Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 44 (1.11.1871)
- Date
- 1871-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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848 ^eschen wird. Und die Kost« der jüdisch« Srmm-Berwaltung betrag« nur 24 pCt. geg« 40 bet der unser«.' »Da« find d«n doch, wie unsere Leser gesteh« «erd«, bedeutsame Vorzüge, und wir Christ« werd« wohl thun, dieselb« gmau zu erwäg«, b«or wir über da» jüdische Volk und jüdische Lerhältntffe, alS tief unter dm unfem stehend, absprechen. Ich gestehe allerding«, daß ihre Au»nahm«stellung und ihre ge» ringe Zahl groß« Bottheile find in der Bewältigung dieser Aus» gab«. Auf der andern Seite aber ist r« nur Pflicht anzuer*mnea, daß bei jedem andern Volke, welche« weniger treu da« Gesetz befolgt hätte, auf dem sein gesell» schaftliche« und nationale« Lebe« beruht, diese Au«- nahmSverhältnifse zu großen Nachtheilea geführt hätten. Und die Verfolgungen, Bedrückungen und gesellschaftlichen und staatlichen Zurücksetzungen, denen die Juden unterworfen worden und noch sind, hätten eine hinreichende Entschuldigung abgebea können für Ausschweifungen, Trägheit und Der» brecheir.' Mr. Brown sagt nun weiter: »Die Juden leg« durch diese Vorzüge ein stille«, aber ständige« Zeugniß ab geg« die an» maßend: Unduldsamkeit de« Christenthum«;' er trösttt sich jedoch, indem n meint, »die Juden leistet« dm Chttst« damit sogar ein« «esrntlichm Dienst, indem fie ihn« zeigt«, daß sie da» durch, :aß die Chttst« da« Evangelium läsen und die Judm zu Gleichem auffordetten. nicht bekehtt werd« würden. B«or daher die geringste Hoffnung vorhandm wäre, da« Bekehrung». w«k tri der ganzen Welt durchzuführm, müßt« die Chttst« zuerst sich selbst bekehren; und gerade die Judm sttea bestimmt, fie aus ihre wichtig« Aufgaben aufmerksam zu mach«, die emstlich anzufaffm fie immer schm zurückgebebt seien: nämlich die Grund» printtpien, auf dm« ihr Ruhm al» christliche«. Volk beruh«, in all« G Patten und Verhältnissen de« physisch«, gesellschaftlich« und polittschm Leben« zu verwirklichen.' Er schließt dann folgendermaßen: »Ich will mich nicht den Bttrachtungm über ein« Gegenstand so speculattver Natur, wie die Zukunft der Juden, überlaste», unr da« behaupte ich al» unbestreitbar, daß st« eine groß« nationale Zukunft vor fich Hab«. Ein« so strenge, hatte Zucht, verhängt über' et« Lolh da« i« Stand« war dieselbe z» ertrag» und zu überdauern» kan» nur die AüSsaat für «knß große E«te sei». Ihr Land watttt auf fie und fie warten^ auf ihr Land. Ein n«e« Reg« und Bewegen mtwickelt fich unter den ottmtalischm völkem. viellttcht find di« Judm bestimmt, eine« Tage« die Fackelträger de« Lichte« de» Svangttium« für jene Völker zu werden, die jetzt «ur mit Verachtung auf unsere Civtlisatto« blick« und nur mit Gähnen die Predigt« über unser« Religion anhör«, die fie für dm Abklatsch einer afiattschm halten." Wir überlast« Mr. Brown fein« wohlgemeint« Wünsch« für unsere Zukunft. Während aber so viele Söhne unsere« Volke« die Hoffnung für eine glückliche Zukunft destelbm aufgeben und ihm darum glttchgültig dm Rück« «enden, köanm wir mit ttefer Befttedigung auf diese anerkmnend« Würdigung de« Judenthum« durch ein« christlich« Gttstltchm blicken. Ist diese vorurtheil-fteie Stimme auch jetzt nur noch eine einzelne, so wird doch auch bald da» Wott Jesaia« (52, 14 f.) fich er» füllen: „Wie viele fich über dich entsetzt — so war entstellt vor dm Mmfchm sttn Au«sehen und sttne Gestalt vor dm Mensch«» ktude« — so wird er die Völker in Erstaun« setz«; dmn wa« ihn« nie erzählt worden, sehttr fie, wa« fie nie erkannt, »ehmm fie nun wahr." Zur Urform de« preußischen Hudeugesehe». A Lu« Bayer», 19. Oktober. Da fich nach einem alten Wotte „nicht rühm« darf, «er da» Schwett anlegt gleich dem, der e« löst", dürste Ihn« nicht uuangmrh« sei», zu erfahre«,, «a» sich btt un« praktisch bewährt hat — ich meine Auszüge au»'der Mtnifiettal-Entschließung vom 29. Juni 1803, die Verhältnisse der i«ratt. Eultu«» Gemeinden betreffend, der« Geburtshelfer der fel. Amhttm war und der« Vaterschaft dem Rabbinate Kurth resp. ttnem Gutacht« destelbm zuzuschrttb« ist. ES httßt also da:. Feuilleton. Kleinigkeiten. 1. Curiosum. Ztvtt Tage vor dem Succothfeste begegnet ei» Pester Jude einem polnischen Biedermanne, der ihm unter einem Thorwege ein« »Lulaw' zum Kaufe anbitttt. Der Verkäufer steht, mit sttn« »Peie«' und sttner »Lchubbez' so vertrauenerweckend gerade bezüglich diese« Handels-Artikel« au«, der Lulaw ist so bestechend grün und fttsch, daß unser Mann gerne den gefordert« ziemlich hohen Preis bezahlt und, zu Hause angelangt, dm kost» barm Palmenzwttg, um ihn so schön fttsch zu erhalt«, erst tüchtig mit Master bespritzt, sodana aber in ttn Gefäß mit Wasser stellt. Aber, o Schreck«! Da« Master färbt fich davon prächtig grün und der Palmenzwttg wird gelb und fahl — er war gefärbt. Wuthmtbrannt rennt der Betrogme nach dem Thorweg, wo er den Kauf gemacht, und findet ttchtig sein« Mann, den er, ohne auf best« Bitten und Gegmredm zu hör«, zur Stadthauptmannschaft schleppt. Auf die übliche Frage de« Richter) nach Stand und Beschäftigung behaupttt der Delinquent mtt aller Entschiedmheit, daß er gar kein Geschäft habe, und stellt ät voll Entrüstung in Abrede, daß er überhaupt mtt Etwa», geschweige dmn mtt »Lulaw'«' handle, da er seinem Staad« und sttner Beschäftigung nach ein — Schnorrer sei. Der Betrogme erkennt zu seinem nicht gering« Schreck«, daß er fich von dm »Ptte«' und der »Schubbez' habe täusch« lasten, daß er wohl einen Pole», aber nicht feinen Polen vor fich Hab«. Der unschuldig vor'« Gericht Geschleppte wird nun sttnersett« unangmehm, fordett Geuugthuuag und Schadmersatz für.di« für'« »Schnorr«' verlor«« Zeit und unser Mann muß froh sttn, dm AuSglttch zu acceptttm, den der Pole ihm anbitttt; er verpflichttt fich nämlich, dem Pol« über da« Guccothfest Freitische zu geben. Der Arme hat demnach kttu« grün« Lulaw, dafür aber ein« polnischen Schnorrer; da« httßt wahtttch »faule Fische und Schläge dazu'. <u. j. «.) 2. Da« Schreibverbot. In ttnem großen GeschäftShause war der Buchhalterpostm vacant. Die Stelle stand in d« Zettungen auSgeschtteb« und e« bewarb« fich mehrere junge Leute um dm ttnträglichm Posten. Der Eine gefitt dem Prinzipal ganz besonder», man wurde rasch über die Bedingung« einig, und der jung« Mau» war schon so gut wie eugagitt. Da fällt e« dem Chef »och ein, so en passant nach dem religiösen Bekenntniß seine« künftig« Buchhalter» zu ftagm. »Wie? Sie find J«raeltt? Dan» muß, ich sehr bedauern, dann kann ich Sie nicht gebrauch«.. Ich habe erst jüngst in Gustav Krettag'« Roman »Soll und Hab«' gelesen, zu welch« vnzuträglichktttm e« fühtt, wen» man ed»m JSrattttm in seine« Geschäfte hat, dem am Sonnabend ja schreib« verbot« ist.' — ,O,' erwiderte der jung« Mau», der - /