Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 43 (25.10.1871)
- Date
- 1871-10-25
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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344 vmützimg der Synagoge, die auch ei» gemeinschaftliche« Gut ist, ihr rbnfoflf mit Gleichberechttguug zusteht; demzufolge ihr auch « den gewöhnliche« Sabbathm separate Gebetsstunde» »ach der getrcffrn« Anordnung etngeräumt worden: hat sich der Herr Vicegespan veranlaßt gefunden, für jene größeren Feiertage, in denen t er GotteSdimst de» ganzen und theilweise den halben Lag in Anspruch nimmt, damit keine Gemeinde gegen die andere in ihrem Rechte verkürzt werde, folgende Anordnungen zu treffen: ,8im Vorabende de» ersten Neujahrstage» und am folgenden Lage ind die fvnagogalen Functionen ausschließlich von einer Gemeinde, am Vorabende de« zwesten Neujahrstage» und am zwetten NeujahrStage wieder von der andern Gemeinde zu admi» ntstriren. Die Krage, welche von beiden Gemeinden am erst« und welche am zweiten Tage die Administration haben soll, wird durch dr» 8oo» in Gegenwart de» Herrn Stuhlrichter» entschieden. Da» Schofarblasen, welche» in diesem Jahre nur am zwetten Lage stattfindet, kommt derjenigen Gemeinde zu, welcher der zwette -Lag durch da» Loo» zugefallen ist v. s. ».* 3» dieser Weise müssen von einer Staatsbehörde die minutiösesten Vorschriften über die Ordnung unsere» Gottesdienste» an den heiligsten Tagm de» Jahre» getroffen werden; ja, e» geht so gar o wett, daß der Commiffariu», welcher den Erlaß den Gemeinden übermittelte, die Drohung hinzufügen mußte, daß im Weigerungsfälle militärische Maßregeln zur Durchführung der Ordnung ergriffen werden würden. Die Schomre hadath, die Maulwürfe, die dm religiösm Frieden unserer Gemeindm untergraben, nennm solche Wühlereim — ein Wirken l'schem schomajim. Aber der rechte Ramm für diese» Twibm liegt sehr nahe: Es ist der allerschlimmste Ehillul Hasche m. Vermischte und neueste Nachrichten. Frankfurt a. R. Trotz der nmm Militär-Gottesdienst« Ordnung kommt es noch vor, daß jüdische Soldatm, selbst an dm höchsten Feiettagen» Dimst thun mästen. Da» beweist folgende,; .Eingesandt' der .Franks. Ztg.': .Bohrend in dm letztm Jahrm im ganzm Umfange der preußischen Monarchie die Soldatm mosaischm Glaubm» an chrm höher« Feiettagm vom Dimste dtSpmfirt wurdm, hat man kürzlich in Frankfurt bei einem GarnstonStheil ein mtgegmgefetzte» Verfahrm beobachtet, da» ich nachstehmd näher zu charaktenfirm mir erlaube. ES find nämlich von einer Compagnie de» hier mtt zwei Batailloim garnstonirmdm 81. Jnfanterie-RegnumtS drei jüdische einjährige Freiwillige am gestrigm Versöhnungsfeste (dem höchst« jüdisch« Feiertage) zum Dimste commandirt wordm, der darin bestand, bei einem Leichenbegängniste eine» ihrer Cameradm die üblichm Gewehrsalven am Grabe abzufeuern. Die von einem Betheiligtm erhobme Beschwerde bei dem vorgefetztm Feldwebel blieb unberückfichttgt. Die betreffmdm Soldatm mußtm sich dm Anordnungen de» Subaltembeamtm fügen und am gestrigm Tage Dimst thun. Der eine derselbm wurde allerdings nach dem Begräbnisse mttasten, während die Anderm zum Gewehr» putzm n)ch zurückgehalten wurdm. E» ist ferner constattrt worden, daß in einer andem Com» pagnie ein jüdischer Soldat am selbm Tage die Wach« beziehm mußte. Wir ftagm nun: wenn e» unter ungleich schwierigerm Verhältntffen im vorjährig« Feldzuge möglich war, Angeficht» de» Feinde» dm Soldatm, nicht allein dm Dimst am VersöhnungStag« zu «lassen, fondem auch ihnm zu Abhaltung de» Gottesdienste» tthülflich zu fei», wie kommt e», oaß «an in FriedenSzettm so intolerant verfährt?' H«u»b«rs. Die,R. Fr. Pr.' enthält in der Beschreibung ei«» RetseauSflng» .Reifeplaudereim «. f. w.' von 0r. W. Kehlefinger folgend« bemerkenSwetthe Stelle: »Al« folgsame Schüler Bädeker» besucht« wir in Hamburg auch dm neu« jüdstchm Tempel» «ovo« ich ein «ammde» Beispiel erzähl« will. E» war an einem Frettag, und die Sonne neigte bereit» gegm West», als wir dort eiotraten. Rur etwa acht oder neun Person« warm in dem schön« großm Raume, und diese schimm sehn» süchttg »ach andern Kommenden zu harren. Wtt, ich und mein liebwerther Reisegefährte, wurdm überaus zuvorkommmd begrüßt, und nach einigm dtplomattschm Frag« bezüglich unserer Nationalität begann der Vorsänger da» Abendgebet anzustimmm; dmn wir Bride macht« nachgerade die Zahl- Zehn voll, die unumgänglich zum Gottesdienste gebotm. So ü I» fortone du pot zur Sabbathfeier gebetm, warm wtt eine gute halbe Stunde fteiwillige Gefaagme. Aber währmb man im nmm Tempel in Hamburg zum Gottesdienste ordentlich gepreßt wird, war die nebman grmzmde alte Synagoge am selben Freitag Abend von Andächtigen überfüllt. Und e» war ein ttefemster, begeisterter, inbrünstiger Gotte»dimst, dm wir dott anhörtm...." Lyck. Wie .Hamagid' meldet, ist vr. 8. Silbermann, der Sohn de» Redaftmr» de» grnanntm Blatte», zum Preisrichter in Marzrabowa ernannt wordm. (Anm. der Red.: Wir erwähnm die» mtt der Bemerkung, daß vor einiger Zett auch der Astestor Krakauer au» Breslau, der früher commiffarisch am KreiSgericht zu Ostrowo beschäftigt war, in Meseritz al» Kreisrichter angestellt wordm ist. Somit wäre denn mdlich da» schwer erkämpfte Princip zum Durchbruch gekommen.) Aus Würtemberg, 6. Oktober. Da» bisher für Würtem» berg in Wirksamkeit gestandene KriegSdienstgefetz vom 12. März 1868 bestimmt in Art. 8, .Beftetung von der Dimftpflicht weg« Berufs bett.': .Angehörige de» geifttichm Beruf», welch« die Aufnahm»prüfung in das Prtesterseminar oder die erste evange» lischc Kirchmdimstprüfung erstand« habm, sowie geprüfte und für befähigt erklärte RabbinatS-Candidatm find von der Krieg»» dienstpflicht beftett.' Ein nme» AuSschreibm de» wüttembergischm Ober-RekruttrungSrath» giebt nun hinsichtlich der ReclamationS- Ansprüche auf Zurückstellung von Militärpfiichtigm weg« häuslicher, beruflicher re. Verhältniste ausführliche Belehmng im ,StaatS-Anz.', die insofem gebotm war, al» die Bestimmungm der Milttär» Ersatz-Jnstmctton für da» deutsche Reich bei der hmrigm Aushebung erstmals Anwmdung findm. Hier heißt e» nun (unter Bezugnahme auf dm Anhang zur Militär-Ersatz- Instruction LXXII ff.) snb Z. 12: .Studirmde der evangelischm und katholischm Theologie können um Zurückstellung bi» zum drittm, äußerst« Fall» bi» zum sünftm Concurrenzjahre nachsuchm.' Bern. Der LundeSrath hat dem amerikanstchen Consul in Bukarest, Herrn Peixotto, die schweizettschm Consulargefchäste für Rumänim überttagm. (U. j. o.) Paris. In der Sooiötö dioukuigauts Isruölit« (vermutlich unser« “vmp rrron entsprechend) war der Anttag gestellt, die dmtschm Judm von der Mitgliedschaft auSzuschließe^. Wtt bericht« hierüber nur, daß der Gr.-Rabb. Isidor dies« Anttag heftig bekämpft hat. Wa» schließlich Unsinnige» befchloffm ist, verschweig« wtt. Die Zett wird dm Haß lindem — ihn an unserem Thetle durch Erörterungm zu verschärf«, liegt «n» fern. Parts. Hinsichtlich der Entstehungsgeschichte der du Bouzet» schm antt-jüdisch« Petittoa erfähtt mau jetzt noch folgende piquante Detail»: Die algerisch« Judm warm seit sechs Wochm vollständig Bürger der großm Ratton, al» Crömkeux der Delegation z» Tour» Herm du Bouzet zu dm Funkttonm eine» Geaeral- Gouvemmr« von Algettm vorschlug und ihn al» oberst« Eivil- Connnissär dahin sandte. Wettere sech» Wochm der Herrschast