt, durch welche die Erfolge erzielt sind, danach wird nicht gefragt; ja e» gilt für armselig und kleinlich, damach zu fragm, «er so thut, der »steht nicht auf der Höhe der Situation, hat für wahre Größe kein Verständniß'! Und da« ist da» große Weh«; an dem die Mmschhett krankt, da» Unheil, von dem sie erlöst werdm muL Blick« wir daher noch etwa» tiefer in die Sache: »oobmWWWWM^ßeraugensetz« de» sittlich« Werth««? au« dem Heidmthum. De« Griechm WMckWhM' DMä» Wr heilig« Schrift bedeutet „gut" zuglrWMn. Mtt dem «tu» Worte ist viele« gesagt. Die ästhetisch« Würdigung überwog «»Wriechm die sittlich«; ihre Götter schi»lMtr unsittlich, ihre WyH» sinnlich ansprechend, aber unmoWM Dem gewaltthWgqtDlömer gilt »de» Lande» Wohl al» höiMsGrsetz', Gebote herMstltchkett existirm nicht, wo e» die WohlfWWM>WW>M^rung der Republik gilt. Wer am rücksichWD^^^^WWMchkeit au»- zuziehm" versteht, ist der Größeste.^W^WI^Hsptelt da» alle» noch in unsere Zeit hinein und spiegelt in dm Erlebnissen der letzten zwanzig Jahre sich wider? Da» Christmthum aber hat hier, wie auf ander« Gebiet«, so viele» au» dem Heidmthum unvermittelt in sich ausgenommen, und e» ist ihm noch nicht gelungm» sich' auf die Höhe seiner „welterlösmdm" Mission emporzuschwingm. E» hatte ja allerhand welterlösmde Idem von seiner Mutter her mitgebracht. Ehxn die Idee der reinen, über alle» Andere hinauSragmdm Sittlichkeit, welche die Welt erlöfm könnte. E» hat diese Idee verkörpert in dem Jdealbilde der Persönlichkeit seine» Stifter», und diese idealifirte Gestalt eine» Fleckenlosen — der aber nicht mehr Mensch — hat e» hingestellt zur Nachahmung, zur Der» ehmng — aber auch zur Anbetung. Da liegt der Fehlgriff. Mit dem Typu» der Sittlichkeit ist dadurch diese selbst au» dem Gebiete de» Mmschlichm hinau-gerückt; sie soll, »ach der Meinung der großen, übergroß« Mmge, nur in dem Ideal« herrschen, ein edle» Bild fein, in die Wirklichkeit de» praktisch« Schaff«» auf dm Gebiet« der Konst, der Äewerbe, de» social« Feuilleton. Der Zreitag-Abenbei den jüdischen Zamllie» im Elsaß.*) (Au« dem Frauzöfischm von A. L.) Knie der echt jüdischm Gewohnheit« hat sich mit gleicher Zähigkeit und so naturwüchsiger Reinheit in dm klein« Städtm de» Elscß erhalt«, al» die Ab«d-Gesellschaft, gmannt »der Freitag-Abend'. Der Freitag. Abmd ist ein echte» Familimfest, mit seinem anheimelnd« Reize, sein« in'» Endlose sich hinspinnmd« lluter- Haltungen, mit dem unbestimmbar« Liebreize, dm e» selbst dem Unbedmtmdstm verleiht — und da» Alle» noch gehobm durch die relig öse Weihe. Die Strenge, mit welcher der Sabbath in dm elsässischm Familim beobachtet wird, bildet eine vortteffliche Gewähr gegm jede Störung. So giebt sich jede» Gemüth unbesorgt ganz dem voll« G-fühle der Ruh« und Behaglichkeit hin. Mit der Abeaddämmerrng hört jede Arbeit, jede» Gewerbe» jede» Geschäft auf: Familimmitglieder und Dimstbotm, mögm letztere Judm oder Nic-tjudm sein, gebm sich der strmgstm Ruhe hin; selbst die Thiere dürfm nicht arbeiten. Man reist nicht, empfängt also auch nie Gäste au» der Fremde. Selbst die Küchmsorgm find beseitigt» da Speise und Trank am Tage bereitet wordm find. Daher aber auch da» rege Treib«, da« fieberhafte sich Tummeln ») Lbschou da» Nachfolge»»« nicht» Andere» eMhlllt, al» di« Schilderung ei«» echt jüdisch gefeierte» Sabbathausauge» in tleiue» Familieukreis». so liet-n wir sie doch al» einen kleiueu Beitrag zur Würdigung der «lsSssychea jüdische» BevSlkeruug. Dean in de« Zuwachs« eine» so gesunde», jüdisch-frommen Bolklthum« erblükeu wir «in keine»weg» gering «zuschlagende« Motiv zur «rüsriguug de» religiüsen Sinne« «tter de» Jnde» Deutschlauli». (Vw. de» Hebers.) in der jüdischm Haushaltung währmd de« Freitag». Vom früh« Morgm an uehmm die Fraum Besitz vom ganzm Haufe. In der Küche prasselt lustig da« Feuer im Backofm und unter dm Fleischtöpfm. Man bäckt dm Kuchm und die »Barche«'; mau bereitet die Mahlzeit« für dm Abmd und dm nächstm Mittag, für welche stet« die bescheidmm Luxusartikel einer jüdischm Tafel reservirt werden. In dm Wohnztmmem herrscht ein Chao«, da werdm die Möbel gerückt, gewaschen, gereinigt und gescheuert. Die kupfeme achtzinkige Lampe wird blank geputzt, die Festtag«- kleider lieg« auf dm Stühlm auSgebreitet, kurz da« ganze Hau« empfängt ei« blitzende«, fröhliche« Aussehen, um würdig da« Fest zu empfangm, welche» die Synagogm» Liturgie al« eine »Braut' begrüßt. — Mit Roth nur findet in solchem Wirrwar der arme ttadttionellftomme Ehemann ein Winkelchm, in welchem er ungestört »ach dm raöbtnischm Vorschrift« dm Text und die chaldäische Uebersetzung de« Wochmabschnitte« les« kann. Diese» Tohu-wabohu ist unveränderlich mit dem Freitag verbundm» der nicht« ist al» die Vorbereitung für den Sabbath. Sommer oder Winter, an dm längst« oder kürzest« Tagen, erst bei Einbruch der Nacht wird man fertig. »Freitag wird mau nie fettig,' so klag« die jüdischm HauSftaum, »welche trotz der mannigfachm Arbtttm de« Tage« doch noch hie und da et» Augenblickchm Zeit sich abmüßigm, um mit einer Nachbarl» zu plaudern, um ihr« Bratm zu lobm oder dm gut« Einkauf au Fifchm, diesem unentbehrlich« Lestandtheüe der Abendmahlzeit, um sich zu beklagm über die Beschwerden diese« mühevoll« Tage«, über da« Lärmm der Kinder, und um ttuwie allemal zu wiederhol«, daß «» aus der ganzm Welt doch nur ein« Sabbath gebe, an dem man ruhig, glücklich und zufttedm sein kann. Doch kaum kündtt die Dämmerung da« Nahm der Nacht, so ruht auch da« Treib« wie durch ein« Zauberschlag. Alle« athmtt Stille und Ruhe. Die acht Zink« der Lampe verbrttt« im Zimmer ihr Helle« trab trauliche« Licht und im Winter kuistett

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