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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-01 · 44 (1.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
44 (1.11.1871)
Date
1871-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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860 „Nrch nicht hinreichend gewürdigt ist ferner eia« Thatsache — der Ivkannte Erlaß de« Confistonum« der Kurmatt, welcher den Inden vorwirst, daß sie noch heute Haß gegen Chrifttl« nähtten, und die Erklärung de« Ober-Kirchenrath« vom 17. April fn Folge eine« Proteste« der Juden. Der Ober-Ktrchenrath sprach hierin au», daß da» Confistoriuw viel zu weit gegangen sei; übeidie Iudenschast im Ganzen und Sioßen könne in dieser Weise nicht gesprochen werden. Aber in demselben Erlaß nahm der Ober-Kirchenrath da« Eonsistortum zugleich in Schuh und enthob e« damit den allgemeinen menschlichen Pflichten. Die Praxi« her Unfehlbarkeit war hiermit vollzogen." Etetti«, 24. October. Die un« eben zugehend« Rr. 47 der „Rev. 3«r." thrilt nach der „France" den Briefwechsel zwischen den Herren Derenbourg und Geiger mit. Eine Rote der Redaktion läßt erkennen, daß der Brief de« Ersteren durchau« vertraut cher Natur und keineswegs für die Oeffentlichkeit bestimmt gewesen ist. Die« ändert die Sache vollständig. Für seine privaten Ansichten, Seelenstir-mungen und vertraulichen Herzen» -rgießungen einem Jugendsteunde gegenüber ist Herr D. keinem Menschen verantwortlich. Wir nehmen unser Urtheil uiü> noch mehr unsere Meinung «der die Absicht de« Schreiber« vollkommen zurück. Wie aber Herr vr. Geiger fiL erlauben konnte irnen Brief in die Oeffentlichkeit zu bringen oder auch nur kommen zu lasten, erkläre sich wer da mag, oder — wer sich früherer Correspondenzen zwischen ihm und Leop. Stein erinnert! I. Breslau, 20. October. (Ottg.^Lorresp.) ^Nachträge zur Krankelfeier, s Auch die Breslauer Gemeinde hat eine Deputarion» au« Mitgliedern de« Vorstände« und der Repräsentant«,-Versammlung bestehend, zur Beglückwünschung de« Jubilar« cbgesandt. — Die Prager Chebrah-Kadischa hatte die Aufmerksamkeit, an Herr« Dir. Frankel eine in klassischem Hebräisch Sbgefaßte Adresse zu richten, und hat Herrn Rabbiner vr. Jc>Sl mit der Ueberreichung derselben beauftragt. Herr vr. Zoll hielt bei der Uebergabe eine angemessene Ansprache. Me Schüler de« Seminar« ließen außer der bereit« erwähnte», in der Offizin von 8. Müller mtt Emblemen prachtvoll au«gestatteten Adresse, durch Herrn vr. Beck ei» Pracht-Album mit de« Photographien sämmtlicher früheren und jetzigen Hörer de« Seminar« überreichten. — Da« Curatorium der Fränckel'schen Sttftungen übergab einen höchst kunstvollen Pokal mit einer sehr passend'M und sinnreichen Inschrift. — Bon den Frauen der Eeminarlehrer wurde ein höchst geschmackvoll gearbeiteter Teppich überreicht. V. Aus Hiuterpoumer«, im Oktober. (Orig.-Corresp.) Einen kleinen Beitrag zur jüdischen Zeitgeschichte und zur Charakteristik der Zustände, welche sich nach der von orthodoxer Seite heißersehnten Aufhebung de« Gesetze« von 1847 ergeben würden, kann ich Ihnen au« einem Städtchen unserer Provinz liefern. E« wo)nt dort ein Mann, der zu den Notabeln der hinterpommerschen Zudenschast gehört, insofern hier zu Lande die Notabilität durch Geldbefitz und Accreditirung bei der ritterfchastltchen Privat!,ank begründet wird. Da dieser Herr in seiner Gemeinde stark besteuert ist und auf Reklamation nicht herabgemindett wurde, wa« auch nicht zu erwarten stand, da er notorisch der reichste Mann im Orte ist, so erklärte er seinen Austritt au« der Synagogen-Gemeinde, au« dem Judenthum und seinen Beittitt zur »freien Gemeinde' in Stettin. Ob er dadurch von Zahlung der CultuSsteuer befreit sein wird, ist noch unentschieden. Bisher schlugen solche Versuche bekanntlich fehl. — Ist nun der Mann überhaupt religiös indifferent, so daß ihm Judenthum, Christenthum, freie Religion gleichbedeutend? In'« Herz kann man F einem blicken, aber «ach allem, wa« man sieht und hött, lebt derselbe wie ein orthodoxer Jude. Auch hat man ihm nicht etwa durch Reformen da« Zusammensein mtt der Gemeinde verleidet, der Gottesdienst wird dort ganz 1» hergebrachter Weif« gehalten. ES ifP lediglich die Geld-, Steuer- und — Eigensinn«» frage. Die Anwendung macht wohl jeder Lese» selbst. $ä »ratirk. Kopenhagen, 20. October. (Orig.-Corresp.) Entschuldige» Sie, daß ich mir erlaube, eine ob auch an sich unbedeutende Bemerkung zu der Eorrespoudeaz von hier in Nr. 41 der ,J«r Wochenschrift' zu machen. Wer nämlich dieselbe liest, muß ent» weder glauben, daß ich mein fünfzigjährige« AmtSjubtläum gefeiert, oder daß die Gießener philosophisch« Facultät in Anlaß meine« siebzigsten GebuttStage« mir ein Ehrendiplom zugeschtckt, jedenfalls daß ich, wie diese« ein andere« Blatt nicht ohne allen tendeaziösen Grund berichtet hat, mein Doctor-Jubiläum z« gleicher Zett gefeiert. Wie unrichtig aber diese« ist, werden Sie au« nachstehendem Berichte erfahren: Am 7. Mai d. I. feiert« ich oder richtiger meine Gemeinde (denn ich selbst wollte mich in der That dem Ganzen entziehen) meinen 70. Geburtstag, und ganz unerwartet erhielt ich am selben Tag«, al« ich gerade zum Festessen abgrholt wurde, «tu Glückwunschschreiben vom Cultu«minister, womit er mir (obgleich e« Sonntag war) die Ernennung zum Professor vom Könige übersandte, wa« hier, wo ungeachtet der freieste« Verfassung noch eine mlnuttöse Rangverordnung existirt, ein hoher Rang (mehr al« Consistorialrath) ist. Zum Ritter vom Danebrog-Orden bin ich schon vom vorigen Könige im Jahre 1854 ernannt worden. Am 6. August d. I. waren eü 50 Jahre, daß die philosophische Fakultät mich zum vr. pdilo». creitte. Ich befand mich in Kreuznach und dachte nicht im Mindesten daran, diesen Tag irgendwie zu begehen. Die Gießener phllosophische Fakultät aber sandte mir da« Ehrendtplom an diesem Tage hierher, von wo e« mir in genannten Badeort nachgesendet wurde. G« ist die« Alle« sehr unbedeutend, aber ich habe Gründe .... die Berichtigung zu geben.... vr. A. A. Wolfs. KuntSttien. Bukarest, im October. Mit Nachrichten, Notizen und Auszügen ernsten und erheiternden Inhalt« über rumänisch« Agitationen gegen Juden ließe sich der Raum unserer Wochenschrift ziemlich regelmäßig füllen. Einige« muß jedoch von Zeit zu Zeit mitgetheilt werden. Welchen Unsinn rumänische Blätter ihren Lesern, den edlen Colonen Trajan«, bieten könne«, zeigt folgende« Stück au« der »Trompetta': „Wir erwatten vertrauensvoll, daß alle civilisitten Nationen die sich durch Verirrung in metaphysisch« Ideen herbeigelaffen haben, den Juden Rechte zu verleihe«, ihnen dieselben wieder entziehen werden, da die Juden nie und nirgend« bewiesen habe», daß sie irgend welche Recht« verdienen. „Da« großmüthige und chevalereSke Frankreich, welche« in einer großen Zeit so weit ging, einen Juden selbst im Schooße der Regierung zu dulden, Frankreich ist e« heute, welche« den Juden wieder alle Rechte entzieht, mit welchen dieselben Mißbrauch gettieben haben." Einen ebenso komischen Eindruck macht ein Gesetzentwurf de« Senator« DeSliu. Derselbe begimtt mit folgendem „Art. 1. Alle im Lande befindlichen Israeliten werde« sich künftig der im vorliegenden Gesetze bestimmte« civilen Rechte zu erfreuen haben, wenn sie die nachstehenden Bedingungen erfüllen," und nun folgt in circa 40 Paragraphen eine Reihe von Bestimmungen und Clauseln, die den Att. 1 so vollständig aufheben und dabet so dehnbar sind, daß sie jeder Bezeichnung spotte«. Zwei Sätze al» Probe: „Att. 20. Wenn ei« JSraeltt im Besitz der Ctvilrechtr sich Irgend eine» Vergehen« (!) schnldig «acht, so wird der- >

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