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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-11-01 · 44 (1.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
44 (1.11.1871)
Date
1871-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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F LSI selb« nicht nur dafür bestraft, sondern ihm auch da« Recht entzogen, irgend «eiche« Handel z« betreiben." „Art. 26. Keinem Juden wird e« künftighin gestattet sein »ach Rumänien zu kommen, um daselbst irgend Etwa« zu unternehme« (!), wenn derselbe nicht rechtskräftige Zeug» niste über seine Ehrenhaftigkeit audem Lande, in welchem er gewohnt hat, beibring», und wenn er nicht ein Kapital von c ,40,000 FrcS. Nachweisen kann. Erfüllt derselbe diese Bedingungen, und hat er dem Ministerium die Art seiner Beschäftigung nachgewiesen, so ist er außerdem noch oerpflichtet, dem Staate eine Tape von 1600 Frr«. zu bezahlen. Wenn nach Ablauf von zehn Tagen der Jude, welcher in daS Land gekommen, die hier angeführten Bedingungen nicht erfüllt, so wird derselbe als Vagabund betrachtet und mit ihm nach Art. 23 verfahren." (Lebenslängliche Zwang«» arbett!) Wir verkmnen natürlich nicht, daß solche Gesetzprojecte» leider, unsere unglücklichen Brüder in Rumänien immerhin mit Knmmer erfüllen wüsten; wir können aber doch nicht glauben, daß solche TollhäuSlereien irgendwie ernstlich gefahrbringend sein werden. (Schluss folgt.) Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Der bekannte Bibliograph I. Zebner, CustoS an der Bibliothek de« British Mnsenm, ist gestorben. Berlin. Die „GerichtS-Zeitung" und andere hiesige Blätter berichten, daß Ober-Rabbiner Löw in Szegedin als Direktor für die jüdisch-theologische Fakultät (Hochschule) berufen sei. Berlin. Die „VolkS-Zeitung" meldet unter ihren Local- Hachrichtm: r „Gestern früh wurde auf dem Kl. Jüdenhof 2 ein altejüdische« Ehepaar, welche« dort in einem tiefen Kelle,' wohnt, der Mann todt, die Frau noch in den letzten Zügen gefunden. Gleich darauf starb auch diese. Ein herbeigerufener Arzt erklärte den Tob de« Manne« für Hirnschlag, den der Frau für Altersschwäche, doch wird die Obduction da« Weitere ergeben. Die ulten Leute haben dort in dem Keller allein und gewist ermaßen verkästen gelebt, da die Frau, bei der sie wohnten, sich in Untersuchungshaft befindet. Mangel an Pflege scheint die Ursache de« Tode« zu sein.', Aus der Provinz Posen, 17. Oct., enthält di« »Danz. Ztg.* einen Leitartikel »Zur Gleichberechtigung der Eonfessionen*. Derselbe knüpft an die für Elsaß-Lothringen zugesagte und zum Theii bereits verwirklichte Aufrechterhaltung der Gleichberechtigung der dortigen Juden mit ihren christlichen Mitbürgern an und hebt hervor, wie namentlich dem jüdischen Religionsunterricht an den dortigen Schulen dieselbe Stelle eingeräumt sei, wie dem katholischen und evangelischen. Wann werbe nun endlich auch in den östlichen Provinzen der Gerechtigkeit, der Verfastung und dem Gesetz« von 1869 entsprochen werden? Der Artikel bespricht dann die in diesen Blättern schon oft erwähnten Verhältnisse der Gymnasien in Gnesen, Schneidemühl und Jnowracla«. »Die Regierung hat in den Etat« der von diesen Städten auf ihre eigenen Koste« errichteten, später dem Staate übergebenen, aber noch heute zum großen und sogar, wenigstens in Echneidemühl, zum größten Theil auf städtische Kosten erhaltenen Gymnasien die Kosten für den jüdischen Religionsunterricht gestrichen und denselben für eine reine Privatsache der jüdischen Gemeiadm erklärt. Für Sache de« Staatewurde nur und wird auch heute noch der evangelisch« und katholische Religionsunterricht erklärt, obgleich u. a. in Schnetdemühl nur 20 katholische und dagegen 41 jüdische Schüler da« »königlich* gewordene Gymnasium besuchen, und obgleich die städtischen Beiträge zur Erhaltung und Unterhaltung deflelbea mindesten« zn «lnem Viertel von den jüdischen und nur höchsten« zu einem Sechstel von den katholischeu Gemeinde-Mitgliedern aufgebracht find und werden. Alle Beschwerden über ein, gelinde gesagt, der Lerfaffung so wenig entsprechende« und überdies so höchst unbillige« Verfahrm sind biheute vollkommen fruchtlos geblieben.' Die hieran geknüpfte Polemik gegen die Austastung und die Maßregeln der Regierung ist gründlich und treffend. Es ist sehr gut, wenn solche Angelegenheiten immer wieder in der TageSpreste angeregt werden Sehnlichen, aber umfassenderen Inhalts ist ein Artikel Luü Thüringen in dem »Tageblatt und Anzeiger für die Provinz Hessen* vom 7. Ortober. Auch dieser knüpft «> die Verhältnisse in Elsaß-Lothringen an und legt dar, daß die dortigen Israeliten guten Grund zu Befürchtungen haben, oder wenigsten« gehabt haben. Er stellt die Rechtsstellung der Juden in Frankreich der ihrer Genosten in Preußen gegenüber. G« ist bedauerlich, daß der treffliche Aufsatz nicht in einer größeren, viel verbreiteten Zeitung Aufnahme gefunden hat, wir wollen hier wenigstenauf denselben aufmerksam machen. Al« Probe »heilen wir einige Stellen mit: »Wie bekannt, lieferte Elsaß — nach der Bevülkerunglzahl — die meisten und besten Soldaten zur französischen Arm« und namentlich wählte die iSraelittsche Jugend gern den KriegSdisnst. So kommt e«, daß 3*/, mal so viel jüdische Offiziere im französischen Heere und der Marine dienten, als nach der Kopfzahl vorhanden fein sollten. Daß unter diesen der Rang eine« Eolonel nicht« Seltene« ist, ist bekannt. In der preußischen Arm«, bei der allgemeine» Dienstpflicht und bei der relativ große» Zahl der Einjährigen jüdischer Confession, hat e« noch keiner derselben zum Hauptmann, ja nur zum Ober-Lieutenant gebracht. Man sage nicht: »sie wollen nicht,* oder: »sie haben nicht ba» Zeug dazu!' Daß sie im letzten Krieg« sich so gut geschlagen und betragen, wie ihre lutherischen, katholischen rc. Kameraden, wird Niemand ableugnen wollen, und baß von den vielen Einjährigen gar Mancher die Fähigkeit hatte, auch dm Wunsch, auf Avancement zu dienen, läßt sich ebenfalls nicht abläugnen, aber r« ist das sogenannte christlich-germanische Prinzip, eine Erfindung der KreuzzeitungS«Gesellschaft, welchedavon abhält.* »Au« dem Stande der Aerzte, dem sehr viel« JSra.-iitea angehören, mag nur erwähnt werden, daß rc. Traube, Abtheilung«» Vorstand im Berliner UniversttätS-Hospital und Titular-Profestor, alS Jude eS Unterlasten mußte, seinem Freunde und Collegen v. Gräfe die Gedächtnißrede zu halten. Sein Vetter Ronberg war — nachdem er ronverttrt — wirklicher Professor, Geheimer Rath rc. geworden. — In der französischen Armee konnte — zur Zeit de« Krimkriege« — vr. Levy, Professor der Medizin, GmeralstabSarzt fein, ohne erst sich taufen zu lasten.' »Wie für die Protestanten besteht für die Israeliten Frankreich« ein Consistorium zu Paris, Strahburg rc., da» au» der Staatskasse dotirt wird. Ebenso ist'» in Würtemberg, Baden, Belgim u. s. »., im Königreich Preußen noch nicht. Ueberhaupt erfreut sich keine dem jüdischen Cultu« gewidmete Anstalt in Preußen einer staatlichen Unterstützung, während die Missions- Gesellschaft für Judenbekehrung eine Beisteuer erhält.' (Daß die« au« Staatsmitteln geschehe, ist un« nicht bekannt; der Herr Verf. scheint an die Kaffem-Mission zu benten.] Nachdem so verschiedene Verhältnisse, Berufe, Rrffort« besprochen worden, schließt der Artikel mit dm Worten: »Man lasse in Altdeutschland die confessionelle Gleichberech» . tigunz zur volle» Wahrheit werden, und da« gerügte Mißtrauen in Neudeutschland wird schnell verschwinden!' Erlange». Ueber die bereit« in der vorigm Nummer gemeldete Bestattung de« Prof. 0r. Jacob Her, geben wir nach

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